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Im richtigen Leben

Wir trafen uns vor dem Bahnhofsgebäude, da Oliver meinte, dies wäre für ihn der beste Treffpunkt. Am Telefon klang er ja ganz nett, aber so richtig wohl war mir nicht bei der Geschichte. Es war nicht das erste Mal, dass ich jemanden via Mitfahrgelegenheit mitnahm, aber das erste Mal, dass ich nur einen und eben dazu auch noch männlichen Mitfahrer hatte. Das musste er sein, sein Blick ging zu meinem Kennzeichen; dann lächelte er und ergriff seine Reisetasche.

„Hallo, ich bin der Oliver. „

Er streckte mir seine Hand entgegen und wir verstauten danach gemeinsam seine Tasche in meinem Kofferraum. Ich musterte ihn verstohlen, er sah vertrauenserweckend genug und dabei gar nicht mal schlecht aus, vielleicht Anfang bis Mitte Dreißig, Dreitagebart und kurzes, mit ersten grauen Strähnen verziertes Haar.

„Warten wir noch auf die anderen?“

„Nein, kannst einsteigen, du bist der einzige Mitfahrer heute.

Er roch nach Rauch, als er neben mir auf dem Beifahrersitz Platz nahm und sich anschnallte. Ich konzentrierte mich erst einmal auf den Verkehr, der hier vor dem Bahnhof immer ganz besonders schlimm war. Mein Mitfahrer nach Berlin zückte noch kurz sein Handy und machte es sich dann bequem.

„Wo in Berlin setzt du mich ab? Ich hatte ganz vergessen zu fragen. „

„Nun, kennst du dich aus? Ich bin noch nie alleine nach Berlin gefahren.

Ich selbst muss nach Kreuzberg. Musst mir halt sagen, wo ich dich am besten rauslasse. „

„Na super, passt doch, nach Kreuzberg muss ich auch. „

„Besuchst du jemanden?“

„Nee, ich wohne in Kreuzberg. Ich komme aber ursprünglich hier aus der Gegend und hab einen Kumpel besucht. Und du? Was verschlägt dich in unsere Hauptstadt?“

„Ich treffe mich mit jemandem. „

Mit Jakob.

Dem Mann, in den ich mich wahnsinnigerweise im Internet verliebt hatte. Ohne ihn auch nur einmal gesehen zu haben, heißt das. Na ja, Fotos hatten wir schon ausgetauscht. Aber im richtigen Leben, wie das so schön hieß, hatten wir uns halt noch nicht getroffen.

Oliver schaute mich interessiert an.

„Das klingt nach einem Blind Date?“

Hoppla, war das so transparent? Verblüfft schaute ich kurz in sein lächelndes Gesicht.

„Ja, genau. „

Fast hätte ich die Auffahrt auf die Autobahn verpasst. Ich musste mich erstmal auf den Verkehr konzentrieren. Freitag Nachmittag, da war hier immer der Teufel los. Auf der A2 wohl auch, ich hatte zuvor schon Verkehrsnachrichten gehört. Stimmt, das durfte ich nicht vergessen. Das Radio an.

Langsam gelang es mir, mich etwas zu entspannen. Oliver spielte wieder mit seinem Handy rum, nachdem er wohl eine SMS empfangen hatte.

Es sah nach Regen aus.

„Entschuldige, aber ich bin von Natur aus ein neugieriger Mensch. Wie kommt so eine klasse aussehende Frau wie du zu einem Blind Date in Berlin?“

Das Kompliment ging runter wie Öl, aber die Frage irritierte mich doch. Tja, wie kommt man zu sowas? Ganz einfach, ich lernte Jakob in einem Forum kennen. Erst schwatzten wir in Threads zusammen, dann schrieb er mir persönliche Nachrichten.

Schließlich ging die Geschichte per MSN weiter. Fast drei Monate nun. Täglich wenigstens sechs Stunden, zuletzt. Leider hatten wir beide keine Webcam. Ich hätte mir ja eine kaufen können, aber ich wüsste gar nicht, wie man so was anschließt. Technisch war ich nicht so bewandert. Ich erzählte Oliver eine Kurzfassung der Geschichte.

„Na, dann wünsche ich dir viel Glück damit. Bist du aufgeregt?“

„Und wie. Ich hab Schmetterlinge im Bauch.

„Verständlich. „

Er wirkte, als ob er noch etwas anfügen wollte, sich dann aber anders entschied. Schließlich tat er es aber doch.

„Ich hatte auch einmal eine Internet-Affaire, oder wie auch immer man das nennen will. Mit einer Amerikanerin. Das war aber schon vor langen Jahren, noch mit Dial-up Modem und so weiter. Kannst dir eventuell vorstellen, was ich für Telefonrechnungen hatte. „

Nicht wirklich.

Warum Telefon? Dial-up? Er erklärte mir die Geschichte auf Nachfrage. Hm, dann war er wohl doch deutlich älter, als ich ihn eingeschätzt hatte.

„Jedenfalls entpuppte sich das Ganze als eine schöne und am Ende auch recht schmerzhafte Illusion. Wir haben uns natürlich nie getroffen. „

„Und warum nicht? Wegen der Entfernung?“

Er zögerte erneut, offenbar unsicher, ob er mir die ganze Geschichte erzählen sollte, oder nicht.

Dann seufzte er und fing von vorne an.

„Sie hatte mir erzählt, sie hätte Krebs, Leukämie um genau zu sein. Und ich bin natürlich voll drauf eingestiegen. Ich war drauf und dran nach Amerika auszuwandern, um mit ihr zusammen sein zu können und so. Erst war sie begeistert, aber sobald die Sache konkreter wurde, fing sie mit ganz komischen Ausreden an… und am Ende… ich weiß wirklich nicht, wie real das alles war, nicht einmal wer sie wirklich war.

Na, eine Frau war sie schon, wir haben auch manchmal miteinander telefoniert, aber alles andere weiß ich wirklich nicht. War wirklich eigenartig, es fühlte sich alles sehr sehr real an, aber rückblickend weiß ich jedenfalls nicht, ob sie sich alles nur ausgedacht hatte, um Zuwendung zu bekommen, die sie in ihrer Ehe so nicht bekam, oder weiß der Teufel was …“

„Sie war verheiratet?“

„Geschieden. Angeblich war ihr Mann das totale Arschloch …“

Er erzählte die Geschichte noch eine Weile weiter im Detail, allerdings hörte ich nun nur noch halb hin.

Ich hoffte inständig, dass Jakob so war, wie er sich mir vorgestellt hatte. Die Idee, dass er über sich oder seinen Hintergrund lügen konnte, war mir noch gar nicht gekommen. Na ja, die Stunde der Wahrheit rückte nun ja auch immer näher. In der Mail von heute morgen hatte er mir ja auch seine Handynummer geschickt.

Nein, ich glaubte nicht, dass ich mich auf ähnliche Enttäuschungen wie Oliver gefasst machen müsste.

Viel mehr Sorgen hatte ich, dass es von der Chemie her nicht stimmen würde. Das war bei mir immer das Hauptproblem. Leute, die ich nett und interessant fand, fand ich für gewöhnlich nett und interessant. Und sonst gar nichts. Das war für einige wirklich nette Typen außerordentlich frustrierend geworden.

„… das Ganze war halt eine ziemlich pathetische Affäre. Aber in sich unglaublich intensiv und … na ja, sagen wir’s ruhig, wahnsinnig aufregend.

„Aufregend? Ich verstehe nicht. „

„Nun … wir haben uns nicht nur unterhalten …“

Er wackelte vieldeutig mit dem Kopf. Ich stand wohl auf meiner Leitung.

„Wieso, was meinst du?“

„Nun … wir waren fleißig am cybern, wenn du verstehst, was ich meine. „

„Cybern?“

„Cybern nannte man, nun ja, wenn man sich halt heiß redete und dann … gemeinsam … verstehst du?“

Tat ich aber nicht.

Ich schüttelte den Kopf. Sein Rumdrucksen gab mir eine dunkle Ahnung, aber das war es dann auch schon.

„Wir haben halt zusammen masturbiert. „

Na klasse. Mir schoss das Blut in den Kopf. Damit hatte ich nun auch wirklich nicht gerechnet. Klar, das war ein peinliches Detail, das er sich gerne erspart hätte. So etwas hatten Jakob und ich natürlich nicht getan. Geflirtet ohne Ende, klar. Aber wie sollte das denn gehen? Mit einer Hand tippen oder was? Was es alles gab …

„Verstehe.

Und das war … gut?“

„Ja, verrückterweise war das unglaublich. „

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das funktioniert …“

„Nun … wir haben halt … verstehst du … uns sexuelle Szenarios vorgestellt und mitgeteilt … und dann … wenn man auf jemanden trifft, der viel Fantasie hat, und sich gut ausdrücken kann, da kann das schon richtig abgefahren werden … nicht umsonst behaupten einige, der Geist sei die wichtigste erogene Zone …“

Na ich weiß ja nicht.

