} ?>

Kampf des Willens Ch. 02

Dies ist das zweite Kapitel einer längeren Geschichte, die sich vorrangig im Bereich Mind Control bewegt. Natürlich empfehle ich, zunächst das erste Kapitel zu lesen. Für die, die dies nicht tun wollen, hier eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Geschehens zur Orientierung:

Das neue Schuljahr beginnt schlecht für die achtzehn jährige Laura: Erst macht sie unerwartet Schluss mit ihrem Freund David, dann stirbt der Mathematiklehrer Herr Seger, und schließlich beginnt das Mädchen, unter seltsamen Gedächtnisverlusten zu leiden.

Irgendwann ist klar, dass jemand Lauras Handeln und Denken kontrolliert: Ihr Mitschüler Martin, der sich dafür eines geheimnisvollen Medaillons bedient. Doch Laura lernt es, sich zur Wehr zu setzen. Doch erst als das Schuljahr bereits zu Ende ist, schafft sie es, Martin endgültig zu besiegen. Laura glaubt sich frei, nur das Medaillon muss noch zerstört werden. Doch da taucht auf einmal der totgeglaubte Herr Seger wieder auf, und wie sich nun herausstellt, ist er der eigentliche Besitzer des Medaillons – Laura steht noch viel bevor.

Ich hoffe, dass euch meine Geschichte gefällt. Für Kommentare bin ich immer dankbar.

~~~

Schwarz liegt der Leskower See inmitten des Waldes. Der nächtliche Himmel ist bedeckt, kein Mond scheint. Nur die Straßenlaternen der kleinen Stadt Leskow, am westlichen Ufer des Sees, geben ein wenig Licht, das sich im Wasser reflektiert.

Die Bäume wiegen sich im Wind. Ein Unwetter scheint sich zusammenzuziehen.

Auf dem dunklen See tanzen kleine Wellen. Dann fällt erster Regen. Mit jedem Tropfen spritzt wie bei einer winzigen Explosion ein wenig Wasser hoch. Die Tropfen sind schwer, erst sind es nur wenige, dann immer mehr. Ein Rauschen von fallendem Wasser erfüllt die Luft. Doch niemand hört es, denn es ist Nacht. Die Stadt Leskow schläft. Kein Mensch ist im Wald um diese Zeit.

Dann jedoch regt sich etwas am Rande einer kleinen, versteckten Bucht am südöstlichen Ufer des Sees.

Ein Vogel flieht aus dem Gebüsch, fliegt hoch in den Himmel, als ob ihn etwas aufgeschreckt habe. Zu hören ist nichts, der Regen überdeckt alle Geräusche.

Eine Gestalt erscheint, ein Mann, im Schatten der Bäume ist er kaum zu erkennen. Er steht still am Ufer und starrt hinaus auf dem See, als denke er über etwas nach. Eine Hand hält er zu einer Faust geschlossen. Langsam öffnet er die Finger, und für einen Moment blinkt etwas zwischen ihnen – ein glänzendes Stück Metall, ein wertvolles Schmuckstück, das er zwischen den Fingern hält.

Dann ist seine Stimme zu hören, zerreißt für einen Moment das Rauschen des Regens. Nur ein einziges Wort sagt er, ruft es hinaus auf das Wasser des Leskower Sees:

„Laura!“

***

Laura starrte auf den Bildschirm ihres Computers.

„Das war echt geil mit dir. Bis nächste Woche. Thomas. „

Sie konnte nichts mit der Email anfangen, die sie da erhalten hatte.

Welcher Thomas? Es gab vier Jungen mit diesem Namen allein in ihrer Klassenstufe, mehr noch in der gesamten Schule. Und was war geil gewesen? War sie vielleicht mit diesem Thomas zusammen?

Laura massierte sich die Schläfen. Es war bereits fünf Uhr am Morgen, und sie war noch nicht einen Schritt weiter gekommen. Sie wusste nicht, was in ihrem Leben vor sich ging. Das Letzte, an das sie sich erinnern konnte, waren die Ereignisse einer warmen Augustnacht.

Jetzt war es Ende Oktober.

Vor drei Stunden war sie in ihrem Bett aufgewacht, in dem Zimmer, in dem sie seit ihrer Kindheit schlief. Regelrecht aus dem Schlaf geschreckt war sie. In ihrem Kopf hallte noch immer das Echo der Worte, die ihr ehemaliger Mathematiklehrer Herr Seger zu ihr gesagt hatte in jener Augustnacht, die ihr wie gerade eben erst vergangen erschien: „Gegen mich kannst du dich nicht wehren. „

Ihr Zimmer sah so aus wie eh und je.

Das Fenster war geschlossen, doch dahinter konnte Laura trotz der Dunkelheit die Silhouetten kahler Bäume ausmachen. Herbst. Nachdem sie verstanden hatte, dass seit ihrer Begegnung mit Herrn Seger mehrere Monate vergangen sein mussten, war sie aus dem Bett gestiegen und hatte ihren Computer angemacht, entschlossen, auf der Seite der Lokalzeitung, in ihrer Email, überall nach Spuren der Zeit, die sie verloren hatte, zu suchen – doch ohne Erfolg. Einige seltsame Einbrüche, das ja, unter anderem ein weiterer Einbruch im Heimatkundemuseum, wie schon einer im vergangenen Jahr geschehen war, doch das war alles.

Irgendwo war noch ein kleiner Artikel über das Leskower Schlossfest Ende September gewesen – eine Erinnerung an die grausame Begebenheit des Vorjahres, als beim Tauchwettbewerb ein Teilnehmer ertrunken war. Und ein Foto des dies jährigen Siegers, der gerade seinen Siegerkuss erhielt – von Laura. Sie hatte keine Ahnung, warum gerade sie zur „Prinzessin“ ausgewählt worden war. Wahrscheinlich hatte Herr Seger auch da seine Finger mit drin. Warum wohl? Die Gründe waren wahrscheinlich genauso wenig nachvollziehbar, wie Martins Motivation im vergangenen Jahr, das Wetttauchen zu gewinnen, und dafür sogar zu morden.

Die Zeitungen gaben ansonsten nicht viel her. Aber da war eben noch diese Email, von irgendeinem Thomas. Doch auch das brachte sie nicht weiter.

Sie beschloss, nicht mehr das Internet zu durchsuchen, und wandte sich dem Rucksack zu, in dem sie ihre Schulsachen aufbewahrte. Auch dort fand sie nichts Neues. Ihre Mitschriften aus dem Unterricht schienen in Ordnung zu sein. Ein Mathematiktest aus der vorigen Woche – sie hatte eine Eins erhalten.

Der Unterschrift nach war ihre Lehrerin nach wie vor jene alte Dame, die man nach Herrn Segers vermeintlichen Tod aus dem Ruhestand geholt hatte.

Wo hatte sie ihr altes Diktiergerät? Laura fand es in einem Regal, zwischen Büchern und Papieren. Hoffentlich reichten die Batterien. Sie schaltete es an und legte es in die vordere Tasche ihres Rucksacks.

Es war bald Zeit, sich für die Schule fertig zu machen.

Herr Seger schlief wahrscheinlich, und das hatte ihr eigenes Erwachen erleichtert. Doch wenn er aufwachte, würde er sie sicherlich wieder der Kontrolle unterwerfen, die er aufgrund eines geheimnisvollen Medaillons über Lauras Willen und Bewusstsein hatte. Ob er wohl wusste, dass sie ihm ein paar Stunden entkommen war? Vielleicht war es besser, wenn sie noch einmal einschlief. Dann würde er es vielleicht nicht merken. Laura legte sich ins Bett. Der Schlaf übermannte sie schnell, doch bevor sie einschlief, spürte sie noch entfernt dieses bekannte Flimmern in der Luft, das ihre Gedanken auslöschte und sie in seinen dunklen Abgrund hineinzog.

