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Der Pornograf V – 12

Auszug aus Band 5

(Hausfrauen, Nachbarn und andere Amateure)

Vorwort:

Dies wird vorläufig der letzte Auszug aus der Romanreihe &#8218 ;Der Pornograf’ sein. Auf die vielen Anregungen meiner Fans hin, habe ich Band 6 geteilt und einen Band 7 vorgesehen. Die Auszüge daraus werden aber wohl erst im Frühjahr fertig sein.

Die auch als freundliche Geste gegenüber meinen 5 Kritikern gegenüber – sie sollen ihr Ruhe vor mir haben.

Darf ich gegenüber meinen Freunden aber noch erwähnen: ICH habe nie anonym geschrieben, bin immer unter meinen Namen aufgetreten – und mich nicht unter einem &#8218 ;Schreibfehler’ angemeldet.

Ende Vorwort.

***

Fortsetzung:

Wiener Charme im Underground

Die Models rückten an. Im eigenen Wagen, mit dem Flugzeug und mit der Bahn. Luigi hatte Hochbetrieb, seine zwei Freunde, ebenfalls Taxifahrer, halfen auch tagsüber aus; wie nachts in der Dekoration.

Lis, die Hotelmanagerin, hatte sich Gina und Anna gekrallt, die beiden hatten zurzeit sowieso nur Notdienst, nun brachten sie das Chaos in geordnete Bahnen. Das war auch nötig.

„Ich wünsche aber ein Einzelzimmer“, kreischte eine.

„Du bistnochkein Star. Backe besser kleine Brötchen!“ Vor allem Gina ist da neuerdings gnadenlos, besonders wenn Lis es womöglich auch noch gut heißt. „Wir bieten aber einen kostenlosen Transfer zum Bahnhof oder Flughafen.

Deine einzige Chance, suche dir selbst eine Zimmergenossin. “

Ginas Deutsch war heute verblüffend gut. Ich fürchte, genau diese Sätze hat sie mit meinen Weibern geübt. Ihr Wunsch kam fehlerfrei rüber. Das Model jedenfalls, es suchte und fand eine Partnerin und verzichtete auf den sofortigen Rückflug.

Bis zum Abend waren alle Zimmer belegt, nur eine Dame erschien nicht. Eine telefonische Entschuldigung lag vor: Erkältet. Das konnte schon sein, Lis gab ihr einen späteren Termin.

Dass Paolo am AbendStudentenfutteram Buffet ausgab? Ich denke, die Damen haben es überhaupt nicht bemerkt. Bei Paolos Küche fällt das allerdings auch schwer. Die Studenten bestätigen das.

Der nächste Morgen war für uns die Hölle. Wecken um Sieben. Frühstück um Acht; auch noch in der Mensa, es regnete leicht. Halbneun: Information, Ausgabe der Laufzettel, der Wäsche. Alle Eulen mussten beruhigen, helfen, erklären, 80 % der Mädchen hatten wie üblich keine Ahnung außer, dass sie alles von sich preisgeben mussten.

Porno war gefragt. Nein, nicht heute. Nein, kein Mann, nur der eigene Körper. Bumsen dürfen nur die Sieger. In den USA. Eine Dame wollte abspringen; sie kam hauptsächlich, um gut durchgevögelt zu werden, wie sie es selbst nannte. Ingo, einer unserer italienischen Hilfsfotografen, bot an, er könne für einen Partner sorgen. Der sei allerdings ein Stier. Genau das suchte die Dame, sie blieb.

Um Zehn ging es los.

Wieder einmal war es Doris, die alles im Griff hatte. Gerlinde und James ordneten sich willig unter; alles klappte fast wie in Wien. Vier der Models waren nicht gut genug. Doris schmiss sie raus, sie sollten ihre letzte Chance, nach dem großen Shooting bekommen. Mit der zweiten Garde der Fotografen. Jetzt würden sie nur den Arbeitstakt stören. Die Dame, die brutal gebumst werden wollte, war nicht darunter.

Wir Profifotografen kamen auf 90 % der Leistung von Wien; Gerlinde, mit einigen Lesbenszenen, war einfach zu langsam und versaute uns den Durchschnitt.

Für Lesben brauche sie halt viel mehr Zeit, die Damenverschmusensich halt manchmal, wurde mir erklärt. Nun, eine Katastrophe sieht anders aus, so ging halt nur ein Wert für die Statistik baden; Mikel dürfte das kaum tangieren.

Unsere Papagalli waren dafür verblüffend gut, ihre Ausbeute lag bei erstaunlichen 55 %. FürTeensist das immergut genug und die Jungs lernen ja noch. Ich fürchte, ich werde darüber nachdenken müssen, den Burschen mehr Gehalt zu geben.

Sie auf Preis-Pro-Film-Basis arbeiten zu lassen, ist nicht so gut, sie würden das auf Kosten der Qualität gehen lassen; hauptsächlich viele Filme.

Nach der ersten Doppelstunde gab es eine Erfrischung, nach der zweiten Doppelstunde ein Mittagessen. Nach der dritten Doppelstunde war Schluss. Die Papagalli und die beiden Studenten, vom letzten Seminar, hielten es nicht mehr durch. TempoundQualität, das bedarf nun einmal der Übung und der Kondition. Gerlinde, James und Jürgen hatten diese inzwischen, antrainiert vor allem im Winter, den anderen Fotografen tat alles weh, was weh tun kann, wenn man vor einem Model rumhüpft, das sich ja bewegt, um ein halbwegs anständiges Bild aufzunehmen.

Zu dieser körperlichen Ertüchtigung, kommt aber noch dazu, dass man auch geistig voll dabei sein muss, da gibt es genug Parameter zu überwachen: Bildausschnitt, Schärfe, Belichtungszeit …

Ich wusste allerdings sehr wohl, was heute anfällt. So hatte ich den Bademeister gebeten, den großen Pool auf 31 &#176 ;C hochzuheizen, den blauen Whirlpool im Garten auf 38 &#176 ;C. Ab Fünf war der Garten der Villa für jeden gesperrt, der nichts mit dem Shooting zu tun hatte, nur der VIP-Pool und das Meer, für die, die im VIP-Bereich nichts zu suchen hatten, stand dem Rest der Bevölkerung des Fotoparks, zur Verfügung.

Einige maulten zwar, heute nutzte das aber nichts; sie sahen bald ein, dass sie halt mal nur ins Meer konnten.

Wir Fotografen aalten uns im Whirlpool, die Models im großen Pool. Nach anfänglichem Zögern, bei den Models, fielen die Bikinis stückweise. Erst BH, dann Höschen. Als die Papagallofotografen dazu kamen, herrschte sofort Hochstimmung. Das Getöse war eher schlimmer als bei den Seminaren mit den Studenten. Kein Wunder allerdings, das war pure Freude nach einer großen Erleichterung.

Das Shooting war überstanden. Im Underground sozusagen.

Zur Cocktailstunde waren wir regeneriert. Im großen Pool herrschte immer noch Stimmung. Alle Bewohner des Fotoparks hatten inzwischen auch wieder Zutritt. Paolos Leute servierte Getränke, in Plastikgläser. Gegen Entgelt natürlich, was sonst. Unsere Papagalli bekommen Rabatt. Sie unterliegen auch nicht den strengen Regeln, alleinenein, zu was auch immer, galt für sie. Das hatte uns Don Rafael abgerungen, es gab nie Probleme. Manche Frauen lieben es einfach, von den Papagalli angemacht zu werden, und unschöne Burschen waren es sicher nicht.

Da achteten schon Lis und Kim darauf.

Mikel kam endlich dazu, ein paar Worte zu meinen Bildern aus Irland zu sagen. Ein paar Worte? „Spitzenklasse!“ Sagte er. „Genau das, was ich erwartet habe“, schob er dann noch nach.

„Heute, das Shooting, das war etwas völlig anderes“, gestand ich ihm zu. „Das war im Studio. Vorbereitet und ausgetüftelt bis zum letzten Klick der Kamera. Irland war – ach, ich will es einfach mal so sagen, Irland war Natur pur.

Nur vergleichbar mit Thailand aufKoh Larn,der Insel. Vielleicht auch ein wenig Bali, vor Jahren.

Die Amateure gaben sich dort vertrauensvoll in meine Hand; da ihnen nichts geschah, selbstverständlich nicht, kuschelten sie sich in dieses Vertrauen und boten sich mir dar. Unsere Kunden wissen es hoffentlich zu schätzen.

Doris zeigte einige von mir ausgesuchte Fotos, aus Irland. Kim und ich erzählten. Sara interessierte sich prompt für das Rezept des Hammels.

