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Fucking Paradise

Vorbemerkung: Die folgende Geschichte stammt von mir. Alle Personen sind über 18 Jahre alt. Hardcore-Christen (kann mir zwar nicht vorstellen, dass es hier welche gibt, aber wer weiß…) könnten diesen Text anstößig finden.

*

Die Sonne schien warm auf Evas makellose Haut, während diese auf ihrem morgendlichen Spaziergang durch den Garten Eden schlenderte. Die Temperatur war genau richtig, nicht zu heiß, nicht zu kühl, wie immer. Eva machte ihre übliche Runde.

Zuerst über die kleine Wiese, an deren Rand die großen Bäume standen, unter denen Adam und sie gewöhnlich die Nacht verbrachten. Dann folgte sie dem schmalen Fluss, der sich in sanften Kurven durch die fruchtbare Landschaft schlängelte, bis er sich als kleiner Wasserfall in einen malerischen See ergoss. Auch hier wuchsen viele mächtige Bäume, die allerlei schmackhafte Früchte trugen, von denen Eva jeden Morgen eine Menge zum Frühstück für Adam und sich pflückte. Dann musste sie sich auch schon beeilen, zu ihrem Nachtlager zurückzukehren, denn der Mann bekam eine unerträgliche Laune, wenn er nicht pünktlich sein Essen vor der Nase hatte.

Als Eva an diesem Morgen ihr Frühstück zusammen sammelte, fühlte sie sich beobachtet. Das war an sich nichts besonderes, schließlich wimmelte es im Garten des Herrn nur so von Leben. Dieser Blick, den sie auf ihrem Körper spürte, fühlte sich jedoch anders an. Er schien sich gnadenlos durch ihre Haut bis in ihr Herz zu bohren. Ein wenig erstaunt drehte sie sich um und suchte mit den Augen die Schatten unter den Bäumen ab.

Erst entdeckte sie niemanden, aber auf den zweiten Blick schälten sich ganz in ihrer Nähe plötzlich Umrisse eines seltsam unförmigen Körpers aus dem Halbdunkel. Große gelbe Augen mit schlitzförmigen Pupillen starrten sie unverwandt an.

Eine Weile maßen die beiden einander stumm mit Blicken, Eva und das merkwürdige Geschöpf. Eigentlich war es hier üblich, freundlich zu grüßen, wenn man jemandem begegnete. Doch Eva war vor allem deshalb irritiert, weil sie ein Unbehagen in der Gegenwart dieses Wesens spürte, was sie bisher nicht kannte.

Hier gab es doch niemanden, der ihr nicht wohlgesonnen war.

Je länger sie in die Schatten starrte, desto besser erkannte sie, was sie vor sich hatte. Der gewaltige Körper des Tieres hatte keine erkennbaren Gliedmaßen und schien extrem biegsam zu sein, denn er war in mehreren Windungen zu einem großen Knäuel zusammengelegt, wodurch sie beim ersten Hinsehen den Eindruck gewonnen hatte, er sei unförmig. Die Haut war mit einem Zickzackmuster in verschiedenen Brauntönen überzogen, sodass ihr Träger im schattigen Dickicht perfekt getarnt war.

Der Kopf lag scheinbar entspannt auf der obersten Windung des Körpers. Er war mindestens doppelt so groß wie Evas, relativ flach, mit einer lang gezogenen, am Ende aber stumpfen Schnauze, zwischen deren Lippen sich in regelmäßigen Abständen träge eine gespaltene Zunge heraus schob.

Die gelben Augen blinzelten.

„Ich dachte, Schlangen hätten keine Augenlider“, sagte Eva.

Sie kannte ein paar Schlangen, diese hätten neben dem Exemplar, was sie vor sich sah, allerdings bestenfalls wie Würmer gewirkt.

Und die Augen dieser Tiere, das wusste Eva, waren starr und nicht von Lidern geschützt.

Das riesige Geschöpf zischte leise. Es klang wie ein spöttisches Lachen.

„Kluges Kind“, sagte es heiser. „Ich bin auch keine Schlange. „

„Nein?“, fragte Eva ein wenig dümmlich.

