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Liebesbrief an denAnderen

Weil es offenbar Leute gab, die meinen letzten Liebesbrief nicht völlig misslungen fanden und weil ich mich gerade lang und breit zu diesem neuen Thema ausgelassen habe, will ich euch einfach mit noch einem solchen Stück belästigen.

Schreiend durch die Bude laufen und mit den Armen wedeln ist erlaubt… ;-D

*****

Lieber ‚Kritiker‘

(oder sagen wir lieber Feedback-Geber, denn deine Kritiken enthalten ja oftmals wenig Kritik, weswegen Kritik als Bezeichnung für sie ziemlich deplatziert wirkt… Deswegen stehst du ja auch in Tüttelchen.

)

Du beehrst mich nun seit meiner ersten Geschichte mit Kommentaren. Nicht zu jedem meiner Ergüsse, aber scheinbar doch manchmal wiederkehrend.

Zunächst einmal möchte ich dir dafür danken, denn das gehört sich nicht nur so, sondern ist auch tatsächlich so gemeint!

Was ich – vor allem in der jüngeren Vergangenheit – an Feedback bekomme, ist sehr ermutigend. Und deswegen ist es wertvoll für mich.

Nicht unbedingt, weil ich sonst gar nicht den Drang hätte, weiter zu schreiben. Das täte ich auch so, denn dieser Drang ist einfach zu stark.

Aber so merke ich immerhin, dass meine Geschichten jemandem gefallen. Und dass ich sie dementsprechend nicht ausschließlich für mich allein schreibe.

Manche Leute haben sich kritisch darüber geäußert, dass du insgesamt schon fast zu sehr lobhudelst. Keine schlechten Haare in meinen Suppen.

Keine Kritik an meinen Flüchtigkeitsfehlern. Keine Hinweise auf stilistische oder inhaltlich Fehler.

‚Lobkartelle‘ sind ein Begriff, der aufgekommen ist.

„Pah!“, sage ich.

Ich bekomme von dir schließlich immer wieder Hinweise auf Dinge, die dir aufgefallen sind und auch auf Dinge, die du dir anders gewünscht hättest. Nur eben immer zwischen einigen positiven Dingen versteckt.

Und dass dein genereller Tenor manchmal richtig überschwänglich begeistert ist, treibt mir zwar ein klein wenig Rouge auf die Wangen, aber ich werde dich dafür bestimmt nicht zurechtweisen.

Denn darum geht es hier ja: Geschichten zu posten, die dir gefallen und in denen du dich verlieren kannst.

Was du mir an Feedback gibst, ist für mich wertvoll, weil es sich im Tenor mit einer positiven Stimmung befindet, die deine Geschichte ausgelöst hat.

Du wirst mein Ego nicht zum Platzen bringen oder mich vom Teppich abheben lassen, weil ich bereits ein völlig übersteigertes Selbstwertgefühl habe und schon lange nicht mehr auf dem Boden stehe.

Ich schwebe schon seit beinahe anderthalb Jahrzehnten immer weiter oben.

Was du mir aber bringst, sind Einblicke aus deiner ganz persönlichen perspektive. Und zwar als jemand, der die Geschichte bereits mag, sich aber hier oder da noch eine kleine Veränderung oder Verfeinerung vorstellen könnte. Und das ist Stoff, über den ich gerne nachdenke.

Meinethalben kannst du bleiben, wie du bist.

Du kannst mir auch ruhig mal sagen, dass dir eine Geschichte nicht so gut gefallen hat.

Immerhin finde ich Ehrlichkeit wirklich toll.

Bei dir weiß ich, dass du dabei keine versteckten Angriffe einbauen wirst und deswegen ist das okay. Ich bedauere das dann und wir beide wissen, dass eine andere Geschichte wieder besser passen wird.

Lass dir niemals einreden, deine Äußerungen wären einseitig und wertlos, denn jeder Autor kann dir aus tiefstem Herzen das Gegenteil bestätigen, wenn er kein absoluter Masochist ist.

Es ist nun einmal so, dass jeder Schreiber entweder schreibt, um zu provozieren (und das ist ja nun wirklich schwer in diesem, meinem Genre) oder um zu gefallen. Und natürlich hört man unheimlich gerne, dass man Erfolg hatte.

Also ernsthaft:

Ich danke dir und ich bin froh, dass es dich gibt!

*****

Lieber Kritiker

Ja.

Du liest richtig. Keine Tüttelchen hier.

Du bist derjenige, der sich redlich bemüht, mir aufzuzeigen, wo ich Fehler mache und was ich besser machen könnte. Und ich werde ganz bestimmt niemals dein Recht angreifen, diese Sichtweise zu präsentieren. Ich würde es sogar mit Gewalt verteidigen.