Kim hatte es, auf meine Bitte hin, genau aufgeschrieben. Ich fürchtete zu Recht, um Mitglieder unsere kleine Schafherde, die Rasenmäher im Fotopark spielt. Ein Geschenk vom Bürgermeister, aus der Herde des Schwagers. Anders läuft in Italien sowieso nichts.

„Ich habe heute gesehen“, erklärte mir Mikel nach dem Abendessen, „das Team – mein ausdrückliches Lob an alle – hat fantastisch gearbeitet. Das ganze Team, die Eulen voll eingeschlossen, die Herren Papagalli und das Studentenpaar ebenfalls.

Jeder, ich meine wirklich jeder des Teams, bekommt einen Tausender extra. Kim, kannst du …“

„Ich kann. Du bekommst eine Rechnung“, lächelte Kim.

Unsere drei Papagalli, heute auch dabei, und heftig, wenn auch erfolglos, mit den Eulen flirtend, waren besonders begeistert. Für sie war es ein unerwarteter Geldregen. Da würde die Familie einen Monat davon leben können. Mikel war schon immer der Meinung, wer keine Leistung bezahlt, kann auch keine erwarten.

Die Drei sind prima.

Später, oben in unserem Wohnzimmer, sprachen wir weiter über Irland. Mikel gestand, so gut hätte er es nicht erwartet. Die Vorhaltungen von Kim, uns wieder einmal in ein armes Land geschickt zu haben, die Mädchen seien doch nur aus purer Not, gezwungen gewesen sich mir nackt zu präsentieren, machten ihn immerhin nachdenklich. Dann hatte er eine wirklich gute Idee, zumindest in meinen Augen, er bot an, jedem Model, einen zusätzlichen Scheck über 50 Pfund zu schicken, wenn das Honorar abgerechnet wird.

Dafür schlabberte ihn Kim ganz gehörig ab, in dieser Nacht sahen wir sie nicht wieder. Auch nicht am Morgen. Zu allem Überfluss gestand mir Lis, sie suche auch ein Abenteuer. Es stellte sich raus, das Abenteuer war, mit mir mal wieder einen Kurzurlaub zu machen. Auf der Isola Bella. Was sollte ich mich anstellen? Ich hatte es sowieso geahnt und billig kamen wir auch noch weg, na ja, kein Flug.

Das Hotel zur Hauptsaison? Don Rafael half. Ein Krake breitete die Arme aus, ein Krake, der, wiederum unerkannt, reichlich Geld an unserem Fotopark verdiente. Ehrliches Geld. Darauf lege ich dann doch Wert, um hier nicht missverstanden zu werden. Der Krake schaffte Gelegenheit, für seine Leute, Geld zu verdienen. Geld ohne Betrug, ohne … eben ohne alles, was verwerflich ist. Lis, Kim und ich, neuerdings auch Gina, haben oft darüber gesprochen. Es ist nicht so, dass wir kein Unrechtsbewusstsein haben, aber wir alle können nicht bestätigen, dass uns, unseren Mitarbeitern im vollen Ausmaß, jemals Unrecht angetan wurde.

In all den Jahren, wurden vier Leute aus unserer Mitte entfernt, sie versuchten, uns zu betrügen. Wenn auch harmlos; sie landeten, ohne Polizei, in Sizilien.

Der Stress, mit den nächsten Gruppen, verringerte sich. Auch hier, Routine macht einfach alles einfacher. Für die Familie als solche war es fast stressiger als für uns Tätige. An den Wochenenden diese Verkaufsmesse. Zwei Tage danach musste jeder rann, das Messehaus für einen neuen Schub an Damen klar zu machen, dann kam die Hektik des Shootings, das uns, den Machern, natürlich schon in den Kleidern hängen blieb, dann musste die Halle auch schon wieder für das Messewochenende bereit sein.

Ich muss sagen, diese Zwischenzeit, des Aufräumens, des Vorbereitens; da nahm uns Gina den größten Teil davon ab. Sie kommandierte inzwischen ihren Stab von Mitarbeiter, die für die Arbeit zuständig sind, wie ein geübter Feldwebel. Eines Abends, sie war mit im Familienbett, von meinen Frauen geladen, musste sie darüber ein paar Tränen verdrücken. Von wegen, sie, die jahrelang der Fußabstreifer des Dorfes war, sie würde zwar die Arbeit verteilen, so gerecht wie möglich und – alle würden bedingungslos gehorchen.

Sie konnte das einfach nicht fassen.

Meine Frauen trösteten sie nicht nur, sie bedanken sich sogar. Zu allem Überfluss, ging Lis mit Kim auf deren Zimmer. Gina war so geschockt, sie konnte dieses plötzliche Privileg erst nicht einmal so richtig genießen. Im Laufe der Nacht, lief sie dann aber doch zur Hochform auf. Als meine beiden zum Morgengrauen wiederkamen, kuschelte sich Gina an Lis. Es wurde noch eine Runde geschluchzt.

Pippina bekam ihre Tochter, pünktlich Anfang August. Einen süßen schwarzhaarigen Knuddel namens Isabella Maria. Jürgen nahm sich zwei Tage frei. Gina kommandierte für ihn die Papagalli. Auch die gehorchten aufs Wort. Die wichtigsten Aufgaben, für Jürgen vorgesehen, verschob sie oder delegierte sie an Gerlinde oder mich. Sie sah mich mit großen Augen an, als ich ihren Wunsch einfach erfüllte. Es kommt schlussendlich ja uns allen zugute.

Familienbande

Gina.

Ihr Status blieb gewahrt, bis Lis mit den Kindern, Anfang des vierten Seminars, vorzeitig nach Stuttgart fliegen wollte. In der Gegend grassierten Mumps, hatte sie erfahren. Da fand sie es einfach sicherer für die Kinder, abzureisen. Die Kinder natürlich sehr viel weniger. PH und Pele machten ausgesprochen Randale. Selbst Saya war da fast überfordert. Die Kerle kennen den Schmuddelwinter.

Am Vormittag, zwei Tage vor dem geplanten Abflug, traf Rama ein.

Von Lis darum gebeten. Sie kam mit Leila und Peter. Das hätte mich eigentlich stutzig machen müssen. Da muss es um eine Familienangelegenheit gehen, wurde mir bewusst. Wegen den Kindern und der Mumps? So richtig konnte ich mir das nicht vorstellen, Rama hat sich noch nie in unsere Familieninterna eingemischt, zu was auch.

Wir saßen oben im Wohnzimmer. Auch Kim war dabei. Es klopfte, Gina streckte, fast schüchtern, den Kopf durch die Türe.

Sie war herbefohlen. Nun ahnte ich wirklich Fürchterliches. Ging es darum, dass sie mit mir, im Winter in Stuttgart, wieder zu den Nachbarn mitkommen, wenn es passte, dort mit mir womöglich wieder schlafen würde? Es wurde noch viel, viel schlimmer.

„Gina. Bitte setze dich. Zu Paul, wenn du willst“, begann Lis. „Wir haben dich beobachtet. Kim und ich kamen zu der Überzeugung, du bist genau das, was Paul noch braucht.

Jadu, meine Liebe. “

Gina wurde knallrot und sah hilflos zu mir her.

„Paul hat uns nicht nur von Rom erzählt, da gibt es viele andere Dinge, die wir, zu deinen Gunsten, sahen. Gina, es gibt nur noch zwei Möglichkeiten, du verlässt uns oder wirst unsere Dritte im Bunde. Mit allen Pflichten und Privilegien …“

„Ich?“, kreischte Gina. „Ich bin ein Nichts!“

„Gina.

Halte den Mund,ichspreche. “ Meine Lis hat den unbeugsamsten Willen meiner Frauen, da kann auch ich nicht dagegen an. „Kim hat verdammt viel Arbeit mit dem Personal, ich, ich bin die Bienenkönigin, vielmehr ich war es. Jetzt reicht es an Kindern. Als Hotelmanagerin im Sommer ist genug Arbeit für mich da; im Winter in Stuttgart, glaub mir, Kim und ich haben auch dort genug zu tun. Nur du, als dritte Kraft, nur du kannst dich noch persönlich um Pauls eigentliche Arbeit kümmern.

Wir, Kim und ich, sind da völlig ehrlich: Doris wäre uns lieber gewesen. Als Nebenfrau muss sie da natürlich gewisse Eigenschaften haben, die wiederum, hast nur du, Gina. Und daher – Kim und ich sind ruhiger geworden, älter, du liegst im Alter zwischen uns, bist aber, das wissen wir inzwischen, nicht ganz so … Du weißt, was ich meine. Nun, wie gesagt, Gina, Paul kann man mit solchen Entscheidungen nicht konfrontieren. Deine zukünftige Aufgabe soll es daher sein, für Paul, in Zukunft die Managerin des Fotoparks zu sein.

