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Wenn die Nachtigall erwacht 04

Originaltitel:Master of Puppets

Am Sonntagabend kam Miriam, beschwingt und bis über beide Ohren verliebt, in ihrer Unterkunft an. Sie war das Wochenende bei Sven gewesen und die beiden hatten die Zeit mit Schlafen, Essen, Vögeln und Kuscheln verbracht. Ihnen war in Anbetracht des hormonellen Rausches einer frischen Liebe auch gar nichts Wichtigeres in den Sinn gekommen. Nachdem Miriam ihm in der ersten Nacht gestanden hatte, dass sie die Königin einer außerirdischen Lebensform war, und Sven dieses Geständnis zwar falsch aber sehr entspannt aufgenommen hatte, war es für den Rest des Wochenendes kein Thema mehr gewesen.

Zwar bestand Sven weiterhin auf die Benutzung von Kondomen, aber er akzeptierte Miriams Fetisch für Sperma. Kurz vor den Höhepunkten, richtete er es so ein, dass sie den Saft direkt aus der Quelle beziehen konnte.

Aber auch das schönste verliebt-verfickte Wochenende ging einmal zu Ende. Und so tanzte Miriam die Stufen zu ihrer Unterkunft empor, schwelgte in den Erinnerungen und vermisste Sven schon jetzt. Ihre Kleidung, ihr ganzer Körper, roch nach ihm.

Als sie die Tür öffnete und den Flur betrat, nahm Miriam eine dicke blonde Haarsträhne und hielt sie vor ihre Nase, um den Duft einzusaugen.

‚Du hast reichlich Beute gemacht!‘, sagte V’nyx der IV., als er Miriams überschwängliche Stimmung registrierte und aus seiner Sichtweise interpretierte. Miriam lächelte nachsichtig, da diese kleine, dumme Pflanze nicht den leisesten Hauch davon hatte, was Verliebt sein bedeutete. Trotzdem, oder gerade deswegen, kniete sich Miriam vor den Pflanzkübel.

Ihre Spermavorräte waren gut gefüllt, und sie sonderte über ihre Speicheldrüsen die Substanzen aus dem Sperma ab, die V’nyx der IV. benötigte. Mit gespitzten Lippen bot sie sich der Pflanze an, und der Blütenstempel kam ihr entgegen, um die Nährstoffe entgegenzunehmen. Die Blätter schmiegten sich an ihr Gesicht, und Miriam spürte, dass der Cerebrat sie wieder in die Anderswelt führen wollte. Sie zog den Kopf sachte aber unnachgiebig zurück und schüttelte dann den Kopf.

»Jetzt nicht. «

V’nyx der IV. wollte noch etwas sagen, aber sie strich liebevoll über die Spitzen der Blütenblätter und schlug vor: »Halte doch einfach mal die Klappe. Du hast doch alles, was du brauchst. «

Der Cerebrat schwieg tatsächlich. Miriam stand auf, schnickte die High Heels von den Füßen, schälte sich aus ihren Klamotten und verwandelte sich in die Blaue Königin. Anschließend stellte sie eine Packung tiefgefrorene Himbeeren in die Mikrowelle, und während sich die Früchte erwärmten, zerdrückte sie ein Kilo Vanilleeis mit einer Gabel in einer großen Glasschüssel.

Als die Himbeeren heiß waren, kippte sie diese über das Eis, verrührte es kurz und nahm das Abendessen mit auf ihr Ledersofa.

Glücklich und satt ging sie auf leisen Sohlen in ihr Schlafzimmer, kippte eine frische Flasche Babyöl in den Latexkokon und zog den engen Schlauch über ihren Körper, bis nur noch ihr Kopf herausschaute. Als sie wie eine Latexraupe auf dem Bett lag und das Öl gleichmäßig zwischen ihrem Körper und dem Kokon verteilt war, schob sie eine Hand zwischen ihre Beine und ließ die andere entspannt auf ihrem Bauch ruhen.

Sie dachte beim Einschlafe an Sven und bedauerte, dass er morgen keine Zeit für sie hatte, weil er seinem Onkel auf dem Schrottplatz helfen musste. Er verdiente sich damit in den Semesterferien etwas Geld, um über die Runden zu kommen.

*

Während ihr Körper schlief, betrat die Königin die Anderswelt – ihre Welt. Eine Welt die ihr kahl, aber fruchtbar zu Füßen lag und mit der sie nichts anzufangen wusste.

Hier gab es nur Sie und ihren Cerebrat in Gestalt eines großen Laufvogels. Und natürlich die niederen Penisgewächse, die diese Welt wie Unkraut überwucherten. V’nyx der IV. hatte sich herablassend über diese strammen Stängel geäußert, aber Miriam verband aus ihrer Zeit Drohne nur schöne Erinnerungen mit ihnen. Sie griff nach einem besonders dicken, aber kurzen Stängel und streichelte die kegelige Spitze mit den Händen, als wollte sie das schlechte Gerede ihres Cerebraten wieder gut machen.

Einem natürlichen Reflex folgend, wurde der schwarze Kegel glitschig-feucht, durch die zärtlichen Berührungen.

‚Du könntest so viel mehr aus dieser Welt machen‘, säuselte der große Vogel in ihr Ohr. Er stand hinter ihr, ohne dass sie sein Kommen bemerkt hatte. Die Königin drehte sich und senkte ihren Po über der Spitze des dicken Zapfens ab. Dabei schaute sie ihren Cerebrat mit bohrendem Blick an und fragte: »Viel mehr interessiert es mich, was diese Welt aus mir machen könnte.

«

Der Vogel neigte seinen verhältnismäßig kleinen Kopf mit den großen Augen fragend zu Seite und beobachtet die Königin schweigend. Sie stützte sich rittlings mit Händen und Füßen vom Boden ab und ließ ihren Po ein kleines Stück tiefer sinken. Der Druck gegen ihren Schließmuskel wuchs, während sie ihr Gewicht langsam auf den geölten Zapfen verlagert. Die Spitze küsste ihren Hintereingang und drang ein kleines Stück in die Enge vor – noch war es schön.

Die Königin, verharrte in dieser Pose und genoss die intime Berührung für einen Moment.

Sie ließ sich tiefer auf den Kegel sinken, entspannte ihren Schließmuskel und fühlte, dass er unter dem sanften Druck nachgab. Auf einem Ölfilm gleitend, öffnete er sich, dem wachsen Durchmesser des Kegels folgend, bis aus dem sanften Kuss ein impertinentes Drängen wurde, dem die Königin nur entkommen konnte, indem sie ihren Po wieder ein Stück anhob, kurz verschnaufte und sich der Herausforderung erneut stellte.

Mit jedem Versuch, schob sie die Grenze des erträglichen ein Stück weiter. Ihre Knie zitterten und ein Teil von ihre wollte aufspringen und davonlaufen, aber der andere Teil war stärker und stellte sich der selbst gewählten Aufgabe. V’nyx der IV. trat von einem Bein aufs Andere und schwenkte seinen langen Hals hin und her, als könnte er diese Lustqual alleine durchs Zusehen kaum ertragen.

Noch einmal hob die Königin ihre Körpermitte an, atmete tief durch und ließ den Kegel wieder eintauchen.

Die zuvor mühsam errungenen Etappensiege waren längst keine Herausforderung mehr. Nur das letzte kleine Stück, der Übergang von der kegeligen Spitze zum zylindrischen Schaft, diese bisher unüberwindbare Hürde, kam quälend näher. Die Königin senkte ihre Lider demütig und hauchte durch die leicht geöffneten Lippen aus. Dann glitt ihr Po, der vorher um Millimeter gerungen hatte, überraschen schnell dem Boden entgegen.

‚Warum tust du das?‘, fragte V’nyx der IV. Die Königin wehrte die Frage mit einem Kopfschütteln ab, es war der falsche Moment für Erklärungen.

Sie ließ die Augen geschlossenen und formte ihre Lippen zu einem sinnlichen Kussmund, während sie den Triumph über den glitschigen Zapfen genoss. Ihre Beckenmuskulatur zuckte und krampfte. Die Königin ertrug es und wurde durch Endorphinschübe für ihre Leidensfähigkeit belohnt.

»Weil ich es kann«, antwortete die Königin, ohne die Augen zu öffnen.

Einer Trance gleich, nahm ihr Oberköper eine senkrechte Haltung ein, sie kreuzte die Beine und legte ihre Hände auf die Knie.