***

Thomas sah Laura schon von weitem. Er stand am Tor zum Schulhof, und betrachtete das zierliche, rothaarige Mädchen, das immer näher kam. Gleich würde er sie anlächeln, und ihr „Hallo!“ sagen. Doch Laura schien wie immer mit ihren Gedanken woanders und sah ihn gar nicht.

Thomas seufzte und folgte ihr ins Schulhaus. Seinen Blick heftete er dabei auf ihren Hintern, dessen Form sich durch die engen Jeans, die sie trug, deutlich abzeichnete.

Ihm fiel auf, dass sie vor Beginn dieses Schuljahres nie solch aufreizende Kleidung getragen hätte. Laura war eigentlich immer eine von den konservativen, stillen Mädchen gewesen. Hübsch, mit ihren dichten, langen Haaren und großen, blauen Augen, aber doch unauffällig. Außerdem war sie früher sowieso off limits gewesen, sie war ja immer mit diesem David zusammen. Na, der war inzwischen fertig mit der Schule.

Aber die beiden, Laura und David, hatten schon vor einem Jahr Schluss gemacht, und zur Überraschung aller war Laura dann plötzlich mit Martin zusammen, einem unsympathischen Langweiler.

Und wenn er, Thomas, mit seinen andauernden Akneproblemen, seinem Mangel an Coolness, seiner übertriebenen Schlaksigkeit, schon für sich selbst wenige Chancen bei einem Mädchen wie Laura sah, so erschien ihm Martin als ganz absurder Partner für das hübsche Mädchen. Was sie wohl mit dem gewollt hatte?

Aber Martin hatte ja dann diesen Unfall gehabt und lag jetzt, fast drei Monate später, noch immer im Koma – die Ärzte waren ratlos. Das Ganze musste Laura doch ganz schön mitgenommen haben, jedenfalls hatte sie sich seitdem vollkommen verändert.

Sie zog sich plötzlich ganz provokativ an, hielt sich an Leute mit schlechtem Ruf – und irgendwann begann das Gerücht umzugehen, dass sie für Geld ziemlich viel täte. Ihre Schulleistungen waren seltsamerweise dennoch viel besser geworden, besonders in Mathematik, eigentlich eines ihrer schwächsten Fächer.

Thomas saß inzwischen auf seinem Platz im Klassenzimmer, es klingelte. Die Lehrerin begann, irgendetwas zu erzählen, aber er hörte nicht zu. Seine Gedanken schweiften zum gestrigen Tag:

Endlich hatte er einen „Termin“ mit Laura ausgemacht.

Sie würde ihn im Mädchenklo erwarten, hatte sie gesagt. Nervös hatte er gewartet, bis keiner im Gang war – am späten Nachmittag, nach Unterrichtsschluss. Dann war er ins Mädchenklo geschlichen. Er sah sich um. Er hatte die Mädchentoiletten nie zuvor betreten, und sie schienen ihm eine geheimnisvolle Welt, ein Wunderland, zu dem ihm sonst der Eintritt versperrt blieb. Zwischen den üblichen, eher unangenehmen Gerüchen nach Urin glaubte er den Duft weiblicher Sekrete zu erahnen.

Vor seinem inneren Auge sah er Hunderte Mädchen die Toilette bevölkern, in den kleinen Toilettenkabinen ihre Hosen herunterziehen, er glaubte die Geräusche zu hören…

Doch der Raum war leer, niemand war zu sehen gewesen. Die meisten Türen zu den Kabinen standen offen, ein paar waren geschlossen – eine davon sogar abgeschlossen, das kleine rote Feld leuchtete unter der Türklinke. Unschlüssig hatte Thomas sich vor diese Tür gestellt, gewartet, er wagte es nicht, anzuklopfen.

Plötzlich hatte er das Klacken des Schlosses gehört, in dem kleinen Feld unter der Klinke wechselte die Farbe von rot zu grün. Dann wurde die Tür von innen aufgestoßen. In der kleinen Kabine, vor der Toilette, stand Laura. Über der engen Jeans trug sie nur ein ärmelloses Shirt, ihr Pullover lag über ihrem Rucksack. Das Haar hing ihr halb ins Gesicht. Laura strich es ein wenig beiseite, und lächelte Thomas herausfordernd an.

„Komm rein!“

Thomas betrat die Toilettenkabine. Die Kabine war klein, für zwei Leute war es eng, Thomas berührte Laura fast. Er konnte ihren Atem hören. Ihm fiel ein, dass er wohl noch nie einem Mädchen so nahe gewesen war.

Lauras Brüste zeichneten sich deutlich unter dem winzigen Shirt ab, er konnte trotz des schwachen Lichtes ihre Brustwarzen ausmachen, einen BH trug sie wohl nicht.

Thomas spürte, wie sich schon bei dem Anblick sein Schwanz regte.

Langsam hob er seine Hand, seine Finger berührten vorsichtig ihre linke Brust. Selbst durch den Stoff des Shirts fühlten sie sich besser als alles an, was er kannte.

Laura ließ ihn einige Momente gewähren, dann griff sie seine Hand, und schob sie unter ihr Shirt. Thomas fügte noch seine andere Hand hinzu, und einige Minuten lang konzentrierte er sich nur auf das Gefühl von Lauras Brüsten unter seinen Händen – den ersten Brüsten, die er in seinem Leben berührte, seit er der Mutterbrust entwachsen war.

Laura stand einfach nur still da, während er mit ihrem Brüsten spielte. Schließlich jedoch nahm sie seine Hände in die ihre, drückte sie noch einmal gegen ihren Körper, und schob sie dann zur Seite.

Thomas hätte gerne noch eine Weile weitergemacht, aber er war gespannt darauf, was nun geschehen würde. Er wurde nicht enttäuscht: Laura zog ihr kleines Shirt über den Kopf, und der Blick auf ihre nicht zu großen, aber wunderbar geformten Brüste war nun frei.

Ihre helle Haut schimmerte leicht, sie sah genau so samtig aus, wie sie sich auch angefühlt hatte. Ihre Brustwarzen waren hart und schienen auf Thomas zu zeigen.

Laura kniete sich vor ihn auf die Fliesen, ihr Gesicht war nun auf der Höhe seines Gliedes, das heftig gegen die Hose drückte. Sie erschien Thomas auf einmal viel zu eng, wie ein Gefängnis, doch schon zog Laura seinen Reißverschluss herunter, und befreite seine Männlichkeit.

Sobald er Lauras Finger an seinem Schwanz spürte, musste Thomas sich zusammennehmen, um nicht sofort zu kommen. Geschickt bewegte sie ihre Hand ein paar Mal an dem Glied auf und ab, und Thomas stöhnte erregt. Er sah auf sie hinunter, und ihm selben Augenblick schaute Laura provozierend zu ihm hinauf. Ihr Mund näherte sich dabei immer mehr seinem Glied. Der Anblick des zierlichen und früher so braven Mädchens, das sich jetzt vorbeugte, kurz davor war, ihn mit ihrer Zunge zu berühren, das erregte ihn am meisten.

Im nächsten Moment ließ Laura ihre Zunge einmal an der Unterseite seines Schaftes entlangfahren, und leckte dann die kleinen Tropfen, die in Vorfreude aus ihm heraus quollen, von der Eichel. Thomas stöhnte wieder, und schloss seine Augen, um sich jetzt nur auf die Berührung dieser weichen, feuchten Zunge zu konzentrieren.

Ein paar mal noch berührte Laura ihn nur leicht, wie um ihn zu necken, ihn herauszufordern.

Dann nahm sie die Spitze seines Schwanzes in ihren Mund, warm und feucht umgab er Thomas‘ Eichel. Thomas sah zu, wie sie ihren Kopf langsam auf und ab bewegte, um ihn immer tiefer in sich aufzunehmen. Zugleich stand ihre Zunge nie still, tanzte einmal auf der Spitze, fuhr immer wieder an seinem Schaft entlang, um so tiefer sie ihn in ihren Mund eindringen ließ. Schließlich spürte Thomas, wie er an das Ende ihrer Kehle zu stoßen schien, wie Lauras Nase zugleich in sein Schamhaar hinein atmete.