Ja, irgendwie vielleicht schon. Aber auch wieder nicht. Nee, aber so was wäre wirklich nichts für mich.

„Ich stelle mir das eher frustrierend vor. „

Oliver seufzte leise.

„Das war es auch. Aber andererseits auch wirklich aufregend. „

Man muss ja nicht alles ausprobieren. So besonders probierfreudig war ich eh nicht, zugegeben. So besonders erfahren auch noch nicht. Gerade mal zwei Liebhaber hatte ich in meinen vierundzwanzig Lebensjahren vorzuweisen.

Ich verliebte mich halt nicht so schnell, wie so manch andere in meinem Freundeskreis. Und ohne Liebe lief bei mir gar nichts. Für schnellen, bedeutungslosen Sex war ich mir einfach zu schade.

Oliver schien nun in Erinnerungen versunken und starrte aus dem Beifahrerfenster. Armer Kerl, die Geschichte hatte ihn vermutlich damals ganz schön mitgenommen. Dabei hätte der doch so was auch nicht nötig. Wenn ich richtig mitgerechnet hatte, musste er doch schon Anfang vierzig sein, nach den Zeitangaben, die er gemacht hatte.

Aber keine Falte im Gesicht, nicht mal an den Augen. Er lächelte viel, ein warmes, herzliches Lächeln, dass Vertrauen und Offenheit signalisierte und provozierte. Er hatte wunderschöne glänzende Augen. Oder ob ihm jetzt die Geschichte die Augen befeuchtet hatte? Ein potenzielles Sensibelchen?

Jetzt aber kurz aufs Radio konzentriert. Verkehrsmeldungen.

„A2, Richtung Berlin, vor der Anschlussstelle Braunschweig-Süd nach einem Unfall sechs Kilometer Stau. „

„Scheiße“, entfuhr es mir.

Oliver wog zustimmend seinen Kopf hin und her.

Das hatte uns gerade noch gefehlt. Wir konnten den nicht einmal mehr umfahren, die letzte Abfahrt vor diesem Punkt hatten wir gerade passiert. Konnten die sowas denn nicht mal früher sagen? So ein Dreck, da stehen sie auch schon.

„Da ist schon das Stauende. Hier passiert aber auch dauernd was. Bei meiner allerersten Mitfahrgelegenheit habe ich hier auf der Rückfahrt mal drei Stunden nach einer Vollsperrung im Stau gestanden.

Ich nickte, ja, die Ecke hier hatte es in sich. Jetzt fing es auch noch an zu regnen. Ich schaltete den Scheibenwischer ein. Noch bewegten sich die Autoschlangen langsam. Vielleicht war es ja halb so wild. Ich hatte auch ausreichend Zeit für solche Zwischenfälle einkalkuliert. Drei Stunden wäre die Fahrt maximal ohne größere Staus. Meine Verabredung mit Jakob war erst um sieben, also in fünf Stunden. Das war bis jetzt noch kein Problem, aber wenn es uns jetzt so erging wie Oliver zuvor, dann hatten wir eins.

Aha, da kam das richtige Stauende. Nun bewegte sich gar nichts mehr. Mist. Dann war es wohl gerade erst passiert.

Oliver sah mich mit einem treu-lieben Blick wie ein Cockerspaniel an.

„Sag mal … macht es dir was aus, wenn ich das Fenster aufmache und eine rauche? Ich weiß, du sagtest Nichtrauchertour, aber …“

„Klar, ist schon ok. Aber nur’n bisschen, sonst pladdert es rein.

Das fängt ja gut an, hier. Mann, Mann, Mann. „

Er bedankte sich artig, öffnete das Fenster einen Spalt und zündete sich eine Zigarette an. Ich lehnte ab, als er mir auch eine anbot. Auch dieser Kelch war an mir vorübergegangen, unter der Rubrik „muss man nicht probieren“. Es war unnatürlich still im Auto, nur die plärrende Radiomusik und das Trommeln der Regentropfen untermalten die Gedanken, denen wir beide jeweils nachhingen.

Mir fiel auch nichts ein, worüber ich mich mit ihm hätte unterhalten können. Normalerweise spreche ich eh nicht so viel mit Beifahrern. Und so intime Details aus seinem Leben gab normalerweise auch keiner zum Besten.

Ich pulte mein Handy aus meiner Hosentasche. Vielleicht sollte ich Jakob doch schon mal prophylaktisch eine SMS schicken und ihm von meinem Missgeschick berichten. Ach Quatsch, dann machte er sich nur unnötig Gedanken. Wenn’s knapper werden würde, könnte ich ihn immer noch anrufen.

Auf seine Stimme war ich allerdings mächtig gespannt. Eine Stimme sagt viel über den Menschen aus. Ob ich ihn schon mal anrief, um meine Neugier zu befriedigen? Komisch, dass wir vorher nie drauf gekommen waren, Telefonnummern auszutauschen.

„Wie war das, als ihr das erste Mal miteinander gesprochen habt?“

Oliver aschte gerade aus dem Fenster.

„Was bitte?“

„Na, du und deine Internetfreundin … du sagtest, ihr hättet auch miteinander am Telefon gesprochen.

„Ach so. Ja, das war toll. Erst war ich noch ein wenig unsicher, von wegen Akzent und sprechen in einer fremden Sprache und so weiter, aber dann klappte es richtig gut. Sie hatte eine wahnsinnige Stimme, ziemlich dunkel und sexy … wenn du verstehst, was ich meine …“

Ich nickte. Eigentlich … einen besseren Anlass wie diesen Stau konnte ich doch gar nicht kriegen. Schwuppdiwupp das Handy wieder rausgeholt.

„Ich sag zur Vorsicht mal Bescheid. „

„Ja klar. „

Jetzt pochte mir das Herz doch schon ganz schön wild, als ich die abgespeicherte Nummer in meinem Adressbuch auswählte und den Wahlknopf drückte.

„Die Nummer, die sie angerufen haben, ist nicht vergeben. „

Was? Das glaub ich jetzt doch nicht. Hatte ich die Nummer falsch abgespeichert? Das konnte nicht sein, ich hatte das bestimmt dreimal überprüft.

„Verflucht!“

Oliver schaute mich überrascht an.

„Was ist?“

„Die Nummer … die Nummer, die Jakob mir gegeben hat, ist nicht vergeben. „

„Vielleicht ist irgendwo ein Zahlendreher drin. Ich habe auch so meine Problemchen mir meine Nummern zu merken. „

Stimmt, es gibt bestimmt eine gute Erklärung für das alles. Mach dich jetzt nicht verrückt Mädchen! Noch gibt es kein Problem.

Nur wenn sich alles länger hinzog und ich ihm doch Bescheid geben müsste, gäbe es eins. Vielleicht könnte ich irgendwo rausfahren und in ein Internetcafé? Oliver schnippte seine Zigarette aus dem Fenster. Schau an, jetzt konnten wir auch schon wieder ein paar Meter rollen.

„Ich lass das Fenster noch’n Moment offen, damit es durchlüftet, bevor es wieder richtig losgeht. „

Ich nickte dankbar. Pustekuchen, das war’s dann auch schon wieder mit der Vorwärtsbewegung.

„Mach dir mal keine Gedanken, das wird schon. Wo wollt ihr euch denn treffen?“

„In einer Kneipe namens Bier Kombinat oder so ähnlich, ich hab’s mir aufgeschrieben …“

„Im Kombinat? Kein Problem, wenn wir nicht rechtzeitig dort sind, rufe ich einfach da an und sage, dass sie deinen Liebsten bei der Stange halten. „

„Du kennst die Kneipe?“

„Das kann man so sagen.

Schließlich arbeite ich dort seit mehr als einem Jahr. „

„Du arbeitest dort? Das ist ja ein Zufall. „

Ein ziemlich unglaublicher Zufall, der mich doch irgendwie stutzig machte.

„Ja, allerdings. Wenn er da öfters hingeht, kenne ich ihn vom Sehen bestimmt auch. Unser Stammpublikum kenne ich sogar komplett beim Namen. Wie heißt er denn?“

„Jakob. „

In seinem Kopf schien es zu arbeiten.

„Hm, nee, kommt mir nicht bekannt vor. Hast du vielleicht ein Bild?“

„Zuhause, auf dem Computer, hier nicht. „

„Ah, ok. Schade. „

Ich stellte den Motor ab, da wir uns jetzt schon wieder seit Minuten keinen Zentimeter mehr bewegt hatten. Wenigstens kam das Gespräch langsam wieder in Gang.

„Und was machst du beruflich?“

Ich erzählte ihm von meiner Arbeitsstelle im Job Center.

Er verzog etwas säuerlich das Gesicht.

„Ach was, echt, Sachbearbeiterin und so?“

„Nein, ich arbeite nicht in der Leistungsabteilung. „

Man schämte sich ja heutzutage schon fast zu sagen, dass man für’s Arbeitsamt arbeitete. Dabei machten wir nur unseren Job wie jeder andere auch. Oliver grinste.