Aus der Entfernung sah es aus, als würde die Königin im Lotussitz auf dem Boden ruhend meditieren. Einzig die feinen, blauen Linien, die auf ihrem Körper in wechselnden Mustern pulsierten, ließen auf ihren inneren Zustand schließen. Das Bedürfnis, aufzuspringen und sich diesem gewaltigen Druck zu entziehen, konnte jederzeit die Oberhand gewinnen. Sie erlebte die pochenden Krämpfe ihres Schließmuskels mit Lust und sie wiederstand dem Drang, sich zu berühren, um den Höhepunkt nicht schneller als nötig heraufzubeschwören.

Ihr Kitzler klopfte im Takt des Herzschlages und wollte massiert werden. Die geschwollenen Schamlippen öffneten sich wie eine schwarze Blüte beim Sonnenaufgang und der Lustsaft tropfe wie Tau auf den Boden. Ihre Nippel kribbelten und zogen sich hart zusammen. Sie verharrte passiv, einer lustvollen Selbstkasteiung gleich, mit den Händen auf den Knien und genoss die bittersüße Qual.

»Du musst wissen, dass ich die Königin, die mich erschaffen hat, getötet habe«, sagte sie mit geschlossenen Lidern und prophetischer Gelassenheit.

V’nyx der IV. schaute sie erschrocken an. Seine ohnehin schon großen Augen, wirkten noch größer. Er taumelte einen Schritt zurück und fragte: ‚Warum?‘

Anstatt einer Antwort stieß die Königin einen Laut aus, der sowohl von Lust als auch von Schmerz zeugen konnte. Als sie die Augen träge öffnete, glänzten diese feucht und einzelne Tränen bahnten sich einen Weg über ihre Wangen. Die Königin trieb auf einer melancholischen Welle der Ergriffenheit, während ihr Blick über ihre kahle und einsame Welt strich.

Äußerlich reglos, fühlte sie sich wie ein Gefäß, dass sich Tropfen für Tropfen mit Emotionen füllte. Als sie glaubte, sie würde überlaufen, holte sie tief Luft. Ihre vollen, tiefblauen Lippen zitterten.

Minimalste Bewegungen nahm sie mehrfach verstärkt in ihrer Körpermitte war, selbst Atmen war kaum noch zu ertragen. Die kleinste Unachtsamkeit konnte die gesammelte Flüssigkeit zum überschwappen bringen. Sie konzentrierte sich auf eine langsame und flache Atmung – einfach nur atmen.

Ihr Empfinden verengte sich auf ihre Körpermitte, auf den Zapfen, der quälend in ihr steckte. Das Gefäß quoll nicht über, es zerging ohne Vorwarnung und der Inhalt ergoss sich in ihrem Geist. Auf dem höchsten Punkt der Lust schüttelte ein Weinkrampf ihren Körper, der so herrlich befreiend war wie ein Sommergewitter nach einem drückend schwülen Tag.

*

Als Blitz und Donner verzogen waren, lächelte sie mit tränenumrandeten Augen und schaute sich um.

Der große Laufvogel war nicht mehr in ihrer Nähe. Vorsichtig erhob sie sich mit weichen Knien und baute sich vor dem Zapfen, auf dem sie eben noch gesessen hatte, auf. Sie reckte ihre Arme dem Himmel entgegen und befahl: »Wachse!«

Der Zapfen schob sich aus dem Boden, wurde dick wie ein Baumstamm und überrage die Königin nach wenigen Augenblicken um das Vielfache ihrer Größe. Beeindruckt schaute sie an dem Stamm empor.

Ihr war bewusst geworden, dass diese niederen Gewächse der Anfang von Allem waren, was sie in dieser Welt Erschaffen konnte. Es war die Grundsubstanz des Lebens. Sie breitete die Arme aus und aus der Spitze wuchsen ultramarinblaue Blätter. Das Ergebnis ähnelte einer Südseepalme mit einem schwarzen, glatten Stamm und einer blauen Blattkrone.

Die Königin stemmte sich dagegen, bis sich der Stamm neigte und auf Brusthöhe nahezu waagerecht über dem Boden schwebte, so wie manche Südseepalmen vom Strand in Richtung Meer wuchsen.

Behände kletterte sie auf den Stamm und legte sich bäuchlings darauf. Nach dieser analen Grenzerfahrung war die Bauchlage sicher angenehmer als Sitzen. Mit hängenden Armen und Beinen, in der anmutigen Trägheit einer Raubkatze, genoss sie ihre Kreation und ließ den Blick zum Horizont schweifen. Die Ausläufer des dunklen Waldes warfen dunkle Schatten auf ihr Reich und versinnbildlichten geradezu provokativ die Grenze ihrer Macht.

Bei der Erinnerung an diesen Wald und den darin lebenden Wesen, lief es ihr eiskalt den Rücken runter.

Bisher hatte sie dieses Gebiet ignoriert, zumal V’nyx der IV. auch nichts damit anfangen konnte. Sie richtete ihren Oberkörper auf und schaute sich um. Ihr Cerebrat war nicht zu sehen und sie wollte ihn nicht rufen. Womöglich war er noch geschockt, von ihrem Geständnis, eine Königinnenmörderin zu sein. Fest entschlossen, mehr über diesen dunklen Wald, diesen Fremdkörper in ihrer Welt, zu erfahren, ließ sie sich von der Palme gleiten und marschierte zu dem Gebiet.

Sie blickte durch das Unterholz ins Innere des Waldes, schob die ungewohnt stacheligen Sträucher zur Seite und setzte den ersten Fuß in die Dunkelheit. Ein zischelndes Geräusch schreckte sie auf. Sie wollte fliehen und sah ihre zitternde Hand mit den blauen Fingernägeln.

»Das ist meine Welt!«, sagte die Königin. Ihre Fingernägel wurden länger und liefen spitz zu. Mit entschlossenem Blick machte sie den nächsten Schritt in die Dunkelheit.

Rascheln, und das Tapsen von Schritten, kam aus unterschiedlichen Richtungen und ließen ihre Augen rastlos durch die Dunkelheit huschen.

»Zeigt euch, wenn ihr einen Verstand besitzt!«, rief sie in den Wald. Die Geräusche von umherirrenden Geschöpfen nahmen zu, sie glaubte, einzelne Bewegungen in der Finsternis ausmachen zu können.

»Zeigt euch! Ich bin die Blaue Königin!«, befahl sie, ohne zu wissen, ob diese Tatsache von Gewicht war.

Sie schaute hinter sich: Es waren nur wenige Schritte zurück zum Licht.

Als sie wieder in den dunklen Wald blickte, erschrak sie, im Anbetracht der Vielzahl an Wesen, die sie als dunkelgraue Silhouetten zwischen den Baumgerippen erkennen konnte. Männliche Kreaturen, aber auch Frauen, näherten sich ihrem Standort. Schulter an Schulter drängten sie sich aneinander und kamen näher.

»Warum lässt Du uns im Dunkeln?«, fragte eines der Wesen klagend.

Die Königin kannte diese Stimme nicht. Alle ihre ehemaligen Drohnen waren tot. Sie schüttelte den Kopf entschuldigend und sagte: »Ich kenne dich nicht. «

Ein boshaftes Grollen und das Splittern von trockenem Holz zerstörten die angespannte Stille. Hinter der sprechenden Kreatur schnellten Tentakel hervor, wie ein Schwarm schwarz-roter Schlangen. Die Tentakel umschlangen Arme und Beine der Kreatur und zogen sie vom Waldrand zurück in die Finsternis. Erschrocken ging die Königin einen Schritt zurück und versteckte sich hinter einem toten, aber dicht gewachsenen Strauch, während weitere Tentakel aus den tief hängenden Wolken hinab schnellten und weitere Wesen vom Waldrand weg zerrten.

Diese Tentakel schienen nicht von einem gemeinsamen Ursprung auszugehen. Sie kamen wie schlangenartige Arme von oben aus dem Nebel, wo sie gerade benötigt wurden. Die Wesen stoben panisch auseinander, verschwanden in dunklen Schatten und hinter toten Bäumen. Eine der dunklen Kreaturen war ganz in ihrer Nähe in Deckung gegangen. Die Königin schlich zu ihr und legte ihre Hand auf die Schulter des gesichtslosen Wesens.

»Was ist das?«, fragte die Königin.