Sie hielt einen Moment still so, irgendein Schluckreflex schien sie nicht zu stören. Dann zog sie sich wieder ein wenig zurück, entließ ihn ein Stück aus der feuchten Höhle ihres Mundes, nur um ihn danach sofort wieder tiefer aufzunehmen. Beinahe unwillentlich begann Thomas seine Hüften zu bewegen, um ihre Bewegungen zu treffen.

Er spürte etwas an seinen Hoden – Lauras Hand. Sie spielte mit ihnen, drückte sie sanft, streichelte sie.

Thomas stöhnte wieder, lange würde er sich nicht zurückhalten können. Nach wenigen Minuten fühlte er seinen Orgasmus herankommen, stärker als alle, die er beim Masturbieren gehabt hatte. Als würde er explodieren, so fühlte sich sein Schwanz an, und Thomas war leicht schwindlig während er mehrere Ladungen seines Samens in Lauras Mund spritzte, seine Hände im Haar des Mädchens pressten ihren Kopf an seinen Unterleib …

Erst die Klingel schreckte Thomas aus seinen Erinnerungen.

Und selbst die Tatsache, dass er in seinem Klassenzimmer saß, und dass die Ereignisse im Mädchenklo bereits zwanzig Stunden zurücklagen, konnte das zufriedene Lächeln nicht aus seinem Gesicht vertreiben. Sein erstes sexuelles Erlebnis war vielleicht mit Geld erkauft worden, aber es war unglaublich gewesen, und mit einem Mädchen, von dem er nie zu träumen gewagt hätte. Und das Beste war, dass er bereits einen neuen Termin mit Laura ausgemacht hatte, für die nächste Woche.

Wenn er die ganze Woche weniger rauchte, und also mehr Geld zusammensparen könnte, vielleicht würde Laura ja sogar noch weiter gehen? Thomas nahm sich vor, sie bald zu fragen.

***

Nervös schaute Herr Seger auf seine Uhr. Gleich drei, endlich, die Schule war bereits aus, Laura musste bald da sein.

Er hatte sie schon drei Tage nicht gesehen, ihre Mutter war krank und zu Hause gewesen, da wäre es zu auffällig, wenn sie nach der Schule in den Wald ginge.

Jetzt aber arbeitete die Mutter wieder, und er lenkte Lauras Schritte zu der kleinen Hütte, die er sich im vorigen Jahr mit Martins Hilfe versteckt zwischen den Bäumen des Leskower Waldes renoviert hatte.

Ja, es machte ihn nervös, Laura ein paar Tage nicht zu sehen. Seine Kontrolle über sie war stark, er konnte ihr allgemeines Verhalten lenken, auch ohne dass er ihr direkte Befehle gab, oder auch nur wusste, was genau sie gerade tat.

Sie verhielt sich entsprechend seinen Vorstellungen. Aber er zog es vor, sich seiner Macht über sie immer wieder zu vergewissern. Die Tatsache, dass sie sich im vorigen Jahr gegen Martins Befehle zur Wehr gesetzt hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf.

Seine Willenskraft war stärker als die des Jungen, das stimmte, aber er musste sich dennoch in 18 nehmen vor dem Mädchen. Immerhin hatte sie sich nicht nur von Martins Kontrolle befreit, sondern ihn darüber hinaus noch ins Koma gesandt.

Und bis heute war er nicht erwacht. So etwas durfte ihm, Frank Seger, keinesfalls passieren.

Es schien jedoch alles in Ordnung: Schon spürte er Lauras Nähe, und einige Momente später tauchte sie zwischen den Bäumen auf, stand auf der Lichtung, auf der seine Hütte stand – dass er dieses verfallene Häuschen ganz in der Nähe der versteckten Bucht entdeckt hatte, war wirklich ein Glück gewesen. Dank seiner Kraft fand niemand sein Versteck, und es lebte sich recht gemütlich hier.

Herr Seger leckte sich leicht die Lippen, als er Laura sah. Sie kleidete sich jetzt ganz nach seinem Geschmack – er mochte es, wenn Schülerinnen viel zeigten, und auch im Herbst konnte man da noch einiges machen. Selbst wenn es für Miniröcke und bauchfrei schon zu kalt war, gab es genug enge Kleidungsstücke, und eine Figur wie sie Laura hatte, musste einfach betont werden.

Laura überquerte die Lichtung und ging auf ihn zu.

Dabei schwang sie aufreizend mit den Hüften, genau wie er es von ihr wollte. Einen Moment tauchte in Herrn Segers Kopf die Frage auf, was wohl Lauras Mutter von der Wandlung ihrer Tochter hielt, und er musste grinsen.

Ja, Lauras Mutter… Marion… Sie war eine Klassenkameradin von Frank Seger gewesen. Eine von diesen hübschen, nach außen hin braven und strebsamen Mädchen, die es aber doch in sich hatten. Und sie gehörte zu den Mädchen, die in Abwesenheit der Lehrer hässliche Jungen mit Brille und Zahnspange verspotteten, wenn sie ihre Existenz überhaupt einmal bemerkten.

Und Frank Seger war so verliebt gewesen, die ganze Oberstufe hindurch konnte er an nichts anderes denken als an sie – aber natürlich hatte sie immer nur Augen für die älteren, gut aussehenden Jungen. Und einen von denen hatte sie dann einige Jahre später geheiratet.

Aber Laura sah genau so aus wie ihre Mutter. Und immer war sie genauso strebsam und nach außen hin brav gewesen, bloß die Bösartigkeit gegenüber den wenig beliebten Schülern fehlte ihr wohl.

Dennoch, Frank Seger hatte sofort seine alte Jugendliebe in ihr wieder erkannt, als sie vor etwas über sechs Jahren zum ersten Mal sein Klassenzimmer betreten hatte. Und jedes Mal, wenn er sie sah, schossen alle möglichen Phantasien über die stille kleine Schönheit durch seinen Kopf, Phantasien, die ein Lächeln in sein Gesicht zauberten. Laura, unschuldig wie sie war, hatte dieses Lächeln stets erwidert und sich dann auf ihren Platz gesetzt, ekelhaft strebsam ihre ordentlich geführten Hefte und Bücher auf den Tisch gelegt und war noch einmal die Notizen der vorigen Woche durchgegangen – und das obwohl sie Mathematik weder mochte noch besonders gut darin war.

Je älter und hübscher Laura geworden war, umso häufiger hatte er sich vorgestellt, ihr biederes Auftreten zu durchbrechen. Er hatte sich vorgestellt, wie sie ihren Mitschülern auf der Toilette einen blasen würde, hatte sich vorgestellt, dass sie sich irgendwann zu einer kleinen Schlampe entwickeln würde – und wie weh das ihrer Mutter täte. Und als er dann erfuhr, wie verliebt Martin in sie war, hatte er nicht lange gezögert – Martin hatte sich seiner Macht fast freiwillig unterworfen, und Herr Seger wollte ihn dafür belohnen.

Abgesehen davon kamen die nächtlichen Besuche Lauras, durch Martin veranlasst, auch ihm zugute.

Herr Seger hatte gerne bei all den Dingen zugesehen, die Martin mit der willenlosen Laura getan hatte – und ebenso mochte er die Vorstellung, dass sie sich nun auf seinen Wunsch hin prostituierte. Zusehen konnte er leider nicht dabei, denn er wollte ja, dass die Jungen, denen Laura ihren Körper anbot, bei vollem Bewusstsein waren.

Laura stand jetzt vor Herrn Seger, schweigend, ihr Blick schien in irgendeine unerkennbare Ferne gerichtet, aber das war er ja immer, wenn sie unter seiner Kontrolle war.

Sie streckte ihm einige Geldscheine entgegen, wie zum Beweis, dass sie auch in den letzten Tagen seinen Befehlen gefolgt war.