Ich bin dir dankbar, wenn du mich auf Schwächen hinweist. Und viele deiner Äußerungen helfen mir weiter. Zumindest wenn ich lange genug über sie nachgedacht habe, denn ich bin ein alter Hund, der nicht so schnell neue Tricks lernt.

Der Grund, weswegen du einen eigenen Liebesbrief erhältst, ist zweigeteilt:

Zum einen passen viele der Aussagen zu den lobenden Feedback-Gebern nicht auf dich. Du bist gehst nämlich differenzierter an die Sache heran und legst deinen Fokus auf meine Schwächen und Fehler.

Und zum anderen ist es einfach so, dass du dich ziemlich oft im Ton vergreifst.

Ich würde das gerne weniger stumpf ausdrücken, aber es ist nun einmal so.

Und ich bin aufgrund von über dreieinhalb Jahrzehnten mit mir selbst ganz einfach allergisch dagegen.

Isso. Punkt.

Dein Standpunkt als ‚objektiver‘ Kritiker wird oft verteidigt. Und manche der Argumente sind stichhaltig.

Aber irgendwie kommen wir trotzdem oft nicht auf einen grünen Zweig. Und ich für meinen Teil sehe den Grund dafür in drei Umständen.

Zunächst mal gibt es keine objektive Kritik.

Selbst ein Computer ist nur so objektiv, wie die Kriterien, die er zu einer Bewertung heranzieht. Und die sind von Menschen vorgegeben, die nun einmal nicht objektiv sein können.

Wenn du also aus dieser scheinbaren Objektivität heraus etwas harsch aburteilst, benutzt du (wiederum in meinen Augen) nur den Schutzschild der angeblichen Objektivität dazu, dich abfällig ausdrücken zu dürfen. Und zwar über etwas, was dir nicht gefallen hat.

Versteh das nicht falsch: Einige deiner Aussagen sind hieb- und stichfest.

Schreibfehler sind Schreibfehler und so weiter. Aber insgesamt begegne ich einfach meistens Kritiken, die aussagen, dass meine Geschichten minderwertig sind, weil ‚füge beliebiges subjektives und geschmacksbasierendes Argument hier ein‚.

Dann haben wir da den Aspekt der ‚Konstruktivität‘.

Man sagt ja, dass eine Kritik dann konstruktiv ist, wenn sie dem Empfänger weiterhelfen kann und nicht einfach nur ein Verriss ist. Aber dabei wird immer schon außen vor gelassen, wie wichtig das Papier ist, auf dem die Kritik übermittelt wird.

Und falls jemandem diese Metapher zu hoch sein sollte: Damit ist der Tonfall gemeint. Der macht nämlich die Musik.

Wenn also jemand mir wirklich weiterhelfen will und das nicht nur vorschiebt, weil er rummotzen möchte, dann klingt das in etwa so: ‚Wenn du in dem Bereich deiner Geschichte mehr von dieser oder jener Stimmung erzeugst, dann verstärkt sich derundder Effekt, von dem ich annehme, dass du ihn erzeugen willst.

Im Gegensatz zu: ‚In dem Bereich deiner Geschichte hast du völlig versagt, was den offenbar gewünschten Effekt angeht. ‚

Auch hier wieder, um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist völlig in Ordnung zu mir zu sagen, dass die Stimmung oder die Geschichte oder meine Wortwahl oder wasauchimmer bei dir nicht gezogen hat. Ich werde never, ever in the Geschichte of Antworting jemandem vorschreiben, was er zu empfinden hat und ob jemandem etwas gefallen muss.

Wenn’s dir nicht gefällt, dann tut mir das leid. Aber es ist eben auch nicht zu ändern. Und es wird mit fast absoluter Sicherheit zumindest nicht nur an ‚Fehlern‘ liegen, die ich mache, sondern vor allem an deinem persönlichen Geschmack.

Also… Sag das auch so!

Das dritte Ding ist der schon kurz angerissene Tonfall selbst.

Irgendwie hat sich scheinbar der Irrglaube eingebürgert, dass man etwas unter dem Label Kritik auch schon dreist und beleidigend und gespickt mit Provokationen rüberbringen muss.

Für Theaterkritiker mag das auch richtig sein, denn die schreiben schließlich ihre Sachen für eine Zeitung und es soll einen Unterhaltungsfaktor geben. Aber in den Dialog mit den Verantwortlichen für das Stück treten sie nicht.

Und bei Literaturkritikern ist es ebenso. Die gehen nämlich nicht zum Autoren und reden mit dem, sondern plakatieren die Wände mit ihren Verrissen. Sie kritisieren für alle anderen und nicht für den Autoren.

Und ein Verriss verkauft sich halt immer besser, als ein Lob.