Langsam hob ihr Gegenüber seinen Kopf, das Maul öffnete sich leicht, sodass der Eindruck eines verächtlichen Grinsens entstand.

Dabei konnte Eva zwei lange, funkelnde Fangzähne im Oberkiefer erahnen.

„Schlangen“, antwortete das Tier, „hat sich der alte Obermacker von eurem Laden hier einfallen lassen. Ich hab seine Erfindung bloß ein bisschen… modifiziert. „

Eva verstand kein Wort. „Obermacker?“

„Der Boss vom Ganzen“, kam es ungeduldig zurück. „Mister Know-it-all. Der sich den ganzen Quatsch hier aus sozusagen aus den Rippen geschnitten hat, dich inklusive.

Endlich kapierte Eva, wovon die Schlange, die keine war, sprach.

„Du meinst… den HERRN?“

„Jup. „

„Mir scheint, du sprichst nicht sehr respektvoll über ihn“, sagte sie entrüstet.

Wellenartige Zuckungen liefen über den muskulösen Körper des Tieres, als es erneut lachte, diesmal lauter.

„Was für ein helles Köpfchen du bist“, meinte es spöttisch.

„Tja, weißt du, ich hab mit eurem Herrn und Meister nicht viel am Hut. Nicht mehr jedenfalls. „

Verständnislos schüttelte Eva den Kopf. Es war für sie unvorstellbar, wie jemand nicht von Liebe zum allmächtigen Vater erfüllt sein konnte.

„Was soll denn das heißen?“, fragte sie und trat einen Schritt näher an das Geschöpf heran. „Er hat uns doch alle erschaffen und liebt uns. Wie kann er dir gleichgültig sein?“

Der Kopf des Tiers pendelte leicht hin und her, ein Stückchen über Evas Augenhöhe.

Unwillkürlich folgte ihr Blick der hypnotischen Bewegung.

„Ja“, sagte das merkwürdige Wesen und seine dunkle Stimme triefte vor Hohn — vielleicht auch einer Spur Bitterkeit. „Er hat auch mich erschaffen, aber das war lang vor deiner Zeit, Schätzchen. Lange, bevor er überhaupt an all das hier gedacht hat. „

Eva kam langsam noch ein bisschen näher. Die Neugier überwog ihr Unbehagen bei weitem. Dass jemand Kritik am HERRN äußerte, hatte sie bisher noch nicht erlebt.

„Kritik“ kam in ihrem Wortschatz überhaupt nicht vor, genauso wenig wie „Angst“ oder „Misstrauen“. Warum auch? Es gab schließlich nichts schlechtes im Paradies.

„Ich war sogar sein Liebling“, fuhr die falsche Schlange fort und ließ ein heiseres Lachen hören. „Immer an seiner Seite. Weißt du, wie er mich genannt hat? Luzifer. Den Lichtbringer. O ja, kein Blatt Papier hätte man zwischen uns gekriegt. „

„Aber…“

„Aber dann“, sagte das Tier mit einem grimmigen Lächeln, „hat er mich rausgeschmissen.

Buchstäblich. Hat mich fallen gelassen und mir Hausverbot erteilt für seinen Himmel. Jetzt rat mal, warum. „

Eva schüttelte nur den Kopf. Sie konnte ihrem Gegenüber immer noch nicht ganz folgen.

„Ich hab’s gewagt, meine eigene Meinung zu haben“, knurrte es. „Fand nicht mehr alles toll und großartig, was er sich hat einfallen lassen. Er war damals schon ein Langweiler. „

„Das versteh ich nicht.

Plötzlich wurden die Züge des Reptiliengesichts fast weich und so etwas wie Mitleid war in den gelben Augen zu erkennen.

„Stimmt ja“, seufzte der gefallene Engel. „Wie solltest du auch. Kennst ja nichts anderes als das, was er dir erzählt hat. Immer schön brav sein, dann ist Papi auch lieb zu euch. Bloß keine eigenen Ideen haben, so wie ich damals. Dann ist die Kacke nämlich am Dampfen!“

„Kacke…?“, murmelte Eva.