„Nimm’s mir nicht übel, aber wie viele andere auch hatte auch ich schon mal Malessen mit eurem Verein …“

Gott sei Dank ersparte er mir die entsprechende Geschichte.

Stattdessen erzählte er mehr von sich und seinen Träumen. Ein Schriftsteller, sieh an. Beeindruckte mich jetzt nicht, aber nun machte diese Cybergeschichte auch fast schon wieder Sinn. Ausdrücken konnte er sich ja. Das konnte auch Jakob sehr gut. Oh, und er reiste gerne. Das würde ich auch noch gerne tun, mal um die ganze Welt am liebsten.

„Wo warst du denn schon überall?“

Wow, Afrika, Südamerika, Asien, Australien.

Der war ja ganz schön rumgekommen.

„Die USA noch nicht?“

Er zuckte vielsagend mit den Schultern.

„Aus bekannten Gründen nicht. „

Klar, sowas konnte einem ein ganzes Land vergällen. Irgendwie schaltete ich an diesem Tag einen ganzen Tacken langsamer als sonst. Musste wohl die Aufregung sein.

Reisen. Ich hatte mal überlegt, als Freiwillige über ein Programm der Kirche nach Afrika zu gehen, so eine Art FSJ.

Aber bevor das konkreter wurde, hatte ich meinen Ausbildungsplatz doch schneller als erwartet bekommen und danach war nicht mehr daran zu denken. Das berichtete ich ihm dann. Und er erzählte mir Geschichten aus den Ländern, die er schon bereist hatte.

Ich bemerkte nicht einmal, wie die Zeit verging. Plötzlich kam wieder Bewegung in die Autoschlangen. Er machte schnell die nächste Kippe aus, die er sich mit meinem Einverständnis angezündet hatte.

Was? Eine ganze Stunde hatte uns der Spaß schon gekostet. Aber die war trotzdem fast wie im Flug vergangen.

Das tat dann auch der Rest der Fahrt, inklusive des nächsten Staus an der Avus. Das war ein richtig interessanter Mann, und witzig noch dazu. Komischerweise hatte ich seit Stunden nicht mehr an Jakob und das bevorstehende Treffen gedacht. Als wir dann endlich nach Berlin reinkamen, war es sechs, also kein Grund zur Beunruhigung.

Nur vorher noch in diese Pension zu fahren, einzuchecken und mich umzuziehen wie geplant, das wäre vermutlich zu knapp geworden, denn die war in Berlin-Mitte. Schließlich musste ich Oliver ja auch noch in Kreuzberg abliefern. Ich fragte ihn um Rat.

„Ach was, das kriegst du noch locker hin. Weißt du denn genau, wo du hinmusst?“

Ich zeigte ihm die Google-Ausdrucke, die ich mir gemacht hatte.

„Ich werde es damit hoffentlich finden.

Er sah kritisch auf die Blätter.

„Weißt du was, ich helfe dir. Ich kann dich problemlos zu deiner Pension und zum Kombinat lotsen. Im Kombinat warte ich noch, bis dein Liebster auftaucht und mache mich dann vom Acker. Was hältst du davon?“

„Echt, das würdest du für mich tun? Aber das ist sicher gar nicht nötig. „

„Ich mache es gern.

Na klar, mit einem Ortskundigen wäre die Geschichte natürlich einfacher zu bewerkstelligen. Der war ja echt süß. Sogar in der Kneipe mit mir zu warten …

„Okay, helfen würde mir das schon. Und du hast es in den vergangenen Stunden auch sauber hingekriegt, mich total abzulenken. Meine Nervosität ist wie weggeblasen. „

Er grinste verschmitzt. Dann fing er an, mich einzuweisen.

Um zehn vor sieben saß ich dann auch tatsächlich frisch umgezogen und mit der Gewissheit in dieser Nacht ein Zimmer zu haben, in der Kneipe, in der das Treffen stattfinden sollte.

Oliver zog sich hinter die Theke zurück, um „das Bürschlein nicht zu verschrecken“, wie er sich ausdrückte und redete mit seinen Kollegen.

Nun kriegte ich aber doch langsam Herzklopfen. Von meinem Tisch aus konnte ich den Eingang gut einsehen, und jeden Eintretenden glich ich mit dem Bild ab, das er mir geschickt hatte. Ich schüttelte demonstrativ den Kopf, als ich bei einem weiteren Olivers fragenden Blick bemerkte. Ich sah auf die Uhr auf meinem Handy.

Er war jetzt schon eine Viertelstunde zu spät dran. Selbst wenn er seine Nummer irrtümlich falsch herausgegeben hatte, meine hatte er im Gegenzug ja nun auch bekommen, er hätte ja anrufen können.

Das tat er aber nicht. Auch um halb acht war von ihm noch nichts zu sehen. Oliver setzte sich zu mir an den Tisch.

„Oh Kleines, da scheint aber doch so einiges schief zu laufen.

„Das kann man so sagen. „

Erstaunlicherweise war ich nicht mal wütend. Enttäuscht, sicher. Irgendwie erlöst aber auch. Für einen Moment spielte ich noch mit dem Gedanken in ein Internetcafé zu gehen, um so mit ihm in Kontakt zu treten. Dann verwarf ich aber alle Pläne in dieser Richtung.

„Shit happens. Das heißt noch lange nicht, dass du kein grandioses Wochenende in Berlin verbringen kannst.

Wenn du willst, fungiere ich gerne als Interimsstadtführer und sorge dafür, dass es unvergesslich bleibt. „

So verlockend das Angebot auch klang, jetzt wollte ich doch erst einmal zur Abwechslung meinen Verstand wieder einschalten. Mit einem völlig fremden Mann durch Berlin zu ziehen war sicher keine besonders clevere Idee. So süß er soweit auch gewesen war.

„Ich weiß nicht …“

„Möchtest du noch was trinken? Ich will dich hier zu nichts drängen, es ist nur ein Angebot, aber das kommt von Herzen.

Was wäre denn die Alternative? Zurück in die Pension und dich über den Burschen ärgern?“
Da hatte er natürlich schon recht. Und so völlig fremd war er mir ja nun auch eigentlich gar nicht mehr. Ich fühlte mich in seiner Nähe unglaublich sicher und wohl, so wie bei einem alten Freund. Komische Kiste. So vorsichtig ich für gewöhnlich war, hier genügte ein weiterer treu-doofer Spanielblick, um meine Alarmglocken verstummen zu lassen.

„Also gut … und danke für alles, was du für mich bisher schon getan hast.

„Kein Problem, wir Leidensgenossen müssen doch zusammenhalten. Wie ist das bei dir, hast du Hunger? Ich kriege nämlich langsam Schmacht. „

Nun, da er die Sprache darauf brachte, durchaus. Die Schmetterlinge im Bauch waren weg, Wut hatte sich dort auch nicht einnisten können, also war dort eine gewisse Leere feststellbar. Und auch nicht nur dort. Ich freute mich auf Essen in Gemeinschaft. Er schlug ein indisches Restaurant in der Nähe vor.

+++

Berlin. Langsam erwachte die im Nieselregen glitzernde Metropole zum Leben, luden endlose Reihen von Bars, Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Das Restaurant, das er ausgewählt hatte, war angeblich voll. Vor uns wurde ein Pärchen weggeschickt. Oliver begrüßte den Ober mit Handschlag und wir bekamen einen Tisch. Na sagenhaft.

Das Essen war richtig lecker; ich hatte den ganzen Tag nicht wirklich was gegessen, einen Joghurt am Morgen und mittags dann ein Sandwich, also kamen mir die großen Portionen da ganz recht.

Vor Oliver verfressen auszusehen, störte mich auch nicht wirklich. Ich hatte eh das Gefühl, mich so geben zu können, wie ich war, ohne die Coole oder was weiß ich was zu spielen. Er erzählte wieder Storys von seinen Reisen und ich hörte interessiert und aufmerksam zu. Bald schon waren mir sein Mienenspiel und Eigenheiten völlig vertraut, löschte seine Gegenwart alle Hintergründe, die mich wirklich nach Berlin gebracht hatten, nachhaltig aus.

Etwas anderes fiel mir auf.

Für gewöhnlich schaute ich mir Männer seiner Altersklasse nicht mal an. Er aber hatte irgendwie was, ertappte ich mich dabei, dass ich mir seine sinnlich geschwungenen Lippen und seine feingliedrigen Hände ganz genau ansah. Ich schüttelte innerlich den Kopf. Mädel, Mädel, das fehlte gerade noch. Fahr hier jetzt bloß nicht ab.

Er flirtete auch nicht wirklich mit mir, was mir einerseits sehr recht war, aber andererseits mich auch fast ein wenig irritierte.

