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Der Pornograf V – 09

Auszug aus Band 5

(Hausfrauen, Nachbarn und andere Amateure)

Fortsetzung:

Um Sechs am Morgen rollte Luigi mit uns los. Wir waren schwer bepackt. Luigi und Pippina plünderten noch unser Ausrüstungslager. Ich bat die beiden für ruhiges, gedämpftes Licht zu sorgen. Dazu zeigte ich ihnen die Bilder vom Sonntag. Da ging es nicht um die nackten Mädchen, Luigi war inzwischen so abgebrüht wie wir alle, es ging nur um die Location.

Tüll, weiße Seide, sogar unser altes Moskitonetz aus Hawaii, dazu die Ballen mit Batikstoff, die wir mal aus Thailand mitbrachten, von einem Straßenhändler, wurden eingepackt.

Die Fahrt war langweilig. Frühstück in einer Autobahnraststätte. Es war fast so schlecht wie im Flugzeug.

Endlich Österreich. Das Sacher. Wir bekamen sogar die vorbestellte Garage, konnten also einiges der Ausrüstung im Wagen lassen. Nur die schon derbe verbeulten Alukoffer, mit der Fotoausrüstung kamen hoch.

Der Portier mit seinen Jungs hatte da ordentlich zu wuchten. Zum Glück musste nicht alles hoch auf die Suiten. Vieles konnte im Aufbewahrungsraum des Portiers bleiben.

Ich bekam eine noch etwas größere und noch schönere Suite. Die Andern waren ebenfalls prächtig untergebracht. Als, wie selbstverständlich, Gina mit auf meine Suite kam, guckte der Manager etwas seltsam. Dann fiel es mir ein, er kannte unsere Verhältnisse nicht, aber Lis, die Gräfin.

Es war ja nur eine Woche her.

„Herr Meinrad, bitte entschuldigen sie. Die Gina hier ist meine persönliche Vertraute. Meine Frau, die Gräfin, hat ihr höchst Selbst die Genehmigung gegeben, bei mir zu schlafen. Sie sorgt für mein Wohlergehen, das nach stressiger Arbeit leider manchmal zu wünschen übrig lässt. Und um sie nicht noch mehr zu verwirren, meine Schwester, Baronin Kim Oktober, wird ab Freitag, anstelle von Gina, bei mir wohnen.

Sie ist meine Adoptivschwester und, sie ist eine Thai. Das mag vielleicht ungewöhnlich sein, jedoch …“

„Seien sie versichert, Graf Paul, im Sacher gibt es nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich wäre es nur, wenn sich jemand das Maul zerreißen würde, wie wir Wiener da so schön sagen, zerreißen über hübsche Damen, die mit den Herren in den Suiten wohnen. In ihrem Fall, bitte entschuldigen sie meine Fehlleistung, war ich nur versucht, einen Vergleich zwischen der Frau Gräfin und Frau Gina anzustellen.

Er fällt mir schwer. Wir hatten lange keine so hübschen jungen Damen mehr im Haus. Und jetzt gleich so Viele. Herr Graf sind, wenn sie erlauben so frech sein zu dürfen, Herr Graf sind ein Glückspilz. Darf ich für sie alle, zum Abendessen, einen besonders exponierten Platz reservieren lassen? So viel Schönheit muss man einfach herausstellen. Vor allem jetzt, wo sowieso nichts los ist, in Wien. “

„Sie dürfen, Herr Meinrad.

Um Acht wenn es genehm ist. Ich bedanke mich im Namen meiner Mitarbeiterinnen. Gegen Sieben werden wir die Bar heimsuchen, wir sind die Cocktailstunde einfach gewohnt. Es ist die ersehnte, erste gemeinsame Ruhepause, nach einem langen Arbeitstag. Mein Team hat ein Recht darauf. “

„Ich weiß, viele Hotels bieten die ihren Gästen an. In der Wiener Tradition hat es sich leider noch nicht durchgesetzt. Wenn Herr Graf es wünschen, es ist ohne weiteres möglich, in ihrer Suite eine Open Bar einzurichten und ihnen Kanapees und Snacks zu servieren.

„Das ist eine prima Idee. Tun sie noch zwei Flaschen Champagner dazu und setzen sie es einfach auf die Rechnung. Halbsieben wäre eine gute Zeit. Ab heute schon, wenn es geht. “

„Selbstverständlich Herr Graf, wie Herr Graf wünschen. “

Der Manager verzog sich, das Zimmermädchen auch. Es hatte unter der Aufsicht von Gina die Koffer ausgepackt.

Diese, nur noch in einen weiten, flauschigen Bademantel gehüllt, sagte: „Ich beinahe rot geworden vor Stolz, was Manager sagte.

Dann gedacht an Zeit vor drei Jahren. Gina und Anna, die grauen Mäuse. Kommst du mit unter die Dusche, Don Paolo?“

„Ja doch. So eine lange Busfahrt ist eher noch unbequemer als ein Flug. Alles, was über zwei Stunden rausgeht, ist lästig. Nun, was will man machen, mein Schatz?“ Ich warf meine Kleider auf Bett und folgte Gina ins Bad. Sie seifte mich ein, ich sie. Unweigerlich gab es Weiterungen. Anders als in Indien, meldete sich mein Hurenbock unübersehbar.

Es schetterte ganz schön im Badezimmer, als Gina ihrer Lust durch ausstoßen kleiner geiler Schrei nachging.

Meine Damen waren in Gala, auch Luigi hatte ein neues dunkelrotes Dinnerjackett an. Gerlinde hatte es ihm in Hamburg gekauft – als Dank für treue Dienste, wie ich erfuhr. Jürgen hatte einen ebenfalls neuen dunklen Anzug an. Sehr elegant, da sorgt schon Pippina dafür. Mir hatten natürlich meine Frauen ebenfalls was Ordentliches eingepackt; Gina sorgte dafür, dass ich es auch anzog.

Ich bin da manchmal etwas schusselig, zu sehr mit den Gedanken bei der Arbeit. Heute natürlich nicht. Alle meine Assistentinnen, ich zählte Pippina einfach mal dazu, sind es gewohnt, abends Augenweide zu spielen. Ich fürchte nicht zuletzt deshalb, da ich manchmal, im Überschwang der Freude über einen gelungenen Tag, etwas Kleidergeld rausrücke. Schöne Unterwäsche alleine (von IGDuM natürlich) macht nicht glücklich. Kim hatte diesen unerwarteten Extraposten jedoch zähneknirschend akzeptiert. Natürlich auch für sich selbst.

Nun dinierten wir heute im Sacher, in Wien; an einer großen Tafel, die den ganzen Raum beherrschte. Graf Oktober gibt sich die Ehre. An den Fenstern drückten sich Neugierige die Nasen platt. Wer mögen diese Leute wohl sein, jetzt, so ganz in der Nebensaison. Das Haus Sacher versteht zu schweigen. Nun ja, fast. Die Presse bekam Wind. Graf Paul Oktober, der berühmte Fotograf, mit seinem Team. Doris, immer auf so was gefasst, hattein den unteren Etagenverbreitet, wir wären, nach einem anstrengenden Shooting in Indien, hauptsächlich zur Erholung hier.

Nur einen kleinen Termin, in einem zum Monatswechsel zu eröffnenden Informationszentrum für Immobilienkäufer. Wir wollten aber keinen sehen, seien noch etwas genervt.

Ich kann es einfach nur immer wieder wiederholen, meine Doris ist ein Schatz. Da war wieder eine kleine Aufmerksamkeit fällig. Gehaltserhöhung? Nein, da bin ich stur: Meine Ureulen bekommen jede das Gleiche, die Schleiereulen hinken drei Jahre nach. Meine Frauen sind mit mir einig, das sei absolut korrekt.

Auch die Eulen finden das. Boni sind was anderes; Geschenke haben überhaupt nichts damit zu tun. Der Riesenaufwand für Uschi, der schon gleich gar nicht. Doris und Gina waren jedoch fällig, ich meine fällig für was Besonderes. Vielleicht fiel es mir in Wien ein.

Jetzt auf alle Fälle dinierten wir. Stilvoll. Die Ober hatten sicher nichts an ihren Gästen zu meckern. Das Tischgespräch war ebenfalls stilvoll. Wir hatten das Neueste aus der Maskenbildnerei, am Theater in Stuttgart, drauf.

Gina und Anna erzählten von der Neuinszenierung des Faust. Er hatte die armen Stuttgarter auch mal wieder erwischt. Aus den Worten meiner Zwei entnahm ich, dass es eine düstere Aufführung würde. Den Masken nach. Pippina warf ein, so was Blödes könnten sich nur die Deutschen reinziehen. Faust und Wagner. Hier, in Wien, da verstünde man, fröhlich zu sein. Don Giovanni, Zauberflöte, da käme doch Lust auf, zu leben.

Mir fiel auf, dass nicht nur Pippina besser Deutsch sprach, auch Gina und Anna hatten dazu gelernt.

In der Aufregung ging mit der Grammatik noch manchmal was in die Hose, in Württemberg fällt das eher nicht auf. Zugegeben, bin ich da auch nicht so ganz firm. In der Schule half da manchmal nur die Regelung, das landessprachliche Eigenarten nicht angekreidet werden dürfen.

Das Dinner war vorüber. Wir nahmen noch eine Gutenachtmütze in meiner Suite, dann war Feierabend. Um Acht wollten wir schon Los. Sissi sollte uns abholen und vorausfahren.

Ich hätte vielleicht den Weg wiedergefunden, sicher war ich mir aber bei weitem nicht.

Ich rief noch Lis an. So nahe waren wir ja selten auf großer Tour. Mikel rechnet jedenfalls Österreich wie eine Auslandtour an, mit den passenden Boni natürlich, was es meinen Assistentinnen besonders leicht machte. Ich gestand ihr, dass ich irgendwie, beim Duschen mit Gina, arg in eine Art Liebensrausch verfallen wäre. Sie lachte nur und meinte, demnach sei ich doch noch gesund.

Die Sorgen seien also überflüssig gewesen, ebenso wie der vorgeschlagene Arztbesuch.