Herr Seger berührte kurz ihre Wange.

„Braves Mädchen“, sagte er mit leicht belegter Stimme.

Es war zwar Unsinn mit Laura zu reden, da sie seinen Befehlen blind gehorchte, wenn er sie nur dachte. Aber irgendwie beruhigte Herrn Seger der Klang seiner eigenen und ihrer Stimme, die Illusion normaler Gespräche.

Und er hörte gerne, wenn sie ihm detailliert über ihre Erlebnisse an der Schule erzählte.

„Wie lief es gestern mit Thomas?“ fragte er daher.

Lauras Stimme klang ein wenig anders, als sie dies früher, vor über einem Jahr, getan hatte. Herr Seger nahm an, dass es sein eigener Ton war, der sich da in ihr Sprechen mischte, aber es störte ihn nicht.

„Ich habe bei den Mädchentoiletten auf ihn gewartet“, begann sie.

„Er ist ein paar Minuten zu spät da gewesen, aber nicht viel. Er hat sich erst mal nicht reingetraut, stand in der Tür, und dann noch mal vor der Tür zu meiner Toilettenkabine, ohne anzuklopfen oder was zu sagen. Als ich die Tür aufgemacht habe, um ihn rein zu lassen, sah er erst mal aus, als wollte er gleich wieder wegrennen. Aber einen riesigen Steifen hatte er, man konnte es selbst durch die Jeans deutlich sehen.

Herr Seger spürte, dass es sich auch in seiner eigenen Hose bereits zu regen begann. Der Gedanke daran, dass ein unauffälliger, schüchterner Junge, wie er es selbst einmal gewesen war, auf der Mädchentoilette von einer kleinen Schönheit wie Laura erwartet worden war, erinnerte ihn an die Phantasien seiner eigenen Jugend.

„Wir haben uns beide in der Toilettenkabine eingeschlossen, und er hat dann erst mal eine Weile mit meinen Brüsten gespielt“, erklärte Laura.

„So?“ fragte Herr Seger, und zog Lauras Pullover und Shirt über ihren Kopf. Einen BH trug sie auch heute nicht. In der kalten Novemberluft richteten sich die Brustwarzen sofort auf. Der Lehrer nahm sie zwischen seine Finger und kniff sie ein wenig, dann umfasste er die Brüste mit seinen Händen, als wollte er ihr Gewicht prüfen. Schließlich beugte er sich vor, und nahm sie ein wenig in seinen Mund, saugte und leckte an ihnen.

Obwohl Thomas sich ganz anders verhalten hatte, protestierte Laura nicht. Im Gegenteil, ihr Atem wurde schneller, und ein leises Stöhnen entfuhr ihrem Mund – genau das Geräusch, was Herr Seger gerne von ihr hören wollte.

Schließlich jedoch wandte er sich von ihren Brüsten ab, und forderte Laura auf, weiter zu erzählen.

„Ich habe mich dann vor ihm hingekniet, und seinen Hosenstall aufgemacht, und ein bisschen mit seinem Schwanz gespielt.

Er war schon ziemlich steif, recht groß. Ich habe meinen Mund…“

„Nein warte“, unterbrach Herr Seger. „Erzähl es nicht. Zeig’s mir lieber. „

Gehorsam kniete sich Laura vor Herrn Seger. Nach dem Spiel mit Lauras Brüsten war sein Schwanz geschwollen und pochte, er schien seine Hose fast zu sprengen. Langsam zog Laura seinen Reißverschluss herunter, und befreite ihn. Sie leckte sich leicht die Lippen, als das Glied des Lehrers ihr entgegen sprang – Herr Seger schaffte es immer besser, selbst ihre kleinsten Reaktionen zu kontrollieren.

Er wusste, dass ihr Geschlecht feucht war, und gab sich gerne der Illusion hin, dass es sie erregte, ihn zu befriedigen. Vielleicht erlaubte sie sich selbst diese Erregung ja nur nicht, wenn sie bei Bewusstsein war, vielleicht tat er ihr eigentlich einen Gefallen, indem er sie seiner Herrschaft unterwarf.

Genau wie am Vortag bei Thomas, ließ Laura zunächst ihre Zunge über die Spitze von Herrn Segers Schwanz tanzen, leckte die kleinen Tröpfchen, die sich dort zeigten auf.

Dann nahm sie ihn in ihren Mund auf, ließ den Schwanz langsam immer tiefer hinein gleiten.

***

Laura fuhr aus dem Schlaf. Schneeflocken stöberten durch den Nachthimmel vor ihrem Fenster.

Für einige Momente wusste sie nicht so recht, wo sie war, was geschehen war – sie war eingeschlafen, daran erinnerte sie sich. Und dann? Seitdem musste einige Zeit vergangen sein. Von Schnee war in jener Nacht, da sie das letzte Mal erwacht war, noch nichts zu sehen gewesen.

Das war ja auch schon im Oktober gewesen. Jetzt musste es zumindest Dezember sein.

Laura schaute auf den kleinen Wecker, der immer neben ihrem Bett stand. Es war kurz nach Mitternacht. Sie hatte mehrere Stunden bis zum Morgen – solange Herr Seger hoffentlich schlief, war sie wohl frei. Sie setzte sich in ihrem Bett auf, und versuchte ihre Gedanken und diffusen Erinnerungen zu ordnen. Das Diktiergerät! Richtig! Zumindest eine Aufnahme der ersten paar Stunden nach ihrem letzten Erwachen müssten darauf zu hören sein, und vielleicht half ihr das ja irgendwie weiter.

Sie sprang aus dem Bett, und begann, nach dem kleinen Gerät zu suchen. Wo hatte sie es nur hingetan? In die Hosentasche? Oder die Jacke? Aber die Jacke war ja im Flur, und nicht in ihrem Zimmer.

Der Rucksack! Genau. Laura öffnete die vordere kleine Tasche. Da war es!

Sie setzte sich auf ihr Bett, neben sich ein Heft, in das sie sich schon das letzte Mal einige Notizen gemacht hatte.

Sie wusste, dass das, was nun folgen würde, bestimmt nicht einfach für sie wäre. Aber sie wollte wissen, was mit ihr geschah.

*

Als der Himmel vor dem Fenster langsam heller wurde, vergrub Laura ihr Gesicht in ihrem Kissen und weinte. Ihr war übel. Sie hatte auf dem Diktiergerät ihr Gespräch mit dem Lehrer gehört, und aus verschiedenen Geräuschen hatte sie sich den Rest erschlossen.

Es war entsetzlich.

Doch Laura wusste, dass der Lehrer, sobald er selbst erwachte, sie wohl wieder seiner Kontrolle unterwerfen würde, dass sie sich weiterhin an ihre Mitschüler verkaufen würde, ohne selbst zu wissen, was sie tat. Und immer mehr verwandelte sich ihre Angst und ihr Ekel in Wut. Wie konnte er das tun? Herr Seger – sie hatte ihn immer für einen netten Lehrer gehalten, für einen von denen, die noch lächeln, wenn man von ihrem Fach keine Ahnung hat.

Er hatte ihr immer aufgetragen, ihre Mutter zu grüssen…

Sie musste etwas tun. Irgendwie musste sie dagegen ankommen. Sich aus seiner Macht befreien. Laura hatte das schon bei Martin geschafft, sie beschloss, dass sie es auch bei Herrn Seger schaffen würde.

Es war sieben Uhr morgens inzwischen. Laura glaubte, das bekannte Flimmern und Flirren in der Luft, das ihr Gehirn ergriff und ihre Gedanken auslöschte, bereits zu spüren.

Mit aller Kraft begann sie, sich dagegen zu sträuben, hielt an ihrem Bewusstsein fest. Nach einigen Sekunden jedoch wurde es schwarz um sie.