Alle Privilegien eingeschlossen. Du bekommst eine Suite hier im Haus. In Stuttgart, da werden wir uns etwas einfallen lassen.

Sexuell? Paul sagt, ihr könnt es gut miteinander, du selbst hast mal um einen Termin gebeten. Das gehört dazu. Die Regel ist einfach: zuerst ich, die Hauptfrau, dann Kim. Glaub mir, es gibt genug Zeit für dich und Paul. Für alles. Auf Reisen wirst du unsere Vertretung sein. Da gibt es noch ein paar Dinge – wir haben genug Zeit darüber zu reden.

Ab sofort bekommst du die Juniorsuite neben Kim. Wir werden das Bad mit dem von Kim vereinen und vergrößern, falls du Besuch von Paul hast. Er ist ein Bademensch. “

Gina war geschafft. Lautlos rannen die Tränen. Meine Frauen waren meines Erachtens einfach zu brutal damit, sie so völlig unvorbereitet in ihre neuen Aufgaben zu werfen. Gina war zwar schon so weit, psychisch schaffte sie es aber noch nicht. Allerdings war ich selbst, nun doch auch etwas überrascht – mein innerer Schweinehund, konnte sich aber sehr schnell, mit dem Gedanken anfreunden.

Rama, cool wie immer, wenn es sich um Familiendinge handelt, erklärte der geschockten Gina genau, um was es ging, in puncto Nebenfrau. Dieser Coup war von langer Hand, an Gina und mir vorbei, geplant, diskutiert und ausgehandelt worden. Ich bin mir sicher, in den Sommerferien schon, es bedurfte nur noch einer zusätzlichen Beobachtung der armen, nichts ahnenden Gina.

Wir sprachen Deutsch, immer noch ein wenig schwierig für Gina.

Prinzessin Rama wählte einfache Worte, Gina musste nicht nachfragen. Dann begriff sie.

„Ich bin katholisch …“

„Willst du den Papst heiraten?“

Natürlich nicht. Was sagt aber unser Pfarrer?“

Unser, das ist hier das Stichwort. Nein, keiner verlangt von dir den Glauben zu wechseln. Mit dem Pfarrer rede ich morgen. Ich, Prinzessin Rama Radama. Gina, Paul braucht dich als Nebenfrau.

Lis und Kim haben dich ausgesucht; ein Glück das wenige der Nebenfrauen, die ich kenne, hatten. Mir sagt es nur, sie mögen dich. Ja, es gibt da ein Problem. Was in der Heimat unserer Dynastie erlaubt ist, in allen moslemischen Ländern, das ist es in Italien und in Deutschland nicht. Ich frage dich Gina, jetzt und hier, ist dir eine Hochzeit wichtiger als ein intimes, vertrauensvolles aber leide geheimes Verhältnis mit der Familie Paul Oktober, Grafen von Karaj.

Es gäbe Möglichkeiten der Adoption; Aufwand, Kosten, für was?“

„Prinzessin Rama, ich würde als Wurm für die Familie dienen. Ich bin heute mehr als vor wenigen Jahren, ich bin wieder ein Mensch. Adoption? Warum? Wer auch immer sollte eine Gina Veccio adoptieren. Alleine die Papiere. Heiraten? Das genau gleiche Problem. Ich bin, war und – oh – ihr meint es wirklich?

Paul könnte mein Mann sein, in dritter Instanz oder wie immer man das nennen will? Ich fürchte, glaube – ich habe es begriffen.

Nur eine ganze Kleinigkeit, entschuldige Paul, ihr seid es, die es mir beigebracht habt: Selbstachtung, Selbstverständnis. Es müsste ein kleines Papier bei Dottore Stefano geben, das mir – oh, ich fühle mich ja so elend, das mir im Fall der Fälle, dass Paul mich nicht mehr liebt, dass die Familie mich nicht mehr akzeptiert. Ich muss die Möglichkeit haben zu überleben. Ich könnte es nicht ertragen, wieder ein Nichts zu sein. Wie sagt man? Wieder in der Gosse zu landen?“

Ich schwankte zwischen Groll und Einverständnis.

Rama schaute mich interessiert an. Ich verstand sie sehr wohl. „Gina, Liebe hin, Liebe her. Ich verstehe dich. Deine Eltern haben dich im Stich gelassen, das Haus Oktober wird das nie. Rama, was schlägst du vor?“

„Lis und Kim bekommen ihre Prozente. Gina ist Italienerin, gib ihr Prozente vom Park. Es geht umdeineMehrheit, gut. Du gibst vier, Radama gibt zwei Prozent, Gina ist ja dann Familie. In Italien würden sich Millionen Familien die Finger danach abschlecken.

„Wie viel ist das? Etwa?“ Gina kann es inzwischen.

„Kannst du dir mehr als fünf Nullen vorstellen?“, lachte Rama.
„Ja, kann ich. Sag mir nur noch,werbin ich dann?“

„Inoffizielle Nebenfrau von Paul, unter der Stammmutter Elisabeth, Prinzessin Oktober Radama, Gräfin von Karaj. Wenn du eingetragen bist, lautet dein Familienname Baronin Gina Veccio Oktober.

„Ach du Scheiße.

Das Geld? Oh Paul, du Unmensch, natürlich nur, wenn alles in Hose geht. Lass uns machen einen Vertrag, nur wenn wir vier, du, Lis, Kim und ich uns nicht mehr verstehen, dann gehören diese Anteile mir. Ich werde nie ab … abtrünnig. “

„Sie gehören dir, ab dem nächsten Ersten. Die Einnahmen daraus sind dein neues Gehalt, das ändert nichts an allen bisherigen Vereinbarungen und auch nicht den Boni. Lis und Kim kassieren die ebenfalls gnadenlos“, sagte ich, leicht genervt.

Nicht wegen Ginas Fragen, sondern weil Lis und Kim das nicht vorher festgelegt hatten. Oder haben sie es einfach nicht bedacht? Noch schlimmer. Mir fiel ein, das Haus hatte schon immer derartige Verträge. Dort ging es jedoch meist um Schafe und Kühe. Vielleicht um Häuser und kleinen Grundbesitz.

„Dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte Rama. „Paul, du nimmst Gina Veccio als reguläre Nebenfrau. Gina Veccio, du wirst Graf Paul Oktober von Karaj, als dritte Ehefrau, in guten und in schlechten Zeiten dienen.

Du wirst Prinzessin Elisabeth Oktober Radama von Karaj als übergeordnet und Baronin Kim Oktober Radama, als dir ebenbürtig anerkennen und ihre Privilegien achten. Das ist der Wille des Hauses. Bekräftigst du es mit einem Ja, gilt diese Vereinbarung, ab dem heutigen Tag, als beschlossen und wird so in das Familienbuch eingetragen. Im Namen Allahs. “

Gina kniete nieder, ich möchte es nicht verhehlen, heulend. „Ja, ich stimme dem zu. Ich habe alles verstanden, Wort für Wort.

Paul ist nicht mein alleiniger Ehemann. Ich bin die Nummer Drei. Weit mehr als die Nummer Null. Das Geld? Verstanden. Das war nicht mein Ansinnen für meine dürftigen Dienste. Ich kann auch meinen Glauben beibehalten, er ist das Letzte, das mich an meine Eltern erinnert. Nur eine Frage noch, Prinzessin, kann ich in der Familie mitreden? Ich …“ Sie verlor erstmals voll die Fassung, nach 2 Minuten hatte sie sich wieder gefangen. „Ich … ich liebe nicht nur Paul, ich liebe die ganze Familie.

Ich selbst habe ja keine mehr. Ich habe die Familie Oktober, für mich, als meine angenommen. Mein einziges Streben ist es, die Liebe, die mir diese Familie entgegenbrachte, zu entgelten.

Rama nahm sie fest in den Arm. „Natürlich kannst du mitreden, natürlich ist es ab sofort deine Familie. Was nach außen inoffiziell ist, gilt in der Familie fest vereinbart. Ich bin deine Tante Rama. “

„Dann bitte, liebe Tante Rama, gestattet mir Unwürdigen einen Wunsch.

