} ?>

Wenn die Nachtigall erwacht 03

Originaltitel:ride the sky

Von Ranken am Boden fixiert und umringt von dunklen Kreaturen, die nach ihrem Körper gierten, fühlte die Blaue Königin ihre Kräfte schwinden. Dieser dunkle Wald war nicht so wie sie diese Welt kannte.

»V’nyx! Unterwerfe mich nicht unüberlegt. Ohne mich bist auch du verloren«, rief die Königin.

Mit verschwommenem Blick sah sie einen orangefarbenen Schnabel, der nach den dunklen Kreaturen pickte.

Der Vogel stieß grelle Schreie aus, die in den Ohren der Königin schmerzten. Für die unheimlichen Wesen waren die Geräusche unerträglich, sie ließen von der Königin ab und versteckten sich in den Schatten, aus denen sie hervorgekommen waren. Der Vogel ähnelte einem Strauß: Seine langen Beine und der Hals glänzten schwarz. Die Stummelflügel und der Rumpf waren mit glänzenden schwarzen Federn bedeckt, in denen orangefarbene Punkte wie Edelsteine glitzerten. Aus den Augenwinkeln glaubte die Königin, auch kobaltblaue Farbkleckse zu erkennen.

Sie streifte die erschlafften Ranken von ihrem Körper und stemmte sich auf die Knie. Der Laufvogel ging einige Schritte zurück und schaute sie mitleidig an.

‚Du denkst doch nicht wirklich, dass ich dich in diese Situation gebracht habe?‘, hörte die Königin in ihrem Kopf, es war die Stimme von V’nyx dem IV. Die Blaue Königin erhob sich vor dem Vogel und strecke den Arm nach oben, um seinen Schnabel zu erreichen.

Sie streichelte ungläubig über das Wesen. Abgesehen von ihr, war der Vogel das Einzige, was sie halbwegs mit ihren Erinnerungen an diese Welt vereinen konnte. Der düstere Wald mit den toten Bäumen, und die Wesen, die darin zu leben schienen, waren ihr gänzlich fremd.

‚Steig auf, ich bringe dich an einen schöneren Ort‘, sagte der Vogel und sank vor ihr auf die Knie. die Königin näherte sich unsicher. Dann hob sie ein Bein und setzte sich auf seinen Rücken, direkt hinter den langen Hals.

Der Rücken war angenehm weich und bequem, er bot auch ohne Sattel festen Halt — wie für eine Reiterin gemacht. Sie schwankte, als sich der Vogel erhob und die ersten Schritte machte. Jeder Schritt, mit dem er auf dem Boden aufkam, setzte sich als kleine Erschütterung in ihrem Körper fort. Sie fühlte diese Stöße intensiv zwischen den Beinen und lächelte. Nichts in dieser Welt war ohne Sinn, und meistens war dieser Sinn mit sinnlichen Erfahrungen verbunden.

Obwohl ihr die Umgebung unwirtlich und zu dunkel vorkam, fand sie Gefallen an dem Ritt auf diesem seltsamen Vogel, während er, unbehelligt von den lauernden Gefahren, aus dem Dickicht lief. Ihr schwirrten tausend Fragen durch den Kopf, aber sie verstummte vor dem Anblick, der sich ihr bot, als der Vogel den Wald verließ. Sie blickte von einer Anhöhe aus in ein sanft geschwungenes Tal hinab und erkannte die Welt.

‚Halte dich fest!‘, sagte der Vogel.

»Du bist V’nyx, stimmt`s?«

Der Vogel drehte seinen Kopf und blickte sie skeptisch an: ‚Unglaublich, dass du eine Königin bist, du weißt überhaupt nichts. ‚

»Dann bring mir doch bei, was ich wissen muss«, konterte die Blaue Königin. V’nyx der IV. schwieg, und sie war zu stolz, um zu betteln. Sie schaute sich verlegen um, während ihr Oberkörper zur Schrittfolge ihres Reittiers schwankte. Im Gefieder von V’nyx dem IV.

waren neben den orangefarbenen Sprenkeln tatsächlich auch kobaltblaue Farbkleckse zu erkennen. Abgelenkt durch diese Erkenntnis erschrak sie, als V’nyx der IV. seinen Gang beschleunigte. Die Erschütterungen in ihrem Unterleib wurden intensiver. Sie glich die Bewegungen seiner Schritte mit wippendem Becken aus. Dabei rieb ihre Lustperle sanft über den Halsansatz des Vogels. die Königin hauchte bei jedem Schritt. Dieser Ritt gab dem Begriff Vögeln eine ganz neue Bedeutung.

Der Wind wehte ihr ins Gesicht, als ihr Reittier im vollen Spurt ins Tal hinab rannte.

Ihre Brüste bebten, und sie genoss jeden seiner weit ausholenden Schritte. Jede Berührung brachte sie ein Stück näher an den Höhepunkt. Aus ihrem lustvollen Stöhnen wurden ungehemmte Schreie, die sich zu einem wollüstigen Gesang verdichteten, der durch das vor ihnen liegende Tal hallte. Benommen von den Empfindungen, sah sie die ihr bekannten Pflanzen: groß wie Bäume, mit mächtigen Blüten in allen Farben des Regenbogens — friedlich Seite an Seite. Diese Welt war bunt und lebte von der Vielfalt, ein Meer aus Farben explodierte in ihrem Kopf.