***

Frank Seger zitterte. Ihm war kalt, obwohl es in seiner Hütte wohlig warm war – er hatte einen Kamin aus Steinen gebaut, der zwar etwas anstrengend zu beheizen war, aber den Raum angenehm erwärmte. Einige Sekunden kämpfte er mit dem Wunsch, sich einfach wieder hinzulegen, zur Wand zu drehen, einzuschlafen – so zu tun, als sei nichts geschehen.

Aber das half ja nichts. Er wusste, was passiert war – dass es passiert war. Laura hatte sich nicht nur aus seiner Macht befreit, sie hatte sich auch gegen ihn gewehrt. Für einige, beängstigende Sekunden hatte er mit ihr gerungen.

Er saß im Bett, draußen begann es gerade zu dämmern. Nein, schlafen würde er lieber nicht mehr für heute – wer weiß was passieren würde. Lieber aufstehen, ein bisschen im Wald spazieren gehen, vielleicht hatte es noch mehr geschneit, er mochte den winterlichen Wald.

Frank Seger stand auf. Während er seine Hosen und einen warmen Pullover anzog, beschloss er, Laura in ein paar Stunden in den Wald kommen zu lassen. Der Gedanke an ihren schlanken, nackten Körper auf seinem Bett erregte ihn und vertrieb die Angst. Ja, ein Spaziergang im Schnee, und sich dann an ihr aufwärmen, das war es.

Es war sowieso gut, wenn er sie so oft wie möglich sah.

Das würde seine Macht über sie stärken. Mit Schrecken fiel ihm dabei ein, dass es bereits Mitte Dezember war – bald würden die Weihnachtsferien beginnen, und Lauras Eltern planten wahrscheinlich wie jedes Jahr eine Reise nach Süddeutschland.

Aber da würde er sich schon was einfallen lassen, beruhigte sich Frank Seger. Erst einmal freute er sich auf den heutigen Nachmittag.

***

Laut quietschten die Bremsen, die Insassen des Autos wurden mit einem Ruck nach vorne geworfen.

Ein Krachen. Jemand schrie.

Es dauerte einige Momente, bis Laura klar wurde, dass sie es selbst war, die schrie. Sie wollte aufhören, aber es ging nicht. Sie schrie und schrie. Ein hämmernder Schmerz pochte durch ihr Hirn.

Dann, endlich, versank sie in Bewusstlosigkeit – eine neue, fremde Bewusstlosigkeit, die durch kein Flimmern angekündigt wurde. Ihre Gedanken wurden nicht von einer fremden Macht ergriffen, sie verschwanden einfach nur.

***

Schon am Geruch erkannte Laura, dass sie in einem Krankenhaus war. Sie hörte leise Stimmen in der Nähe, und als sie mit Mühe die Augen ein wenig öffnete, erkannte sie verschwommene Gestalten, die sich über ihr Bett beugten. Einen Moment lang wurden sie klarer, sie glaubte, ihren Vater zu erkennen. Dann verschwamm alles wieder.

***

Doktor Schmidt bekam das Mädchen nicht aus seinem Kopf.

Wie konnte er so über eine Patientin denken? Noch dazu eine, die von solchem Unglück verfolgt wurde?

Irgendjemand hatte ihm verraten, dass der junge Mann, der bereits seit dem Frühsommer im selben Krankenhaus im Koma lag, ihr Freund war, dass sie bis zu seinem Unfall mit ihm gelebt hatte. Und nun lag sie selbst hier, glücklicherweise mit keinen schwerwiegenden Verletzungen. Aber ihre Mutter war ums Leben gekommen bei dem Unfall, den ihr Vater unbeschadet, und sie selbst mit einigen Prellungen, einer starken Gehirnerschütterung, und einem gebrochenen Arm überstanden hatte.

Gestern hatte er ihr den Tod ihrer Mutter mitgeteilt. Der Vater hatte ihn darum gebeten – er selbst würde es nicht fertig bringen. Doktor Schmidt konnte sich noch genau an den Blick erinnern, mit dem sie seine Nachricht aufnahm. Stumm hatte sie genickt und ihn angesehen, wie jemand, der gar nichts anderes mehr vom Leben erwartet. Sie hatte nicht geweint, nicht geschrieen, aber in ihrem Ausdruck lag ein Schmerz, der ihm selbst, Doktor Schmidt – immerhin seit 30 Jahren im Krankenhaus und mit solchen Dingen vertraut – ins Herz schnitt.

Aber es war noch etwas Anderes. Da war irgendetwas an diesem Mädchen, das ihm nicht aus dem Kopf ging, und das war alles andere als Mitleid.

***

Wie konnte ihm so etwas nur passieren?

Unruhig ging Frank Seger am Ufer auf und ab, und starrte auf den gefrorenen See. Dunkel lag das Eis unter dem Nachthimmel, noch würde es eine Weile dauern, ehe die Sonne aufging.

Es war kalt, Herrn Segers Atem formte eine kleine Wolke, aber er spürte die Kälte kaum – zu tief war er in seinen Gedanken verfangen.

Wie in aller Welt konnte ihm so etwas nur passieren?

Er hatte einen kleinen Unfall geplant, gerade genug um Lauras Familienurlaub zu verhindern. Aber doch nicht das!

Im ersten Moment hatte er gar nicht gewusst, was geschehen war. Er hatte die Kontrolle über den Kopf von Lauras Vater gesucht, nur für einen Moment sollte dieser unachtsam sein, von der Fahrbahn abkommen, gegen die Leitplanke stoßen.

Das hätte genügt. Aber da war irgendwas. Je mehr Herr Seger darüber nachdachte, umso stärker glaubte er, dass er eine andere Kraft, ähnlich der seinen, gefunden hatte, die mit ihm um die Kontrolle über Lauras Vater rang. Und in dem ganzen Durcheinander war das Auto, in dem sich Lauras Familie befand, in einen LKW gerast, die Beifahrerseite wurde vollkommen zerquetscht, Lauras Mutter starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Tränen stiegen Herrn Seger in die Augen – erst jetzt spürte er deutlich, wie sehr er diese Frau noch immer geliebt hatte.

Gehasst, so sehr, dass er sich an ihrer Tochter rächen wollte, aber auch geliebt. Und zum ersten Mal empfand er eine Wut gegen das Medaillon, das er trug, gegen die Kraft, die es ihm gab, und die all das verursacht hatte.

Aber was war da noch gewesen? Wessen Kraft? War es das Medaillon selbst, das ihm wehtun wollte, das ihm vor Augen führen wollte, wie gefährlich seine Macht war? Oder war da jemand anders gewesen?

Für einen Moment fühlte Frank Seger die Versuchung, sich das Medaillon vom Hals zu reißen, es hinaus in den See zu werfen, so weit, dass es niemals irgendein Mensch wieder finden könnte.

Und dann, so dachte er, könnte er am Ufer des Sees zusammenbrechen, laut schreien und weinen. Oder ein Loch ins Eis hacken, und selbst ins Wasser springen, für immer verschwinden.

Um jemanden, den alle seit anderthalb Jahre tot glaubten, würde wohl niemand trauern. Der Kloß in Frank Segers Kehle vergrößerte sich, während er sich seinen armen, vom Wasser aufgeblähten Körper vorstellte, der mutterseelenallein und unentdeckt unter dem Eis dahin trieb.

Aber er wusste, dass das alles nicht möglich war. Das Medaillon war schon einmal ins Wasser geworfen worden, und es war zu ihm zurückgekommen. Es hatte ihn gerufen. Ihn schauderte ob der Erkenntnis: Das Medaillon wollte bei ihm sein. Es wollte, dass er all die Dinge tat, derer er sich in den letzten anderthalb Jahren schuldig gemacht hatte. Zum ersten Mal fragte er sich, wie viel Macht das Medaillon selbst über ihn, Frank Seger, hatte.