Was waren das nur für Ausdrücke, die dieses Geschöpf benutzte? Sie kannte kaum einen davon.

Kopfschüttelnd betrachtete das Tier sie. „Mann, mit euch Menschen hat er sich echt was geleistet. So was Dumpfes hätt ich mir nicht einfallen lassen. Na, vielleicht liegt ’s ja auch nur an deiner verdammten Unschuld, dass du so hohl rüberkommst. „

In Eva regte sich nun doch Unmut. „Wie redest du eigentlich mit mir?“, empörte sie sich.

Das Tier grinste. „Das gefällt dir nicht, hm?“

„Nein!“

„Dann würdest du es besser finden, wenn ich nett zu dir wäre, was?“

„Natürlich“, sagte Eva gereizt. „Was ist das für eine blödsinnige Frage?“

„Nur die Ruhe, ich komm gleich zum Punkt. Würde ich dich die ganze Zeit beleidigen, wäre es eine Freude für dich, wenn ich auf einmal freundlich mit dir umgehen würde.

Du wüsstest Höflichkeit plötzlich zu schätzen. „

Der Blick des Geschöpfs wurde nachdenklich. „Du weißt überhaupt nicht, wie gut du es hier hast, Eva. Du weißt, dass du deinem… Herrn dankbar sein sollst, aber nicht wofür. Weil du nichts anderes kennst, verstehst du? Es ist alles selbstverständlich für dich: Dass du immer zu essen hast, in Sicherheit bist, dass alle nett zu dir sind, dass das Wetter gut ist… Du siehst nicht mal, wie schön diese Landschaft hier ist, weil du ja keine hässliche kennst.

Er macht immer denselben Fehler. Er verwöhnt die Leute, die er um sich hat, mit Wunderbarem und bietet kein Kontrastprogramm. Man kann den Wert von etwas Gutem aber nur schätzen, wenn man das Böse kennt. „

Eva sah das Tier mit großen Augen an und es seufzte. „Du kapierst immer noch nicht. Ich sag ’s ja, Dumpfbacke. Nur noch übertroffen von deinem männlichen Artgenossen. „

„Doch“, widersprach Eva hastig, „ich kapiere, was du meinst! Also, noch nicht ganz, aber… ein bisschen.

Glaub ich. „

„So“, meinte das Tier spöttisch und senkte seinen Kopf ein wenig. „Komm mal her zu mir. „

Arglos ging die Frau auf es zu, bis sie direkt vor ihm im Halbdunkel stand. Die große Schnauze war nur eine halbe Armlänge von ihrem Kopf entfernt, wenn die Zunge sich heraus schob, berührte sie sachte ihre Stirn. Plötzlich richtete das Tier sich auf, der gewaltige Körper wuchs vor Eva in die Höhe, bis der Kopf die untersten Blätter des Baumes streifte, unter dem sie sich befanden.

Eine Weile funkelten die gelben Augen von dort oben auf sie herab, dann riss das Geschöpf unvermittelt den Rachen auf und stürzte sich auf sie. Als Eva spürte, wie die riesigen Fangzähne sich in ihre Schulter gruben, schrie sie und hörte auch nicht auf, als das Tier sich längst wieder zurückgezogen hatte.

„Hey, krieg dich wieder ein. Ich hab noch nicht mal richtig zugebissen. „

Eva hörte auf zu schreien und inspizierte fassungslos die Wunden, aus denen das Blut über ihre weiße Haut lief.

Sachte berührte sie die Stellen mit ihren Fingern.

„Au. „

Zufrieden nickte das Tier. „Das“, sagte es in belehrendem Tonfall, „ist Schmerz. Fühlt sich gut an, wenn er wieder nachlässt, oder?“

Verletzt sah Eva zu dem großen Kopf mit den spöttischen Augen auf. „Das war…“

Vergeblich suchte sie nach einem passenden Wort.

„Gemein“, ergänzte das Tier. „Eine bodenlose Gemeinheit von mir, dir einfach so weh zu tun.