»Er hält uns in diesem Wald gefangen«, sagte die dunkle Gestalt mit hektischen Kopfbewegungen.

»Wer ist er?«, fragte Sie so ruhig, wie es ihr trotz ihrer Anspannung möglich war.

Die Gestalt, deren Gesicht nicht erkennbar war, da es unabhängig vom spärlichen Lichteinfall immer im Schatten lag, rang um eine Antwort. Bevor ein Wort über die Lippen des Wesens kam, schoss eine gewaltige Blüte durch die tief hängenden Wolken hinab und eilte lautlos über die Baumwipfel.

Weit geöffnet, wie eine riesige Hand, schwebte die Blüte direkt auf die Blaue Königin zu. Schwarze, fleischige Blütenblätter mit tiefroten Sprenkeln — das waren Tanjas Farben! Die Farben der Roten Königin, deren unheilvolle Brut die Blauen Königin in den letzten Jahren auf allen Kontinenten gejagt hatte und von der es eigentlich keine Überlebenden mehr geben sollte.

Im Anbetracht der ausgeprägt zackigen Blattkonturen musste dieser Cerebrat gewaltige Ausmaße haben. Nur alte oder sehr mächtige Cerebrate leisteten sich solch eine martialische Angriffsblüte.

Diese Ausprägung hatte Miriam noch nicht in der realen Welt gesehen. Alle bisherigen Cerebrate waren noch jung und klein gewesen, wenn die Menschen auf sie aufmerksam wurden, die Andersartigkeit erkannten und das Fremde nach anfänglicher Neugier zerstörten. Die Königin erstarrte im Anbetracht dieses Monsters und stierte die Blüte mit weit aufgerissenen Augen an, als sie sich über ihr absenkte. Bevor die gezackte Blüte mit den messerscharfen Blattkanten zuschnappte, wurde die Blaue Königin rabiat weggestoßen.

Die dunkle Kreatur hatte ihr einen beherzten Stoß versetzt und stand nun dort wo, eben noch die Königin stand. Die Kreatur wurde von der Blüte vollständig umschlossen und in die Dunkelheit gezogen.

*

Miriam erwachte schreiend. Sie hatte es trotz der engen Umschließung des Kokons geschafft, ihren Oberkörper im Bett aufzurichten und blickte mit geöffneten, bernsteinfarbenen Katzenaugen in die Dunkelheit.

‚Was ist?‘, fragte V’nyx der IV.

»In dem dunklen Wald gibt es noch einen Cerebrat, einen gewaltigen roten Cerebrat«, sagte Miriam mit einem Gesichtsausdruck, als hätte sie einen Geist gesehen.

‚Dann sind wir doch nicht alleine auf dieser Welt‘, sagte V’nyx der IV. erfreut.

Miriam hätte die orangefarbene Blüte ihres Cerebraten wahrscheinlich im Affekt mit bloßen Händen zerquetscht, wenn sie nicht in dem engen Kokon gesteckt hätte.

»Warum hast du mir das nicht gesagt!«, schrie Miriam.

Hastig schlängelte sie ihren sattschwarzen Latexkörper aus dem Kokon. Sie empfand die enge Umschließung nicht mehr wie eine liebevolle Umarmung, sondern wie eine bedrohliche Einschränkung ihrer Bewegungsfähigkeit. Sie war im Alarmzustand und musste sich frei bewegen können.

Unbeeindruckt von der aufgebrachten Königin erklärte V’nyx der IV. gelassen: ‚Ich wollte dir vorhin sagen, dass ich den dunklen Wald nicht alleine betreten kann. Ich kann nicht einmal von außen hineinschauen. Das geht nur, wenn du bei mir bist.

»Warum?«, fragte Miriam barsch. Sie hatte sich mittlerweile aus dem Kokon befreit und tapste mit nackten Füßen über den Boden. Dabei hinterließ sie schmatzende Fußabdrücke aus Babyöl.

‚Ich weiß es nicht!‘, antwortete V’nyx der IV. ‚ vielleicht liegt es daran, dass der dunkle Wald nicht wirklich Teil der Anderswelt ist. Warum weißt du das nicht? Ach ja, du warst ja all die Jahre mit Blindheit geschlagen.

»Jetzt wird er auch noch zynisch«, raunte Miriam und fuhr sich durch ihre öligen Haare. Sie hätte noch ein paar Stunden in dem Kokon schlafen müssen, um das ganze Öl zu absorbieren, jetzt war es mitten in der Nacht, und sie glänzte wie eine rabenschwarze Speckschwarte. Eigentlich sah das sehr verlockend aus und fühlte sich auch sehr angenehm an, aber Miriam war absolut nicht nach amourösen Spielen zumute.

‚Nimm mich mit in die Anderswelt, dann können wir mit dem roten Cerebrat reden und unsere Strategien abstimmen‘, schlug V’nyx der IV.

vor.

»NEIN!«, schrie Miriam und zertrümmerte einen großen Tontopf direkt neben dem Kübel, in dem V’nyx der IV. keimte.

In Miriam flammte Misstrauen gegenüber V’nyx dem IV. auf. Vielleicht wusste er mehr, als er zugab, und verheimlichte es absichtlich vor ihr. Sie war kurz davor, den nächsten Tontopf hoch über den Kopf zu heben und auf der kleinen Pflanze zu zertrümmern. Doch Miriam zügelte ihr Temperament.

Vielleicht war V’nyx der IV. ein Verräter, aber vorerst war er zu klein und zu schwach, um ihr gefährlich zu werden. Und wenn sie das Spiel geschickt spielte, könnte sie ihm eventuell auf die Schliche kommen oder ihn davon überzeugen, dass Allianzen mit der roten Brut traditionell nicht infrage kamen.

‚Ich kann dich gar nicht hintergehen – das weißt du doch? Ich muss vor dir mehr Angst haben als du vor mir‘, sagte V’nyx der IV.

verzweifelt. Miriam verließ den Raum wortlos und legte sich auf ihre Ledercouch, um nachzudenken. Dabei konzentrierte sie sich darauf, ihre Gedanken vor dem Cerebrat zu verbergen. Sie wusste, dass dies möglich war, konnte aber nicht überprüfen, in wie weit es ihr gelang.

‚Warum verschweigst du mir deine Gedanken?‘

Über Ihr Gesicht huschte ein Lächeln, es schien zu funktionieren.

Miriam versuchte die Abschottung ihrer Gedanken aufrecht zu halten und begann zu überlegen: Es war in dieser visionären Welt nicht einfach, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich waren.

Aber Sie war sich sehr sicher, dass diese Kreaturen weder eine Vision noch eine Erinnerung aus der Vergangenheit waren. Immerhin konnte sie mit ihnen kommunizieren. Wenn diese Wesen also in der Gegenwart existierten, dann mussten sie irgendwo auf diesem Planeten leben. Und dann war der rote Cerebrat auch keine Fiktion – dann gab es ihn auch.

Es war jedoch ungewöhnlich, dass der rote Cerebrat in der Anderswelt in seiner pflanzlichen Gestalt in Erscheinung trat.

Soweit es Miriam wusste, wählten Cerebrate tierartige Wesen in dieser Welt, denn Pflanzen hatten eine gänzlich andere Bedeutung. In der Anderswelt symbolisierten Pflanzen gespeichertes Wissen, ähnlich wie Bücherregale. Durch unterschiedliche Interaktionen mit den Pflanzen konnte man ihr individuelles Wissen erlernen oder eigenes Wissen in ihnen speichern. Ein Wald war in der Anderswelt eigentlich nichts anderes, als eine Bibliothek – was sollte man dann von einem toten Wald halten?
Cerebrate waren nicht für das Speichern von Wissen zuständig.

Ihnen oblag es, Informationen zu verknüpfen, weiterzuleiten und das Kollektiv zu koordinieren. Sie waren die wichtigsten Helfer einer Königin, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Demnach war es höchst ungewöhnlich, dass sich der rote Cerebrat in der Anderswelt so zeigte, wie er wahrscheinlich in der realen Welt aussah. Diese kleine Ungereimtheit könnte bedeuten, dass V’nyx der IV. mit dem roten Cerebrat einfach nicht kompatibel war. In diesem Fall hätte V’nyx der IV. die Wahrheit gesagt.