Ich möchte gerne Doris, Doris Peters, als meinen Co-Manager. Ich werde die Verantwortung tragen, ich habe sehr wohl verstanden, dass dies der Hauptzweck ist, dass ich in die Familie aufgenommen wurde. Doris aber, sie hat die größere Erfahrung, das werdet ihr Selbst wissen. Sie wird es mir, als guter Freundin, beibringen, dass ich es in einiger Zeit auch alleine kann. Aber …“ Gina wirkte mit einem Mal, voll gelassen. Ihre Augen blitzte, sie war von ihrer eigenen Wichtigkeit durchdrungen.

„… aber, ich fände es ehrlicher, wenn Doris wegen ihres Unvermögens – es ist ja nicht ihre Schuld, nicht bestraft wird. Sie hat stets ihr Bestes für die Familie Oktober und dem Fotopark gegeben. Ichwill, dass sie meine Co-Managerin wird, damit ich ein reines Gewissen, ihr Gegenüber, habe. “

Rama, ich bewunderte sie wieder einmal, war voll cool, voll die Prinzessin des Hauses Radama; sie amtierte heute als die Älteste, in Abwesenheit ihrer Schwester.

„Baronin Gina Veccio Oktober, dein Wunsch wird dem Hause Befehl sein. Es ist alleine deine Verantwortung wie du mit dem Fotopark umgehst. Wenn du Doris brauchst, wir könnten darüber diskutieren, letztendlich aber, ich sagte es bereits, es ist alleinedeineVerantwortung. “

Ichwar gefordert. Ein Blick zu Lis, sie lächelte, ein Blick zu Kim, die grinste gar. Sie fanden offensichtlich diese Lösung sogar prima; war Doris doch eigentlich ihr Favorit.

Ich telefonierte nach ihr, nach 10 Minuten stand sie da, etwas zerrupft, sie hatte mit Gerlinde bei den Studenten des letzten Seminars hart gearbeitet.

„Doris, dies ist eine Familienangelegenheit“, sprach ich sie an. „Sie ist nur für diesen Kreis bestimmt. Unsere Gina hier, soll in die Familie aufgenommen werden. Als meine 2 . Nebenfrau und gleichzeitig, als Managerin des Fotoparks. Als Verantwortliche der Familie Oktober und den Teilhabern gegenüber. “

Doris lächelte freundlich zu Gina hinüber.

„Da freue ich mich aber für sie. Ihr Fleiß hat sich also gelohnt, wenn man das so trivial sagen kann. Nun hatsieauch wieder eine Familie. “

„Gina, bitte Äußere deinen Wunsch“, bat ich diese.

Gina stand auf, ging zu Doris. „Liebste Freundin. Wir haben jetzt schon so lange und so prima zusammengearbeitet. Ich habe von dir so viel gelernt, ohne dem stünde ich mit Sicherheit nicht hier.

Doris, ich habe um das Privileg gebeten, dich, als meine Co-Managerin neben mir zu haben. Alleine kann ich es noch nicht, mit dir zusammen schon. Ich gebe dir ein Viertel meiner neuen Bezüge ab, wenn du mir hilfst. Ich brauche dich, und das Haus Oktober auch. “

Doris erstarrte förmlich. Ist sie stark genug, jetzt nicht auch loszuheulen? Die Familie schaute sehr gespannt. Doris schluckte, dann nahm sie einfach Gina in den Arm.

„Gina, wenn du mich brauchst, und ich fürchte auch, das ist noch so, dann stehe ich zur Verfügung. Wir zwei werden das ganz locker in den Griff bekommen. Für die Familie, für Paul und auch für uns selbst. Ich danke dir. Das Geld? Ich verzichte darauf, mein Einkommen im Haus ist genug. Ich will ja nicht den Staatalleine,mit meinen Steuern finanzieren. Vom Staat habe ich wenig, von der Familie alles. Irgendwie ist sie halt auch die meine.

“ Nun musste sie doch noch etwas schwer schlucken.

Sogar Lis blinzelte etwas. Meine Eulen waren – ich fand keine Bezeichnung. Meine,unsereEulen eben. Kluge, gescheite Eulen. Ich war völlig sicher, sie meinen jedes Wort, so wie sie es sagten.

Lis fertigte einen vorläufigen Vertrag aus, er enthielt die Prozentklausel. Wir gaben uns die Hand darauf, Prinzessin Rama, Prinzessin Leila und ihr Peter bestätigten den Vertrag.

Für Doris gab es einen Zusatzvertrag, den zwischen Gina und ihr. Kim regelte das Finanzielle zur vollsten Zufriedenheit beider. Doris bekam ebenfalls ein Strandhäuschen. Zu ihrer alleinigen Nutzung, Uschi wohnte ja bei Cesare. Das Privileg mit der Familie zu essen, auch zum Cocktail zu kommen, bekam sie dazu, jetzt als Mitglied der Führungsschicht sowieso.

Prinzessin Rama und Gina sprachen mit Padre Stefano. Er verlor kein Schäfchen, sprach Gina aber einige Zeit nicht als Tochter sondern per Baronin an.

Zur Verblüffung aller natürlich. Die Kirche hatte offenbar keine Probleme, vor allem nicht, da alle Mitglieder des Hauses, nach wie vor treu zur Kapelle gingen. Zur Beichte gingen einige nicht, Gina und Anna aber, ebenfalls nach wie vor, sehr wohl. Gina hatte jetzt einige Dinge weniger zu beichten, Padre Stefano erkannte das an. Anna hatte dieses Privileg nicht. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie Luigi rumbekommt, sie zu heiraten, damit sie dieses Privileg ebenfalls hat.

Sie müsste keine Italienerin sein.

Alle Freunde wurden informiert, dass Gina in die Familie aufgenommen wurde. Ich denke, einige nahmen an, wir adoptierten sie, einige ahnten, einige wussten, was wirklich war. Den meisten war es völlig egal. Das war unsere ureigenste Familienangelegenheit. Basta.

Die Angelegenheit mit dem Mumps, so erfuhr Rama und Gina an jenem Tag ebenfalls noch vom Pfarrer, hatte sich erledigt. Seit einer Woche gab es keinen neuen Fall mehr.

Lis verhängte eine Kontaktsperre zu den Angestellten mit Kindern. Sie kamen quasi eine weitere Woche in Quarantäne. Sprich, eine Woche Sonderurlaub.

Am Abend, waren wir dann zu viert im Bett. Was ein Glück, dachte ich, dass es von Anfang an, auf Zuwachs gebaut wurde, mit seinen 4,50 Metern Breite. Wie sich im Laufe der Zeit jedoch herausstellen sollte, war es jedoch eher selten, dass alle Weiber bei mir schlafen wollten.

Das war auch schon mit Kim so. Dazu kommen ja, so manche Tage, wo jede Frau lieber alleine ist. Da ist auch Lis schon mal ausgewandert, ins Gästezimmer.

Der neue Status von Gina, war heute Abend nicht das Hauptthema; meine beiden wussten gut genug, das muss in Gina erstmal absacken, sie muss sich an ihre neuen Privilegien erst gewöhnen.

Wohl um es ihr leichter zu machen, fing Kim heute ein völlig unvermutetes Thema an.

„Habt ihr euch eigentlich nicht gewundert, dass ich, als Mikel und Jane zu Besuch waren, eine ganze Nacht mit ihnen, in ihrer Suite, verbrachte?“, fragte sie uns, einfach so.

„Ahm, aufgefallen ist es uns schon“, gestand Lis.

„Ich dachte mir, ihr habt halt viel zu quatschen, vor allem da Jane, ja noch ein wenig an ihrem Abenteuer in der Höhle zu nagen hatte. Für sie war das ja schon recht heftig“, grinste ich.

Dabei nahm ich Gina in den Arm, die heute zwischen Kim und mir lag.

„Nun denn: das Geständnis“, kicherte jetzt Kim. „Ich habe natürlich nicht mit ihm geschlafen. Obwohl dies, im Laufe der Nacht, Jane sicher absolut zugelassen hätte. Aber ich nicht. Das Thema, um das es eigentlich ging, erinnerte mich sehr an unser Abenteuer mit James. Jane hatte mir, nach dem Baden im VIP-Bereich, gestanden, dass ihr Mikel, bei einer gewissen Tätigkeit, wohl offensichtlich, nicht der Beste aller Liebhaber sei.

Sie fragte mich schon, als sie in der Höhle erahnte, wie die Rotringdamen da zur Sache kamen, dass es da wohl noch viele Möglichkeiten gibt, Spaß mit einem Mann zu haben. Sie wollte wissen, ob das denn normal sei. Ich schilderte ihr, was ich mit dir, liebster Paul, da schon für nette Tätigkeiten auf Lager habe. “

„Oh arme Jane“, lachte jetzt auch noch Lis. Gina hielt sich raus.