Gefiel ich ihm etwa nicht? Ich fing schon den einen oder anderen bewundernden Blick von anderen männlichen Gästen auf, er aber sah mich nur offen, direkt und freundlich an, fast wie ein väterlicher Freund. Na ja, vielleicht war ich ihm auch einfach zu jung. Wir beendeten unser Mahl und begannen unsere Kneipentour, die, wie er mir mitteilte, ein touristisches Muss darstellte.

Ich war eigentlich dem Alkohol gar nicht so zugeneigt; klar, in der Schule und auch danach hatte ich schon mal mit meinen Freundinnen ordentlich zugeschlagen.

Aber ich vertrug nicht so irre viel und am nächsten Tag ging es mir meist auch dreckig. An den nächsten Tag wollte ich in diesen Momenten aber auch noch gar nicht denken. Katzenjammer und Kater würden schon noch früh genug kommen. In diesen Momenten genoss ich die fröhliche Atmosphäre der Weinbar, in die wir uns zum Auftakt begeben hatten und die Gespräche, die ich mit Oliver führte.

Er war sogar schon einmal verheiratet gewesen.

Komisch, darauf hätte ich nun nicht getippt. Er sah gar nicht geschieden aus. Ich musste innerlich ob des Gedankens kichern. Wie sahen denn Geschiedene aus?

„Wie lange ward ihr verheiratet?“

„Zwei Jahre und zwei Jahre lebten wir noch getrennt. Na ja, die Ehe war eh mehr ein Gag gewesen, der irgendwie nach hinten losging …“

„Wie? Was meinst du denn damit?“

Er zündete sich mit einem entschuldigenden Blick eine weitere Zigarette an, obwohl ich ihm schon mehrmals gesagt hatte, dass es mir nichts ausmachte, wenn er mich vollqualmte.

„Ach, ich war mit meiner Ex-Gattin schon mehrere Jahre zusammen gewesen, und uns kam irgendwann die Schnapsidee, uns von einem whiskytrinkenden, rotnäsigen irischen Priester in Barock-Klamotten trauen zu lassen. Nur machten wir dann den Fehler, die ganze Geschichte unseren Eltern zu erzählen, die die Heiratsidee klasse fanden, aber natürlich meinten, wir sollten doch lieber in Deutschland heiraten und stattdessen eine Hochzeitsreise nach Irland machen. Und wie das nun mal ist, nahmen sie uns die ganze Geschichte mehr oder minder aus der Hand … Und wir hatten eine stinknormale deutsche Hochzeit, die Flitterwochen in Irland übrigens auch nicht …“

Während er die Geschichte noch zu Ende erzählte, kamen mir komische Bilder in den Kopf.

Ich, an seiner Seite, im Hochzeitskleid … und das nach dem ersten Wein. Das konnte ja heiter werden. Aber … irgendwas stimmte doch sicher nicht mit ihm, sonst hätte sie ihn ja so ohne Weiteres nicht ziehen lassen …

„Und woran ist die Ehe gescheitert, wenn ich fragen darf?“

Upps, der Tonfall war fast ein wenig ätzend, der Wein ließ da doch so einige Dämme der Zurückhaltung brechen.

Ich war angetrunken eh immer ein bisschen vorlaut. Sein eben noch fröhliches Gesicht wurde sehr nachdenklich.

„Nun, einer der Gründe, oder vielleicht der Hauptgrund, warum wir zusammenkamen, war, dass wir uns beide vorstellen konnten, miteinander Kinder zu haben. Wir haben es probiert ohne Ende, aber es passierte nichts. Als wir dann zum Arzt gingen, erfuhren wir, dass sie keine Kinder bekommen konnte. Natürlich hätten wir adoptieren können oder so etwas, aber irgendwie war nach dieser Nachricht die Luft raus …“

Das konnte ich schon gut verstehen.

Kinder, ja Kinder wollte ich auch. Möglichst einen Jungen und ein Mädchen. Dumm nur, dass man in der Regel einen Vater dafür braucht. Es sei denn, man greift auf diese Samenbanken zurück. Aber so schlimm würde es hoffentlich nie für mich kommen, dass ich einmal solche Verzweiflungstaten begehen musste. Komisches Zeug ging mir durch den Kopf, während er mir teils von seiner Ehe, teils von einer anderen langjährigen Beziehung erzählte.

Wie machten die das in der Samenbank, mussten die sich selbst einen runterholen, oder gab es irgendeine medizinische Art, die zum Orgasmus zu bringen? Vielleicht stand da ja ein Computer und die cyberten sich einen oder wie das hieß.

Dann tauchte auch noch ein Bild vor meinem geistigen Auge auf, wie Oliver sich vor seinem Computer einen runterholte … Hui … als Nächstes bestellte ich mir wohl doch besser einen Kaffee, das ging ja gar nicht, wie war ich denn drauf?

Er schaute mich erwartungsvoll an. Daher lief ich gleich aus zwei Gründen rot an, zum einen wegen dieser unzüchtigen Bilder in meinem Kopf, zum anderen, weil ich dadurch peinlicherweise seine Frage überhört hatte.

„Ich? Du meinst meine Beziehungen?“

Schuss ins Blaue. Er nickte. Na, super gerettet. So viel zu erzählen gab es da aber auch nicht. Meinen ersten festen Freund hatte ich mit sechzehn, viel später als das Gros meiner Freundinnen. Außer Knutschen lief da auch gar nichts. Mit neunzehn dann die Beziehung, die mir den Status einer Frau einbrachte und ein schlechtes Gewissen, weil ich erst so schrecklich verliebt gewesen war und nach ein paar Monaten gar nichts mehr für ihn fühlte.

Vor zwei Jahren die erste „Erwachsenenbeziehung“ mit teilweisem Zusammenleben und so. Aber wir hatten einfach nicht zusammengepasst. In keiner Beziehung. Auch im Bett nicht. Na, wo die Liebe hinfällt …

Er nickte verständnisvoll und erzählte dann weiter von einer anderen Beziehung. Ich hörte wieder nur mit halbem Ohr hin. Ich konnte es kaum glauben, dass ich ihm gerade erzählt hatte, dass es mit meinem Freund im Bett nicht geklappt hatte. Das hatte ich nicht einmal meiner besten Freundin erzählt.

Wie machte er das nur, dass er mich so locker und offen kriegte? Das konnte schließlich nicht nur der Alkohol sein. Genau so war es mir eigentlich mit Jakob ergangen, aber da war ja auch die Besonderheit des Mediums unserer Unterhaltungen zum Tragen gekommen, die Tatsache, dass man bei solchen Geständnissen dem anderen nicht in die Augen sehen musste.

Wie er wohl im Bett war? Ich stellte ihn mir sehr ruhig und zärtlich vor.

Seine Hände waren wirklich wunderschön. Und so ein reiferer Mann, der kannte sich doch vermutlich auch schon richtig gut aus und … hallo? Was war denn mit mir los? Solche Gedanken hatte ich so in dieser Form eigentlich nie. In der Folge konnte ich ihm natürlich nicht mehr in die Augen sehen. Er wählte glücklicherweise diesen Moment, um einen Ortswechsel vorzuschlagen, eine richtig gemütliche Kneipe, in der er sich vorzugsweise rumtrieb.

Auf der Straße drängten sich enge Reihen von Freitagabend-Enthusiasten.

„Und worauf stehst du so?“

„Was meinst du?“

„Na, im Bett. „

Das Neonrot der Bar kam gerade recht, um meine gesichtliche Anpassung an diesen Farbton zu überdecken.

„Oh …“

Er machte gleich den Rückzug.

„Sorry, das ist wirklich eine sehr persönliche Frage, ich weiß. Nur … dass du sagtest, es hätte im Bett nicht funktioniert …“

„Ist schon okay.

Meine Gedanken rasten. Mir wurde heiss und kalt. Bevor ich aber noch zu einer Antwort ansetzen konnte, waren wir aber an dem von ihm gewählten Ziel angekommen. Er hielt mir sogar die Tür auf. Ein echter Gentleman. Ich kicherte innerlich wegen dieses albernen Gedankens. Ich blieb beim Wein, während er sich ein weiteres Bier bestellte und wieder zu seinen Zigaretten griff. Der rauchte ganz schön viel. Das war aber zu diesem Zeitpunkt das einzig Negative, was mir an ihm auffiel.

Ansonsten war ich von seiner Persönlichkeit völlig gefangen, entwaffnet und in einer fast unschuldigen Weise in Wallung gebracht. Es war unglaublich.

„Um auf deine Frage zurückzukommen …“

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich da ritt. Auf jeden Fall gab es jetzt kein Zurück mehr.

„Ja?“

„Nun … was meine … sexuellen Vorlieben angeht … ich brauch halt viel Zärtlichkeit und so, bevor ich richtig Lust kriege … Schmusen und Streicheln …“

Oh mein Gott … wie der mich ansah.

Als ob er sich vorstellte, meinen Wünschen in dieser Richtung zu entsprechen. Ein leichtes Beben lief durch meinen Körper. Ich griff schnell zum Weinglas und nahm einen ordentlichen Schluck.