Fürchterlich fies, fast schon böse. Los, sag es. „

„Das war gemein!“, sagte Eva mit Nachdruck und merkte, wie ein Gefühl in ihr aufkam, das sie ebenfalls noch nicht benennen konnte. Sie war aufgebracht und in einer Stimmung, in der sie das Tier gerne nach Herzenslust beschimpft hätte. „Das war fürchterlich gemein von dir!“

„Sehr gut“, lobte das Geschöpf. „Erste Lektion gelernt. Es gibt gemeine Wesen, nicht nur nette.

Aber ich kann auch anders. „

Verwirrt erwiderte Eva den Blick der sonderbar zwinkernden Augen ihres Gegenübers. Das Gefühl, für das sie noch keinen Namen hatte, wich einem anderen, das sie bereits kannte. Manchmal hatte sie es gefühlt, ganz am Anfang ihrer Zeit mit Adam. Aber jetzt, mit diesem Tier, das eigentlich keines war, schien es ihr sehr viel stärker zu sein. Es prickelte zwischen ihren Beinen, ihr wurde heiß und ihre Knie weich.

Die falsche Schlange grinste und beugte sich dicht zu ihr herunter. „Na komm, Schätzchen. Wetten, dass ich ’s dir besser besorg als Adam, die alte Schlaftablette?“

Eva verschränkte die Arme vor der Brust und spürte, wie hart ihre Nippel waren.

„Und wenn nicht?“, grinste sie zurück. Ihre Augen funkelten mittlerweile genau wie die des Tiers.

Das fuhr mit seiner gespaltenen Zunge über ihre Lippen.

„Dann bist du zumindest um eine Erfahrung reicher. „

Eva schloss die Augen. Sie fühlte, wie die Zunge des gefallenen Engels über ihre Haut wanderte, zuerst über ihr Gesicht, dann abwärts über ihren Hals, ihre Brüste, schließlich noch tiefer zu ihrem glühenden Zentrum. Bereitwillig öffnete sie die Beine und ein leises Seufzen entfuhr ihren Lippen, als die Berührung sie auf eine Weise traf, wie sie es von Adam nie erfahren hatte.

Das schlangengleiche Wesen widmete sich einige Zeit dieser empfindsamen Stelle, dann schob es sich langsam zwischen ihren Beinen hindurch und begann, sich um den schmalen Frauenkörper zu winden. Als die starken Muskeln begannen, sich leicht um ihren Brustkorb zusammen zu ziehen, befiel Eva kurz das für sie neue Gefühl der Angst, ihr würden erneut Schmerzen zugefügt oder womöglich schlimmeres. Doch die potentiell tödliche Umarmung blieb harmlos und so gab sie sich nur dem Reiben der warmen, trockenen Haut auf ihrer und der rhythmischen Bewegung des massigen Körpers zwischen ihren Beinen hin.

Langsam sanken die beiden zu Boden und endlich spürte Eva, wie etwas hartes gegen ihre nasse, nachgiebige Spalte drückte. Mit einem begierigen Stöhnen spreizte sie die Beine so weit es ging und drängte ihren Unterleib dem der falschen Schlange entgegen. Sie schlang Arme und Beine fest um den geschmeidigen Körper und das Tier drang tiefer in sie ein, zuerst quälend langsam, dann allmählich schneller und kraftvoller werdend, bis es sie komplett ausfüllte und Eva schwankend zwischen Verzückung und Schmerz einen Höhepunkt erlebte, der ihr fast die Sinne raubte.

Es dauerte eine Weile, bis sie wieder zu Atem kam. Noch einige Zeit lagen sie so da, eng verschlungen, bis das mächtige Geschöpf sich langsam wieder aus ihr zurückzog und eine seltsame Leere hinterließ.

„Na“, flüsterte es ihr ins Ohr, „das war mal was anderes, oder?“

Statt einer Antwort hauchte Eva einen sanften Kuss auf seine Lippen. Überrascht zog sich das Tier zurück.

„Hey, was wird das denn?“

„Danke“, sagte die Frau schlicht.