„Du meinst, du hast Janeerklärt, in welcher Art und Weise, die Rotringdame da gerade beglückt wurde?“, fragte ich nach.

„Ja. Jane wurde immer neugieriger, ich erzählte und erzählte, leise natürlich. Und Jane wurde schärfer und schärfer. Ich fürchtete, sie hätte sich am liebsten gleich einen Papagallo geschnappt. Das konnte ich natürlich Mikel nicht antun. Also suchte ich nach zwei Papagalli mit Fingerlingen. Das musste, fürs Erste, ja mal genügen. Tat es ja auch, wie sie uns allen, ja selbst gestand. “

Ichhätte Jane, ja unseren Paul gegönnt.

Mir wird heute noch ganz anders, wenn ich an ihn, damals, beim ersten Mal, in der Höhle im Schwarzwald, denke“, gab jetzt auch noch Gina einen Kommentar ab. „Von dem Bums, später im Bett, ganz zu schweigen – obwohl ich mich da, nur noch an wenige Einzelheiten erinnere. “

Lis lachte laut. Kim grinste vehement, wie ich sah, als ich zu Gina blickte. Die war dagegen völlig gelöst. Sie hatte ja damals alles gestanden, heute war es für sie nur noch eine schöne Erinnerung.

Mir wurde aber völlig klar, was im Kopf von Kim vorging; sie wollte es Gina einfach ein weniger leichter machen, jetzt, plötzlich alsNebenfrau,bei uns im Bett zu liegen.

„Nun, Jane und ich, besprachen die Angelegenheit, wie gesagt, später im VIP-Bereich. Natürlich ohne Mikel. Dann kamen wir zu einer allen genehmen Lösung: Ich ging an jenem Abend mit, auf ihr Zimmer. Im Wohnzimmer bearbeiteten wir dann Mikel. Der spielte erst auf sauer, war wohl etwas in seiner Männlichkeit gekränkt.

Dann gingen wir ins Bett. Mit meiner verbalen Unterstützung, turnten er und Jane, dann unsere ganzen Lieblingsnummern durch. Nun ja, als Jane müde wurde, arbeitet Mikel an mir, mit einem Fingerling …“

Alles im Bett lachte, dann schnappte ich mir Gina, auch lachend, und verzog mich mit ihr ein Gästezimmer. Hochoffiziell, als Nebenfrau.

Abschlussfest

Zum Seminarabschluss wollten Gerlinde und ihr James, in der Kirche unserer kleinen Stadt heiraten.

Bei unserem Pfarrer, bei wem auch sonst. Beide würden in L. A. noch ein zweites Mal heiraten, das vereinfachte den Papierkram und das hin- und herreisen der Familie und der Freunde. Amerikaner sehen das nicht so verkniffen. Was mir an den beiden aber besonders sympathisch war, sie vereinbarten mit Uschi und Cesare eine Doppelhochzeit. Das nun wiederum, war, behauptet Lis später, das war ein ganz besonders geschickter Schachzug. So kamen nämlich gleich beide Paare, zu einer Prunk- und Prachthochzeit, die sie so wahrscheinlich, sonst nie bekommen hätten.

Wir alle fühlten uns gefordert, Gerlinde und Uschi sind halt sehr beliebt.

Da kam alles zusammen, was zusammenkommen musste: Prunk und Pracht des Hauses Oktober Radama. Mit Prinzessinnen als Trauzeugen, weder Rama noch Lis ließ sich das entgehen. Die Eine wegen weil, und die Andere, im Besonderen weil. Hochzeiten hatten bei allen Frauen des Hauses, schon immer einen hohen Stellenwert. Da lässt das Haus auch mal etwas springen.

Abdallah, unser alter Freund, von Papa ausgeliehen, er führte eine Ehrenwache von 18 sehr festlich gekleideten Papagalli an.

Mit dem Schwert an der Seite und seiner riesigen Lanze in der Hand. Diese Waffen nach Italien zu bekommen, war gar nicht so leicht. Der Don half; Abdallah wurde als Schweizer Gardist deklariert, zu einem Kirchenfest abkommandiert. Abdallah hatte seinen Spaß, vor allem, da Sara ihm Ouzo besorgt hatte. Original seine Marke aus dem Iran. Wie? Woher? Ich werde doch Sara nicht fragen, um nur eine dumme Antwort zu bekommen. Kim stellte fest, er hatte einen normalen Preis und kam mit 18 Flaschenbrüdern in einer Kiste aus Zürich.

Aha.

Die Ehrenjungfrauen bildeten zwölf junge Damen, wenn auch nicht gerade alsechteJungfrauen. Hier gab sich Kitty und Team die Ehre. Ihr Haus wurde dafür geschlossen. Wegen Herbstferien.

Teresa und eine Freundin von denFlamenco Dancers,eilten aus Alicante herbei; sie jubilierten ein Ave Maria von der Empore, dass dem Pfarrer wohliger Schauer über den Rücken liefen, wie er uns abends gestand. Dass der Mann von Teresa, ein brillanter Orgelspieler ist, wusste ich nicht.

Es war aber keinesfalls die Orgel, die da von alleine zur Hochform auflief; ein kleines, seitliches Kirchenfenster verlor sozusagen die Fassung, bei diesen mächtigen Tönen, wie sie diese Orgel seit Jahrzehnten nicht mehr von sich gab. Padre Stefano gestand, ob dieser Töne hätte er gar mit den Tränen kämpfen müssen.

Nun, er durfte die Paare trauen, dabei bot er doch an, das würde gerne der Bischof übernehmen. Gerlinde und Uschi wolltenihrenPfarrer.

Da waren sie sich alle beide völlig einig. Den Ehemännern stand nicht einmal ein Einspruch zu.

Dazu kam dann der Glamour, den die Angestellten des Fotoparks herbeizauberten. Von ihrer Garde um Abdallah geführt, von den Jungfrauen gefolgt, traten die Paare nach der Trauung vor die Kirche. Sechs Veteranen des Dorfes, in bunt befiederter italienischer Paradeuniform, mit dem prächtig dekorierten Bürgermeister samt Amtskette, bildeten ein Tor mit ihren Säbeln; über einem Weg aus Tausenden von Blüten.

Ein Hupkonzert von 111 geschmückten Taxis, übertönte fast die Glocken der Kirche. Die ganze Stadt war auf den Beinen, viele durch die mächtigen Töne der Orgel herbeigerufen. Das Volk jubelte, als sei eine Königin gekrönt worden. Die Kavalkade zog zur Villa. Die Straßen waren gesperrt, im weiten Umkreis war kein Taxi zu bekommen. Viele davon kamen sogar aus Neapel. Ein Werk von Luigi. Auch er hatte das Haus für sich adoptiert, nun rief er seine Freunde auf den Plan.

Er hatte zwar den Auftrag, wir dachten eher an Busse, alle Gäste von der Kirche in die Villa zu schaffen, das mit den Taxis war auf alle Fälle ebenfalls eine prächtige Idee, die den Bräuten noch ein paar extra Tränen abrang. Sogar James war arg überrascht. Dabei kommt er doch aus Hollywood, wo verrückte Ideen normal sind.

Dann kam die völlig ungehemmte Freude, die unsere Italiener dem Fest verliehen. Paolo und seine Mitarbeiter, liefen zur absoluten Hochform auf.

Don Rafael schleppte Getränke bei, im NamenseinerFamilie. Die Tische bogen sich unter bäuerlichen Hochgenüssen, die von den Freunden von Cesare beigesteuert wurden. Uschi wurde von ihnen wie eine echte Freundin aufgenommen. Diese war völlig überwältigt von diesem Überschwang italienischer Gefühle. Hilfesuchend kroch sie eine halbe Stunde bei Doris unter, die ihr das Strandhaus für heute überließ. Sie musste ihre Tränen in den Griff bekommen.

Wir hatten das Fest in den Fotopark verlegt.

Den Rahmen der Villa hätte es gesprengt. In der Ruine war festlich gedeckt, die Drehbühne wurde zum Tanzparkett. Schon beim köstlichen Mahl wimmerten die Mandolinen, Geigen schluchzten und Augen weinten – vor Glückseligkeit. Alles war hoch zufrieden als das Fest, morgens um fünf, langsam zu Ende ging.

Die beiden Brautpaare zogen sich in die Strandhäuser zurück. Ganz so einfach machten es die Italiener den armen Paaren aber nicht. Schlitzohrig hatten sich einige aufgemacht, die beiden Schlafräume, fast völlig mit aufgeblasenen Luftballons zu füllen.