Allerdings waren das schon einzelne Details eines viel größeren Problems, denn die entscheidende Frage war: Wo auf dieser Erde konnte ein Cerebrat so groß werden und so viele Drohnen um sich scharen, ohne entdeckt zu werden? Entweder war es ein sehr entlegener Teil der Erde oder diese seltsame Gemeinschaft stand unter dem Schutz einer Organisation, die sehr viel Platz hatte. Und selbst dann würde eine solche Masse an Wesen auffallen – das konnte man nicht auf Dauer verheimlichen.

Und was war das überhaupt für eine Gemeinschaft, die aus verängstigten Schattendrohnen und einem monströsen Cerebrat bestand, der, wie ein Monster, mit tausend Armen über allem schwebte und seine Untergebenen ohne Vorwarnung züchtigte?

»Nur die Liebe einer Königin kann eine gerechte Ordnung schaffen und dem Kollektiv ein Ziel geben«, murmelte Miriam gedankenverloren.

`Bist du da von alleine drauf gekommen?`, fragte V`nyx der IV. mit leichtem Spott.

»Das geht dich gar nichts an«, sagte Miriam und fühlte sich ertappt.

Abgesehen von dem grundsätzlichen Argwohn, den sie gegenüber allen Cerebraten hegte, nagte jetzt auch noch ein konkretes Misstrauen an ihrem schwachen Band zu V’nyx dem IV., denn wenn der kleine Schössling mit dem roten Cerebrat gemeinsame Sache machte, müsste sie Vorkehrungen treffen, um dem Verrat entgegentreten zu können. Selbst wenn V’nyx der IV. die Wahrheit sagte, musste sie davon ausgehen, dass es auf dieser Welt doch noch einen Überlebenden der roten Brut gab, und das alleine war schon gefährlich genug.

Miriam entschloss sich, ein paar alte Freundschaften aufleben lassen, bevor es zu spät war.

*

Nachdem Miriam eine Stunde lang mit Handtüchern und Putzlappen ihre Ölspuren vom Fußboden entfernt hatte, rubbelte sie über die Sitzfläche ihres Sofas und erkannte, dass sie alles nur noch schlimmer machte. Eigentlich war der speckige Glanz auf dem schwarzen Leder gar nicht so schlecht, und es roch auch angenehm nach Babyöl. Diese stupide Hausarbeit, die so gar nicht zu ihrer erhabenen Erscheinung als Blaue Königin passte, half ihr, die erste Aufregung zu überwinden.

Schließlich gelang es ihr dann doch, den Rest der Nacht zu schlafen.

***

Am nächsten Tag Frühstückte sie zur Mittagszeit und begann ihre alten Kontakte im Geiste durchzugehen. Miriam musste feststellen, dass ein Großteil der Jungs, mit denen sie in den letzten Jahren zusammengearbeitet hatte, nicht erreichbar war. Das war nicht ungewöhnlich, denn es handelte sich nicht um die Art von Menschen, die ein wohlgeordnetes Leben mit Familie, Hund und Reihenhaus führten.

»Greg. Der ist komplett ausgestiegen«, murmelte sie schließlich und blätterte in ihrem alten Notizbuch. Sie fand seine letzte, ihr bekannte Adresse.

Miriam grübelte bis in den Nachmittag, ob sie Greg einfach so besuchen sollte. Wenn er noch da wohnte wo sie es vermutete, waren es ungefähr zwei Stunden Fahrzeit. Greg war kein einfacher Geselle, aber Männer seines Schlags waren nie einfach. Entweder war man schon kaputt, wenn man sich den Aufnahmebedingungen einer Elitetruppe unterwarf, oder der Job machte einen kaputt.

Über Miriams Gesicht huschte ein Lächeln, als sie sich an eines von Gregs Komplimenten erinnerte. Er hatte ihr gesagt, dass sie eine von ihnen wäre, weil sie mindestens genau so kaputt sei. Damals hatten sie einen roten Cerebrat in der Wildnis von Südafrika zerstört. Aber der dort vorherrschende Volksstamm hatte mitbekommen, dass Miriam nicht die weiße Frau war, die sie vorgab zu sein. Obwohl Miriam diesen Menschen geholfen hatte, begannen sie eine gnadenlose Jagd auf die Blaue Königin.

Dabei geriet auch Greg unter Beschuss. Er hätte sich ergeben können und währe unbescholten davongekommen, aber er kämpfte für die Blaue Königin. Er riskierte sein Leben, bis sie den Sammelpunkt gemeinsam erreichten und von einem Hubschrauber aus dem Gebiet gebracht wurden.

Mit der Gewissheit, Greg jetzt gleich zu besuchen, sprang Miriam vom Sofa auf und eilte in ihr Schlafzimmer. Auf dem Weg dahin nahm sie ihre menschliche Erscheinung an.

‚Gehst du wieder weg?‘, fragte V’nyx der IV.

, als sich Miriam in ihre Motorradklamotten zwängte.

»Ja«, antwortete Miriam spitz und zog den Reißverschluss zu.

‚Ich habe Hunger!‘, sagte V’nyx der IV. anklagend.

»Schon wieder?«, fragte Miriam genervt. Sie wusste mittlerweile, dass der Cerebrat tagelang ohne Sperma auskommen konnte. Allerdings war er auf sie angewiesen und es war verständlich, dass er lieber zu viel forderte als einmal leer auszugehen.

‚Warum hast du keine Drohnen, das würde einiges erleichtern?‘

Miriam ging vor der Blüte in die Hocke und schaute sie böse an: »Keine Drohnen! Du kennst die Regeln: Wir verhalten uns absolut defensiv!«

‚Warum hast du deine ehemalige Königin getötet, wusstest du nicht, dass auf einem Planeten mehrere Königinnen friedlich koexistieren können?‘

»Ich musste es tun, sonst hätte sie mich getötet«, antwortete Miriam knapp.

Eine kleine Wurzel schlang sich um Miriams Zeigefinger, als suchte sie verzweifelt Halt in dieser, für sie unbekannten, Welt. Miriams Gesichtszüge blieben hart. Die Wurzel zog sich schüchtern zurück.

»Ich gebe dir noch eine Ration, aber damit musst du ein paar Tage auskommen«, sagte Miriam und holte ein Fläschchen aus dem stickstoffgekühlten Behälter, schob es in das Auftaugerät und wartete mit wippender Fußspitze. Als das Gerät piepste, nahm Miriam das Fläschchen kippte den Inhalt in ihren Mund und eilte zu V’nyx dem IV.

Gierig schob sich der Blütenstempel zwischen ihre Lippen und sog das Sperma auf. Die Blütenblätter waren bereits so groß, dass sie Miriams Gesicht gänzlich bedeckten.

‚Wann willst du mir den roten Cerebrat endlich vorstellen?‘, fragte V’nyx der IV.

»Am liebsten niemals!«

‚Ist es ein Cerebrat deiner ehemaligen Königin?‘

»Ja!«

‚Du hast Angst vor deiner eigenen Art‘, stellte V’nyx der IV.

resigniert fest.

»Ich werde dich nicht mit einem roten Cerebrat bekannt machen. Außerdem habe ich heute keine Zeit und bin auch nicht scharf darauf, diesen seltsamen Wesen in dem dunklen Wald erneut zu begegnen. Ich bin jahrelang ohne die Anderswelt ausgekommen, warum sollte ich mich jetzt davon abhängig machen?«

‚Du bist keine Königin, solange du dich nicht wie eine verhältst!‘

Miriam zog eine Augenbraue hoch und lächelte kühl: »Ich habe vor Jahren geschworen, dass ich mich niemals von Gemüse beherrschen lasse, und das wird so bleiben!«

‚Wo gehst du hin?‘, fragte V`nyx der IV.

»Zu Greg. «

‚Wer ist das?‘

»Ein alter Freund«, sagte Miriam pampig, dann griff sie ihren Motorradhelm und eilte in die Maschinenhalle, wo ihr Motorrad stand.

***

Miriam erreichte den heruntergekommenen Bauernhof, der abseits eines kleines Dorfes, im Wald versteckt lag, als die Sonne bereits tief am Himmel stand. Das halb verfallenen Bauernhaus sah unbewohnt aus, die Fenster waren seit Jahren nicht mehr geputzt worden, aber in der Scheune spielte ein Radio.

Sie stellte ihr Motorrad hinter einen Busch, hängte den Helm an den Lenker und näherte sich dem halb geöffneten Scheunentor.