Das Schmuckstück hing schwer um seinen Hals und strahlte eine Wärme aus, die ihn langsam beruhigte. Der ehemalige Lehrer ergriff es, umschloss das Medaillon mit seinen Fingern, als wollte er seine glatte Oberfläche fühlen. Dann richtete er den Kopf auf. Sein Blick, der erneut das gegenüberliegende Ufer des Sees absuchte, hatte nun etwas Resolutes in sich.

„Nein!“ sagte Herr Seger laut und mit trotzigem Ton. „Nein.

“ Er selbst war es doch, der bestimmte, der die Kontrolle über alle und alles hatte. Und er musste weitermachen, trotz seines Fehlers, und so traurig er auch über Marions Tod war. Er konnte jetzt nicht aufgeben. Irgendwie würde sich alles zu seinem Vorteil auflösen. Und keinesfalls durfte er Laura noch lange unkontrolliert lassen, dort im Krankenhaus. Sie erholte sich von dem Unfall, und wer weiß, was sie unternehmen würde, an wen sie ihn verraten würde, welche Beweise sie sammeln könnte, wenn er nicht aufpasste.

Inzwischen war die Sonne aufgegangen. Wärme brachte sie nicht, aber das Eis und die verschneiten Bäume glitzerten in ihrem Licht. Langsam schlenderte Herr Seger zurück in den Wald, in sein Versteck zwischen hohen Bäumen und dichtem Gestrüpp. Rauch stieg aus dem Schornstein der Hütte. Er sammelte seine Gedanken, seine Kräfte, konzentrierte sie alle in eine Richtung, suchte nach Laura.

***

Vorsichtig blinzelte Laura.

Die Sonne strahlte durch das Fenster direkt auf ihr Bett, draußen schien einer dieser leuchtend schönen, aber kalten Wintertage zu sein. Einige Sekunden genoss sie den Blick auf den blauen Himmel und die schneebedeckten Bäume im Garten des Krankenhauses, und die Tatsache, dass sie alles wahrnehmen konnte. Sie war wach, sie war bei Bewusstsein, ihr Gesundheitszustand verbesserte sich von Tag zu Tag spürbar, und bisher hatte Herr Seger noch keinen einzigen Versuch unternommen, sie wieder seiner Kontrolle zu unterwerfen.

Zwei weitere Frauen teilten das Zimmer mit Laura, aber sie konnte sich nicht erinnern, bisher länger mit ihnen gesprochen zu haben. Es war noch früh am Morgen, und sie schliefen. Laura freute sich, dass sie Sonnenlicht und morgendliche Stille für sich allein hatte.

Zwischen den Sonnenstrahlen, die helle Flecken auf die Fensterscheibe und die Krankenhauswand warfen, tauchte plötzlich ein Gesicht auf. Eine Erinnerung. Laura schloss die Augen und jetzt sah sie es deutlicher: Die Züge ihrer Mutter.

Wie ein rasender Schmerz fuhr die Erinnerung in sie, eine Übelkeit breitete sich in ihrem Magen aus. Auf einmal wünschte sie sich, alles zu vergessen. Sie wollte wieder bewusstlos werden, ins Koma fallen. Warum hatte nicht sie selbst bei dem Unfall sterben können? Und warum – es mutete sie selbst seltsam an, dass sie sich so etwas wünschte – warum löschte Herr Seger nicht wieder all ihre Gedanken und Erinnerungen aus, machte sie zu seiner willenlosen Sklavin?

Dieses Mal würde sie sich nicht wehren, beschloss Laura.

Alles war besser als der Schmerz, der ihr die Brust zudrückte, wann immer sie lange genug wach war, um sich wieder zu erinnern.

Irgendwo auf dem kleinen Tischchen neben ihr gab es Tabletten, erinnerte sie sich. Hastig drehte sie sich um, suchte nach ihnen. Doch gerade als sie sie gefunden hatte, war da ein altbekanntes, beinahe vergessenes Gefühl in ihr. Wie ein Summen und Flimmern in der Luft, das nach ihr griff, sie einhüllte.

Instinktiv wollte sie Widerstand leisten, aber dann erinnerte sie sich an ihr Versprechen an sich selbst.

Laura gab sich dem Vergessen hin, sank in ein tiefes, dunkles Loch.

***

Schweigen umhüllte die dunklen Gänge des Krankenhauses. Nur das leise Summen der Notausganglichter, die das Innere des Gebäudes mit ihrem grünlichen Schimmer ein wenig erhellten, und das Brummen einiger medizinischer Geräte waren zu hören.

Doktor Schmidt war so an die Stille gewöhnt, die ihn während der Nachtwachen umgab, dass er ihr seine Schritte automatisch anpasste: Auch er war kaum zu hören.

Die Nacht war wirklich ausgesprochen ruhig, bisher hatte es keinen einzigen Notfall gegeben. Noch nicht einmal neue Patienten wurden eingeliefert. Doktor Schmidt beschwerte sich darüber bestimmt nicht. Er war bereits über 50 Jahre alt, und mochte die Ruhe. Als er als junger Mann beschlossen hatte, Medizin zu studieren, da hatte er noch die Energie gehabt, die man für diesen Beruf brauchte.

Inzwischen aber merkte er, wie sehr er sich auf seinen Ruhestand freute. Nun, der war noch eine Weile hin.

Die Gedanken des Arztes wurden durch ein leises Geräusch unterbrochen. Ein kaum hörbares Tapsen nackter Füße auf dem Linoleum des Krankenhausflures.

Erschrocken sah Doktor Schmidt sich um – aber der Gang war leer. Wenn einer der Patienten sein Zimmer verlassen hatte, warum hatte er dann kein Licht angemacht?

Es war wieder still, und nach einigen Sekunden wandte Doktor Schmidt sich um, und wanderte weiter den Gang entlang.

Da hörte er ein leichtes Knarren. Eine Tür fiel ins Schloss. Instinktiv wusste Doktor Schmidt, um welche Tür es sich dabei handelte, und langsam, zögernd, bewegte er sich auf sie zu. Die Tür, etwa zehn Meter von ihm entfernt, führte in eine kleine Abstellkammer. Bestimmt kein Ort, in dem sich Patienten aufhalten sollten.

Einige Sekunden stand der Arzt zögernd vor der Tür, dann stieß er sie entschlossen auf, und suchte nach dem Lichtschalter der Kammer.

Eine Hand berührte die Seine, eine kleine, weiche Hand, und zog sie vom Lichtschalter weg. Bevor Doktor Schmidt einen Laut des Erschreckens von sich geben konnte, legte sich eine andere Hand auf seinen Mund, und er spürte, wie sich dabei ein Körper von hinten gegen ihn drückte. Ein weiblicher Körper, deutlich spürte er die Brüste an seinem Rücken, und nur mit einem kleinen Nachthemd bekleidet.

Das Mädchen ließ ihn los, und Doktor Schmidt drehte sich um.

Bevor er die Tür der Kammer hinter sich schloss, erkannte er in dem schwachen Lichtschein Laura, die Patientin mit den traurigen Augen, die sich von ihrem Autounfall inzwischen gut erholt hatte. Er drehte sich ihr zu.

Die Gedanken an Moral, an das Gesetz, ja sogar an seine Frau wurden von der Berührung seiner Lippen durch Lauras Mund einfach ausgelöscht. Der Arzt gab sich dem Kuss hin, erforschte den Mund des Mädchens mit seiner Zunge, und, als sein Mut wuchs, ihren schlanken Körper mit seinen Händen.

Er schob ihr Nachthemd nach oben, und spürte Lauras weiche Haut unter seinen Fingern. Langsam ließ er seine Hände an ihren Schenkeln entlang nach oben wandern, griff mit je einer Hand fest in jede Seite ihres Hinterns, und drückte ihren Körper enger an den seinen. Dann jedoch ließ er seine Hände weiter ihren Körper erforschen. Laura schaffte wieder ein wenig Abstand zwischen ihnen, so dass er ihre Brüste erreichen konnte.