***

Schon wieder in aller Frühe. Schon wieder war es draußen noch Nacht. Immerhin bekamen wir schon ein Frühstück. Der Kaffee war klasse, Gina schmierte mir ein Rosenbrötchen mit Honig. Danach bekam ich Spiegeleier mit Speck, umgedreht, wie ich es mag. Umgedreht, dass einem das Gelbe nicht anglotzt. Pippina bestellte sich eine Salzgurke. Als ich es registrierte, musste ich lachen.

Lis, damals auf unserer bemerkenswerten Hochzeitsreise, kam mir in den Sinn. In Martinique hatte sie auch solche Gelüste. Ich konnte es nicht lassen:

„Pippina, als Lis auch mal solche Gelüste hatte, wurden es Zwillinge. Sie hatte allerdings gleichzeitig auch Lust auf Vanilleeis. “

Jürgen sah ganz erschrocken aus. Pippina wurde blass. “Nein, kein Vanilleeis. Pistazien mit Zitrone, das haben sie morgens aber noch nicht. Ist damit die Gefahr gebannt?“

Die Köpfe der Gäste im Frühstücksaal, wandten sich mit einem Ruck zu unserem Tisch.

Mein Team lachte, dass die Gläser klirrten. Pippina und Jürgen lachten mit. Ändern konnten sie sowieso nichts.

„Ihr scheint ja schon in aller Herrgottsfrüh gut drauf zu sein“, hörte ich Sissi sagen.

Sie war pünktlich, wir nicht. Es war schon drei nach Acht. Ich jagte meine Mannschaft hoch. Zehn Minuten später ging es los. Luigi hatte keine Probleme, dem Wagen von Sissi zu folgen. Mein Team palaverte leise; in einem guten Team gibt es immer etwas zu besprechen, wenn es zur Arbeit geht.

Kurz vor 18 waren wir da. Das Schloss war angenehm warm, das war das Erste, wasichfeststellte. Alois war auch schon da. Er grinste mir schon am Portal entgegen.

„Alles klar, Boss. Der Laden ist nicht der schönste da unten, aber sicher bald der am meisten Gefragte. “

„Das will ich auch gehofft haben“, knurrte ich. Das Knurren war nicht auf Alois gemünzt.

Es hing damit zusammen, dass ich noch nicht wusste, wie es weiter geht. „Sissi“, sagte ich deshalb. “Was ist mit den Models? Ich hasse Wartezeiten. “

„Zu Diensten, Herr Graf. Wir haben ein Problem. “

„Ach du Scheiße – zu wenige Models!“ Ich wurde wohl blass. Doris sah mich ganz erschrocken an, Gina zerquetschte meinen Arm.

„Ahm, eher das Gegenteil, Paul“, lachte Sissi, fast befreit, auf.

„Wir konnten schon im Voraus den Ansturm gewillter Frauen kaum regulieren. Als heute Morgen in der Zeitung stand, dass Graf Paul, der berühmte Fotograf, hier sei, dort stand zwar, sozusagen inaktiv, die Fama in Wien ist aber schneller als die Mäuler seiner Verbreiter; das Telefon im Büro, stand nicht mehr still. Ich sage nur ganz leise: Hunderte. Die Agentur hat bewusst reduziert, nur schönste Damen, die bereit sind, alles zu bieten, hätten eine Chance.

Paul, ich darf dich doch auch heute, sozusagen im Dienst, noch duzen? Paul, an Models fehlt es nicht. Eher an Gelegenheit und Fotografen. “

Ich atmete tief durch. „Dafür bekommst du einen Kuss, nachher und nur wenn du magst. Jürgen, alles klar? Die Arbeit läuft. Alois, hast du deine Kamera dabei? Du musst auch ran. Dass du es kannst, ist ja keine Frage. Wir werfen Mikel mit Bildmaterial zu. “

„Ahm“, seufzte nun auch Sissi.

„Du hast gesagt, ihr würdet 18 Damen pro Doppelstunde schaffen. Ich habe mir aber erlaubt, im 100 -Minutentakt jeweils 18 Damen hierher zu beordern. Ich gehe davon aus, die eine oder andere, entspricht nicht deinem Wunsch. Als Mittagspause habe ich gedacht, Lis hat es mir gesagt, 45 Minuten seien genug. Als Redaktionsschluss habe ich, ebenfalls auf Anraten von Lis, 17 Uhr vorgesehen. Ist das gut oder soll ich etwas ändern?“

„Das ist hervorragend“, sagte Doris an meiner Stelle.

„Ich bin Doris, die Chefeule, ahm, Chefassistentin. Wir zwei beide werden jetzt, zusammen mit Uschi, der Assistentin von Jürgen … „ Sie zeigte auf die beiden. „… wir werden jetzt in medias res gehen. Alois, du gehst mit Paul. Schau zu, lerne und halt das Maul. In der nächsten Pause kannst du mit ihm quatschen. Jetzt ist Action. Gina, Anna, auf, auf. Pippina, schnapp dir den Kram von Jürgen. Keine Langweile vortäuschen. Großkampftag. In 20 Minuten ist Start.

Doris kann das gut. Sie hatte schon öfters das Kommando übernommen. Sie wird heute Abend arg genervt sein, aber jetzt hatte sie alles voll im Griff. Ich kannte mich mit den Österreicherinnen ja schon ein wenig aus, Jürgen kaum. Der Druck, der plötzlich auf uns lastete, drängte uns alle in eine gewohnte Routine. Gina und Anna schminkten, kämmten, klebten Fingernägel an, Tattoos waren wenig gefragt, Perücken auch nicht, Fingernägel liefen aber gut.

Die Papiere waren fertig, die Models trugen sie in einer Plastiktüte, quasi um den Hals. Ohne diesen Laufzettel kam keine ans Set. Wer unterschrieben hatte, bekam den Bon von Willi. Sie wurden von einer frechen Wienerin an Doris übergeben. Die Messemannschaft, einschließlich Material und Willi, war ebenfalls schon gestern eingetroffen. Er selbst war aber noch in Wien, mit den Großhändlern sprechen.

„Alois, wir haben nur wenig Zeit. Zeig mir den Laden bitte.

„Ja sicher, Boss. Ich habe ganz schön geschuftet. Sissi war mir aber sehr hilfreich, ein paar der Handwerker auch. Allerdings habe ich reichlich von dem Startgeld, das Kim mir mitgab, verbraten.

Der Laden. Keine Schaufenster, nur in der Türe war mattiertes Glas. Darauf in der Schrift unserer Teamuniform,Pauls Fotoshop. Wo bei Anderen, Schaufenster sind, hatten wir Fotowände. Ich trat näher. Eine Wand Sissi. Elegant, freizügig bis zur Grenze des erlaubten.

Die Bilder muss Alois gemacht haben. Sie waren gut. Auf alle Fälle gut genug für den vorgesehenen Zweck. In Augenhöhe stand:

Wir machen Bilder von ihrer Liebsten!

Fragen sie uns doch einfach.

Wir sind 100 % diskret!

In roten Buchstaben aufgeklebt. Auf der zweiten Wand waren Fotos aus den Ausstellungsräumen. Die hätten besser sein können, die Perspektive war verzerrt. Aber alles war gut erkennbar.

„Ich habe sie bewusst so gemacht, mit einer der Einmalkameras. Sonst sind die Kunden enttäuscht“, erklärte mir Alois, der wohl mein Gesicht sah. Ich hatte nicht nachgedacht, Alois schon.

Ich trat etwas zurück. „So schlecht sind sie in diesem Falle dann gar nicht“, gab ich zu. Dann las ich:

Wir verkaufen Einmalkameras!

Fotografieren sie ihre Wunschdekoration.

Entscheiden sie sich dann zu Hause.

Entwickeln in 30 Minuten!

Das gefiel mir. Die letzte Bildwand. Ich musste näher ran. Wow, da hatte Alois einen scharfen Feger aufgetrieben, der sehr freizügig schien. Viele pikante Stellen waren da offensichtlich nackt, an der Wand jedoch mit roten Klebepunkten verdeckt. Ich sah, einer war neugierig und hatte den Klebepunkt fast abgelöst. Da war wirklich eine hübsche nackte Tatsache darunter. Der Text besagte:

Wollen sie ihre Liebste in neuer Umgebung?

Wir entwickeln diskret, schnell und ohne Fragen zu stellen.

Fotografie ist Vertrauenssache!

„Gefällt mir. Gut gemacht!“ Ich sah auf die Uhr, noch 5 Minuten. Ein Blick in den Laden. Die Bildwände waren von innen mit weißen Lattenrosten kaschiert. Der Raum sah etwas langweilig aus. Noch zu wenig Drin. Da war doch was, ach ja: „Besorge bunte Luftballons. Blumen. Das bringt ein wenig. In der Mittagspause reden wir. Komme zu mir, ich sage vorher Doris bescheid, die schirmt mich sonst ab.

Jetzt deine Kamera, wir müssen. “

Ich hastete los. Oben erntete ich einen giftigen Blick von Doris. Alois und ich waren die Letzten, mein Opfer wartete schon.

Die Damen agierten. Mal waren sie schon ein wenig zu scheu ihr Bestes zu zeigen. Die Regel war es nicht. Später stellte ich fest, die Damen die schon mal dran waren, hatten viel weniger Scheu. Ein Aufkleber auf dem Laufzettel, zeigte den Stand der Dinge.

Jürgen bestätigte in der Pause, dass es bei ihm das Gleiche war. Unsere Strategie, jedes Model zweimal auszunutzen, in unterschiedlichen Locations und bei unterschiedlichen Fotografen, zeigte die gewünschte Wirkung. Es lief fast wie in L. A. Damals mit Gerlinde und mir.

Nach der ersten Doppelstunde, hatten Jürgen und ich, pro Model mal einen halben, mal einen ganzen, und auch mal zwei Filme durchgezogen. Alois wurde von Uschi unter die Fittiche genommen und zog ebenfalls einige Filme durch.

Es zeigte sich, 18 Models waren eher zu wenig. Nur eine fiel aus, sie bekam plötzlich ihre Tage. Alois machte dann aber doch noch ein paar nette Bilder von ihr. Voll bekleidet in IGDuM Wäsche. Willi braucht ja auch etwasNormales.