„Und beide Männer, mit denen ich bis jetzt zusammen war, hatten damit eben nicht viel im Sinn. „

Er lächelte versonnen.

„Ich schon. „

Das glaubte ich ihm unbesehen. Die Luft knisterte mit Elektrizität.

Mein Körper glühte vor sich hin. So schnell hatte ich noch nie ein Glas Wein leergekriegt.

„Magst du eigentlich Tiere? Ich trinke jetzt, glaube ich, auch ein Bier. „

Gerade noch eben die Kurve gekriegt, mit der lahmsten Frage, die man sich vorstellen konnte. Aber ich fühlte mich langsam ein wenig unwohl mit der Entwicklung des Abends. Irgendwie ging das alles viel zu schnell. Ich war über mich selbst erschrocken.

„Und wie. Ich hab zwei Katzen, eine Katze namens Lakshmi und einen Kater namens Vishnu. Meine Nachbarin passt im Moment auf sie auf. Verdammt, die muss ich mal eben anrufen. „

Ich nutzte die Gelegenheit, um pullern zu gehen. Mein Gang war schon ganz schön staksig, und das nach zwei Glas Wein. Mein Auto würde ich an diesem Abend jedenfalls nicht mehr bewegen können. Auch mit allen anderen Fortbewegungen sollte ich eher vorsichtig sein.

Ich bewegte mich ja schon fast mit Autopilot auf sein Bett zu. Teufel auch. Was war bloss mit mir los? Eigentlich war das ja auch ganz schön dreist von ihm. Im Grunde nutzte der meine augenblickliche Situation sauber aus. Nee, so hatten wir nicht gewettet. Immer schön langsam mit den jungen Pferden.

Mein Bier war in meiner Abwesenheit auch schon angekommen. Wie er mich da so ansah, mit der unschuldsvollen Miene und einer gewissen Arglosigkeit, kam mir meine vorherige Einschätzung auch schon wieder lächerlich vor.

Eines war klar: ich war ganz hübsch durcheinander. Nun, die Erzählungen von seinen Katzen vertagten meinen Entschluss, mental auf die Bremse zu treten auch erst einmal. Eigentlich war es ja klasse. Da erlebte ich so eine schlimme Enttäuschung bei der ersten Aktion seit langem, wo ich mich auch emotional mal ein wenig aus dem Fenster lehnte, und dann verlebte ich so einen wunderschönen Abend im direkten Anschluss.

Ich gab daraufhin ein paar Pferdegeschichten zum besten, schließlich hatte ich einen Großteil meiner Jugend in Pferdeställen zugebracht.

Der Besitzer einer großen Gärtnerei in meinem Dorf besaß ein Pferd, das er aufgrund seiner Arbeit selten bis nie bewegen konnte. Im Gegenzug für Pflege und die Verpflichtung, dies regelmäßig anstatt seiner zu tun, durfte ich die Kleine dann täglich reiten. Wir hätten uns nie ein Pferd leisten können, da war auch das eine glückliche Fügung gewesen, denn die Stunden im Reiterhof waren alles andere als billig gewesen.

Das Gespräch quoll weiter aus dem Vollen, erstreckte sich über Musik, Filme und Literatur, mit Abstechern in die trüberen Gewässer von Beziehungen und Freundschaften, in einer absoluten Offenheit und Lockerheit, die sich wie ein warmer Mantel schützend um meine Schultern legte.

Ich fühlte mich geborgen und sauwohl.

Ein weiterer Kneipenwechsel, da war es schon nach Mitternacht. Am liebsten hätte ich mich bei ihm eingehakt, zum einen, weil ich doch schon recht stokelig war, zum anderen, weil das in seiner Nähe fast selbstverständlich erschienen wäre. Trotzdem hielt ich mich noch weiter zurück. So richtig offen flirtete er auch immer noch nicht mit mir. Oder er war ganz durchtrieben, und das war genau seine Masche, auf Unschuldslamm machen und mir dann den Verstand rausvögeln? Eigentlich wäre ich da gar nicht böse drum gewesen.

Wer weiß, vielleicht hatte bedeutungsloser Sex ja auch seinen Reiz. Wäre er mit ihm wirklich bedeutungslos?

Na klasse, das flüsterte mir wohl eines der letzten Biere ein. Reiß dich zusammen, verdammt! Die Kneipe war ebenfalls sehr gemütlich, auch wenn die Gestalten dort alle ein wenig fertiger aussahen und mir die Musik nicht so zusagte. Auch konnte ich mir das eine oder andere Gähnen nicht verkneifen. Ich hatte ja bis Mittag noch gearbeitet.

„Oh, bist du müde?“

„Ein wenig. Macht aber nichts, so schnell streiche ich noch nicht die Segel. Ich amüsier mich echt prächtigst. Du bist echt mein Lebensretter. „

Ich lehnte mich nach vorn und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Nüchtern hätte ich das vermutlich niemals gebracht. Seine Reaktion war ganz eigenartig. Er zog sich merklich zurück. Das Gespräch plätscherte weiter vor sich hin, aber die eigentliche Unterhaltung schien sich in unseren Köpfen bzw.

non-verbal abzuspielen. Gefiel ich ihm doch nicht, und er war wirklich nur ein netter Kerl, der sich ritterlich um mich kümmerte? Was ging in ihm vor? Ich hatte mir diese Elektrizität zuvor doch nicht nur eingebildet. Er bestellte uns noch lustig lodernde Sambukas.

Beim nächsten Toilettenbesuch konnte ich prompt auch schon echte Trunkenheit feststellen. Ich ließ mir kaltes Wasser über mein Gesicht laufen, das sich ganz taub und fremd anfühlte.

Er beobachtete meinen unsicheren Gang zurück mit leicht sorgenvoller Miene.

„Bist du okay?“

„Jau … aber ich hab ganz schön einen im Segel. „

Sein Lächeln war eine Mischung aus Belustigung und Mitgefühl.

„Sorry, ich hatte nicht vor, dich abzufüllen. Du kannst bei den Runden aber auch durchaus mal nein sagen. „

„Wieso, war das nicht dein Plan mich betrunken zu machen und dann abzuschleppen?“

Hoppla, das war mir halt so rausgerutscht.

Ich lief folgerichtig rot an.

„Nein, eigentlich nicht. Das ist nicht mein Stil“, sagte er gedehnt.

Er klang richtig gekränkt. Verdammt, da hatte ich ja mitten ins Braune gegriffen. Was tun? Flucht nach vorne.

„Schade eigentlich. „

Und versuchte dabei, auch noch ein verführerisches Lächeln hinzubekommen. Er krauste seine Stirn und sah mich lange schweigend an, während ich mich innerlich unablässig selbst für meine Idiotie beschimpfte.

„Ich glaube, ich bestelle dir besser einen Kaffee. „

Ich hätte heulen können. Ich beschloss, niemals wieder Alkohol zu trinken. Hatte ich da gerade den Beginn von etwas Wunderbaren im Klo runtergespült? Seine scheinbare Souveränität ärgerte mich jetzt auch fast. Aber deutlich mehr ärgerte ich mich über mich selbst. Er ging Zigaretten holen, als er sein Paket leer vorfand. Er sah ostentativ auf seine Uhr.

„Weißt du was, lass uns den Kaffee austrinken und dann bringe ich dich zu deiner Pension.

Wir sind hier ganz in der Nähe der nächsten U-Bahn Station. Wir können uns ja morgen zum Frühstück treffen, und dann zeige ich dir die Stadt. Du warst allerdings schon mal hier, oder? Was würde dich denn interessieren?“

Das war ja mal eine deutliche Ansage. Eine gewisse Erleichterung für mich war es auch. Zumindest hatte ich mit meinem kleinen Auftritt noch nicht für den Abbruch diplomatischer Beziehungen gesorgt.

„Du bist echt ein Schatz.

Das kam aus den Tiefen meines Seins. Das meinte ich auch so, mit allen Implikationen. Und es schien auch richtig anzukommen.

„Lass man stecken. Also? Warst du schon mal an der EastSideGallery? Das ist an einem noch verbleibenden Stück der Mauer. Es soll morgen auch deutlich schöner werden. „

Die angespannte Atmosphäre war wie weggeblasen. Ich benannte die Touri-Orte, die ich bei meinen zwei vorherigen Besuchen schon abgeklappert hatte und wir einigten uns auf ein grobes Programm für den nächsten Tag.

Erst dann fiel mir auf, dass es mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein einziges Mal eingefallen war, einfach nach Hause zu fahren. Nein, ich freute mich wie ein kleines Kind auf den nächsten Tag, und ebenso darauf, ihn mit Oliver zu verbringen. Eine halbe Stunde später lag ich sehr zufrieden und schrecklich müde im Bett. Ich schlief rasch ein.

+++

Mein Handywecker riss mich aus dem Schlaf.

Am liebsten hätte ich auf Snooze gedrückt, aber ich hatte ihn schon ziemlich knapp eingestellt gehabt. In meinem Kopf schien ein Heer kleiner Bauarbeiter mit Presslufthämmern beschäftigt zu sein. Ich kriegte die Augen kaum auf.