»Greg«, rief Miriam, als sie den ersten Schritt in die Scheune trat. Das Radio verstummte. Sie sah einige Motorräder und unzählige Einzelteile von Motorrädern. Eine landwirtschaftliche Nutzung konnte sie in dieser Scheune nicht mehr erkennen. Es sah eher wie eine geräumige Werkstatt aus. Im hinteren Bereich war eine Hängematte zwischen zwei Balken gespannt.

Jemand lag in der Hängematte – zumindest ragten auf der einen Seite schwere Soldatenstiefel heraus und am anderen Ende war das Schild einer Baseballkappe zu sehen.

»Greg«, sagte Miriam erneut und ging langsam auf die Hängematte zu. Als sie direkt vor der Hängematte stand, sah sie Greg und er sah sie. Im gleichen Augenblick griff er eine leere Bierdose und warf sie Miriam an den Kopf.

»Scheiße!«, fluchte Greg und fuhr mit geballten Fäusten aus der Hängematte, hielt aber eine Armeslänge Abstand von Miriam.

Miriam fuhr sich über die Schläfe, da wo sie von der Bierdose getroffen worden war. Der Schreck war größer als der Schmerz und sie war nicht verletzt.

»Ich mache das immer, wenn ich was sehe, das nicht sein soll – meistens verschwindet es dann wieder«, erklärte Greg und richtete sich selbstbewusst auf. Dann schlug er sich an die Stirn und sagte: »Danke dafür!«

»Was ist mit dir«, fragte Miriam.

»Ich bin ein Wrack!«

»Du siehst blendend aus«, sagte Miriam und musste etwas aufblicken, denn sie war einen Kopf kleiner als Greg.

»Ich bin ein Wrack – im Kopf!«, sagte Greg und tippte sich an die Stirn, dann zeigte er auf Miriam, »Du siehst auch blendend aus in deinen knallengen Lederklamotten – die ganze Scheiße der letzten Jahre ist an dir wohl abgeprallt, wie heißes Fett von einer Teflonpfanne, hä?«

»Nein, aber ich heule deswegen nicht rum!«

»Am liebsten würde ich dir eine reinhauen, einfach so«, sagte Greg mit angespannten Kiefermuskeln.

Miriam kannte Greg. Sie wusste, dass er es ernst meinte, und trotzdem hatte sie keine Angst vor ihm. Jeder musste auf seine Art mit dem Erlebten zurechtkommen.

»OK«, sagte Miriam und ihre Augenlider verengten sich zu Sehschlitzen, »dann prügeln wir uns!«

»Nein, nicht so. Mädchen schlag ich nicht. Zeig mir die Alienschlampe!«

»Alienschlampe?«, fragte Miriam rhetorisch und mit einem zornigen Funkeln in den Augen.

Sie öffnete den Reißverschluss ihrer Motorradkombi. Darunter war sie nackt. Die helle Haut ihres flachen Bauchs und die nackten Brüste ließen sie verletzlich erscheinen, in dieser zur Werkstatt umfunktionierten Scheune, die voller spitzer Metallgegenstände war.

»Ihr habt mir alle möglichen und unmöglichen Namen gegeben, manchmal haben sie mir sogar gefallen«, sagte Miriam, während sie um Greg herumlief und dabei ihre Arme aus den Ärmeln schälte. Greg blieb stehen und zog sein T-Shirt über den durchtrainierten Oberkörper, um es achtlos auf den Boden fallen zu lassen.

Miriam stand hinter Greg und schlüpfte aus ihren schweren Stiefeln.

»Aber für die Alienschlampe bekommst du eine extra Abreibung«, fuhr Miriam mit entschlossenem Blick fort. Dabei schob sie den Overall an ihren langen Beinen hinab und stieg dann elegant aus dem zusammengeklumpten Kleidungsstück.

Greg behielt seine Jeans an und wartete. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet, aber er wusste anhand der Geräusche, was hinter ihm passierte.

Solange sie ihm nicht in die Augen sah, konnte sie seine Gedanken nicht erahnen.

»Ich warte – wenn du dann so weit bist«, sagte er und knackte mit dem Kiefergelenk. Im gleichen Moment wirbelte Miriam in Gestalt der Blauen Königin in Gregs Blickfeld. Ihre Haut schimmerte ebenmäßig schwarz, nur die Lippen und die Lieder ihrer mandelförmigen Augen stachen kornblumenblau hervor. Den neu hinzugekommenen orangen Akzent, nahm Greg nicht war. Er hatte sich nur auf den Moment konzentriert, in dem sie in seinem Blickfeld auftauchte.

Und weil er Miriam kannte, wusste er, aus welcher Richtung sie ihn angreifen würde.

Ehe die Blauen Königin reagieren konnte, traf sie ein schwerer Stiefel in die Rippen. Die Wucht seines Kicks kehrte ihre Bewegungsrichtung schlagartig um. Eben spurtete sie noch nach vorne, jetzt flog sie nach hinten. Der Treffer presste ihr die Luft aus der Lunge, sie prallte hart auf dem Boden auf und war für einen Augenblick orientierungslos.

In einer intuitiven Bewegung wich sie einem Fausthieb aus, der ihrem Kopf gegolten hatte. Ihr gelang ein schneller Tritt in Gregs Kniekehle. Während er einknickte, rappelte sie sich auf und platzierte einige schnelle Kicks gegen seinen Oberkörper. Dann turnte sie in einem kraftvollen Sprung über eine Werkbank, um mehr Distanz zu Greg zu bekommen.

Während Greg mit der Dampfhammermethode arbeitete und langsame, kraftvolle Schläge austeilte, wendete Miriam die Taktik der tausend Nadelstiche an.

Sie blieb immer in Bewegung und nutzte jede Gelegenheit, um einen kurzen, schnellen Schlag anzubringen. Sie überwand die vielfältigen Hindernisse in der Scheune mit Sprüngen, und teilweise sah es aus, als würde sie turnen oder tanzen. Greg pflügte sich wie eine Planierraupe durch den weitläufigen Raum und warf alles, was er greifen konnte, nach ihr.

Nach mehreren heftigen Nahkampfrunden, die ohne klaren Sieger ausgingen, waren beide sichtlich erschöpft, aber die Entschlossenheit in ihren Augen loderte umso heller.

Greg wischte sich das Blut von seinen Lippen, er wusste nicht, wie oft er von ihren blitzschnellen Kicks getroffen worden war.

»Ich könnte den ganzen Abend so weitermachen«, rief er provokant und spuckte Blut auf den Boden.

‚Langsam gefällt es mir auch, dir in deinen lethargischen Arsch zu treten‘, wisperte eine Stimme. Er hörte Miriams Stimme in seinem Kopf, aber nicht mit den Ohren, daher konnte er nicht orten, wo sie war.

»Das ist für die Alienschlampe!«, sagte sie laut. Ihre Stimme war direkt hinter seinem Ohr. Bevor er reagieren konnte, rammte sie ihren Ellenbogen in seinen Nacken. Greg knallte mit der Stirn gegen einen Eisenträger. Sein Schädel dröhnte wie ein Glockenturm, in dem Sturm geläutet wurde, dann wurde alles schwarz.

*

Das Dröhnen in Gregs Kopf war zu einem unangenehmen Brummen geworden, als er die Augen wieder öffnete.

Alles drehte sich um ihn herum. Es kam ihm nicht so vor, es drehte sich wirklich alles, denn er schwebte einige Meter über dem Boden seiner Scheune, die von hier oben wie eine unordentliche Motorradwerkstatt aussah. Eine Eisenkette war mehrmals stramm um seinen nackten Brustkorb gewickelt und irgendwo auf seinem Rücken musste der Haken des Deckenkrans eingehängt worden sein. Nun baumelte er an diesem Kran und drehte sich dabei langsam um seine Längsachse. Er war, abgesehen von den weißen Boxershorts, nackt.

Die Laufkatze des Deckenkrans setzte sich in Bewegung und beförderte ihn zum Heuboden, wo er sich eine gemütliche Wohnküche mit Schlafplatz eingerichtet hatte. In den Sommermonaten wohnte er ausschließlich hier. Als er genau über dem Fernsehsessel schwebte, wurde der Kran abgelassen, bis er mit dem Hintern auf der Sitzfläche ruhte. Er saß, aber seine Arme waren durch die stramm anliegende Kette eng an seinem Körper fixiert. Miriam kam in Erscheinung der Blauen Königin in sein Blickfeld gelaufen und klopfte sich die staubigen Hände sauber.