Zweite Doppelstunde. Die anfängliche Unruhe war raus. Es lief bombastisch. Sissi kam mir in den Weg: „Danke Sissi. Alles klappt prima. Jetzt habe ich allerdings keine Zeit für dich.

Bis später. “

Doris zog mich zu einer Blondine ins Zimmer, Gina hatte gerade deren neue Fingernägel fertig. „Ziehe dich einfach gekonnt aus. Du hast viel Zeit. 10 Minuten. Ich möchte alles sehen, was du zu bieten hast und bieten willst. Alles klar? Dann … Action!“

Strahlender Blick in die Kamera. Bluse aus. Rock aus. Posieren. Gespielte Geilheit tropfte aus den Augen. Der Busen. Etwas ausgestopft, aber gut gemacht.

Kein Atompilz. Slip, schüchtern, dann ein Ruck. Gut getrimmte Schamhaare. Freche Pobacken. Frecher Blick.

„Nun, dann zeig sie schon. “

Das Model zeigte. Sie war heiß, das nützt nichts. Wir sind gleich weg, da kann sie selbst noch ein wenig für innere Ruhe sorgen.

„Tschau! Du warst gut. Melde dich einen Stock höher. Jürgen will dich auch noch mal vor der Kamera sehen, mit der neuen Wäsche.

Das gibt dir eine doppelte Chance fürs Magazin. “

„Halt!“ Doris sprang ein. „Dein Laufzettel!“ Sie machte irgendeine Eintragung. Ach ja, die Filmnummer.

Ich bekam eine andere Kamera in die Hand gedrückt; Gina hatte im nächsten Raum schon eine weitere Kandidatin vorbereitet. Ein grünes Handtuch lag vor der Türe, als Zeichen für mich, wo es weitergeht. In der Organisation meiner Arbeit, sind die Eulen inzwischen unschlagbar. Wenn sie organisieren, heißt es für mich nur noch einem vorgegebenen Plan zu folgen und dann – auf den Auslöser zu drücken.

Mittagspause. Willi war inzwischen auch da. Er kam, mit Alois, an meinen Tisch. Doris und Gina rückten murrend zur Seite. Sie wussten, wie heilig mir die kurze Mittagspause ist.
„Lasst mich erst etwas mampfen. Das Buffet von Sissi ist ja wirklich genießbar. Ach Gina, holst du mir bitte ein Bier?“

Gina holte. Willi aß mit, Alois hatte nichts vor sich.

„Alois, du hast gearbeitet, also musst du auch essen.

Bediene dich, das Buffet ist nur für uns und unsere Gäste. Du siehst, auch ein paar der Models bedienen sich. Mach ran, die Pause ist kürzer als in Italien. Hier wird gearbeitet, nicht studiert. “

Dann fanden wir doch die Zeit, ein wenig zu reden. Organisatorisches. Auch Willi hatte nur derartige Fragen. Wie bei uns gearbeitet wird, das kannte er hinlänglich. Jürgen kam ebenfalls. Abstimmung. Auch er meinte, das sei ja noch viel besser als im Katzenhaus.

Die Menge an Models? Jeder Film ist ein Zuwachs an Familienvermögen. Seine Familie sei noch jung und etwas arm und braucht jetzt seine ganze Kraft. „Deshalb bin ich ja hier“, schloss er das Thema ab.

Zum Ende der Pause bekam Sissi noch den versprochenen Kuss. Sie bestand darauf. Beim Team blieb er unbeachtet, die hatten ihre eigene Arbeit. Nur ein paar der Models schauten verträumt. Kuss von einem Grafen … als ob das, was Besonderes ist.

Ich könnte die ganze Welt küssen, bei diesen Arbeitsbedingungen.

Wir Fotografen gingen zur Nachmittagsrunde. Unsere Girls hatten schon alles vorbereitet. Es gab so gut wie keine Minute Leerlauf, Doris schaute mich grimmig an, als ich das Bier wegbrachte.

Zehn nach Fünf. Trillerpfeife von Doris. Mir gellten die Ohren. Feierabend. „Alle Filme an mich!“ Rief sie mit krächzender Stimme. „Alle Materialkoffer nach Zimmer 103 . Der Raum wird verschlossen, das Haus ist bewacht.

Kameras und Filme gehen trotzdem mit ins Hotel. Abfahrt in 10 Minuten. Luigi, Pippina, die Dekosachen ebenfalls nach 103 . Dann, Luigi, heize den Bus an. “

„Alois!“ Rief ich. Er sah zu mir her. „Du kommst mit. Du gehörst vorläufig zum Team. Lass dir von Uschi ein Sweatshirt geben. “

Alois nickte. Dann fragte er Doris etwas, die nickte ebenfalls.

*** Zwanzig nach Sechs waren wir im Sacher.

In meiner Suite war eine Open Bar aufgebaut und ein kleines Buffet mit Snacks. Auch kleine Kuchen und Pralinen gab es da. Gina steckte sich sofort eine in den Mund, noch bevor sie ins Schlafzimmer, von dort ins Bad, ging.

Alois kam uns nachgetrampelt. Neben ihm ein junges freches Gör. Ich schätze so Sechzehn. Ich hatte sie im Bus, ganz hinten bei Alois, gesehen. Ich dachte ein abgelehntes Model würde mitfahren.

Er sah meinen Blick. „Darf ich dir meine Schwester Annie vorstellen. Ich habe Doris gefragt, sie sagte, du, Paul, hättest sicher nichts dagegen. Annie beginnt ihre Lehre erst an Ostern. Jetzt jobbt sie halt. Ich gebe ihr ein paar Mark von meinem Geld ab, dafür hilft sie mir erst mal. Wenn ich mittags Bilder in den Räumen mache – hoffe ich mal – dann passt sie auf den Laden auf. “

„Hallo Annie“, begrüßte ich sie.

Sie zog ihren Mantel aus, ihre Figur schälte sich aus dem unförmigen Stoffberg. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen; Annie war das Model für die frechen Bilder im Laden. Sie ist eine zwar körperlich kleine, auf den Fotos aber eine riesige Sexbombe. Anfang Januar Achtzehn geworden. Aussehen tat sie aber wie eine Lolita mit Vierzehn, eine Lolita mit schnuckeligen großen Brüsten. Klein wie unsere Sara, strahlte sie aber Sex aus, wie ein Ofen mollige Wärme.

Sie gefiel mir. „Ich habe kurz die Bilder gesehen, die Alois von dir gemacht hat. Würdest du die verkaufen? An den Verlag?“ Fiel mir gleich ein.

Annie wurde etwas rot. „Alois hat doch alles Wichtige verdeckt. Bis auf ein Bild, da haben wir das so gedreht, dass man meinen könnte, da sei … Es soll ja Neugierde erwecken. Aber verkaufen? Daran hatte ich eigentlich nicht gedacht. Wenn ich es mir so recht überlege, was zahlst du den, Graf?“ Sie kannte mich also wohl, zumindest vom Ansehen.

Natürlich, Alois musste es ihr gesagt haben.

„Nenn mich Paul, wie alle. Wir schicken den Film nach London zum Verlag. Alois erhält 200 Mark, wie für jeden Film den er abliefert und du bekommst 100 Mark, wie alle Models. Wenn dem Verlag deine Bilder gefallen, gibt es pro Bild, das veröffentlicht wird, zwischen 100 und 500 Mark. Je nach Qualität. Für deine Bilder, die sind leider ja nur mit einer einfachen Kamera gemacht worden, gibt es 200 Mark, schätze ich mal so.

„Das ist allemal mehr als mir Alois zahlt, wenn ich auf den Laden aufpasse. Nur schade, dass die Bilder halt nicht schärfer sind …“ Sie errötete schon wieder. „Die Qualität besser, meine ich. Alois sagt aber, das müsse so sein. 300 Mark wären halt besser. “

„Weißt du was? Wenn du sowieso da bist, machen Jürgen und ich auch noch ein paar Bilder von dir. Als Wienerin hast du ja beinahe ein Recht darauf.

Über deinen Job als Ladenhüterin sprechen wir auch noch. Jetzt sei aber erst mal unser Gast. “

Die Suite füllte sich. Cocktailstunde. Jeder bediente sich selbst. Die Gespräche glitten auf eine private Ebene. Nach einem ersten Arbeitstag in neuer Umgebung kam natürlich die Erinnerung schon hoch. Die Wienerinnen wurden durchgehechelt. Jürgen und ich tauschten unsere Meinung über einzelne Models aus. Alois saß dabei und lauschte interessiert. Doris setzte sich neben mich.

Sie brauchte jetzt das ihr zustehende Lob. Sie bekam es, mit einem saftigen Kuss dazu.

Zum Abendessen gingen wir in eine kleine Kneipe. Rumpsteak mit Vanille. Alois grinste, als einige von uns bestellten. Die Vanille stellte sich als Knoblauch heraus. Geübte Italiener wirft das nicht aus der Bahn. Die süßen Wiener Nachtische schon eher, an dem Maronenmus mit Sahne, hatte ich kräftig zu löffeln. Ich tröstete mich damit, dass ja auch morgen wieder ein harter Arbeitstag ist.

***

Drei Tage wühlen wir uns jetzt mit den Models durch die Räume. Es läuft noch wie am ersten Tag. Vielleicht besser sogar. Theoretisch hatten wir eine noch größere Auswahl an Damen. Es kam sukzessive Nachschub, und Doris war der große Zampano. Sie entschied wer, was, wo und überhaupt. Alois war fest eingebunden, seinen Laden bewachte Annie. Ich hatte sie, vorläufig erstmal, für 400 Mark eingestellt. Los war ja eigentlich noch nichts.

Es wurden noch zwei Vertreter erwartet und die angekündigten Zeitschriften von Mikel. Ein Vertreter wollte heute in der Mittagspause hier sein. Er schien mir wichtig, er sollte die Toys zu einem guten Preis liefern, der weit günstiger lag, als bei Beate Uhse.

Der Vertreter kam pünktlich. Ein relativ kleiner Hongkong Chinese. Annie holte mich. Alois war noch etwas überfordert damit, da musste ich halt ran, denn mein Team war voll ausgelastet.

Ich sagte Doris, ich bräuchte eine gute Stunde, sie soll den Models, die für mich eingeplant waren, das Fahrgeld geben und sie auf morgen verschieben. Sie könnten aber auch warten, ob es doch noch klappt.