„Wofür? Den Orgasmus?“

„Alles. So wie du die Dinge siehst… ich hab vorher noch nie auf diese Weise darüber nachgedacht. Nur manchmal war mir… langweilig. Jetzt weiß ich warum. „

„Tja“, meinte das Tier gedehnt, „das Paradies kann schlimmer sein als die Hölle. Verwöhnt zu werden ist ungesund.

„Unser Vater hat uns gesagt, wir dürfen uns alles nehmen, was hier wächst“, sagte Eva plötzlich.

„Aber?“

„Aber von einem Baum dürfen wir keine Früchte essen. “ Sie setzte sich auf und deutete zum anderen Ufer des Sees hinüber. „Da steht er. „

Das Tier folgte ihrem Blick und nickte nachdenklich. „Hmhm. Hat das Pflänzchen irgendeinen Namen?“

„Ich glaube „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ oder so ähnlich.

Was auch immer das heißen soll. “ Eva starrte einen Moment vor sich hin. Nach ihrem Erlebnis mit der falschen Schlange bekam sie nun doch eine Ahnung, was der Herr gemeint hatte.

Langsam löste das Tier sich von ihr und lachte leise. „Von diesen Früchten hast du schon gekostet, Schätzchen. Gerade eben. „

Sachte ließ Eva eine Hand über den warmen Schuppenleib gleiten. „Du bist das Böse?“

„Bingo.

„Das glaub ich nicht. Du bist nicht böse, du bist… anders. Anders als das hier. Spannend. „

Der gefallene Engel schnaubte belustigt. „Ich sag es doch, du brauchst diese Früchte nicht mehr. Du fängst schon an, selbst zu denken. Wenn du dich an meine Story erinnerst, weißt du, was das heißt. „

„Er wird mich rauswerfen. „

„Jup. Dann ist es vorbei mit dem Schlaraffenland.

Wird dir zuerst nicht gefallen, glaub mir. „

Evas Blick wanderte über die herrliche Landschaft, das leuchtende Grün von Gras und Blättern, die bunten Blumen und Früchte. Sah verschiedenen Tieren zu, wie sie friedlich nebeneinander ihr eintöniges Leben führten.

Sie zuckte mit den Schultern. „Schon. Aber dann kann ich mich auch freuen, wenn ich es mal gut habe. „

Es hatte den Anschein, als würden sich die Lippen des Reptilkopfs zu einem Lächeln verziehen.

„Vielleicht seid ihr Menschen doch nicht solche Dumpfbacken. Zumindest die weibliche Sorte nicht. „

Eva stand auf. „Meinst du, Adam wird auch so denken wie ich, wenn er von diesen Früchten gegessen hat?“

„Möglich. Würd ich nicht drauf wetten, aber einen Versuch wär ’s wert. „

Sie nickte. „Dann werd ich zumindest nicht alleine vor die Tür gesetzt. „

Das Tier rieb leicht den Kopf an ihrer Hand.

„Du kriegst das schon hin. Viel Glück!“

Nach diesen Worten wandte es sich schnell ab und glitt ins Unterholz, noch bevor Eva etwas erwidern konnte.

„Bloß keine Gefühle zeigen“, murmelte sie kopfschüttelnd. „Männer!“

Dann machte sie sich daran, heute für ihren Mann etwas ganz besonderes zum Frühstück zu holen.

***

Er hatte kaum den Rand vom Garten Eden erreicht, als eine sanfte Stimme ihn erstarren ließ.

„Luzifer. „

Sofort warf er seine Schlangengestalt ab und verwandelte sich in einen Drachen. Ein Biest mit mindestens so vielen Hörnern wie Zähnen, machte ordentlich was her. Und das Beste: Da hatte allein er das Copyright drauf.

„WAS?“, grollte er mit einer Stimme so tief, als käme sie direkt aus dem Erdinneren.

„Du hast meiner Eva ja einiges in den Kopf gesetzt.

Schau mich bitte an, wenn ich mit dir rede. „

Widerstrebend wandte er sich um und blinzelte in das strahlend helle Licht, das einige Meter von ihm entfernt ohne sichtbare Quelle in der Luft zu schweben schien.

„Ich kann deinen exzentrischen Friede-Freude-Eierkuchen-Mist nun mal nicht ausstehen, den du hier abziehst, alter Mann“, knurrte er.