Jetzt feixten sie in der Ferne, als die Paare, mehr oder wenig fluchend, sich ihren Weg zum Ehebett erkämpfen mussten. Ich erzählte lieber keinem, dass die Idee dazu von Gina kam, der ehemaligen grauen Maus.

Es war Hochzeit und Jahresabschluss in einem. Lis meinte, das sei ein noch größeres Spektakel gewesen, als damals bei uns in Konstanz. Papa Bronner hatte für seine Uschi natürlich einiges beigesteuert, so arm ist er ja nicht.

Wir hatten 284 geladene Gäste. Wer sich da noch einschmuggelte? Das Gelände des Fotoparks ist groß und Gina weigerte sich, Torkontrollen aufzustellen. Wer wolle, könne sich ja sowieso irgendwie einschleichen. Zusammen mit Kim organisierte sie sogar ein kleines aber reichhaltiges Buffet für die Taxifahrer. Oben, auf dem Parkplatz. Wer da noch mitaß, mittrank? Sie ist jetzt ein wichtiger Teil meiner Familie und hat das Recht dazu, wenn auch Finanzielles mit Kim abzustimmen ist. So geht es mir selbst aber auch.

Das ist, neben dem Personal, halt die Aufgabe von Kim.

***

Das sollte in diesem Jahr aber nicht der Abschluss gewesen sein, Lis und ich, dazu Gerlinde und James Bald, und das freute mich ganz besonders, Gina, mussten uns am nächsten Tag in das goldene Buch der Stadt eintragen. Lis und ich, für das Haus Oktober Radama, Gerlinde und James in Vertretung für die Seminaristen und Gina als Manager des eigentlichen Fotoparks.

Für uns war es schon eine Ehre; für Gina war es viel mehr: Ihre Stadt (wenn wir auch oft Dorf dazu sagen), ihre Heimat, sie ehrte sie, sie die ehemalige Magd, die Arbeitslose, der Putzlumpen auf dem jeder herumtrat. Ich habe selten so ein stolzes Weib gesehen, wie unsere Gina es heute war. Sie errötete nicht einmal, als ihr der Bürgermeister und andere Honorablen des Ortes einen Handkuss gaben. Sie war für mich heute die Vollendung eines Mitgliedes des Hauses Oktober Radama.

Lis sah das auch so. Sie kann es ebenfalls, manchmal sicher besser, nur,ihrHerz ist zu weich; das von Kim sowieso. Beide haben nie die Niederungen erlebt, die Gina durchlitten hat. Das machte meine zweite Nebenfrau aber zum perfekten Familienmitglied. Uns allen war klar,nurmit Liebe und Verständnis, kann man keine große Firma leiten.
Gina konnte sich jede Schlechtigkeit vorstellen, sie hatte fast jede am eigenen Leib erlebt. Geldgierige, betrügerische und hinterhältige Vertragspartner, bekamen keine Chance mehr in unserm Hause.

Deren Lust, das Haus Oktober zu vernaschen, begann gerade jetzt, wo wir bekannt wurden. Nicht nur in Italien. Die native Menschenkenntnis von Gina, wendete jeden Schaden vom Hause ab. Auch wenn sie einmal – ich hätte es mich nicht getraut, selbst wenn ich davon gewusst hätte – die Hilfe des Kraken einforderte. Ich hatte keine Ahnung, dass dies überhaupt möglich war. Gina bekam es mit, dass unsere Babys entführt werden sollen, zu einer Erpressung.

Den Babys sollte nichts geschehen, die Italiener sind wirklich Kinderlieb; aber hunderttausend Dollar waren gefragt. Zwei Italiener fanden sich im Krankenhaus wieder. Mit zerschossenen Kniescheiben. Mom trauerte kurz um sie; aber nur wegen der Kniescheiben, das konnte sie ihnen nachfühlen. Wie das Ganze geschah? Ich schwöre es, ich habe keine Ahnung. Wir hörten mittags Autolärm, zwei laute Knalle, dann fanden wir die Babys, die eigentlich schlafen sollten, und zwei Männer mit den eben erwähnten Schüssen im Knie, in einem dieser typischen kleinen italienischen Lieferwagen.

Ich erfuhr später, dass Alessandro bei seiner Saya war. Gina konnte es bezeugen, sie trank Kaffee mit ihnen.

Dass Alessandro Handschuhe trug? Im Sommer? Dass er überhaupt da war? Lis und ich haben nicht gefragt. Das Krankenhaus informierte pflichtgemäß den Bürgermeister, als oberster Dienstherr der Stadtpolizei. Der Teppich war groß, unter den da gekehrt wurde.

Er kam zu uns. Seine Untersuchung galt aber mehr dem Abendbuffet.

Die Babys waren ja da, die Täter bei der Tat geschnappt und geständig, der Erpresserbrief gefunden. Wir hatten wieder unsere Ruhe. Die Schüsse? Sie gestanden, sich selbst verletzt zu haben.

Angeblich im Streit darum, wie es weitergehen solle.

Sie hatten es glasklar verstanden, was da lief und wollten das Gefängnis überleben, und sei es mit kaputten Knien. Drei Kniee konnten geheilt werden, einer der Burschen hinkt.

Inzwischen sind beide in Sizilien. Das scheint das Sibirien der …

Was rede ich da nur für einen Blödsinn.

Unsere Schleiereule Anna, war in den letzten Wochen, etwas ins Hintertreffen geraten, was mich betrifft. Ich mochte sie zwar ebenfalls, wie alle unsere Eulen, aber sie hatte ja ihren Luigi. Beide würden ja auch wieder mit nach Stuttgart kommen; wir stellten inzwischen sogar Überlegungen an, ob wir denn alle zusammen, in den Bus von Luigi passen würden, und einmal die Heimreise, auf völlig neue Art und Weise antreten könnten.

Zuerst schnappte ich mir aber einmal Anna, als es gerade passte. „Was ich noch sagen wollte, Anna, du kommst doch sicher wieder, über den Winter, mit nach Stuttgart?“

„Wenn du mich brauchst, oder Jürgen? Es gibt keinen Grund, nicht mitzukommen. Gerlinde ist ja nun auf Hochzeitsreise, dann wird es wohl Jürgen sein, der mitkommt?“

„Ich hätte nicht gefragt, wenn ich dich nicht brauchen würde.

Ja, für Jürgen. Pippina hat zwar inzwischen schon etwas gelernt, aber sie hatte im Sommer sehr viel mehr mit dem Fotoladen zu tun, als dass sie sich um die Arbeit von ihrem Jürgen kümmern konnte. “

„So sah ich das auch. Ich habe mir schon mal Gedanken darüber gemacht, ob es nicht sinnvoll wäre, das mit den Automaten auch zu lernen. Wenn halt im Fotopark etwas Ruhe herrscht, bei Pippina aber der Teufel los ist“, grinste Anna mich an.

Da lockte wohl das Geld.

„Das ist vom Prinzip her, keine schlechte Idee, du solltest dich aber, wenn du auch darauf Lust hättest, dich etwas mehr mit Luigi zusammentun. “

„Mit Luigi zusammentun?“, unterbrach mich eine erstaunte Gegenfrage. „Wie sehr kann ich denn noch mit ihm …“, sie errötete, sah mich ungewohnt scheu an, dann kam es. „Ich versuche ja schon seit langem, ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht zu jung für ihn bin – vor allem er, nicht zu alt für mich, sondern genau richtig.

Dazu kommt, ihr habt das natürlich längst gemerkt, wir vertragen uns auch ganz gut. Ich bin ganz sicher, er hat da auch keine andere Freundin mehr, zu der er mal geht zum … du weißt schon. Freundinnen hat er natürlich genug, aber nicht solche zum Bumsen halt. Auch sein Drang, in die Höhle zu gehen, ist eher geringer geworden. Mit mir allerdings …“, nun wurde sie wirklich knallrot. „Nun du, als unser Boss, sollst es wissen, Luigi und ich, sind derzeit fast unersättlich.

Ich denke, wir lieben uns. Nur das mit dem Heiraten, ich weiß nicht, was ich da noch machen kann; als Frau kann ich ihm ja nicht einfach einen Antrag machen. “

„Ach Anna, ich könnte ihn natürlich, so als Brautwerber, einfach mal fragen, ich denke aber, ihr solltet aus euch selbst heraus, da zurechtkommen. Fremdeinflüsse können da eher Schaden anrichten, als nutzen. Um dich aber zu beruhigen, ich denke nicht, dass Luigi da nur auf ein Verhältnis mit dir raus will.