Wang Soi, der Chinese, hatte einen großen Musterkoffer dabei. In einem Lagerschuppen hat er ein großes Warenlager. „Unsere Ware ist modern, innovativ und gut verarbeitet“, erklärte er mir gerade. „Wir verkaufen viel in die USA und, weil wir billig sind, auch viel nach Südamerika.

Nach Europa geht es noch schleppend. Ich fürchte, mit Österreich haben wir einen schlechten Startplatz erwischt. Falsche Informationen denke ich mal. “

„Ich arbeite ebenfalls zum ersten Mal in Österreich. Auch mir fehlt die Erfahrung. Aber Damenspielzeug? Das müsste sich doch verkaufen lassen, so wie ich die Damen bisher kennen gelernt habe. “

„Dachten wir auch. Zwei Händler haben mir aber erklärt, unsere Qualität sei zu billig. Das ist doch Blödsinn.

Unsere Dildos nutzen sich schnell ab. Gut. Schnell? Das ist ein halbes Jahr. Ich frage sie, Sir, welche Frau stopft sich ein halbes Jahr das gleiche Spielzeug rein? Dafür ist unser Material softer, es verhärtet nicht, dass man sich Splitter einziehen kann. Es kommt der wahren Erfüllung viel näher. “

Ich dachte noch über diewahre Erfüllungnach, was der Chinese nur damit wieder meint? Dann hatte ich eine Idee. „Mr.

Wang Soi. Ist es für sie ein Problem, wenn jemand ihre Muster hier, vor Ort, ausprobieren würde? Ein paar hübsche junge Damen?“

Es wirkte schon ein wenig lüstern, wie er jetzt lächelte. „Hier im Laden? Von mir aus jedes einzelne Stück. “

Ich bat Annie, den Ladenhüter, mir Doris zu holen. Ich bräuchte sie 5 Minuten, sie, Annie, könne ja auch mal da oben den Laden hüten. Annie schob ab.

Doris kam.

„Mein Schatz, jetzt bist du gefragt. Ich brauche drei Damen, die bereit sind sich dieses Spielzeug dahin zu schieben, wo es hingehört. Möglichst hemmungslose Miezen. Dann brauche ich Uschi. Gina soll solange mit Alois arbeiten. Sie soll die Mädchen erst zu Willi bringen. Einkleiden. Sage ihr, es geht um eine lesbische Dildoparty. Schick mir eines seiner Mädchen her. Meinetwegen auch gleich Willi. “

Doris grinste.

„Wenn der kleine Bohrer hat, beschaff mir einen. Ich hab meinen vergessen. Ansonsten drei geile Tussis die Dildos lieben, einkleiden und anschärfen, ein Girl von Willi. Wird erledigt. “

Weitere fünf Minuten. Mr. Wang Soi betrachtete sich die Bilder von Annie. Sie machten ihn offensichtlich scharf. Willi und eines seiner Mädchen kamen: Dildos in Geschenkpapier einpacken, für die Bilderserie. Was sollen die Mädchen anziehen?

„Ich denke an Unterkleider.

Die kommen ja in Winterkleidung. Und dann halt Dessous, was du halt als Fotos brauchst. “

„Hier in deinem Laden?“

„Ja. Ich gebe den Girls 200 und spare die Miete für Sissi. “

„Schlitzohr, bösartiges. Ich fliege. Was kann ich armer Schlüpferverkäufer schon machen, wenn Graf Paul mal wieder eine Idee hat. Ein Glück, dass Alois mit den Blumen und den – wer soll da nicht auf dumme Gedanken kommen – Luftballons … Du spinnst!“

Er ging.

Sein Mädchen ging.

Uschi kam. „Du willst hier Bilder machen, sagt Doris. “

„Ja, vier Fotolampen reichen. Dahinten müssen welche sein. Von Alois. Einfach hell genug, dass es keine Schlagschatten gibt. “

Die Mädchen kamen. Unter dem Mantel nette Unterkleider. Dass die Mädchen hübsch waren – ich hatte nichts anderes erwartet. Sie brachten Geschenkpackungen mit. Typisch IGDuM: groß, aufgeblasen, drinnen kaum etwas. Ich setzte Wang Soi in den entferntesten Winkel, dann instruierte ich die Models genau, was ich von ihnen wollte.

Sie lächelten, lachten. Sie waren offensichtlich zu allem bereit.

„Du meinst, wir sollen uns die Dinger auch wirklich in d’ Fotzen schieben? Wir sollen richtig Spaß damit haben, auch miteinand?“

„Lasst euch von Geilheit übermannen, besser überfrauen, ich gebe 200 Mark und eine 99,9 -%-Chance, dass die Bilder für 500 verkauft werden. Da müsst ihr natürlich teilen. Wenn ihr hier Sportflecken macht, die bekommen wir zur Eröffnung wieder weg.

Alles klar?“

Die Mädchen, Rot, Schwarz und Blond, berieten nur kurz. Dann nickte Eloise, die Schwarzhaarige. „Wir sind einverstanden. Gibt’s hier eine Toilette – für nachher. Saubermachen. “

„Es gibt, da hinten. Klein aber mein. Ich würde jedoch sagen, werft lieber die Mäntel über und huscht oben in ein freies Bad. Da habt ihr mehr Platz und bequemer ist es auf jeden Fall. “

„Okay.

Wie ist’s? Klar? Okay, wir können. “

„Uschi, den Spiegel zum Aufhellen, Mr. Wang Soi, sie rühren sich nicht vom Fleck (auf Englisch natürlich). Die Damen: Action!“

Die Damen fielen über die Pakete her. Was vielleicht liebevoll eingepackt wurde, wurde jetzt brutal aufgerissen. Freude kam auf. Ich glaube sogar wirklich, so gut kann man nicht schauspielern. Oder doch? Wir haben auch Schauspielschülerinnen dazwischen, wusste ich inzwischen. Die Damen gingen sich an die Wäsche.

Busen blitzen, Schamhaare sträubten sich. Dildos kamen zum Einsatz. Die Drei beachteten mich, den Fotografen, kaum mehr.

Uschi drückte mir die zweite Kamera in die Hand. Ein Film war bereits durch. Neue Freude kam auf; die Mädchen hatten den doppelten Eselspenis entdeckt. Bonbonrot verschwanden beide Spitzen in feuchten Muschis. Der Set wurde zur Orgie. Ich hielt drauf.

Mr. Wang Soi hatte Probleme mit seiner Hose, Uschi spielte die Abgebrühte.

Etwas merkwürdig stand sie aber doch da, die Beine viel zu eng aneinander. Es war eindeutig eine heiße Show.

„Gestorben! Ich bedanke mich, meine Damen. Das war eine Spitzenleistung. Ich hoffe für euch, dass sie sich auszahlt. “

Die Girls warfen sich die Mäntel über, jede schnappte sich eine Einkaufstüte, da war wohl ihre normale Kleidung drin, denn sie stopfte auch noch die IGDuM Ware dazu, dann stoben sie kichernd los.

Ich sah zu Wang Soi. Er hatte glänzende Augen und einen feuchten Fleck auf der Hose. Er versuchte, ihn mit seinem Auftragsbuch zu verdecken. Ich grinste innerlich.

Ganz knallhart zog ich ihn über den Tisch. Preise zum Todumfallen, einen Berg Ware in den Laden, einen weiteren Berg nach Italien. Frei Haus, Bezahlung – Cash im Laden, bei Vorlage des unterzeichneten Lieferscheines. Leider kein Skonto.

„Dafür legte ich einen Satz Bilder von dem Shooting von eben drauf“, bot ich noch an.

Das gab den Ausschlag, das Geschäft war perfekt. Kim wird mit mir zufrieden sein.

War sie dann auch, sie schimpfte nur mit mir, weil ich es ausgenutzt habe, mit Mr. Wang Soi, sozusagen bei heruntergelassenen Hosen zu verhandeln. So was sei unschicklich. Das fand Mr. Wang Soi zwar wohl auch, Pauls Fotoshop und Pauls Fotopark machten aber noch viele Jahre gute Geschäfte mit ihm.

Er behauptete, das Shooting hätte eine bessere Wirkung als gemahlenes Rinozerushorn gehabt.

Irgendwas muss da dran sein. Nachdem wir beim Cocktail lange über das Shooting unsere Späße gemacht hatten, wurden die verbliebenen Musterspielzeuge inspiziert. Zum Glück sind die Frauen im Team cool genug, sie nicht gleich auszuprobieren. Alle hatten aber verdächtig glitzernde Augen. Luigi sah mich genauso verzweifelt an wie Jürgen. Harter Arbeitstag, harte Arbeitsnacht, sagten die Augen.

„Paul? Hast du gestern mit Gina geschlafen?“, fragte mich Uschi mit sehr leiser Stimme.

Ich schrak zusammen. So intime Dinge bespreche ich normalerweise nicht mit meinen Eulen.

„Ja. Warum?“, kam deshalb meine erstaunte Antwort.

„Ich schäme mich“, behauptete Uschi. „Wirklich!“ Sie errötete sogar. Sie wollte doch nicht … Sie senkte die Stimme noch mehr. „Paul, das ist mit Cesare besprochen. Gönnst du mir eine halbe Stunde? Ich brauche heute dringend deine Hilfe. “

„Doch nicht zum …“

„Nein.

Erlaubt sind mir im Notfall Fingerlinge, mit dem geübten Meister. Ich habe da schon viel gehört, wie du weißt. “

„Und was mache ich mit Gina? Die scheint auch scharf zu sein. “

„Hast du denn Lust? Ich meine, was sagt dein Sauhund?“

„Schweinehund, innerer“, korrigierte ich. „Lust zu was?“

„Doris fällt noch aus. Seit Mittwoch schon. Aber ich könnte mit Gina reden – eine kleine Orgie? Du mit ihr, ich schau freudig erregt zu, dann spielst du Kaminkehrer und ich schlabbere Gina aus.

Es wird uns dann sicher noch was anderes Nettes einfallen. Paul, es tut mir Leid, ich habe es aber ganz dringend nötig. Cesare und ich haben darüber gesprochen, er weiß, dass so was vorkommen kann. Solange ich keine fremde Schlange in mein Nest lasse und nur du dort Wartungsarbeiten ausführst, solange ist alles klar zwischen uns. Auch er hat seinen notwendigen Freiraum. Zwei Mädchen, die ihm schon früher halfen, Probleme zu bewältigen. Ohne Liebe, für Geld.