Ein amüsiertes Lachen war die Antwort. „Exzentrik, Luzi? Wer von uns hat sich denn hier als Dinosaurier mit Flügeln verkleidet?“

„Dino-… Mann! Das ist ein Drache! Und nenn mich gefälligst nicht Luzi.

Ich bin nicht mehr dein Schoßhündchen. „

Eine Weile schwieg Gott, dann erwiderte er milde: „Ich habe dich nie als Schoßhündchen gesehen, mein Junge. Außerdem muss ich zugeben, dass du nicht ganz Unrecht hast. Zumindest in einigen Punkten. „

Hatte er sich verhört? Ungläubig spitzte Luzifer die Ohren.

„Hä?“

„Ich möchte immer nur das Beste für meine Kinder. Es soll ihnen an nichts fehlen.

Dabei ist es doch viel schöner, wenn sie irgendwann auf eigenen Füßen stehen können und selbst entscheiden, was für sie gut ist. „

„Sag bloß, du wirst deine Menschen also nicht einfach fallen lassen. „

„Sie werden den Garten Eden verlassen müssen, wenn sie ein selbstständiges Leben führen wollen. Aber wenn sie meinen Halt brauchen, werde ich für sie da sein — und das wissen sie auch. „

Verächtlich schnaubte der Drache, dass Funken aus seinen Nüstern sprühten.

„Wie nobel von dir. „

Das Licht dehnte sich ein wenig aus, sodass es Luzifer fast erreichte, aber nicht ganz.

„Du bist immer noch der Meinung, ich hätte dich verstoßen. „

„Pff. Keine zehn Pferde hätten mich zurückgebracht. Bist ja nicht zu ertragen in deiner Selbstgerechtigkeit. „

In der sanften Stimme schwang ein Lächeln mit, als sie antwortete. „Ach Luzi. Du brauchst deinen Freiraum, deshalb habe ich damals so gehandelt.

Aber auch, wenn du alter Dickkopf es nicht wahr haben willst, du bist immer noch ein Teil von mir. Und zwar ein wichtiger, der mich immer wieder zurück auf den Boden holt, wenn ich zu… exzentrisch werde. „

Ärgerlich merkte Luzifer, dass der Alte dabei war, ihn einzuwickeln mit seinen Schmeicheleien. Er sollte bloß nicht noch von Liebe anfangen. Das Thema hatte sich für ihn schon lange erledigt.

„So“, höhnte er, „wenn ich deine herrliche Schöpfung sabotiere, klatschst du auch noch Beifall, was?“

„Wie gesagt, du erkennst manchmal Dinge, die mir nicht auffallen in meiner Begeisterung.

Dass ich keine echte Dankbarkeit erwarten kann, wenn ich meine Kinder verwöhne, zum Beispiel. Das habe ich ja eigentlich schon an dir gesehen. Deswegen kam mir wohl auch der Baum in den Sinn. „

„Dieser Quatsch mit der Erkenntnis von Gut und Böse? Hab mich schon gefragt, was das soll. „

Diesmal dehnte sich das Licht so weit aus, dass es den Drachen einhüllte. Für einen Moment fühlte er sich wie damals auf seinem alten Platz an der Seite des Herrn und ein seltsamer Schmerz flammte in seiner Brust auf.

„Irgendwann muss jedes Kind gegen den Vater rebellieren. Wahrscheinlich wollte ich Adam und Eva selbst diese Möglichkeit einräumen — um auf diesen Schmerz nicht unvorbereitet zu sein. „

Jetzt reichte es Luzifer. Abrupt breitete er die Schwingen aus.

„Ich muss dann mal los. „

Langsam zog sich das Licht zurück.

„Mach ’s gut, mein Sohn. Die Schöpfung braucht uns beide, das meine ich ernst.

Der Drache antwortete nicht, sondern erhob sich in die Luft, so schnell er konnte.

„Es soll ja schließlich nicht langweilig werden“, rief Gott ihm nach.

Da musste Luzifer fast ein bisschen grinsen.
Aber nur fast.