Lis sagte mir, er hat wohl einmal mit ihr darüber gesprochen, er hätte einfach Angst, dir einen um zehn Jahre älteren Mann aufzuhalsen. Er murmelte etwas davon, wenn erst einmal genügend gemeinsames Kapital da wäre, du damit also versorgt, dann könne man nochmals darüber reden. “

Ich hatte es nicht gewollt, aber, nach meinen Worten, erwartet. Anna begann zu schluchzen. Ich nahm sie in den Arm, versuchte sie zu trösten. Dann fiel mir ein, wir waren völlig vom Thema abgekommen.

Ich wollte ihr ja etwas völlig anderes vorschlagen.

„Anna, ich versteh dich zwar, aber hör jetzt bitte auf zu weinen. Du hast mich vorher falsch verstanden. Ich wollte sagen, du sollst dich mit Luigi zusammentun, und, neben eueren normalen Aufgaben, dich vermehrt, mit ihm zusammen, um die Dekoration kümmern. Praktisch halt um die Arbeit, zu der Jürgen einmal eingestellt wurde. Ich bin bereit, dafür einen zusätzlichen Obolus rauszurücken, und sei es, als zusätzliches Überstundengeld.

Damit bekommst du und dein Luigi, auch die Chance, das von ihm gewünschte Kapital zusammen zu bekommen. Übrigens, werde ich ihm bei Gelegenheit empfehlen, wie allen unseren Mitarbeiter, in eine Lebensversicherung einzuzahlen. Kim hat da wohl ein Angebot bekommen, für eine Sammelversicherung. Wir überlegen aber noch, ob wir das nicht als so eine Art Betriebsrente anbieten können. Jeder zahlt die Hälfte. “

Anna schluckte. Dann dachte sie sichtlich nach. „Du meinst.

Luigi und ich, sollten, nach Feierabend, wenn wir noch Lust haben, an die Reparatur von Dekorationsschäden, in den Ateliers, in der Arena und in den Hallen gehen? Wie viele Stunden meinst du denn, sei das nötig? So als Vorahnung, was auf uns zukommt, halt. “

„Jetzt läuft ja nicht mehr viel, ehe wir nach Stuttgart gehen. Ich fürchte, ihr solltet dann aber schon mal zwei oder drei Wochenenden vorsehen, um wieder einen Grund rein zu bekommen.

Dann genügt es sicher, wenn ihr da täglich ein bis zwei Stunden, den Pinsel schwingt. Wenn wir jetzt dann zu denNachbarnfahren, solltet ihr euch dieser Aufgabe ebenfalls annehmen. Mir wäre es lieber, wenn Pippina dann vermehrt bei ihrem Mann, als dessen Assistentin arbeitet. “

„Ich werde das mit Luigi besprechen, wenn dir das Recht ist, oder willstdulieber mit ihm reden?“

„Mach ruhig mal.

Du kannst, in deiner Eigenschaft als Eule, mit ihm reden; lass ihn ruhig einmal spüren, dass du sehr wohl etwas zu sagen hast, in unserem Verein. Du bist zwar nicht zu Managerin des Fotoparks aufgestiegen, aber Luigi weiß genau, dass alle Eulen, hier im zweiten Glied der Befehlskette stehen. Das hat mir Kim ausdrücklich bestätigt. “ Ich musste lachen, als ich fortfuhr. „Genau genommen, bist du, was den Fotopark angeht, also Luigi gegenüber sogar befehlsberechtigt.

„Ahm!“ Anna hatte sichtlich mit sich zu kämpfen. „Du meinst, Paul, ich könnte Luigi, einfach so, einen Auftrag geben, und er müsste ihn, ohne zu maulen, erledigen?“

„Wenn es den Fotopark angeht, wegen einer Aufgabe, die dir übertragen wurde? Selbstverständlich. Ich denke du hast es sehr wohl mitbekommen, was die Aufgabe von Gina ist; wenn siemichbeauftragt, irgendwelche Fotos zu machen, wozu sie von irgendwem den Auftrag hat, dann mache ich das ja auch.

Auch wenn mir, ein großer Teil der Firma gehört, so bin ich doch deren Angestellter. Und Gina ist nun halt mal der Manager des Fotoparks. Wenn wir noch weiter wachsen, was zu befürchten steht, dann wird sie halt auch bald der Direktor des Ladens. Ich bin, als Angestellter, nur ein Fotograf. Gut, Fotografen haben besondere Privilegien. Du kannst das, auf ein normales Büro bezogen, einfach als eine Art Abteilungsleiter sehen, ihr Eulen seid die Stellvertreter, dann kommen die gehobenen Angestellten, wie Gruppenführer, zu der Sorte gehört dein Luigi.

Dann kommt das Fußvolk, im Fotopark unsere normalen Handwerker und Hilfsarbeiter.

Leute wie Paolo, unser Koch und Alberto, unser Majordomus, aber auch Sara, unsere Küchenmaus und Saya, unser Kindermädchen, haben so genannte Stabsstellen; sie kommandieren nur ihre eigene Truppe. Kim, das ist dir sicher klar, ist ebenfalls Managerin, auch vor ihr muss ich mich ducken, was finanzielle Dinge angeht. Lis hat mit dem allem weniger zu tun, sie ist, genau genommen, halt Managerin des Hotels, wenn man so zu unserem Haus und dem Gästehaus sagen kann.

Hast du dazu noch Fragen?“

„Eigentlich nicht, aber, Paul, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Dass Gina und Doris, wichtigere Leute sind als ich, das ist mir völlig klar. Aber, dass Gina, da plötzlich so wichtig wurde, dass sie sogar dir Befehle geben kann, das muss ich erst mal verdauen. “

„Hat sie sich denn, dir gegenüber, verändert?“, wurde ich nun doch stutzig. Spielte da Gina plötzlich mit der Macht? Das hätte ich nicht von ihr erwartet aber …

Nein, um Gottes willen! Sie ist immer noch meine sehr gute alte Freundin, wie bisher auch.

Daher war ich ja gerade so verblüfft; von ihrer Machtfülle, habe ich nämlich noch nichts bemerkt. “

Das beruhigte mich dann doch. Dann kam mir eine Idee. „Was ich noch fragen wollte, Anna, hoffentlich bist du nicht traurig, oder gar böse, weil damals, bei euerem Antritt in Stuttgart, Gina, bei eurer Lotterie, die erste Nacht in meinem Bett gewonnen hat. Du hast da ja deinen Luigi bekommen. Oder hättest du gerne getauscht?“

Schon wieder lief Anna rot an.

„Ach Paul. Ich gestehe, am Anfang, als Luigi da noch mit seiner alten Freundin Julia rumhexte, da hätte ich mir schon mal gewünscht, mit dir, an einem Wochenende mal das Zimmer zu teilen. Ich gestehe, ich habe Gina sogar einmal deshalb gefragt und – sie hätte nichts dagegen gehabt. Dann geschah aber das Unerwartete, ich verliebte mich in Luigi. Im Sommer dann, in Italien, da gab es für mich nur noch ihn. Bald stellte sich heraus, für ihn gab es wohl nur noch mich.

Ich habe nie versucht, werde es auch nicht, nachzuprüfen, ob es da noch jemand gibt. Gina sagte mir, bei euch in der Familie sei es üblich, dassFremdereignisse, zuvor besprochen oder danach, sofort gebeichtet werden. Ich werde es ebenso halten und habe Luigi gebeten, diese Regel zu akzeptieren.

Damals, in Stuttgart, mit Daniella, das gestand er übrigens auch gleich. Er tat es allerdings als Dienstverpflichtung ab. Na ja. Ob er es der Julia sagte? Ich hab ihn nicht gefragt.

Julia ist mir egal, ich kenne sie nicht einmal. Will sie auch nicht kennen lernen. Da bin ich vielleicht, zu sehr Italienerin“, sie schaute ein klein wenig grimmig. Dann fiel es ihr wohl ein. „Was dich anbetrifft? Wenn es ein, wie Gina sagt, Notfall wäre, würde ich aushelfen – sonst, verzeih mir, gibt es für mich nur noch Luigi. Ich hoffe, bis ans Ende unserer Tage. “

„Danke Anna, für deine Offenheit.

Um ehrlich zu sein, damals, war es mir völlig egal, wer von euch es ein würde, damals im Wespennest. Danach trat halt dieser Gewöhnungseffekt ein. Und heute, nun heute liebe ich Gina auch. Ich weiß nicht, ob du das überhaupt verstehen kannst, mit dem für Italien doch abartigen Verhältnis, das ich mit meinen drei Frauen habe, aber glaube mir, Lis gehört meine tiefste Zuneigung, sie ist die Mutter meiner Kinder. Kim folgt dicht darauf, sie ist, wie ihr ja wisst, noch eine Jugendliebe, mit der ich sehr intim war, bevor Lis und ich heirateten.