»Hörst du mir jetzt zu, oder soll ich dich noch ein Bisschen in dieser misslichen Lage schmoren lassen?«, fragte die Königin und baute sich, breitbeinig und mit in die Hüfte gestemmten Händen, vor Greg auf.

Greg schaute sie schweigend an. Sein linkes Auge war fast zugeschwollen und seine Oberlippe pochte, sie war mit Sicherheit doppelt so dick wie sonst, vielleicht sogar aufgeplatzt. Außerdem brummte sein Schädel immer noch.

Im Eifer des Gefechtes war ihm nicht bewusst geworden, wie hart sie ihm zugesetzt hatte.

»Dort im Schrank sind Schmerztabletten«, raunte er und zeigte mit den Augen in die Richtung der Küchenzeile. Als Miriam auf dem Weg zur Kochecke leicht humpelte, und ihre Hand in die Seite stemmte, huschte ein Grinsen über sein malträtiertes Gesicht – wenigstens hatte sie den Sieg teuer erkaufen müssen. Ihre ebenmäßige glänzende Haut war stellenweise stumpf und verschrammt, aber er sah keinen Tropfen Blut.

So zart und weich sich die Haut der Aliens auch anfühlte, sie war verdammt zäh.

»Bring Bier und einen Eisbeutel aus dem Kühlschrank mit«, rief Greg im Befehlston.

Miriam knallte ihm den Eisbeutel auf die Stirn, legte ihm eine Schmerztablette auf die Zunge und öffnete die Bierdose, um sie Greg an den Mund zu halten. Er zog den Kopf mit einer schmerzverzerrten Grimasse zurück, als der Rand der Bierdose etwas zu fest gegen seine Lippe stieß.

Miriam nahm einen kräftigen Schluck Bier, spitzte die Lippen und spritzte es ihm in seinen offenen Mund. Greg spülte die Tablette mit dem Bier runter und kniff die Augen zusammen.

»Soll ich dir das ganze Bier auf diese Art einflößen?«, fragte Miriam amüsiert. Sie setzte sich breitbeinig, vis-á-vis auf seine Oberschenkel.

»Mach die Kette ab, dann kann ich mir selbst helfen«, sagte Greg und starrte ihr unverhohlen auf die üppigen Brüste.

»Du willst mir nur an die Titten greifen. «

»Stimmt nicht!«

»Doch, ich habe den Gedanken ganz deutlich gesehen: Du willst mit beiden Händen nach meinen Titten greifen und sie so richtig schön massieren. «

»Das bildest du dir ein«, sagte Greg und es klang wie eine kraftlose Ausrede.

Miriam umgriff ihre Brüste und drückte sie zusammen, bis sie sich seinem Gesicht prall entgegen reckten.

Mit Daumen und Zeigefingern rollte sie ihre harten Nippel und hauchte ihn erregt an. Greg bekam glasige Augen. Sie ließ von ihren Titten ab, legte ihre Hand in seinen Schritt und fühlte die Erektion durch den dünnen Stoff seiner Boxershorts.

»Verdammt! Du bist immer noch so geil wie früher«, raunte Greg.

»Fang jetzt bloß nicht an zu heulen«, sagte Miriam und ließ sich von seinem Schoß rutschen.

Sie zog seinen Hosenbund so weit runter, dass sein harter Schwanz befreit war, und küsste die Eichel mit ihren kobaltblauen Lippen. Greg blickte wie verzaubert zu ihr runter und sie schaute mit großen Augen zu ihm hoch. Ihm rutschte der Eisbeutel vom Kopf. Miriam fing ihn im freien Fall und legte ihn zurück, ohne seinen Schwanz aus ihrem Mund zu entlassen.

»Wirkt die Schmerztablette schon?«, fragte Miriam und leckte mit ihrer Zunge über die ganze Länge des Schaftes.

Dann umschloss sie die Eichel erneut mit ihren tiefblauen Lippen und sog den Schwanz bis zum Anschlag in ihren Mund. Gregs Schwanz war hart wie ein Stahlbolzen, der Rest von ihm lag ermattet und gefesselt im Sessel. Er genoss den Kehlenfick in seiner aufgezwungenen Passivität. Seine Schmerzen rückten tatsächlich in den Hintergrund und er konnte nicht sagen, inwieweit das an der Tablette oder an der überirdischen Ablenkung lag.

»Was stört dich an der Bezeichnung Alienschlampe?«, fragte Greg mit sanfter Stimme, »du bist ein Alien, kommst hier rein, verprügelst mich und lutscht dann meinen Schwanz – machen das anständige Mädchen heutzutage?«

`Willst du abspritzen?`, fragte Miriam telepathisch, ohne auf seine Frage einzugehen.

»Nein, und bleib verdammt noch mal aus meinem Kopf raus, das konnte ich früher schon nicht leiden. «

`Aber du bist doch auch ganz tief in meinem Kopf`, antwortete Miriam und Greg glaubte sogar, ein telepathisches Kichern zu hören. Greg wusste nicht, wie oft er in den letzten Jahren von diesem unglaublich sinnlichen Wesen ausgesaugt wurde, aber es war jedes Mal etwas Besonderes. Wenn er eine Hand freigehabt hätte, wäre er ihr damit liebevoll durch die Haare gefahren.

Sie wollte seinen Saft, weil sie das zum Leben brauchte. Keine Frau der Welt würde sich mit solch einer Hingabe um einen Schwanz kümmern wie diese Königin aller Blowjobs.

»Hol dir, was du brauchst«, sagte Greg und Miriam stöhnte mit seinem Schwanz in ihrem Mund kehlig auf. Sie beschleunigte ihre Saugbewegungen und löste in Gregs Kopf einen Sturm aus bizarren Bildfetzen aus, der ihn binnen Sekunden zum Abspritzen brachte.

Er wippte vor Erregung mit den Füßen, als sie ihm die Schübe aus den Samenleitern sog und der Eisbeutel rutschte wieder von seinem Kopf. Diesmal fing sie ihn nicht auf, diesmal schluckte sie die heiße Lust, die ihr gegen den Gaumen spritzte.

Während Greg noch mit geschlossenen Augen die letzten Zuckungen in seinem Becken genoss, erhob sich Miriam und hakte den Kranhaken aus, der die Kette zusammenhielt, mit der Greg gefesselt war.

Sie wickelte die Kette von seinem Oberkörper, den Greg freundlicherweise nach vorne neigte. Dann setzte sie ihm wieder den Eisbeutel auf den Kopf, nahm auf seinem Schoss Platz und reichte ihm sein Bier. Sie saß quer zu seiner Sitzrichtung auf seinen Oberschenkeln und legte einen Arm um seine Schulter.
»Können wir jetzt reden?«, fragte sie mit halb gesenkten Lidern und strich ihm dabei in einer vertrauten Geste, mit den langen Fingernägeln, durch seinen ausrasierten Nacken.

»Dass ihr nach dem Sex immer reden wollt«, sagte Greg und auf seinen geschwollenen Lippen war ein lausbubenhaftes Grinsen zu sehen. Er nahm einen großen Schluck Bier und legte seinen Arm auf ihrem Bein ab.

Die Vertrautheit von früher war nie erloschen, es musste nur erst die Kruste aus Verbitterung abgeschlagen werden.

*

Miriam erzählte über eine Stunde lang, was sie seit der letzten gemeinsamen Mission erlebt hatte.

Sie erzählte, dass sie monatelang wie eine Gefangene in einer betreuten Unterkunft leben musste, die sie erst nur stundenweise verlassen durfte. Dann wurden die Bedingungen gelockert, aber sie musste sich jede Nacht zurückmelden. Da sie sich tadellos an die Regeln hielt, durfte sie ihr Leben seit ein paar Wochen in totaler Freiheit verbringen, sie musste sich nur noch einmal in der Woche bei einer Polizeiwache melden, ähnlich wie jemand, der auf Bewährung frei war.

Als Miriam zu den jüngsten Ereignissen ihres Lebens kam, wurde Greg neugierig. Mir gespitzten Ohren humpelte er zum Kühlschrank, um zwei neue Dosen Bier zu holen – eine, um sie sich an den Kopf zu halten, die andere zum Trinken. Miriam begnügte sich mit einem Glas Wasser – etwas anderes als Bier und Wasser hatte Greg nicht. Abgesehen von dem Schnaps, aber der kam für Miriam noch weniger infrage.