Morgengrauen beim Blick in den Spiegel. Die Dusche hatte einen brutalen Wasserdruck, so was hätte ich gerne auch zu Hause gehabt, bei meiner musste man förmlich von Strahl zu Strahl springen. Gott sei Dank hatte ich noch Ibudolor in meinem Kulturbeutel.

Sonst nahm ich die immer nur gegen Regelschmerzen. Aber so einen Kater hatte ich auch schon lange nicht mehr gehabt. Der Vorabend kehrte nur zögerlich und unzusammenhängend in mein Gedächtnis zurück.

Nun, ohne die beruhigende Nähe Olivers, kam auch Jakob wieder an die Oberfläche meines aufgewühlten Gedankenmeeres. Ich fragte mich, was ich tun sollte, wenn er sich mit einer Entschuldigung und irgendeiner guten Erklärung wieder bei mir melden würde. Nein, was auch immer er vorgeben könnte, er war für mich gestorben.

Und wenn ihm wirklich irgendwas zugestoßen war? Nee, das war wohl Wunschdenken. Er hatte aus welchen Gründen auch immer Muffensausen gekriegt und den Schwanz eingezogen. Die Geschichte war für mich nun abgeschlossen.

Oliver wartete bereits im Foyer der Pension. Ich war zehn Minuten zu spät dran, dafür hatte mein Gesicht und Gefühl auch wieder menschliche Formen angenommen. Ich freute mich wirklich, ihn zu sehen. Schau an, er hatte sich rasiert.

Jetzt sah er fast noch jünger aus. Mit keinem Wort erwähnten wir die eher peinlichen Situationen der vorherigen Nacht, nachdem ich noch einmal versichert hatte, dass es mir wirklich ausnehmend gut gefallen hatte.

Wir frühstückten in einem netten kleinen Café sogar draußen, obwohl es noch ein wenig kühl war. Das tat meinem Kopf aber richtig gut. Als wir schließlich eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abklapperten, ging es mir wieder ausgezeichnet.

Das Wetter spielte auch mit, wir hatten bald zwanzig Grad. Ich wollte gerade meine Lederjacke ausziehen, da stand er plötzlich hinter mir und war mir dabei behilflich. Da war es wieder, dieses Knistern und Kribbeln, das durch meinen ganzen Körper lief. Ich glaubte, sein Körperfeld in meinem Rücken zu fühlen. Mir wurde richtig ein wenig weich in den Knien. Das war keine Katererscheinung. Etwas entstand in mir, drängte mich zu ihm hin.
Wir liefen eine breite Chaussee entlang.

„Es ist schon fast drei. Hast du Hunger? Ist ja schon eine ganze Weile her, dass wir gefrühstückt haben. „

„Hm, weiß nicht. So doll noch nicht. Wir können ja einen Kaffee trinken gehen und ein Stück Kuchen essen. „

Er überlegte kurz.

„Dann drehen wir am besten um. Es gibt ganz guten Kuchen in dem Café, an dem wir vor zwei, drei Minuten vorbeigelaufen sind.

„Sorry, aber das konnte ich ja nicht wissen. „

„Ja. Hm … zehn Minuten weiter weg ist meine Wohnung. Wir könnten auch Kuchen mitnehmen, und bei mir ganz in Ruhe ein Käffchen trinken. Dann lernst du Vishnu und Lakshmi kennen. „

Huch? Wen?

„Meine Katzen. „

Ach so, da fiel es mir auch wieder ein. Fröhlich sagte ich zu.

Erst als wir vor seiner Haustür standen, wurde mir bewusst, dass ich gerade dabei war, in die Wohnung eines wildfremden Mannes zu gehen. Eines Mannes, der offensichtlich auch Gedanken lesen konnte, zumindest jedenfalls meine.

„Keine Bange, ich bin kein Axtmörder oder sowas. Aber auch nicht unbedingt die Putze. Und ich war ja auch die Woche weg. Trotzdem bitte ich für den Zustand der Wohnung um Vergebung. „

Wieso, das ging doch.

Da hatte ich schon Schlimmeres gesehen, inklusive meiner eigenen Wohnung. Eine gewisse Schlampigkeit konnte man mir ohne Weiteres nachsagen. Das war halt so, wenn man alleine lebte. Bei meinen Eltern hatte ich mich immer noch etwas mehr zusammengerissen. Eine Riesenwohnung, siebzig Quadratmeter, für Berliner Verhältnisse war das aber immer noch klein, meinte er. Sehr geschmackvoll eingerichtet und voller riesiger Pflanzen, die sich ob der hohen Decken auch großartig entfalten konnten. Die Wohnung roch aber stark nach Rauch und ein wenig nach Katzenpisse.

Er beeilte sich, die Fenster zu öffnen und murmelte auch hierzu ein paar Entschuldigungen.

Ich liess mich auf dem breiten, dunklen Sofa nieder, während er noch geschäftig ein paar Teller und Zeitschriften wegräumte. Kurze Zeit später gesellte sich ein getigertes schnurrendes Kätzchen zu mir auf meinen Schoss und starrte mich erwartungsvoll an.

„Das ist Lakshmi. Du kannst sie auch einfach runterscheuchen. Sie ist nicht nachtragend. Ich mach dann mal den Kaffee.

Dafür gab es aber überhaupt keinen Grund. Ich mochte Katzen, auch wenn wir keine gehabt hatten, mein Vater war mehr der Hundetyp gewesen und so hatten wir im Verlauf meiner Kindheit einen ganzen Satz Cockerspaniel und kleine Mischlinge aufgezogen. Lakshmi schien auch von meiner Kraulerei durchaus angetan. Während Oliver in seiner Küche fuhrwerkte, sah ich neugierig in seine Bücherregale und auf die Bilder unbekannter Familienmitglieder und Freunde, die sich an den Wänden befanden.

Ich fragte mich, ob eine der darauf festgehaltenen Frauen seine Ex-Gattin war.

Er trat zusammen mit seinem fuchsroten Kater ein, der sich allerdings für mich nicht im Mindesten interessierte, immerhin war die Pole Position auf meinem Schoss ja auch bereits besetzt. Stattdessen belegte er Olivers, der sich auf einem Sessel mir gegenüber niederließ. Ich wurde fast ein wenig neidisch, als ich seine schönen Hände über das Fell des Katers gleiten sah.

Mannomann, es hatte mich offensichtlich doch ganz hübsch erwischt. Wir sprachen wieder übers Reisen und er holte dann auch diverse Fotoalben hervor, da er auch gerne fotografierte.

Zum Zeigen setzte er sich mit zu mir aufs Sofa und erzählte ein paar Geschichten zu den Fotos. Er hätte in diesem Moment aber genausogut den Wetterbericht herbeten können. Ich reagierte nur noch auf seine Nähe, tauchte in seine ruhige und gelassene Aura ein.

Verdammt, so blind konnte der nicht sein, der wusste doch genau, dass ich auf ihn reagierte. Langsam, langsam, nicht schon wieder so zum Affen machen wie am Vortag. Meine Hand zitterte, als ich die Kaffeetasse während eines Albumwechsels an den Mund führte. Das sah er dann nun aber doch.

„Ist dir kalt? Soll ich die Fenster wieder zumachen?“

„Lass ruhig. Das hat nichts mit Kälte zu tun.

„Ach, doch noch verkatert?“

„Nicht direkt. „

Er zog die Stirn kraus, aber begnügte sich mit dieser Antwort. Frag doch weiter, Mann, du bist nur noch eine Frage vom großen Preis entfernt! Machte er aber nicht. Stattdessen erzählte er von einem Dorf in Peru. Ich stopfte mir frustriert ein weiteres Stück Kuchen rein. Da hatte er allerdings recht, der schmeckte wirklich gut. Er zündete sich mal wieder eine Zigarette an.

Ich ging in die Offensive.

„Ist auf einem dieser Fotos hier eigentlich deine Ex-Frau?“

Verwundert sah er auf.

„Ja, auf dem Großen da, neben dem zweiten Bücherregal. Das ist Lisa. „

Sie sah gut aus. Vom Typ her mir nicht mal unähnlich. Auf dem Foto kann sie höchstens ein paar Jahre älter sein als ich.

„Sie war hübsch.

„Ja, das war sie. Oder ist sie immer noch, wie man’s nimmt. „

„Wie lange seid ihr jetzt geschieden?“

„Hm … zwölf Jahre, glaube ich. Nee, dreizehn. Warum?“

„Interessierte mich halt. Sieht mir ja fast ein wenig ähnlich. „

Wieder krauste er seine Stirn und sah mich direkt an.

„Finde ich eigentlich eher nicht.

Das Foto ist aber auch nicht typisch für sie. Ich kann dir andere zeigen, wenn du willst. „

Das wollte ich allerdings nicht wirklich. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob ich ihm gefalle, und ob was ich da meinte aufzufangen echt, oder nur eingebildet war. Doch einen Spruch riskieren?