Nun kam halt Gina dazu, natürlich liebe ich sie auch, für mich gehört das dazu, wenn ich mit jemand, mehr als einmal schlafe. Gut, du wirst dich an Kikki erinnern, auch sie hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. “

„Gina hat mit mir darüber schon mal gesprochen, was heißt da einmal? Schon oft hatten wir dieses Thema am Wickel. Gina ist sehr glücklich damit, wieihrStand in der Familie Oktober ist.

Das gönne ich ihr von Herzen. Ich bin sehr glücklich darüber, wie mein Stand zu Luigi ist, auch derzeitnurals Freundin. Er betätigte mir aber, dass er genau wie ich, auch sehr glücklich ist, für den Fotopark – nein, nicht den Fotopark, für die Familie Oktober, arbeiten zu dürfen. Luigi kennt sich da wohl besser aus, er sagte mir aber, das sei wohl ein Verhältnis, wie esjapanische Arbeitnehmerzu ihren Firmen hätten.

“ Jetzt hatte ich sie am Hals, küssend und schluchzend. „Wir fühlen uns als Teil der Familie – bitte, lass uns das auch sein. “

„Wenn du sonst kein Problem hast – Willkommen!“ Was sollte ich auch sonst dazu sagen. Ich riss mich zusammen und begriff als Wichtigstes, Anna war nicht mehr scharf auf mich.

Auch dieses Jahr hatte der Fotopark gut überstanden. Es galt noch einige Aufträge, an unseren Baumeister zu vergeben.

Auch in den Messehallen, musste über den Winter renoviert werden. Das hatte Gina schon den Mietern der Stände aufgebrummt; fürs neue Jahr. Es war eine ihrer ersten guten Ideen, als Managerin. Um den Zugang, zu den Räumen, für das Team einfacher zu machen, bekamen alle Mieter, einen großen abschließbaren Schrank, in einem Raum beim Eingang der Halle. Dort konnten sie alle Wertsachen lassen, wenn, vertragsgemäß, die Räume unter der Woche, dem Fotopark zur Verfügung stehen.

Die Messe war für uns ja, eigentlich eher sekundär.

Marie, unsere Hausdame, sammelte inzwischen auch schon wieder mal alle Kräfte ein, die willens und in der Lage waren, die Sommerschäden in den Räumen und an der Wäsche, zu beheben. Es war der inzwischen übliche Trubel.

Paolo, unser Koch, mit Ehefrau, plante noch einen Urlaub, in Tunesien, wie ich erfuhr, ehe er zu seinem Schwippschwager nach Tirol fuhr; zu seinem Winterkontrakt.

Zuvor bereitete er uns aber noch ein köstliches Abschiedsmahl, zu dem alle kamen, die wir als gerngesehene Gäste in unserer Villa hatten. Der Don, der Bürgermeister, unser Baumeister, alle mit Ehefrauen natürlich, und unser Pfarrer. Dieses Jahr war auch Cesare dabei, immerhin einer unserer wichtigsten Leute in Italien; wie sonst sollten wir, ohne ihn, unsere Models bekommen. Natürlich waren auch alle Eulen da und Luigi ebenfalls. Jürgen und Pippina wohnen ja sowieso hier, obwohl sie eigentlich nicht so oft bei uns zum Cocktail oder zum Abendessen kamen.

Pippina kocht angeblich sehr gut und angeblich sehr gerne, in ihrermodernsten Küche Italiens. Die Kosten dafür, müssen sich ja lohnen. Ich werde mich da nächstes Jahr, einfach mal einladen, um dies zu überprüfen.

Nur Gerlinde fehlte eigentlich; sie und ihre Eulen sind ja in den USA. Über den Winter arbeiten sie auch für den dortigen Verlag. Wie ich hörte, werden sie aber wohl Anfang des neuen Jahres nach Deutschland kommen.

Dann werden wir sie, in Stuttgart, wohl wieder zu Gesicht bekommen. Bis dahin, ist für dieses Jahr, Italien erst einmal zu Ende – es war, wiedereinmal ein sehr erfolgreiches Jahr für uns alle.

Aussichten

Zurück in Stuttgart, begann alsbald die Besprechung der Auftragslage für dieNachbarnim Winterhalbjahr. Dazu hatte sich auch Mikel eingeladen – er war schlichtweg neugierig, was da mal wieder auf uns zu kommt.

Er hatte allerdings auch tausend derNachbarn-Prospekte dabei; das fiel Doris noch in letzter Minute ein, dass unsere fast zu Ende waren. In den Prospekt mussten auch noch ein paar Zusätze, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte.

Auf meinen besonderen Wunsch hin, wurde die Einsendung eines Fotos – egal welcher Qualität – zur Voraussetzung, dass wir überhaupt tätig werden wollten. Es hatte sich in der letzten Saison leider doch recht häufig herausgestellt, dass unsere vorgesehenen Kunden, so überhaupt nicht in das Schema passten.

So hatten wir, nach Absprache mit Mikel, im Text hinzugefügt, wer in die Nachbarn will, soll mit der Anfrage Bilder beifügen; wenn irgend möglich, sollten diese Bilder bereits ausdrücken, wie weit unsere potenziellen Models später einmal gehen wollen. Natürlich war uns schon klar, sollten sie da heiße Bilder machen, gibt es (leider immer noch) Schwierigkeiten beim Drogisten um die Ecke, diese Bilder zu entwickeln und zu kopieren. Wieder einmal hatte Lis die passende Idee: Die Kunden sollen einfach den Film schicken; wir würden ihn entwickeln und die Abzüge zurücksenden.

Dabei könnten wir uns ja bereits einen ersten Eindruck verschaffen. Wir hofften alle, dass das klappt.

Wie immer, hatte Doris zum Besprechungstermin, wieder in unserer Lounge, einige heiße Briefe. Diesmal dauerte etwas länger durch zu kommen, für Mikel mussten sie ja übersetzt werden. Natürlich sah er auch die Fotos, die, bei einigen Angeboten, dabei lagen – auch in dieser Saison, wieder heiße Kost.

„Habt ihr denn schon immer solche Bilder mit den Anfragen bekommen?“, fragte er, mit dem Bild einer heißen Lutschszene in der Hand.

Wie üblich war das Bild falsch belichtet, aber vom Inhalt her war es schon recht ansprechend.

„Nicht so viele wie wir gerne hätten, aber einige waren schon dabei“, antwortete Doris.

„Und wieso haben wir die nie zu Gesicht bekommen?“

„Wir hatten weder das Copyright, noch eine Ahnung davon, dass du auf solche Bilder scharf sein könntest,“ antwortete ich.

„Du hast natürlich, im Prinzip recht.

Wir haben die alteAmateursja gerade aus diesem Grund eingestellt, weil wir dafür nur so miese Fotos bekamen – das Thema war ja, Fotos von und mit Amateuren der Öffentlichkeit zu zeigen. Du Paul, wirst dich an dieses Magazin ja vielleicht noch erinnern. Als dann du, mit deinen Bildern, für dieFiestakamst, wurde uns die Qualität derAmateurseinfach zu schlecht – sie lief auch nicht mehr so gut. Nun gut, die Bilder von damals, waren auch nicht das Gelbe vom Ei; mal ne nackte Maus auf dem Bett, im Bad oder am Freien, das war schon eher die Ausnahme.

Nur zu oft, gab es nicht mal einen Busen zu bewundern. “
„Nun das, hat sich mit Sicherheit geändert. Wenn ich an die Bilder der letzten Saison denke, da hat sich in der Beziehung bereits einiges geändert und in dieser Saison, ich will nicht vorgreifen, da haben die bereits veröffentlichen Bilder gewirkt, sozusagen als Vorlage. Du wirst heute noch staunen, Mikel“, lachte Doris.

„Sind die Bilder wenigstens archiviert?“, wollte Mikel wissen.

„Natürlich, dreh das Bild doch um – ein Nummernaufkleber. Der gleiche ist auf dem Begleitbrief und im Fotobuch. Bei uns herrscht Ordnung – ich werde mich doch von Paul nicht anscheißen lassen, weil ein Bild wegkam“, gab Doris zurück.

„Dann veranlasse bitte, dass mir ein kompletter Satz mitgegeben wird. Ich habe da so eine Idee. “

Die Besprechung nahm ihren normalen Verlauf, wenn zum Cocktail auch alles recht gut aufgemuntert war – wie gesagt, wir hatten wieder heiße Kandidaten.

Die Wintersaison konnte beginnen – die Sommersaison war zuEnde.

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