Miriam hatte sich auf das Sofa gefläzt, das im rechten Winkel zu Gregs Sessel stand, und erzählte von V’nyx dem IV.

»Du züchtest jetzt selbst Gemüse?«, fragte Greg ungläubig, während er schwerfällig im Sessel Platz nahm: »Das sind doch die echten Bösen, oder?«

Miriam machte einen grübelnden Gesichtsausdruck, als wüsste sie selbst nicht, was sie darauf antworten sollte. Dabei stellte sie Ihr Wasserglas zwischen ihre gespreizten Schenkel und ließ die Fingerkuppe verträumt um den Glasrand kreisen.

»Kannst Du aufhören, mich aufzugeilen? Dein Anblick alleine reicht schon, du musst nicht noch zwischen deinen Beinen rumspielen«, sagte Greg, der die Szene durch ein offenes und ein halb zugeschwollenes Auge beobachtete.

»Oh!«, sagte Miriam belustigt und stellte das Glas auf den Tisch. Ihr war gar nicht aufgefallen, dass ihre Handlungen eine sexuelle Anspielung sein könnten – dafür war sie viel zu sehr in ihren Gedanken vertieft.

»Na ja, das mit dem Gemüse ist eine Art Experiment«, rechtfertigte sich Miriam. Immerhin war V’nyx der IV. ein Außenstehender im Kampf, der die letzten Jahre auf diesem Planeten stattgefunden hatte.

»Ist dir an meinem Gesicht nichts aufgefallen?«, frage sie mir ruhiger Stimme.

»Seit wann?«, fragte Greg und versuchte, damit Zeit zu schinden. Bei dieser „ist dir nichts aufgefallen“ Frage waren alle Frauen gleich.

»Mein Blau ist mit orangen Akzenten unterlegt«, sagte Miriam und klimperte übertrieben deutlich mit ihren Wimpern.

»Ach das. Das ist mir aufgefallen, aber zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.

«

»Diese Farbe habe ich von dem Gemüse erhalten und er hat meinen kontemplativen Cortex geheilt – ich kann wieder sehen. «

»Ach das«, sagte Greg und ließ seinen Zeigefinger durch die Luft kreisen.

»Ja, genau das«, bestätigte Miriam.

»Also gibt es die auch in Orange? Und was können die so?«

»Ich weiß es noch nicht, aber ich will es einerseits herausfinden, andererseits habe ich Angst vor dem, was in meiner Wohnung wächst.

«

Greg schaute sie mit seinem geschundenen Gesicht an und in seinem Blick war eine Entschlossenheit, die sagte: ‚Lasse uns das Ding jetzt gleich zu Brei zerstampfen!‘

»Nein, noch nicht«, sagte Miriam und richtete sich auf dem Sofa auf. Sie strich ihre Haare hinter die Schultern und gestikulierte theatralisch mit den Armen.

»Gestern Nacht war ich in der Anderswelt und habe einen gigantischen roten Cerebrat gesehen.

«

Greg machte eine abfällige Handbewegung, »Diese Bilder wirst du dein Leben lang nicht los. Ich träume immer wieder von dieser Drohne mit den sichelförmigen Klauen, das war in Australien – weißt du noch?«

»Die war schon vorher schizophren«, sagte Miriam mit erhobenem Zeigefinger, denn in dieser Hinsicht wollte sie nichts auf ihre Art kommen lassen. Sie und alle anderen ihrer Art waren in der Lage, ihren Körper in vielfacher Hinsicht zu verändern, aber es lag nicht in ihrer eigentlichen Natur, sich in mordende Bestien zu verwandeln.

»Aber diese Bilder meine ich gar nicht«, erklärte Miriam, »dieser rote Cerebrat war keine Erinnerung, er war in der Anderswelt, er ist real und schwebt über einem dunklen Wald. Seine Tentakel und die Blüte können beliebig von oben herunter schnellen und jeden angreifen, der sich in diesem Wald aufhält. «

»Du lässt dich doch nicht von so einem Biest aus der Reserve locken. Wenn wir ihm nicht den Garaus machen, wird ihm irgendjemand anderes eine Granate in seinen moosbewachsenen Arsch jagen«, sagte Greg mit machohaftem Selbstbewusstsein.

Er saß nach wie vor in seinem Sessel, nun öffnete er die Arme und winkte Miriam mit seinen Fingern zu sich. Miriam nahm das Angebot einer tröstenden Umarmung gerne an.

Als sie sich auf seinen Schoß setzte, zog sie die Luft schmerzverzerrt durch ihre Zähne und legte ihre Hand auf die Rippen.

»Ich hoffe, du hast mir nichts gebrochen, das tut schon die ganze Zeit weh beim Atmen«, gestand Miriam.

Greg legte seine große Männerhand auf die Stelle und rieb sanft darüber, als würde es das wieder gut machen. Dann wanderte seine Hand von Miriams Rippenbögen zum Brustansatz. Sein Daumen kreiste zärtlich über ihre Brustwarze, die sich umgehend verhärtete und der neckischen Daumenkuppe auf ihre Art die Stirn bot.

»Ich wollte einfach wieder mit euch Jungs Kontakt aufnehmen, für den Fall, dass es doch noch nicht zu Ende ist«, sagte Miriam.

Sie ließ es zu, dass Greg ihre Brust streichelte, und fand Gefallen daran. »Warum meldest du es nicht den Typen vom Geheimdienst?«

»Soll ich sagen, dass ich heimlich einen Cerebrat züchte, durch den ich das herausbekommen habe?«, fragte Miriam und lehnte ihren Kopf verträumt an Gregs Stirn. Das war keine gute Idee, denn Greg zog den Kopf mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück. Dadurch musste Miriam Bauchmuskeln anspannen, die den Schmerz in ihren Rippen wieder scharf auflodern ließen.

Dabei kam sie an Gregs Schulter, wodurch er laut aufschrie.

Erst als Miriam aufsprang, um eine möglichst schmerzfreie Position einzunehmen, war es Greg möglich, sich wieder so hinzusetzen, dass es auch für ihn erträglich war.

»Oh Mann, wir sind wohl beide ziemlich im Arsch«, gab Miriam zu und versuchte, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Greg erhob sich wie ein alter Mann aus dem Sessel und hinkte zu der Matratze, die in seiner Schlafecke auf dem Boden lag.

Die Matratze und die Bettdecke waren frisch bezogen. Das ganze Nachtlager entsprach einem korrekt gemachtem Bett, wie er es in der Grundausbildung gelernt hatte.

Er legte sich genau so schwerfällig ins Bett, wie er aus dem Sessel aufgestanden war, und zog die Bettdecke über seine Beine.

»Du willst doch nicht jetzt noch heimfahren?«, sagte er zu Miriam, die unentschlossen zwischen ihm und dem Sessel stand.

»Ich schlafe auf dem Sofa«, entschied Miriam und legte sich der Länge nach in Rückenlage auf die Sitzfläche.

Ihre Unterschenkel ragten über die Lehne hinaus, also winkelte sie ihre Beine an, wodurch Greg ihr genau auf den schwarz glänzenden Venushügel schauen konnte.

»So kann ich nicht schlafen«, beschwerte sich Greg, stieß aber auf wenig Verständnis bei Miriam. Sie lächelte und streichelte mit ihren tiefblauen Fingernägeln über ihre Schamlippen.

»Seit Monaten ziehe ich mir jeden Morgen schön brav Klamotten an, bin zu allen freundlich und verhalte mich in der Öffentlichkeit wie ein Menschlein.

Es tut so gut, mal wieder mit jemand Zeit zu verbringen, dem ich nichts – aber auch gar nichts erklären muss«, gestand Miriam.

»Ja, aber gerade weil ich dich kenne, kann ich nicht schlafen, während du im gleichen Raum liegst und dir die Muschi streichelst. «

»Mach doch einfach das Licht aus«, hauchte Miriam und ließ ihre Hand zwischen ihren Beinen kreisen. Mit jeder Wiederholung dieser Bewegung streichelte sie etwas mehr Feuchtigkeit von innen auf die äußeren Schamlippen, bis diese saftig schwarz glänzten und die filigranen blauen Linien auf ihrem Körper erschienen und romantische Muster bildeten.

»Spinnst du!«, sagte Greg vorwurfsvoll. Miriam kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er nichts an ihrem Spiel auszusetzen hatte, er war nur empört, dass sie es nicht neben ihm auf der Matratze spielte.