Und außerdem wird ein seltenes Lob durch seine Seltenheit aufgewertet und man macht sich damit zu einer Instanz, was die Meinungsbildung angeht. Komischer Prozess, der was mit Psychologie zu tun hat, aber funktioniert…

Das Ding ist: Wenn du mit mir redest, dann zieht das nicht.

Wenn du mir einen Kommentar schreibst, dann redest du nämlich mit mir.

Wenn du den Kritiker im oben umschriebenen Sinn spielen willst, musst du einen Blog aufmachen und dort zum Selbstzweck die Stories bei Lit beurteilen. Und man sucht dich dann auf, wenn man deine Meinung zu einem Stück haben will.

Was du hier tust, ist eher, dich mitten im Applaus bei der Uraufführung eines Stückes hinzustellen und mit einem Megaphon das Stück schlecht zu machen. Aber ohne das Risiko von einem der Zuschauer oder Schauspieler einen dafür auf die Nase zu bekommen, dass du nicht ohne Beleidigungen auskommst.

Mutig, mutig…

Wenn es also um das geht, was ich jetzt einfach mal als Verriss im beschriebenen Sinn bezeichnen will, reagiere ich allergisch. Und zwar meistens auf die Frechheiten, die sich da jemand herausnimmt.

Wenn du die Eier hast, mir solche Dinge ins Gesicht zu sagen, dann werde ich das mit einem gewissen Respekt vor deiner Aufrichtigkeit entlohnen.

Aber der Punkt ist, dass du dich hinter der Anonymität des Netzes versteckst und dabei Sachen ausspuckst, für die deine Mutter dir den Mund mit Seife ausgewaschen hätte.

Oder zumindest hätte sie das tun sollen.

Wenn ich also patzig werde, dann hat das nichts mit meiner Unfähigkeit zu tun, Kritik anzunehmen.

Ich tue mich nicht immer leicht damit, aber in einem vernünftigen Gespräch mit vernünftigen Argumenten und einem vernünftigen Umgangston funktioniert das durchaus hervorragend.

Nur wenn sich einer schon hinstellt und nur Beleidigungen in den Wald hinausposaunt, nehme ich mir heraus, dem Echo das Kaliber 9mm zu geben.

Und ganz nebenbei: Beleidigungen müssen nicht immer explizit sein.

Mancher mag die Augen verdrehen, wenn ich schon wieder von impliziten Beleidigungen anfange, aber da ich nun einmal ein schlaues Kerlchen bin, bemerke ich die eben leider auch.

‚Du bist doof‘ ist demnach durchaus gleichzusetzen mit ‚Solche Formulierungen verwenden nur Idioten‘.

Wenn es also in diese Richtung geht, diskutiere ich durchaus noch mit der betreffenden Person.

Aber nicht mehr über die Geschichte. Und wer das versteht, kommt prima mit mir klar.

Ich erwarte nur ein Mindestmaß an Höflichkeit und behaupte, dass ich die auch im Vorschuss gebe. Erst wenn man mir oft genug quer kommt, stelle ich das ein und reagiere in der Weise, in der man mir da begegnet.

Sag mir deine Meinung, lieber Kritiker. Selbst wenn du meine Geschichte absolut scheiße fandest, ist das eine Meinung, mit der ich leben kann.

Aber wenn du versuchst, mir schlau aufzuzeigen, wieso ich als der Autor meiner Geschichten ja auch nur scheiße sein kann, dann hast du mich, wo du mich offenbar haben willst: Irgendwo auf halbem Weg auf der Palme oder auch ganz schnell ganz oben.

Und wenn schon nichts anderes, dann ist das doch zumindest ein klarer Indikator für mich, wie ich in Zukunft mit dir umzugehen habe und wer von uns beiden nun wirklich scheiße ist.

Rede mit mir oder rede gegen die Wand, lieber Kritiker. Du kannst das frei entscheiden und ich werde mich darauf einstellen.

*****

So.

Und nun genug von dem Scheiß mit der Scheiße.

Wer hieraus etwas für sich schöpfen kann, hat meinen Segen und wer sich an die Stirn tippen möchte, weil ich komische, archaische Ansprüche an die zwischenmenschliche Kommunikation habe, ebenfalls.

Der Zweck dieses Liebesbriefes ist einfach pure Selbstdarstellung und nicht mehr. So kann ich von nun an darauf verweisen, dass ich schon einmal erklärt habe, wieso ich auf gewisse Dinge in gewisser Weise reagiere.

Wer sich angefasst fühlen will, hat meinen Segen. Und letztlich wahrscheinlich auch einen Grund dafür.

In diesem Sinne: Einen TRAUMHAFTEN Tag noch.

;-P.