Ihre Brüste waren fest, und die Brustwarzen geschwollen und hart. Doktor Schmidt konnte sie deutlich in seinen Handflächen spüren, während er Lauras Brüste umfasste. Ein leichtes Stöhnen von Laura steigerte seine Erregung noch, deutlich spürte er, wie sein Glied gegen die Hose drückte.
Als hätte sie seine Gedanken erraten, ließ Laura ihre Hand genau dort hin wandern. Zuerst rieb sie sein Glied ein wenig über Hose und Arztkittel, doch dann schob sie den Kittel nach oben und zog langsam den Reißverschluss seiner Hose herunter.

Auch Doktor Schmidt ließ seine Hände weiter nach unten wandern. Seit Laura im Krankenhaus war, hatte sie sich nicht mehr rasieren können, doch die Stoppeln störten den Arzt nicht. Als er mit einem Finger vorsichtig den empfindlichsten Punkt des Mädchens rieb, stöhnte sie wieder leise. Er bewegte den Finger noch ein wenig nach unten, und drang damit in sie ein. Laura war feucht, und ihr Stöhnen wurde lauter. Gewiss konnte man es auch auf dem Gang hören, wenn man genau lauschte, aber das kümmerte den Arzt nicht.

Dass er, sollte sie irgendjemand erwischen, seinen Job verlieren würde, hatte Doktor Schmidt längst vergessen.

Er drehte Laura mit ihrem Rücken gegen die Wand der kleinen Kammer, und umfasste ihre Hüften, hob sie ein wenig nach oben. Das Mädchen umschlang instinktiv seinen Körper mit ihren Beinen und legte ihre Arme um seinen Nacken. Doktor Schmidt spürte die Präsenz ihrer feuchten, warmen Höhle nahe seinem Glied, spürte, wie sie ihn erwartete.

Dennoch musste er eine Hand zur Hilfe nehmen, um in sie zu finden. Mit dem anderen Arm hielt er Laura fest umschlungen, während er langsam in sie eindrang.

***

Herr Seger war zufrieden mit sich selbst. Erst hatte er es dem Arzt erlaubt, sich eine ganze Weile mit Laura zu vergnügen – ein letztes Mal sollte er noch etwas genießen und unbesorgt sein, außerdem erregte ihn der Gedanke daran, was die beiden so in der Abstellkammer miteinander trieben.

Dann hatte er dafür gesorgt, dass ausgerechnet heute Frau Schmidt zum Krankenhaus kam, um ihren Mann von der Arbeit abzuholen. Gemeinsam mit der diensthabenden Krankenschwester hatten sie sich auf die Suche gemacht. Und genau in dem Moment, als sie die beiden in flagranti erwischten, hatte Laura auf einmal angefangen, sich zu wehren, und laut „Nein! Nein!“ zu rufen.

Es geschah diesem Quacksalber recht, befand Herr Seger. Hätte er sich etwas mehr beeilt, hätte er irgendetwas anders gemacht, wer weiß, vielleicht wäre Marion dann noch am Leben.

Der Gedanke an Lauras Mutter erweckte noch immer einen dumpfen Schmerz in Frank Seger. Am liebsten würde er sich ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen, und nie wieder auch nur einen Menschen und noch viel weniger das Medaillon ansehen. Aber was blieb ihm anderes übrig, als weiter zu machen?

***

Die Luft roch nach Frühling, lautes Vogelgezwitscher erfüllte den Himmel. Die Märzsonne sandte ihre Strahlen herab und wärmte Laura.

Sie saß, gemeinsam mit ein paar Mitschülern, auf der Wiese vor der Schule – eigentlich war der Boden noch zu kalt um darauf zu sitzen, aber alle waren zu froh, dass es endlich wärmer wurde, um sich davon stören zu lassen.

Laura sah sich interessiert um. Die Jungs, mit denen sie da saß, waren wohl kaum diejenigen, mit denen sie sich normalerweise umgeben würde, aber das war ihr fast egal.

Es war einfach schön, draußen an der frischen Luft zu sitzen, die Sonne zu genießen, und für ein paar Momente frei zu sein.

Es war nicht das erste Mal, dass sie sich seit ihren Krankenhausaufenthalt aus Herrn Segers Macht befreite. Eine stürmische Nacht hindurch hatte sie um ihre Mutter geweint, in einer anderen Nacht hatte sie versucht mit Hilfe von Zeitungen und ihrer Email-Inbox zu rekonstruieren, was in den letzen Wochen geschehen war.

Trotz ihrer Trauer war ihr Wunsch, frei zu sein, wieder erwacht. Heute aber war das erste Mal, dass sie am Tage bei Bewusstsein war.

Es war, als ob Herrn Segers Kontrolle über sie nachließe. Bei Martin hatte sie es gelernt, sich zu wehren, ihm den Zugang zu ihrem Hirn zu versperren – vielleicht würde sie es auch diesmal schaffen?

Die Welt würde nicht mehr so sein wie zuvor – nie wieder würde sie ihr Leben normal weiterführen können.

Zu viel war passiert, zu viel, das sich nicht mehr umkehren ließ. Aber vielleicht, wenn sie frei wäre, und von hier wegginge, vielleicht würde sie vergessen können. Und was auch immer ihr ehemaliger Lehrer für einen Plan hätte – und Laura war sich sicher, dass er einen hatte – sie würde ihn so verhindern können.

Einer der Jungs holte ein Kartenspiel hervor, und sie begannen Skat zu spielen. Laura spielte nicht mit, sah aber einige Momente zu.

Dann stand sie auf, darauf bedacht, so normal wie möglich zu erscheinen, und ging näher an das Ufer des Sees, der an die Wiese grenzte. Die Wellen glitzerten im Sonnenschein, und Enten und Schwäne tummelten sich im Wasser. Lächelnd beobachtete Laura sie eine Weile.

Dann spürte sie etwas – ein wohlbekanntes Gefühl. Ihr entfuhr ein Wutschrei, der die Jungen von ihrem Kartenspiel aufblicken ließ. All ihre Kraft konzentrierte sie darauf, bei Bewusstsein zu bleiben, weiter auf ihren Füßen zu stehen, weiter die Enten zu sehen.

Doch schließlich verschwamm der See vor ihren Augen.

***

Wie so oft, starrte Frank Seger auf die dunklen Wasser des Leskower Sees hinaus. Jetzt, im Frühjahr, schwammen Enten und Schwäne auf ihnen, aber er bemerkte sie kaum. Wieder einmal dachte er an Marion, an das, was hätte sein können, wenn sie ihn nur richtig bemerkt hätte, damals. Auch an das, was hätte sein können, wenn er seine Kräfte anders genutzt hätte.

Den ganzen Vormittag war er am Ufer entlang gewandert, und hatte auf das Wasser gestarrt. Nun konnte er die Stadt sehen, ganz weit weg. Dort war die Schule, und am Ufer saßen, wie immer, Schüler. Eine Gestalt stand am Ufer und starrte auf das Wasser hinaus. Obwohl sie über hundert Meter von ihm entfernt war, und ihn zwischen den Bäumen sicherlich nicht sehen konnte, war es Herrn Seger einen Moment lang so, als ob ihm das Mädchen direkt in die Augen starrte.

Laura.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass zwischen ihr und ihm keine Verbindung mehr bestand. Irgendwie hatte sie sich aus seiner Macht befreit. Irgendwie… Und irgendetwas sagte ihm, dass dies seit Neuestem immer häufiger geschah. Eine seltsame Angst überkam ihn. Wenn sie ihm nun irgendwie gefährlich wurde?

***

Thomas hatte sichtlich gute Laune – wie auch nicht? Die Aprilschauer schienen endgültig vorbei, das Wetter war herrlich, er hatte seine letzte schriftliche Abiturprüfung hinter sich und noch über einen Monat Zeit bis zur mündlichen, und er war auf dem Weg zu einem neuen Treffen mit Laura.