»Warum?«, säuselte Miriam mit gespielter Unwissenheit.

»Hast du ungefähr eine Vorstellung, wie das ist, wenn ein Alien an deine Tür klopft?«

Miriam nickte: »Ja ich weiß, wie das ist.

Es liegt schon ein paar Jahre zurück, aber ich werde den Tag nie vergessen. «

»Warum kommst du nicht zu mir ins Bett?«

»Das mache ich vielleicht, wenn du lieb darum bittest. «

»Bitte komm zu mir ins Bett«

»Nein, nicht so«, sagte Miriam und tauchte dabei mit einem Finger in ihre nasse Spalte.

Greg schlug die Bettdecke zurück und präsentierten seinen halb erigierten Schwanz.

Die Eichel hatte sich aus der Vorhaut herausgekämpft und wippte im Takt seines Herzschlags. Miriam genoss den Anblick und fand Gefallen an der Vorstellung, mal wieder einen Schwanz ohne störendes Kondom zwischen ihren Schenkeln zu spüren. Sie schloss die Augen in einer sinnlichen Bewegung und ließ einen zweiten Finger in ihre Spalte tauchen. Dabei war sie sich ihrer Gefühle gegenüber Sven absolut im Klaren. Das Mädchen in ihr liebte Sven, und diese Liebe würde durch nichts getrübt werden, was die Blaue Königin mit ihrem gemeinsamen Körper anstellte.

Als die Blaue Königin ihre Augen wieder öffnete, war Gregs Schwanz ein prall aufragender Trum, der bestiegen werden wollte. Vorsichtig, wegen ihrer Blessuren, aber kaum weniger elegant als sonst, erhob sie sich vom Sofa und kam zu Gregs Nachtlager gelaufen. Ohne Umschweife stellte sie sich breitbeinig über seine Körpermitte und ging in die Knie, platzierte ihre lüstern geöffnete Muschi über der Eichel und nahm auf dem Pfahl Platz. Greg legte seine Hände auf ihre Brüste und massierte das straffe Fleisch, während er die übermenschliche Stimulation in dem Lustkanal der Königin genoss und dabei die Augen verdrehte, bis seine Pupillen hinter den geöffneten Augenlidern verschwanden.

Miriam ließ ihren Po minimal kreisen und konzentrierte sich auf die Bewegungen der Ringmuskeln in ihrem Unterleib, die den harten Bolzen streichelten und kneteten. Sie fühlte Gregs steigenden Erregungszustand und nährte ihre eigene Lust daraus. Es gab nichts Erfüllenderes als einem anderen Wesen Lust zu verschaffen, wenn man daran teilhaben konnte. Langsam und bedächtig, wegen ihrer Blessuren, bewegte sie ihr Becken auf dem harten Bolzen. Als sie spürte, dass Greg kurz vor dem Höhepunkt stand, seufzte sie lüstern vor Vorfreude und schloss die Augen.

Greg explodierte in ihr wie eine einzelne Feuerwerksrakete, die mit einem kleinen Feuerschweif aufsteigt und dann in tausend kleinen Sternen explodiert.

Mit genießerischem Gesichtsausdruck hieß die Königin den heißen Saft willkommen. Ihr sanftes Stöhnen ging unter Gregs animalischen Schreien fast unter. Sie schmatzte mit den Lippen, als würde sie sich einen Löffel Sahnepudding auf der Zunge zergehen lassen. Dann stoppte sie die Stimulation des zuckenden Bolzens in ihrem Unterleib und genoss wohlige Entspannung nach dem Höhepunkt.

Greg hatte sich an ihren großen Brüsten festgekrallt und zog daran, bis Miriam ihren Oberkörper vor neigte und sich auf ihn legte. Miriam erkannte, dass er sie küssen wollte. Sie drehte den Kopf leicht zur Seite, sodass Greg nur ihre Wange mit seiner geschwollenen Lippe küssen konnte und bei dieser Berührung vor Schmerz scharf Luft holte.

»Wenn Du noch mal in den Krieg ziehen willst, bin ich jederzeit bereit, mit dir Seite an Seite zu kämpfen«, flüsterte ihr Greg ins Ohr und streichelte dabei zärtlich über ihren Rücken.

Miriams Mundwinkel zogen sich zu einem glücklichen Lächeln hoch. Greg sah es nicht, aber er spürte mit seinen Lippen, die ihre Wange berührten, dass sie lächelte. In dieser Konstellation schliefen sie ein.

***

Mit der Faszination, mit der man sich abends einen Gruselfilm anschaute, besuchte die Königin im Schlaf die Anderswelt und schlich sich an den Rand des dunklen Waldes. Sie setzte diesmal keinen Fuß in das Gebiet.

Stattdessen suchte sie sich eine Stelle, von der sie einen relativ guten Blick in die Tiefe des Waldes hatte und wartete. Nach einiger Zeit sah sie die dunklen Kreaturen, die scheinbar ziellos durch dieses Gebiet irrten. Manchmal sammelten sich die Wesen zu kleinen Gruppen. Sie standen einfach nebeneinander, wie Fremde, die sich nichts zu sagen hatten. Dann kam eine Schar Tentakel aus den tief hängenden Wolken und trieb die Gruppe auseinander.

Mit der Geduld einer Naturforscherin beobachtete Miriam den kleinen Bereich des dunklen Waldes, den sie einsehen konnte.

Selbst, wenn sich über lange Zeit nichts tat, zwang sie sich, ihre Konzentration aufrecht zu halten. Ihre Mühe wurde belohnt, denn sie erkannte, dass die Tentakel nicht nur erschienen, wenn sich die Wesen zu Gruppen zusammenfanden. Manchmal, aber viel seltener, trieben die Tentakel auch einzelne Wesen aufeinander zu oder zwangen ihnen eine andere Richtung auf. V’nyx der IV. näherte sich lautlos, blieb neben seiner Königin stehen und schaute in ihre Richtung.

»Siehst du es?«, flüsterte Sie.

Der Vogel nickte und die Königin teilte ihm ihrer Beobachtungen mit: »Der Rote Cerebrat kann nicht zu ihnen sprechen, also muss er sie schubsen und ziehen, damit sie das machen, was er will. «

Ihr wurde bewusst, wie kalt es hier am Rand des dunklen Waldes war. Sie rückte ein Stück näher an das warme und weiche Federkleid des Vogels. V’nyx der IV. vermittelte ihr in Gedankensprache: ‚Wenn diese Wesen die Stimme ihres Cerebraten nicht hören können, wissen sie vielleicht gar nicht, was mit ihnen geschieht.

Sie werden unbewusst gelenkt in einer kalten, dunklen Welt ohne Liebe und ohne erkennbares Ziel. Und sie können untereinander auch nicht reden, jeder scheint auf sich alleine gestellt zu sein. ‚

Die Königin streichelte mit ihrer Hand zärtlich über das Kopfgefieder des Vogels und schenkte ihm ein Lächeln.

»Siehst du? Das ist nicht unsere Art zu leben, lasse uns gehen«, resümierte die Königin und ging mit bedachten Schritten rückwärts, um sich so lautlos wie möglich von diesem Ort zu entfernen.

Das hatte nichts mit der Welt zu tun, die sie als Drohne kennengelernt hatte.

***

Miriam wachte am nächsten Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Greg schlief noch und sie wollte daran nichts ändern. Leise schlich sie sich von dem ehemaligen Heuboden, wechselte ihre Erscheinung in die menschliche Form und zog ihre Klamotten an. Aus dem Top-Case des Motorrads holte sie ein rotes Mobiltelefon und legte es auf die Lehne von Gregs Sessel.

Sie hoffte, dass er daran dachte, den Akku regelmäßig zu laden, damit er auch erreichbar blieb. Dann schlich sie sich aus der Scheune, schwang sich auf ihr Motorrad und fuhr zurück in die Stadt.

Auf dem Weg nach Hause bekam sie doch ein schlechtes Gewissen gegenüber Sven. Gestern hatte sie ganz schön auf den Putz gehauen, und solche Entgleisungen würden einenormaleBeziehung auf Dauer unnötig belasten. Sie drehte den Gashebel voll auf, um so schnell wie möglich zu Sven zu kommen und nahm sich vor, ihrer menschlichen Seite vorerst wieder mehr Beachtung zu schenken.

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