Ich kenne sie. “

„Mein Schatz, kläre das mit Gina. Ich bin einverstanden. Euere Vereinbarung ist gut so. Anders gäbe es nur Probleme, so muss halt auch ich mich mal fügen. Wir sind ein Team. Hast du Fingerlinge?“

„Ja. Igel und Rillen. Mit der Klobürste darf nur Cesare dran. Er findet die besonders geil, weil ich ihn jedes Mal ganz arg bespri …“ Sie schlug sich die Hand auf den Mund.

„Oh, entschuldige. Das ist privat. Denken kannst du es dir ja sowieso. Der kleine Igel kommt dem aber sehr nahe …“

„Dann bringst du gefälligst dein eigenes Badetuch mit. Wenn nämlich Gina auch noch ausflippt – wir sind hier nicht im Wespennest sondern in einem Fünfsterne Luxushotel. “

„Ich bringe. Danke Paul. “

Das Abendessen war gut. Irgendwie ging es aber an mir vorbei. Meine Gedanken waren bei meinem Team.

Es bekam immer mehr eine familiäre Note. Als wir auf die Zimmer gingen, rief ich, aus dem Arbeitszimmer dort, erst mal Lis an. Es ging mir nicht darum einmal mit Uschi die Sau rauszulassen, es ging ums Prinzip.

„Oh, oh. Meinte Lis auch prompt. Was ist nur an diesem Wien? Hast du auch irgendwie Lust auf ein Wiener Maderl?“

„Nein. Ahm …“

„Du stotterst“, behauptete Lis kühl.

„Da gibt es die Schwester von Alois, Annie. “

„Du meinst …“

„Nein. Zu jung. Ich werde sie fotografieren, dann werde ich Gina dafür büßen lassen. Ich würde es, glaube ich, gerne tun. Ich werde es mir aber verkneifen. Es ist unehrenhaft, sie ist die Schwester eines Mitarbeiters. Ich lasse meinen Hurenbock bei den Aufnahmen an ihr schwelgen, dann ist, wie gesagt, Gina dran.

Du wirst wissen, was ich meine, wenn du die Bilder siehst. Sie ist ein geiler kleiner Honeypot. “

„Du hast gesagt nein. Dann bleib auch dabei. Das mit Uschi ist keine Frage, solche Dinge sind immer erlaubt. Da waren wir uns einig. Trotzdem danke, dass du angerufen hast. Ach ja, Pele quengelt, ob Papa auch bestimmt die Torte nicht vergisst. Und PH, er kann sich nicht vorstellen, wie ein abgebrochener Güterzug sich auf einem Rad dreht.

Maiki und Kimba sind übrigens etwas erkältet. Saya spielte verrückt. Sie hat Dr. Korr angerufen. Der hat vorgeschlagen, sie solle eine Schale Wasser auf die Dampfheizung stellen. Ich fürchte, sie hätte den armen Doktor fast gesteinigt. Dann tat sie es doch, ich meine das Wasser auf der Heizung. Es war wirklich nur zu trocken …“

„Tschüss mein Engel. Grüße alle. Ich geh jetzt ein bisschen Schweinkram machen. “ Den Ausdruck hat Luigi aus Hamburg mitgebracht.

Weiß der Teufel, wo sich er und Anna da rumdrückten. Gina spielt Auster, dabei hat es ihr Anna bestimmt erzählt.

„Schlaf danach gut. Ich werde es gleich Kim erzählen. Vielleicht haben wir dann auch noch ein wenig Spaß. “

Mir fiel ein, von dem Deal mit Wang Soi, hatte ich gar nicht berichtet. Dabei war er doch ziemlich sicher der Auslöser, für das Trara. Ein paar Mark würde er auch in die Kasse schwemmen.

Nach der Good Night Cap blieb Uschi da. Gina spielte die gnädige Herrin des Bettes, ich den Lakaien. Um Mitternacht schliefen die zwei wie Engelchen, vergnügt lächelnd. Mit Sicherheit gut zufrieden, denn es war eine tolle Orgie, die wir da hielten. Beinahe gab es ein Unglück; Uschi lag so günstig. Ihr Glück war das Unvermögen, Klein Paul dorthin zu bekommen, wohin er gerne wollte. Es tat ihr weh. Erst da merkten wir, was los war mit uns.

Jetzt war Gina nochmals dran, für Uschi hatte ich aber gerne nochmals einen Finger frei.

Es wurde eher schlimmer. Die Swinger pochten auf ihr Recht. Dies stand ihnen natürlich zu. Männer kamen ins Spiel. Am Donnerstag hatte ich schon wieder Uschi im Bett. Aber nur, weil Doris endlich auch mal ihren Spaß haben wollte. Sie trieb es sogar gleich mit zwei Wiener. Wir hatten bei den scharfen Kopulationsshootings gesehen, dass Wien gute Verbindungen nach Italien hat.

Arschficker sage ich nur. Zwei davon, mit kleineren Donnerbolzen als gewöhnlich. Doris konnte wohl nicht anders, es musste sein.

Freitagmorgen hatte sie leichte Schwierigkeiten, wie ein normaler Mensch zu gehen. In einer Pause lächelte sie mich aber an, es sei einfach ein simultanes Freudenfest gewesen. Ich konnte mir sogar vorstellen, was sie damit meinte. Gina und Uschi schliefen an diesem Abend, nach einem kleinen Blaskonzert, wie zwei Engel in F-Dur (mit einem B davor).

Gina zog mich um Sechs zu einem Quicky ins Bad. Uschi kam verschlafen dazu – sie musste Pipi. Uns nahm sie nur mit einem halben Auge wahr. Gina sie gar nicht. Um diese Tageszeit schrie sie zum Glück aber nicht bei jeder Bewegung, die Klein Paul machte. Zurück im Bett hatte Uschi aber gleich die Hand bei meinem Lümmel. „Cesare“, seufzte sie im Schlaf. Dann schliefen wir wieder alle, bis das Telefon uns weckte.

Zeit zum Aufstehen.

Gina zog aus. Zu Doris und Uschi. Heute Abend wird Kim bei mir eingezogen sein. Noch war aber das Musterhaus angesagt. Heute waren die Gemeinschaftsräume dran. Die Zimmer oben, wurden für das Publikum fertig gemacht. Die Eröffnung naht.

Generalprobe für einen Massenbums vor verschiedenen Kulissen. Ein riesiges Foto versetzte den Betrachter nach New York. Besser gefiel mir aber noch die gemalte Kulisse. Eine Bank war der geeignete Ort für zwei Mädchen die auf Lesben machten.

Unsere Alukoffer wurden von einer Blondine requiriert, sie breitete ihren schönen, nackten Körper darauf aus. Eine elegante Nummer eins, Anfang 30 .

Dass zumindest einige der männlichen Swinger, zu den Shareholdern gehören, war schnell festgestellt. Es hatte sich herumgesprochen, dass ich in meinem Laden Bilder machte. Ein Händler, der Fliesen anbot, wollte das auch. Eine Massenorgie, drei Frauen, zwei Männer posierten für einen ganzen Film. Nach den ersten zehn Bilder, da bin ich sicher, war das Fotografieren für sie allerdings nicht mehr das wichtigste.

Sie hatten einfach Spaß.

Heute gab es auch noch reichlich Lesbenszenen und Vorstellungen mit Dildos, die ich freizügig und hinterhältig, wie Doris sagte, auf den Markt warf. Sie füllten reichlich Filmmaterial. Alois mitten drin. Er sagte, meine Schulung sei gut genug gewesen, solche Dinge zu überleben. Er war wirklich der ganz Coole.

*** Wenn sowas überhaupt möglich war, wir legten noch einen Zahn zu. Dafür war bereits um vier Uhr Schluss.

Wir hatten das Soll übererfüllt. Von 600 Filmen waren noch fünf da. Fast zu wenig für Jürgen, der die morgige Einweihung fotografieren sollte. Bei Alois gab es jedoch Nachschub. Er selbst hatte über 100 belichtet. Ich entschloss mich, bei ihm auch Kameras der Mittelklasse und Filme verkaufen zu lassen. Wenn es nicht läuft, in Italien läuft das inzwischen immer. Bei den Aufnahmen mit den Swingern hatte sich jedoch gezeigt, das Interesse daran war eindeutig da.

Alois hatte da schon erste Anfragen. Nicht nur das, auch erste Aufträge fürPrivatfotos, gab es schon. Das war, vom Prinzip her, natürlich kein Problem; es war für uns trotzdem etwas völlig Neues. Bisher haben wir alle, nur für den Verlag oder für die IGDuM fotografiert, jetzt wollten da Leute plötzlich Fotos, ganz für ihre eigenen Zwecke. Womöglich nur, um sie sich anzusehen. Dafür gab es eigentlich noch keinen Preis; da musste ich erstmal mit meinen Frauen und mit Pop darüber reden.

Vielleicht sogar mit Mikel und Willi. Auf der anderen Seite, wenn Kunden sowas wünschen, kann man diesen Wunsch ja nicht einfach übergehen.

Ich sagte Alois, er solle, bis weitere Anweisungen kommen, halt mal 400 Mark verlangen, mit einem Satz Bilder; davon 200 Mark für sich, als Sondereinnahmen, der Rest in die Ladenkasse.

Um es vorweg zu sagen, weder Kim, noch Pop, hatten ein Problem damit. Gleich beide wiesen mich darauf hin, dass doch Jürgen, quasi dasselbe mache, in Italien.

Jürgen verlangt ebenfalls 400 Mark, zwar in Lire, das schien jedoch ein Preis zu sein, der akzeptiert wurde. Die Rechnung kam vom Fotopark, ihm wurden dafür jedoch lediglich 250 Mark gutgeschrieben.Auchnoch eine Menge, rechnete mir Kim vor, bei meist 18 Filmen, pro Wochenende, im vergangenen Sommer, kamen da auch 2500 Mark raus. So arm, wie sie tut, schien mir seine arme Familie gar nicht zu sein.