Mindestens einmal die Woche traf er sich mit ihr, schon seit dem Herbst. Zunächst hatten die Treffen seine sexuelle Befriedigung als ihr einziges Ziel gehabt, aber inzwischen sah er sie fast als Unterricht – eine sehr angenehme Form des Lernens. Immerhin, er wollte ja nicht immer nur mit einem Mädchen schlafen, das er dafür bezahlte. So hübsch Laura auch war, Thomas träumte von einer festen Freundin. Und zwar von einer, die nicht mit der halben Schule etwas hatte.

Das die Gerüchte über Laura einen wahren Hintergrund hatten, war ihm durchaus bewusst. Angeblich sollte sie sogar vorhaben, sich nötigenfalls die erwünschte Abiturzensur auf nicht ganz legitime Weise zu beschaffen.

Nein, seit Thomas‘ Selbstbewusstsein durch seinen regelmäßigen Kontakt mit Laura gestiegen war, hoffte er, bald ein Mädchen kennen zu lernen, das er respektieren konnte. Er war nach wie vor nicht der Typ, auf den die Frauen flogen, aber so nach und nach hatte er sich von Laura einiges beibringen lassen: Er hatte Dinge gelernt, die hoffentlich, sobald er die Gelegenheit bekam, sein Können zu zeigen, auch seinen Ruf unter den Mitschülerinnen deutlich verbessern würde.

Nun ja, aber trotz allen Üben und Lernens kam natürlich auch seine eigene Befriedigung nicht zu kurz. In Thomas‘ Hose regte es sich schon bei dem Gedanken daran, dass er in wenigen Minuten Laura gegenüber stehen würde.

Da war schon die Lichtung – seit es immer wärmer wurde, trafen sie sich im Wald. Laura lag auf einer Decke im Gras, von ihm weg gewandt. Sie trug kaum mehr als ein kleines Top und einen kurzen Rock, obwohl es immer noch recht frisch war.

Als Thomas näher trat, konnte er erkennen, dass sie unter dem Rock nichts trug.

Er stand jetzt neben ihr, doch Laura regte sich noch immer nicht. Vielleicht schlief sie.

Thomas hockte sich hinter sie auf die Decke. Vorsichtig berührte er mit den Fingern die zarte Haut ihrer Beine, streichelte sie. Tatsächlich rührte sich Laura jetzt ein bisschen, wie um ihn zu ermutigen, doch mit seiner Hand ein wenig weiter zu wandern.

Als er dies tat, ihre Beine ein wenig auseinander schob, um sie dazwischen besser berühren zu können, hörte er ein leises, zufriedenes Seufzen.

Er spürte ihre einladende Feuchte – Thomas fragte sich, ob sie vor seinem Erscheinen mit sich selbst gespielt hatte, der Gedanke gefiel ihm – und drang vorsichtig mit dem Finger in sie ein. Wieder ließ Laura ein leises Stöhnen hören, als Thomas seinen Finger erst langsam, dann immer schneller in ihr bewegte.

Mit der freien Hand griff der Junge nach seiner Hose, begann von der eigenen Lust zur Eile getrieben, mit fahrigen Fingern den Reißverschluss herunter zu ziehen – da entzog sich ihm Laura plötzlich.

Sie rollte zur Seite, sprang dann auf. Das Echo ihres Schreis klang durch den Wald: „Nein!“ Einige Sekunden lang stand sie ihm gegenüber, starrte ihn an mit dem Blick eines gehetzten Tieres. Dann rannte sie davon, verschwand zwischen den Bäumen.

Thomas blieb zurück, sein Schwanz schmerzte beinahe von dem Gefühl unerfüllter Erwartung.

***

Nacht. Laura spürte den Arm des Mannes um sich, hörte sein leichtes Schnarchen, fühlte seinen Schoß mit dem erschlafften Glied an ihrem Hintern. Ekel und Hass überkam sie – schlimmer noch als in der Zeit mit Martin. Dieser Mann war ihr Lehrer, war so alt wie ihre Eltern! Und er war der Mörder ihrer Mutter.

Laura bewegte sich vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, sah sich im Zimmer um. Es war dunkel, sie wusste nicht, wo sie war, aber durch ein kleines Fenster schien gerade genug Licht, um wenigstens die Umrisse der größten Gegenstände in dem kleine Raum zu erkennen. Irgendeine Waffe, wenn sie nur…

Ein Schmerz raste durch ihren Kopf: Er zog sie an den Haaren zurück ins Bett. Im nächsten Moment verschwammen ihre Gedanken.

***

„Komm her! Sofort!“

Brüllen nutzte gar nichts, das wusste Herr Seger, aber anders konnte er seiner hilflosen Wut wohl kaum Ausdruck verleihen.

Es funktionierte einfach nicht mehr. Was war nur los? Vielleicht war es ja das Medaillon? Hatte er es fallen gelassen, war er irgendwo damit angestoßen, hatte es irgendwie zerstört? Er suchte in seinen Erinnerungen.

Aber nein, das Medaillon war in Ordnung, und wann immer er es an anderen Menschen ausprobierte, gab es keine Probleme.

Laura stand ihm gegenüber, und in ihr schien ein Kampf stattzufinden. Ihr Gesicht sah aus wie in Trance, sie war gewiss nicht wach und bei Bewusstsein, aber sie gehorchte ihm auch nicht. Es war, als ob ihr Bewusstsein darum kämpfte, wieder an die Oberfläche zu kommen, als ob sie sich mit allen Kräften wehrte.

Monatelang hatte Herr Seger sie ohne Anstrengung oder auch nur bewusstes Nachdenken seinerseits vollständig kontrolliert, aber offensichtlich ging das nicht mehr.

Wie zu den Anfangszeiten, als er gerade erst lernte, mit dem Medaillon umzugehen, konzentrierte der Lehrer all seine Willenskraft auf Laura, und auf das, was er von ihm verlangte.

Endlich entspannten sich die Gesichtszüge des Mädchens, und sie trat auf ihn zu, um wie befohlen vor ihm niederzuknien.

Für wie lange würde sie ihm dieses Mal gehorchen? Er wusste es nicht. Er musste sie loswerden, erkannte Frank Seger.

***

Schmerz. Der ganze Körper bestand aus Schmerz.

Durch das Hämmern in Lauras Kopf drang das Ticken einer Uhr. Eine dieser großen, altmodischen Wanduhren.

Langsam, mit Mühe, öffnete sie ihre Augen.

Sie lag auf dem Fußboden, auf einem Teppich. Irgendetwas lag auf ihr, etwas Schweres. Gebrochen hatte sie sich nichts, ihr Körper schien unverletzt, aber das Gewicht hinderte sie daran, sich zu bewegen.

Um sie ein Wohnzimmer, tatsächlich tickte in einer Ecke eine große Wanduhr. Alles kam ihr seltsam bekannt vor.

Eine ihrer Hände war frei, Laura versuchte, das Schwere, das da auf ihr lag – es schien ein Schrank zu sein – irgendwie von sich zu schieben. Die Hand rutschte ab. Sie war feucht, glitschig. Laura betrachtete sie genauer, und fand sie voll einer klebrigen, dunklen Flüssigkeit.

Blut!

Mit Mühe wandte sie ihren Kopf, sah sich in dem Wohnzimmer um.

In der Nähe des Sofas befand sich eine große Blutlache auf dem Boden, und weiter hinten glaube Laura eine Hand – eine bleiche, unbewegliche Hand – zu sehen, die gerade so zu erkennen war, der Rest des Körpers war vom Sofa verdeckt.

Erst nach einigen Minuten wurde sich Laura dessen bewusst, dass sie schrie. Was war geschehen? Was hatte sie getan?

Voller Panik versuchte sie noch einmal, den schweren Schrank irgendwie von sich zu stoßen, aufzustehen, zu fliehen.

Aber es half nichts.

Sie hatte aufgehört zu schreien, es war vollkommen still im Haus. Nur die Uhr tickte. Dann näherte sich das Geräusch einer Polizeisirene.

Keine Kommentare vorhanden