„Lass man. Gefalle ich dir eigentlich?“

Wo ich den Mut hergenommen hatte, war mit in diesem Moment auch nicht so ganz klar.

Er zuckte richtig zusammen. Oh nein, noch so ein Fehlschuss. Sein Schweigen wurde unerträglich. Dann brach er es endlich.

„Doch, sehr sogar. „

Na, das war ja schon mal ein Anfang. Warum war er denn so zurückhaltend? Er musste doch sehen, dass ich immer mehr auf ihn abfuhr. Jetzt schaute er mir direkt in die Augen.

„Mehr als mir lieb ist. „

Was war denn das für ein Spruch? Irgendwas lief noch quer, irgendwas hielt ihn zurück.

Also, ich war weder betrunken, noch von dem Jakob-Fiasko nachhaltig beeindruckt, das konnte es nun nicht mehr gewesen sein.

„Was meinst du damit?“

Sein Lächeln verunglückte etwas. Seine Stimme klang plötzlich ganz rau.

„Ich glaube, ich verliebe mich gerade in dich. „

Irgendwie stammelte ich noch „das würde ich nicht unbedingt als Problem betrachten“ und dann ging alles ganz schnell.

Der Kater sprang vom Sofa, als wir uns annäherten. Dann lagen wir uns auch schon in den Armen. Sekunden später spürte ich seine Lippen auf meinem Mund. Unser erster Kuss war beinahe nur ein Necken, fast nur angedeutet. Wir lösten uns wieder voneinander, damit er seine Kippe ausmachen konnte. Ich zog derweil mein Haargummi ab und lehnte mich in atemloser Erwartung zurück.

Ich schloss die Augen, als sich seine Lippen erneut auf meine absenkten, seine Zunge in meinen Mundraum eindrang, während seine Hände zärtlich meinen Körper umschmeichelten.

Alles wirkte so natürlich, so gelassen und ungehetzt, vollzogen unsere Körper den Prozess des Kennenlernens, fast außerhalb einer Möglichkeit von Kontrolle und Steuerung, ganz von selbst. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal erregt, einfach nur glücklich, geborgen, wie getränkt von dem Gefühl frisch verliebt zu sein, erfüllt von Helligkeit und Wärme.

Seine Hände zitterten leicht, als sie meine Gesichtszüge nachzeichneten, während ich meine Arme hinter seinem Hals verschränkte. Fast in Zeitlupe wanderten sie tiefer, an beiden Seiten meines Halses entlang, weiter, bis sie meine sich verhärtenden Brustwarzen erreichten, sich von dort erste Wellen der Erregung über meinen Körper ausbreiteten.

Ich ließ mich auf den Rücken sinken, bot mich ihm dar und an, überließ ihm alles Folgende. Ohne Hast glitten seine Hände über meinen Oberkörper, umspielten meine Schultern, fanden sich an der Knopfleiste meiner Seidenbluse wieder. Langsam öffnete er einen Knopf nach dem anderen, während er mich mit liebvollen Blicken überschüttete.

Seine Hände drangen in meine Bluse ein, seine Fingerkuppen hauchten über meine empfindliche Haut, hinterließen ein Gefühl von Kribbeln und Kitzeln hart an der Grenze des Erträglichen.

Er unterbrach seine Forschungsreise, um sich halb auf mich zu legen und mich zärtlich zu küssen. Ich schlang meine Arme erneut um seinen Hals, öffnete meine Beine, um einem der seinen Zugang zu verschaffen, ihn enger zu umschließen, mich nachdrücklicher mit ihm zu verbinden. Unsere Küsse wurden langsam leidenschaftlicher; ich spürte auch seine wachsende Erregung.

In diesem Moment sprang Vishnu, der sich das ganze Spektakel von der Sofalehne aus angesehen hatte, wie mir mehr am Rande meines Wahrnehmungsfeldes aufgefallen war, mit Schwung auf seinen Rücken.

Er erschrak sichtlich und scheuchte den Kater fluchend und lachend vom Sofa. Auch ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. Vishnu schien etwas pikiert, gesellte sich dann aber zu seiner Schwester Lakshmi auf den Sessel, auf dem sie sich es bequem gemacht hatte. Sie richtete sich kurz irritiert auf, buckte sich dann aber bei dem fast doppelt so großen Kater an.

„Du bist mir so eine Marke. „

Diese Aktion hatte den Zauber jedoch für den Moment gebrochen.

Er schien unschlüssig.

„Ist es okay, wenn ich eine rauche? Ich muss erst einmal runterkommen. Der Schlumpsack hatte seine Krallen ausgefahren, ich stand kurz vorm Herzinfarkt. „

„Kein Problem. „

Er zündete sich die Zigarette an und nahm auch noch einen Schluck des mittlerweile vermutlich kalten Kaffees. Damit er Grund hatte, sich mit seiner Raucherei doch etwas zu beeilen, zog ich mir die Blusenenden aus der Hose, öffnete den letzten verbleibenden Knopf dort, wie auch die an den Manschetten, und zog sie ganz aus.

Das sichtliche Zittern, das als Folge durch seinen Körper lief, wertete ich als Teilerfolg. Als ich dann auch noch meinen BH öffnete, drückte er die Zigarette schon nach dem zweiten oder dritten Zug aus. Ich hatte offensichtlich ein gutes Gegenmittel für seine Sucht gefunden.

Von seinen Berührungen ging allerdings ebenfalls eine massive Suchtgefahr aus, wie mir sehr schnell aufging. Die Art, wie seine sehnigen Hände nun mit meiner nackten Haut umgingen, von meinem Bauchnabel aufwärts wanderten, um meine sich steil aufrichtenden Brustwarzen kreisten, in meinen durch meine nach hinten gebogenen Arme freigelegten Achselhöhlen auftauchten, brachte mich einige Male an den Rand des vor Verzückung Schreiens.

Als er die Hände dann plötzlich durch seine Zunge ersetzte, die über meinen ganzen Oberkörper glitt, gingen mir fast die Lichter aus.

Eben hatte sich seine Zunge nach einer Sonderbehandlung meiner Achselhöhlen, die mir nun wirklich erste Stöhner entlockten, um meinen Bauchnabel kreisend befunden, dann zog sie tiefer und bewegte sich parallel zu meinem Hosenbund. Gleichzeitig bewegte er seine Hände auf meinen Schenkeln aufwärts. In meiner Jeans wurde es unerträglich heiß und im Schritt entstand ein Feuchtbiotop.

Auch ihm schien langsam warm zu werden, denn er ließ überraschend von mir ab, richtete sich auf und zog sich seinen Pulli über den Kopf, ließ das darunter befindliche T-Shirt gleich noch folgen.

Alle Achtung, der muskulöse Oberkörper hatte kein Gramm Fett, er hatte mir erzählt, dass er früher Zehnkämpfer gewesen war, davon zehrte er offensichtlich immer noch, denn mit seiner Quarzerei betrieb er jetzt bestimmt keinen Sport mehr. Ich befand in diesem Moment, dass eigentlich jedwedes Kleidungsstück überflüssig und störend sei und öffnete unter seinen atemlosen und bewundernden Blicken ganz langsam die Knöpfe meiner Jeans.

Sie war hauteng, deshalb wanderte mein kleiner Slip beim Runterziehen schon fast mit, legte meine eigens für dieses Wochenende prophylaktisch rasierte Mumu halb frei.

Er half mir mit der Jeans und zog sie mit einiger Mühe über meine Füße; mit meinem Slip und Söckchen hatte er dann keinerlei Probleme, obwohl seine Hände zitterten wie verrückt. Das ihn diese Aktion in jeder Hinsicht ganz schön hoch gebracht hatte, zeigte sich dann, als er sich ebenfalls weiter auszog.

Kaum hatte er seinen Hosenschlitz geöffnet, sprang auch schon ein vorwitziges Kerlchen in mein Sichtfeld, dass sich in der neu gewonnenen Freiheit rasch zu einem ausgewachsenen Kerl entwickelte. Ich biss mir in stiller Begeisterung auf die Unterlippe. Auch in dieser Beziehung war er ausgesprochen gut ausgestattet.

Bislang hatte ich ihn ja machen lassen, aber als er mit seiner Auszieherei fertig war, wollte ich meine vergangene Untätigkeit aus Gründen der Gleichberechtigung durch Aktion tilgen, schloss erst meine rechte Hand um dieses pochende und pulsierende Stück Fleisch, das sich noch einmal zu verhärten schien, um dann meine Lippen folgen zu lassen.

Er tat seine Überraschung und Begeisterung durch einige gurgelnde Stöhner kund, die sich schnell in eine konstante Geräuschkulisse verwandelten, als ich gleichmäßig und stetig an seinem Prachtstück sog, zudem noch mit meiner linken Hand sein stark gespanntes Säckchen massierte.