Ach ja, ich gebe es zu, Annie hatte ich auch dreimal vor der Kamera.

Sie ist wirklich genau das was ich befürchtete, eine supergeile kleine Nymphe. Mit 18 von einem Freund entjungfert, er brachte aber nicht das, was sie sich vorstellte. Seither sucht sie. Ich bot ihr an, uns in Italien zu besuchen. Sie zeigte mir mit einem Dildo, welche Größenvorstellung sie hat. Ich dachte an unsere Papagalli. Keinesfalls aber an mich. Annie wurde auch nie ein Opfer – von mir zumindest nicht.

Ich hatte mit Doris und Sissi gesprochen, wir hatten so viele tolle Bilder gemacht, Mikel wurde wirklich fast ohnmächtig, Willi nahezu verrückt, denn seine Wäsche lief bei den Swingern bereits wie irre.

So gab ich Freitagabend eine Pressekonferenz. Das erste Mal in meinem Leben. Alois hatte ein paar der harmlosen Bilder auf dem Automaten kopiert, dazu, in meinem Auftrag, auch ein paar gute Bilder der Zimmer gemacht. Nach meiner Rede und einem Rundgang, wurden ihm die Bilder aus der Hand gerissen. Samstags hatte die Wiener Presse, fast nur ein Thema auf den Lokalseiten, das Musterhaus. Sissi war glücklich, ihr Mann, inzwischen auch da, natürlich auch.

Der Swingerklub blieb raus, die Swinger selbst? Nach dem Wespennest, konnte ich hier nur an ein Hornissennest denken.

Wie ich aus dem Shooting wusste, glückliche Frauen. Das habe ich erfragt und bestätigt bekommen. Sie hatten oft genug einen Doppelstich. Was das ist, musste ich weder Lis noch Kim erklären – das übernahm Doris. Die Erfahrene in italienischer Beischlaftechnik. Mit zwei Männern.

*** Abends war Kim da. Der Manager fand dies Anlass genug, ein Essen unten im Salon auszugeben. Wieder auf dem Präsentierteller sozusagen. Kim war die Grand Dame.

Gina saß auf meiner linken Seite. Wir sprachen alle betulich vom Musterhaus. So, vor allem so mustergültig, hatte ich es allerdings nicht im Kopf. Sissi, heute mit Mann, als Ehrengast geladen, hatte aber schnell raus, dass an den heute übervollen Nachbartischen die Presse saß. Die Gelegenheit an mir rumzuschlabbern, nahm sie auch wahr. Ihr Mann grinste nur, vor allem als er sah, dass die Presse Fotos davon machte.

Graf Paul von Karaj, wünscht Musterhaus alles Gute,war nur eine der Schlagzeilen.

Das war für die Presse sicher ganz lustig, mir war es jedoch völlig egal. Die Arbeit war für mich getan, jetzt war Kim dran, wenn ich ihr auch erst erklären musste, was ich da alles so angerichtet hatte. Wir fuhren Samstag zur Eröffnung.

Sie palaverte mit Alois. Sie ist nun halt mal Personalchefin. Sie redete aber auch mit Annie. Danach boxte sie mir arg in die Rippen. Sie könne mich verstehen, in diesem Fall spräche aber alles gegen mich – oder sie, wie ich gerade wolle.

Ich hatte meinen Spaß, indirekt über Gina, die wohl nicht einmal ahnte welcher Sturm und warum da über sie hinwegbrauste, für mich war der Fall gegessen. Dass meine Frauen so dahinterher waren, zeigte mir jedoch, so ganz abgeschrieben war ich scheinbar noch nicht. Ich fürchte, auch Gina wird zu Hause noch gründlich verhört. Sie hat allerdings nie Zweifel daran gelassen, dass sie Donna Lisa immer die Wahrheit sagen würde. Seit Wien, lässt sie jetzt allerdings bei mir den Don weg.

Nicht aus Missachtung.

Die Eröffnung des Musterhauses fand viel Interesse in der Presse. Ich verabschiedete meine Mannschaft nach dem Mittagessen. Uschi hing einen Augenblick zu lange an mir. Kim sah es zwar, ich hatte ja gebeichtet, sie fand es aber eher natürlich. Uschi hatte plötzlich nur noch zwei Männer, mit denen sie schmusen konnte. Am Montag ging es nach Italien. Dort gibt esnurnoch Cesare. Für Uschi war das so gewollt, wir konnten ihr aber schon nachfühlen, dass sie die Freiheit, wie bisher, nicht mehr hatte.

So spielt eben das Leben.

Kim war noch wilder als Lis. Für sie war es ja auch kein Arbeitsurlaub. Zum Riesenrad schleppte sie mich trotzdem; zum Glück waren wir nicht alleine in der Gondel. Es war auch zu kalt um dort womöglich wirklich Spaß zu haben. PH und Pele werden sich über die Bilder, die ich machte, aber freuen. Tante Kim winkt aus einer Kabine, Tante Kim ist nur ein etwas zu großes Staubkorn am Fuße der Anlage.

Für PH, ist das Größenvergleich genug.

Sissi und ihr Mann luden uns ein, am Sonntag, eine ganz private Tour durchihr Wienzu machen. Es war für Kim und mich ein Ereignis,küss die Hand gnäd’ ge Frau.Lis könnte wirklich etwas neidisch werden. Es war nun schon das zweite Mal, dass ich mit einer Nebenfrau mehr Spaß in Wien hatte als mit ihr. Sie nahm es aber nicht krumm.

Es gab Städte da warennurwir zusammen. Jetzt gerade in Kairo. Von Hongkong, Sydney und Athen gar nicht zu reden. Letzteres, war zwar nur ein Wochenende, von Italien aus, als ihr mal wieder die Decke auf den Kopf zu fallen drohte. Wir sahen allerdings nicht mal die Akropolis, nur die Plaka.

*** Wir besuchten, mit den Poldingers, einen exklusiven Nachtklub. Ich fand, die Generalprobe der Swinger im Klub war besser.

Ich sagte es auch. Sissi freute sich natürlich, beide sagten, sie seien auf die Magazine schon sehr gespannt. Ich gestand, ich ebenfalls.

Im Sacher, es war fast Zwei als wir eintrudelten, ließ ich mit Kim noch mal so richtig den Bär steppen. Sie war heute angeregter, durch den Nachtklub, als ich. Danach kuschelte sie sich genüsslich an mich. Ich erinnerte mich an unser erstes Mal, gemeinsam in einem Bett. Der Gedanke war eindeutig zu viel für meine heutige Verfassung.

Kim wurde wieder putzmunter. Damals bekam sie hinterher Probleme, sie war es da nicht gewohnt, hart hergenommen zu werden. Heute konnte es nicht hart genug sein. Unser thailändischer Tiger nahm sich einmal wieder vergnügt Ausgang.

Nachwirkungen

Am Mittwoch flog ich mit Lis nach London, die Filme selbst abliefern. Sie hatte sich extra Urlaub bei den Kindern erbeten – ihr gelüstete nach einer der riesigen Rinderrippen im Carlton Tower.

Sagte sie. In Wirklichkeit war sie nur neugierig.

Die Redaktionssitzung war ein Ereignis. Die Bilder kamen natürlich nur Stichprobenweise dran. An 600 Filmen hätte man mindestens zwei Monate zu arbeiten; mindestens eine Woche, alleine zum Vorsortieren. Es war aber schnell klar, ein Swingerheft bei denNachbarn; Sonderhefte für dieFiestaund fürGirlfriends. FürTeenssei genug Schmuddel dabei. Underground? Da seien die Bilder, die gezeigt wurden, fast zu schade.

So frei sei die Zensur aber halt leider noch nicht. Ein Heft zusammen mit der IGDuM? Willi hatte schon vorgefühlt. Wie man gesehen hätte, es würde vielleicht wirklich reichen, eine normaleNachbarn,mit Wiener Hausfrauen zu machen. Mit einem Schlag sei der Bedarf drastisch zurückgegangen. Ich könne ruhig langsamer treten. Noch ein paar Hausfrauen. Wenn Ende April die ersten Filme aus Italien eintreffen, bis dahin sei der Verlag gut ausgelastet. Gut 20000 Bilder, bei der Qualität sei die Hälfte immer gut verwendbar; in verschiedenen Magazinen natürlich.

Der Rest – für die Bilderbücher. Wir sollten schon mal Papier bestellen.

Es herrschte eitel Sonnenschein. Mein nicht so geglückter Auftrag in Indien, wurde nur kurz erwähnt. Wie ich schon selbst wüsste, das war mehr Dutzendware. Das Recht jedes Fotografen auch mal so etwas abzuliefern. Da hätten sie schon aus viel schlimmeren Bildern noch gut zu verkaufende Magazine gemacht.

Mom hatte uns natürlich schon erste Berichte und Notizen für Danielle mitgegeben.

Als wir heim kamen und ihr Grüße von Mikel überbrachten, saß sie aber immer noch an ihrem Arbeitstisch und diktierte in ihr Gerät. Ein Berg frisch beschriebener Blätter, von einer ihrer Schreiberinnen, lag auch schon auf dem Tisch.

„Hallo ihr Zwei. Da seid ihr ja wieder“, begrüßte sie uns. „Ich glaube, ich werde alt. Mein Körper sehnt sich nach der Wärme Italiens. Dieses Schmuddelwetter geht mir auf die Nerven. Dann brauche ich auch mal wieder ein paar neue Gesichter um mich.

Es war an der Zeit rauszulassen, was ich in London mit Mikel ausgekungelt hatte – nachdem er feststellte – wir könnten es nun ruhiger angehen lassen. Dass Mom etwas depressiv war, ist natürlich nicht nur Kim und Lis aufgefallen.

„In Neapel ist es auch kalt. Ein kalter Wind und tief hängende Wolken, sagt der Wetterbericht am Flughafen von London“, beruhigte ich Mom erst ein wenig. „Ist Pop denn auch schon so nöckelig?“

„Pop? Nö.

Der hat sich in seine Arbeit gefressen, er muss Berge aufarbeiten, vorarbeiten, vorbereiten und ausarbeiten. Er meint, man könne nicht einen Sommer lang wohlig faul sein und dafür im Winter auch nichts tun. Nicht, wenn man sein Gehalt ehrlich verdienen will. Warum fragst du? Ist was mit ihm?“

„Ahm, jein. Könntest du gut eine Woche auf ihn verzichten? Ich denke, in euerem Alter ist da ein wenig die Luft raus. Wie will ich sagen, ahm.

Aus der Begierde, meine ich. Du verstehst schon. “

Mom richtete sie auf. Ihre Augen funkelten. Sie ahnte, jetzt kommt was. „Liebe, mein Sohn, ist etwas Beständiges. Wenn sie echt ist. Pop und ich lieben uns. Eine Woche ohne Zusammensein, das festigt die Gefühle nur. Willst du ihn auf eine Reise mitnehmen? Hat dir Mikel einen neuen Auftrag gegeben, ein kleines Seminar? Wo?“

Lis wurde jetzt auch hellhörig.

Diesmal hatte ich meine Idee geheim halten können. „Pop soll ruhig in seiner Arbeit aufgehen.Dubist mein Opfer. Wenn es dir Spaß macht, werden wir eine Woche nach Thailand fliegen. Ins Royal Cliff. Kim und Sara kommen mit. Lis auch. Gina, Anna und Doris können bei den Kindern aushelfen und sicher Pop bekochen. Über deine Abwesenheit können sie ihn wohl auch hinwegtrösten. Mit Sitte und Anstand natürlich. “

Die Bombe platzte.

Mom und Lis saßen kerzengerade auf ihren Stühlen. Die Augen von Mom flatterten. Emotionen wollten hervor. Lis ging zu ihr und nahm sie in den Arm.

„Ja, da hat Paul eine gute Idee gehabt. Mom, du bist urlaubsreif. Du bekommst nur 18 Kassetten mit, Paul nur einen Fotoapparat. Ich denke, es wird aber Zeit, auch an Doris zu danken. Sie kommt auch mit. Anna und Gina können das alleine. Notfalls können sie am Abend Pop fragen.

Wir machen dicht. Und ja, Sara, das ist gut. Die muss daheim bestimmt von Paris erzählen. Hat Mikel dir frei gegeben?“

„Im Prinzip ja. Noch ein paarNachbarn. Dann erst wieder Italienerinnen. Gegen ein paar Thailänderinnen hätte er allerdings nichts. Ein paar, höchstens 25 Filme, bat er. Nun, Mom, hast du bestimmte Terminpläne, die ich berücksichtigen muss?“

„Bis Samstag muss ich Wien aufgearbeitet haben. Sonst? Montag wäre ein guter Termin, da hat mich Pop am Sonntag noch.

“ Sie war auf einmal die Ruhe in Person. Ich hatte richtig getippt, sie brauchte ganz dringend einen Urlaub.

„Gut. Ich gehe telefonieren. Lis übernehme Saya und die Kinder. Kim und Sara überraschen wir beim Cocktail. Doris werde ich informieren, sobald der Flug steht. Sie hat sicher noch einen Berg Arbeit. Dann muss ich noch Roland …“ Ich brach ab. Geschäftliches war jetzt nicht gefragt. Mom stand inzwischen an ihrem privaten Bücherregal.

Sicher sucht sie einen Reiseführer für Thailand.

Der Flug war kein Problem.Firstmit der Thai. Anruf im Cliff. Dort ist früher Abend. Ja, der Manager … sofort. „Bitte warten – Bitte warten – Bitte warten. “ Dann der Manager.

„Natürlich erinnere ich mich. Graf Paul, der Fotograf. Ihre alte Suite? Wird frei gemacht, wenn sie es nicht ist. Ich hätte da vielleicht aber einen noch besseren Vorschlag.

Unser neuer Flügel ist fertig. Die Royal Suite im neuen Royal Wing. Sie wird mit Sicherheit ihrem Geschmack entsprechen. Gemeinsames Wohn- und Esszimmer, für sechs Personen. Mit kleiner Bar. Der Masters Bedroom hat ein eigenes Wohn- und Schlafzimmer, großes Bad. Die Suite ist direkt mit dem Gemeinschaftsbereich verbunden. Gegenüber eine weitere prächtige Suite mit zwei Einzelbetten. Wir nennen sie Queens Room.

Eine normale Suite über den Flur oder durch ihre Privaträume, ebenfalls noch im privaten, bewachten Bereich der Royal Suite.

EineSalaam Meer. Privater Butler und Zimmermädchen. Reservierte Liegen am Pool. Der ist nur für Gäste des Royal Wing. Dort gibt es sonst nur Juniorsuiten und eben zwei der beschriebenen Royal Suiten. Die werden gerne von Fotografen für ihre Modeshootings genommen. “ Er schwärmte förmlich von der neuen Errungenschaft des Hotels.

„Hört sich gut an. Nur für unsere Sara brauche ich wieder eine Suite, wo sie Lärm machen kann.

Sie wird wieder alle Freundinnen, die sie hat, einladen. Freunde wohl auch. Ich denke, sie erinnern sich. “

„Ja sicher. Wir vergessen unsere Gäste und ihre Angewohnheiten nie. Sie bekommt – Augenblick – ja, sie kann ihre alte Suite haben. Wir richten ihr im Nebenzimmer gleich eine Saftbar ein und stellen ihr einen großen Kühlschrank rein. Ich erinnere mich, dass sie bergeweise Obst aus der Stadt mitbrachte. “

„Vielen Dank, können sie mir das per Fax bestätigen, sie haben meine Nummer?“

„Ja.

“ Er las sie nochmals vor. Dann wollte er unsere Ankunft wissen. Wir werden abgeholt. Unser zukünftiger Butler wird uns begrüßen. Ich legte auf, mit dem Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Es gibt kaum etwas Besseres für einen Reisenden als in einem Top Hotel einen guten Ruf zu haben.

Doris kam ins Büro. Papiere in der Hand, geschäftig. In einer Woche sammelt sich schon was an.

„Doris mein Schatz“, sprach ich sie an.

„Bekomme ich einen Kuss, wenn ich eine gute Nachricht für dich habe?“
„Hat Uschi angerufen?“, kam die Antwort. „Nein. Es gibt keinen Grund dazu, Cesare könnte es höchstens schlechter gehen und das wäre ja keine gute Nachricht. “ Sie kam zu mir her. Neugierig.

„Packe deinen Koffer. Sommersachen, Badezeugs. Wir fliegen Montag nach Thailand. Eine Woche, kleinerer Kreis, 25 Filme maximal, sagt Mikel. Nun, wenn es 50 werden, habe ich noch länger meine Ruhe.

Viel mit Schmusen wird dort aber nicht, Lis und Kim sind dabei. Dazu Mom und Sara. “

Doris starrte mich an. Sprachlos. Dann bekam ich einen Kuss, noch immer wortlos und eher harmlos. „Thailand? Ich komme mit? Paul. Das muss ich erst mal verdauen. “

Das Faxgerät ratterte los. Bestätigung des Hotels. Der Manager schickte auch 3 Seiten Bilder. Das war wirklich prächtig. Der Pool lockte schon. In Handschrift stand 27 &#176 ; C auf dem Bild.

Kühl genug, um erfrischend zu sein, ohne zu frieren. Ein kleines Paradies wartet.

Doris riss das Fax ab, sah natürlich die Bilder, nun war es soweit. Ich wurde abgeschlabbert, dass es nur so eine Freude war. Dann machte sie sich an ihre Arbeit. Wie vermutet, lagen Berge von Dingen an, die vorher erledigt werden mussten. Dann war sie ja noch alleine. Sie rief Gina und Anna zur Hilfe. Nein, sie würde noch nichts sagen, was ich denn von ihr halten würde.

Geheim sei geheim, ihre Lippen versiegelt. Sie fragte nicht einmal, warum Gina und Anna nicht mitkommen. Sie konnte sich denken, dass sie hier gebraucht werden und sei es nur um das Haus zu hüten.

Cocktail. Pop bekam als Erster seinen Cognac. Er sah etwas traurig aus. Mom hatte ihm gesagt, was wir mit ihr vorhatten. Nun war er hin und hergerissen, zwischen Freude für Mom und Trauer für sich.

„Oberküchenchefin Sara, hast du eigentlich deiner Mama schon geschrieben, was in Paris los war? Und deinen Freundinnen?“

„Der Mama scho, die schrieb sie sei maßlos stolz auf mich.

Na ja, a bissle bin ih’s ja au. Meine Freundinnen wird se’s scho erzähle, du kennscht des ja, Paul. “

„Schade“, seufzte ich tief. Den Trauernden spielend.

„Des verstand ih jetzt net?“ Sara schien wirklich ratlos.

„Ha, sonst hättest du und Kim, es ihr ja am Dienstag erzählen können. Da wäre es sicher viel spannender fürNungewesen. “

Nicht nur Sara klappte den Mund wortlos auf und zu, wie ein Karpfen auf dem Trockenen.

Auch Kim schaute mich sehr geistlos an. Sie fasste sich aber als Erste wieder.

„Paul, du Sauhund, du altes Arschloch, dann habe ich doch richtig gehört als Saya vorhin mit Gina palaverte, wobei es darum ging, dass die beiden irgendwie abwechselnd auf die Kleinen aufpassen sollen. Lis, du, du – da lass ich mir noch was einfallen. Du hast das natürlich gewusst, dass Paul mal wieder einen Auftrag, bei eurem Besuch in London, bekommen hat.

Und Doris. Mit dir muss ich da auch ein Hühnchen rupfen. Ich bin sicher, als Chefeule hast du es auch gewusst. Daher hast du so komisch reagiert, als ich vorhin nach besonderen Plänen in der nächsten Woche fragte. “

„Sag einfach Schnepfe oder so was. Das erleichtert. Ich weiß es erst seit zwei Stunden und habe es selbst noch nicht ganz verkraftet. Ich soll nämlich auch mit, sagt Paul. “

„Ich bedauere, irgendjemand beleidigt zu haben.

Nur Paul müsste gemeinsam – nee. Ach Paul, es war eine gute Idee von dir. Meine Heimat ist hier, auch in Italien, Saras und meine Wurzeln sind aber halt in Thailand. SolangeNunnoch lebt, auf alle Fälle. “

„Ich komme auch mit, zum Leidwesen von Pop. Der Brummbär muss halt mal auf mich verzichten“, sagte Mom.