Diese ganze überraschende Attacke schien ihn völlig zu überwältigen, es mochten vielleicht gerade vier bis fünf Minuten vergangen sein, da gab er bereits warnende Laute von sich, die ich jedoch ignorierte und Sekunden später sammelte sich ein heißer Schwall etwas bitteren Spermas in meiner Mundhöhle.

Normalerweise schluckte ich nicht so gern, aber das war so viel, dass mir gar nichts anderes übrig blieb. Ich gab mir richtig Mühe ihn ordentlich sauber zu saugen und lecken, was mir wohl auch gut gelang.

Er sah jedenfalls nachhaltig begeistert aus, als ich endlich von ihm abließ und mich an nach einem kurzen Kuss an seine Brust kuschelte. Das kannte ich nun von meinen vorherigen Freunden, die auch geraucht hatten — jetzt brauchte er bestimmt die „Zigarette danach“.

„Kannst ruhig rauchen. „

„Du bist echt klasse! Ich verdien dich gar nicht … Das war … sagenhaft. „

Ich schmunzelte befriedigt vor mich hin, wohl wissend, dass er vom Typ her wohl so einzuschätzen war, dass er sich im Gegenzug nicht lumpen lassen würde. Trotz Raucherei ging seine freie linke Hand dann auch schon mal auf Entdeckungstour über meinen glatten Schamhügel hinweg nach Süden.

Ich öffnete meine Schenkel für ihn. Und schon war es wieder gegessen mit dem Rauchbedürfnis. Eine weitere Zigarette wanderte halbgeraucht in den Aschenbecher. Und er nach einigen immer heftig werdenden Küssen zwischen meine geöffneten Schenkel.

Dann hielt er plötzlich inne, schaute auf und mir in die Augen. Er löste diesen Blick auch nicht, als seine Zunge bereits Kontakt mit meinem Geschlecht aufnahm, sich zwischen meine Schamlippen drängte und an dem schwellenden Kitzler ankam.

Ob er mich dann noch weiter ansah, weiss ich nicht, denn ich schloss instinktiv die Augen, als seine flinke Zunge ein hübsches kleines Feuerwerk an meinem Geschlechtshorizont abbrannte. Ich stöhnte und bebte in der Folge, verging fast vor Wonne, immer mit dem Gefühl kurz davor zu sein, aber obwohl er alles richtig machte, auch was Geschwindigkeit und Druck anging, kam ich einfach nicht.

Das musste man ihm allerdings lassen, so leicht gab er nicht auf, nach vielleicht zwanzig Minuten drangen erstmals unterstützend zwei seiner Finger in mein inneres Sanktorum ein, was mich allerdings eher ablenkte, denn weiter erregte.

Er schien schon ein wenig frustriert, als sich das erhoffte Gipfelerlebnis nicht einstellte und ehrlich gesagt, war auch ich dies ein wenig, aber das ist halt manchmal bei mir so, wenn ich schon zu erregt bin.

„Lass bitte, ich will dich jetzt in mir spüren. „

Sein Kopf tauchte wieder zwischen meinen Beinen auf. Sein Glied war allerdings noch nicht völlig hart, dafür hatte er sich wohl zuviele Gedanken um das Ausbleiben meines Orgasmus gemacht.

Er glitt über meinen Körper, wir küssten uns, als seine Lippen auf meinen ruhten. Ich schmeckte mich selbst auf seinen Lippen und seiner Zunge, spürte, wie auch in ihm die Erregung langsam anschwoll, inklusive ihrer körperlichen Manifestation. Schon drängte sich ein fast vollständig hartes Etwas an meine Öffnung, glitt er nach einem kurzen hilfestellenden Handgriff mühelos in mich hinein.

Er hielt zu meiner Freude inne, überließ mich völlig dem Gefühl totaler Verbundenheit und ebensolcher Hingabe, bevor er sich langsam noch etwas tiefer schob, bis es nicht mehr ging.

Wir sahen uns direkt in die Augen, dieser liebevolle, zärtliche Blick ging mir durch und durch. Seine Bewegungen wurden nun ein sachtes Schaukeln auf dem Ozean der Lust, ohne Dringlichkeit oder Verkrampfung, ein sanftes Gleiten, aber gleichzeitig mich durchdringend, mich mit seiner Präsenz wie auch körperlich völlig ausfüllend. Eine langsame, aber stetige Steigerung, ein natürlicher, wundervoller Fluss, der nun doch immer reißender wurde, mich mitriss und auf das Unausweichliche zutreiben ließ.

Vielleicht war es der so frustrierende lange Aufbau seiner oralen Versuche zuvor gewesen, auf jeden Fall explodierte ich in einer Wucht und Intensität, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte, schien der Orgasmus überhaupt nicht enden zu wollen, folgte Welle auf Welle in seine ununterbrochenen Stöße hinein.

Sein vorher doch eher angespanntes Gesicht glättete sich, als ob er nun das Pflichtprogramm absolviert hätte und zur Kür übergehen konnte. Das tat er dann allerdings auch, denn in der Folge beschleunigte er weiter, vermutlich um sich selbst nun richtig gehen zu lassen. Ich nahm die Pille, also ließ ich ihn gewähren und beantwortete seinen entsprechenden fragenden Blick mit einem kurzen „Ja, ist okay, komm ruhig in mich rein“.

Das tat er dann auch kurze Zeit später.

Fasziniert starrte ich in sein aufgelöstes und stark gerötetes Gesicht, hörte seinen keuchenden Atem, der fast schon ein wenig rasselte, während er mich gleichzeitig mit einer nach der vorherigen Aktion auch wiederum erstaunlichen Menge heißen Saftes vollpumpte. Er kollabierte fast auf mir, rang schwer nach Atem. Die Entladung und sich ausbreitende Wärme verwandelte alle Spannung in eine erfüllte Gelöstheit, ein Gefühl tiefster Geborgenheit und Liebe. Mir lief gar die eine oder andere Träne meine erhitzten Wangen hinunter.

Wir lagen bestimmt eine halbe Stunde schweigend eng aneinandergedrückt zusammen, nachdem er die obligatorische Zigarette danach, unter einigem Husten allerdings, geraucht hatte. Erst dann war es uns wieder möglich, verbal miteinander zu kommunizieren. Es wurde kühl im Zimmer, also stand er auf, um die Fenster zu schließen und die Heizung anzumachen. Seine Katzen sahen dies als die passende Gelegenheit an, ihn auf ihre Hungergefühle aufmerksam zu machen. Er wog den Kopf entschuldigend hin und her.

„Ich muss die beiden erstmal versorgen, sonst geben die keine Ruhe. Wie ist das mit dir? Hast du auch Hunger?“

Das war mir bis zu diesem Moment nicht aufgefallen, aber wo er es sagte, stellte ich doch ein flaues Gefühl in der Magengegend fest. Wir beschlossen eine Pizza kommen zu lassen, denn uns anzuziehen und das Haus zu verlassen, war indiskutabel. Es dauerte fast eine Stunde, bis sie kam; es war wohl eine Menge los, schließlich war es ja auch Samstagabend.

Nach dem Essen begaben wir uns dann auch in sein Schlafzimmer. Er hatte ein rundes Bett, so etwas hatte ich zuvor auch noch nie gesehen. Auf jeden Fall war es sehr bequem und wurde in der Folge Zeuge zweier weiterer spektakulärer Orgasmen von mir und einem auf seiner Habenseite, bevor ich fassungslos vor Glück und Begeisterung einschlief.

+++

Ich wachte auf, weil meine Blase drückte.

Nur die prüfenden Augen Vishnus begleiteten mich, als ich mich im fahlen Morgenlicht auf die Suche nach dem Badezimmer machte. Der erste Versuch schlug fehl, das war ein Arbeitszimmer mit einem großen Schreibtisch samt Computer. Die zweite Türe führte mich dann zum ersehnten Ort. Es war noch recht früh, vielleicht gegen sechs, aber halt auch die Zeit, wo ich normalerweise aufstehe. Wenn ich pullern war, schlafe ich danach meist nicht mehr ein, also stehe ich für gewöhnlich dann auch auf.

Eigentlich wollte ich trotzdem gleich wieder ins Bett schlüpfen, zur seligmachenden Wärme meines Geliebten zurückkehren, aber als ich ein weiteres Mal das Arbeitszimmer passierte und den Computer sah, hielt ich an. Obwohl ich ihm nun nicht einmal mehr böse war, war ich doch neugierig, ob Jakob mir irgendeine erklärende Nachricht hinterlassen hatte. Ich ging einfach davon aus, dass Oliver nichts dagegen haben würde, wenn ich seinen Computer dafür nutzte.
Sein Computer fuhr deutlich schneller hoch, als meine Gurke.

Sieh an, MSN hatte er auch installiert, das loggte sich auch gleich automatisch ein. Dann verschwamm für einen Moment alles vor meinen Augen, als ich auf der Kontaktliste meinen und auf der Userzeile Jakobs Namen entdeckte ….

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