„Wir Auftrag von Donna Lisa, machen, was Saya sagt und kümmern um Professore“, fügte nun Gina noch an.

„Dürfen auch Professore trösten, wie Tochter, solange Signora Mom nicht da. Donna Lisa nicht verboten, ihm geben ein paar kleine Küsschen, wie freche Tochter“, lachte Anna. Sie ging gleich zu Pop und probierte aus, wie das ist.

Alles lachte über das etwas hilflose Gesicht von Pop. Sara holte die Cognacflasche und schenkte nach. Dann packte sie noch ein Küsschen obendrauf, nein, sie schlabberte sogar ein wenig.

Pop tätschelte ihr Knie. Sie nahm es heute nicht weg, wie sonst meist.

„Mom, dann wirst du jaNunkennen lernen“, erkannte inzwischen Kim. Paul, ich werde ihr ein Telegramm schicken – Schei … Schande, das geht ja nicht. Anrufen? Auch schlecht. Wohnen wir wieder im Cliff? Wie ich dich kenne sicher. Dann schicke ich ihr von dort gleich eine Nachricht. Nicht dass sie einen Herzanfall bekommt. Paul, du Satan oder war das deine Idee Lis? Nein, du hättest es nicht übers Herz gebracht, mir keine Andeutung zu machen.

Wenn ich dich aber so ansehe, mit kommst du auf alle Fälle auch. Du bist ebenfalls überrascht worden? Prima Paul. Sie hat es ebenfalls nötig. Daher auch das Gequatsche wegen der Kinder. Saya hat das voll im Griff. “

„Ach ihr Tunten. Nicht ich, Mikel hatte die Idee. Nicht Thailand, mehr einfach so. Österreich hat den Verlag völlig zugedröhnt, die können im Augenblick gar nicht mehr. Noch vierNachbarn,bevor wir nach Italien brausen.

Ende April die ersten Italienerinnen. Der Verlag zahlt Hotel und Flug, ich muss 25 Filme abliefern. Thais sind nicht nur von mir gefragt. Die Idee mit Mom hatte allerdings ich und Doris ist auf dem Mist von Lis gewachsen. So, jetzt wisst ihr’s“.

„Danke Lis“, sagte Doris prompt. „Aber warum ich, warum nicht Gina oder Anna. “

„Gina? Da hätte auch Anna mitgemusst. Wir haben aber nur 6 Plätze von Mikel bekommen.

Du, die Chefeule, du warst reif, sagte Paul. Reif für einen Sonderbonus. Er sagte, in Wien fiel ihm nichts Besonderes ein. Als er mir von der Reise erzählte, erinnerte ich ihn an seinen Wunsch, es dir heimzuzahlen, für deine gute Arbeit. Nun, das kam dabei raus. Dazu kommt, er fährt mit seinen beiden Frauen, da hat Gina – tu mir Leid für dich, Gina – da hast du keinen Platz. Sei aber sicher, auch für dich ist mal ein Sonderbonus drin.

Nicht nur nach Indien, sondern was richtig Schönes. “

„Donna Lisa, Lis, ich sage jetzt auch nicht mehr Don Paolo, Anna noch, sie will es so; wir haben klare Vereinbarung. Ich bin glücklich, wenn ich Paul bei mir habe. Das reicht. In Italien? Das ist eine lange Zeit. Du weißt, was für ein lieber … Ahm, darf ich Bursche sagen?“ Lis nickte lächelnd. Ich runzelte die Augenbrauen. Was kommt jetzt? „Lieber Bursche er ist.

Ich bin sicher, ich werde manchmal weinen. Anna hat es da besser, Luigi ist immer noch da. Er ist ein Hallodri, aber auch guter Freund, wenn nötig. Ich dann denken, es kommen wieder Reisen, wo Paul ist alleine und mich braucht. “

„Das hast du schön gesagt, Gina. Du magst ihn wohl sehr?“

„Bitte Lis, sein mein Geheimnis. “

„Dann trage dein Geheimnis bei dir.

Bevor dir irgendwann mal der Schädel platzt – du weißt schon – dann rede mit mir. Wir werden eine Lösung finden und sei es, dass wir Paul eine Nacht nach Rom oder nach Ischia schicken müssen. Regeln sind dazu da, eingehalten zu werden, aber wer sind wir denn, keine Lösungen zu finden?“

Gina rannte zu Lis, kniete nieder, nahm ihre Hände, dann spielte sie Schlosshund. Alle im Raum wussten, um was es geht.

Geheimnisse kann eine Familie wie wir nicht verschleiern. Pop redete plötzlich von der unermesslichen Arbeit an der Uni. Doris hieb in die gleiche Kerbe, was ihre Arbeit betraf. Ihr fehlte natürlich schon Uschi. Gina half, soweit es ging, da war aber noch viel Nachholbedarf an Wissen.

Auch Mom hatte plötzlich ganz Wichtiges mit Kim zu bereden, Sara musste Gläser polieren. Alle taten, als gäbe es Gina gar nicht. Sie lebte gerade ihren privaten Schmerz aus.

Das ging keinen an. Privat.

Ich kam auf die wohl richtige Idee, dass Gina – und auch Anna – inzwischen bei allen im Hause beliebt sind. Sie waren längst völlig integriert; wir waren ein Team und die beiden gehörten dazu. Dass Gina mit mir, bei bestimmten Gelegenheiten, eine besondere Abmachung hatte? Das war haltunserePrivatsache.

***

Am Samstag wurde das gemeinsame Frühstück brutal gestört.

Alois rief an. Seine Mitteilung war überraschend. Ich versprach Hilfe, spätestens Montag. Dann gab ich ihm die Adresse von Mikel. Das Volk am Tisch schaute mich gebannt an, als ich auflegte.

„Alois hat noch 18 Kameras. Von 250 Stück. Einige Spielzeuge sind ausverkauft, Fingerlinge gehen auf null. Magazine gibt es nur noch als Ansichtsexemplare, bei ihm und bei Willi. Er hat 18 Privatfilme, die zum Verkauf freigegeben sind. Die schickt er an Mikel.

Kim, lass dir was einfallen, Alois bekommt vorläufig 200 Mark pro Film, der an Mikel geht. Er bekommt Gehalt, ich trage die Unkosten, dafür zahlt Mikel den üblichen Rest an mich, ähnlich wie bei Jürgen. Das Papier und der Entwickler wird auch knapp. Was machen wir?“

„Ich rufe Roland an. Der soll von hier aus regeln, dass Kameras, Ersatzfilme und alles für den Automaten über die entsprechenden Niederlassungen geliefert wird. Bei unserem Umsatz sehe ich da kein Problem.

Bleibt das Spielzeug, da hast du doch eine Adresse. Lis, du gehst ja auch in Urlaub, der muss verdient werden. Lass dich von Mikel beschimpfen, weil heute Samstag ist. Alois und Schwester sind aber vom Umsatz abhängig. Er soll zuschauen, dass weitere Magazine dorthin kommen. Egal wie. Er braucht den Umsatz ja auch. Alles klar?“ Auch Kim hat so was sofort im Griff.

Wenn Doris da wäre, der ganze Trubel hätte uns kaum getroffen.

Doris frühstückte aber bei Bronners oder packte Koffer oder was weiß ich. Lis machte dem erst zornigen Mikel Beine. Er versprach sofortige Abhilfe. Heute lief natürlich nichts mehr, Montag bestimmt. Lis erledigte gleich auch das mit den Filmen von Alois. Auch das ging klar. Was Alois kann, hat er ja bei unserer Großserie gesehen.

Roland rief 15 Minuten später zurück. Seine Lieferanten hatten ihre Partner in Österreich erreicht. Die Lieferungen waren bereits unterwegs, Alois, vielmehrPauls Fotoladen, sei in die Kundenkartei aufgenommen.

Wenn Roland Druck macht, möchte ich nicht auf der falschen Seite stehen. Er kann penetrant unhöflich sein, wenn er nicht bekommt, zu was er glaubt, ein Recht zu haben.

Wang Soi sicherte sofortige Lieferung zu. Er war sogar happy, als ich ihm sagte, in Zukunft würde Alois direkt bestellen und bezahlen. Für Österreich natürlich nur. Aber das Bargeld sei erst am späten Nachmittag da. Es ging für ihn aber immerhin um einen Kunden, der offensichtlich auch verkaufte.

Ich erfuhr später von Alois, dass Wang Soi sehr um seine Schwester warb. Soll er doch, ich habe gehört, manche Chinesen sind da gut bestückt. Wenn sie ihn erhört?

Kim hatte Probleme mit den Fingerlingen. Da gab es einen Engpass. Nächste Woche sicher, und Österreich? Da gibt es noch keinen Vertreter. Kim bekam es hin, dass es einen Vertreter gibt: Alois, der noch von nichts wusste. Ein Kurier bekam eine Kiste Fingerlinge, ihre Letzte.

Kim hat da ein geheimes Lager im Keller, von dem zwar jeder wusste aber keiner es zugab.

Zum Mittagessen waren alle Krotten gespießt. Kim hatte einen armen Vizedirektor rausgeklingelt, von der Bank. Er bestätigte, dass aus Österreich Überweisungen von über 10000 Mark da waren. Mehr konnte es noch gar nicht sein, so schnell sind weder die Banken, noch Alois oder seine Schwester. Zwei Tage waren da immer drin. Unser Laden schien jedoch angenommen zu sein, er brummte tatsächlich.

Ich rief Willi an. Er war gar nicht da, nur Blondi. Willi war unterwegs nach Wien. Die Lager seien nahezu geräumt und gestern sei ein Hilferuf gekommen. Er traf uns alle völlig unvorbereitet. Ich bedauerte Blondi ein wenig, so ernst nahm sie ihr Alleinsein aber gar nicht. Heute kämen noch vier Mickimäuse zu Besuch. Da hätte Willi doch nur gestört. Ich bat sie, Grüße von mir auszurichten.

Wien auf alle Fälle, wurde mir so richtig sympathisch.

Im Sommer werde ich mal Mom und Pop ins Sacher schicken, wenn es geht eine Rundfahrt mit Sissi vereinbaren. Mom wird begeistert sein.

Fortsetzung folgt..

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