***

Als Miriam ihre Augen öffnete, lag sie vor dem Blumentopf in ihrer irdischen Behausung und sah die kraftvoll erstrahlende Blüte — orangefarben mit blauen Filamenten. Während des Besuchs in der Anderswelt hatte sie sich auch in der Realität in die Blaue Königin verwandelt. Ihr Schoß war feucht unter den Hotpants, die sie noch trug. Unterhalb der kurzen ausgefransten Hosenbeine erstreckten sich ihre langen, schwarz glänzenden Beine bis zu den weißen Sneakers, in denen ihre Füße steckten.

Miriam strich mit ihren Händen über die Leinenbluse, die mit ihrer aktuellen Oberweite überfordert war. Sie öffnete die zum Reißen gespannten Knöpfe und streichelte ihre prallen Brüste. Dabei sah sie ihre Finger und erschrak. Über die langen blauen Fingernägel zogen sich kunstvolle Linien in Orange. Der blaue Akzent ihres schwarzen Grundtons wurde um eine weitere Farbe ergänzt. Ihr Weltbild war erschüttert: »Was machst du mit mir?«

‚Das Gleiche könnte ich dich fragen‘, antwortete V`nyx der IV.

»Was waren das für dunkle Kreaturen in dem Wald?«, fragte Miriam, denn solche Wesen waren ihr in der Anderswelt noch nie begegnet.

‚Ich dachte, du wüsstest es‘, antwortete V`nyx der IV.

»Nein«, sagte Miriam nachdenklich. Sie lag mit angewinkelten Beinen auf dem Boden vor der Pflanze und bettete ihren Kopf erschöpft auf den ausgestreckten Arm.

»Das letzte Mal war ich vor einigen Jahren in dieser fantastischen Welt, und so seltsam es dort auch war, ich empfand nie Angst.

«

‚Eine Drohne wandelt nur auf den Wegen, die ihre Königin auswählt. Einer Königin stehen jedoch alle Bereiche offen‘, erklärte V`nyx der IV.

»Ich weiß«, hauchte Miriam, denn damals, kurz nach ihrer Inthronisierung, war es ihr für wenige Stunden vergönnt diese Welt als Königin zu besuchen. Allerdings als blinde Königin, die nur mit den Augen ihrer Drohnen sehen konnte.

»Gab es diesen dunklen Wald mit seinen Bewohnern schon immer, ohne dass ich ihn wahrgenommen habe?«, frage Miriam.

‚Woher soll ich das wissen, ich bin gestern erst erwacht!‘, antwortete V’nyx der IV vorwurfsvoll. Miriam atmete enttäuscht aus: »Du bist ein Cerebrat, davor habe ich Angst. «

‚Warum?‘

»Du beeinflusst mich, und ich habe keine guten Erfahrungen mit euch gesammelt. «

‚Wie willst du ohne Cerebrat herrschen?‘

»Ich will nicht herrschen!«

‚Warum bist du dann Königin geworden?‘

»Das hat sich so ergeben«, seufzte Miriam.

‚Warum tötest du mich nicht, solange die Verbindungen noch schwach sind?‘

Miriam schaute zur Flasche mit dem Chlorreiniger. Das Zeug stank widerlich und sie war sich sicher, dass der Inhalt ausreichte, um der Pflanze ein Ende zu setzen.

»Wirst du mich kontrollieren, wenn ich dich am Leben lasse?«

‚Wenn du schwach bist … muss ich die erste Stimme übernehmen‘

»Und, wenn ich eine starke Königin bin?«

‚Eine Königin kann ohne Cerebrate keine echte Stärke erlangen‘, stellte V’nyx der IV.

herablassend klar und fragte dann: ‚Hast du all die Jahre als blinde Königin gelebt, ohne den Drang zu verspüren, ein eigenes Königreich zu gründen?‘

»Ja«, seufzte Miriam und schloss ihre Augen. Die zahlreichen Eindrücke der jüngsten Zeit erschöpften sie, und die aufkeimende Pflanze schien ihr jetzt schon rhetorisch und mental überlegen zu sein. Es wäre leicht, dem ein Ende zu setzen, aber wie sollte sie mehr über ihre Art erfahren, wenn sie die vielleicht letzte Chance auf Antworten tötete? Mit dem festen Vorsatz, ihren Kopf heute nicht noch mehr zu martern, stand sie auf und ging in ihr Schlafzimmer.

Sie sah sich in dem großen Standspiegel durch den Raum laufen: die Blaue Königin, mit nackten Brüsten, in weißen Jeans-Hotpants und mit weißen Sneakers.

Sie trat näher an den Spiegel und beäugte die neu hinzugekommene, orangefarbene Note in ihrem Gesicht. Der blaue Lidschatten dominierte und zog sich weiterhin bis über die Schläfen, war aber mit einem feinen orangefarbenen Lidstrich unterlegt. Der Übergang ihrer tiefblauen Lippen zum schwarzen Grundton ihres Gesichts wurde durch einen orangefarbenen Schatten sanfter modelliert.

Dezent war ihre Erscheinung im mutierten Zustand noch nie, aber mit diesem Farbspiel musste sie sich noch anfreunden. Aus einer Laune heraus verknotete Miriam die beiden Stoffecken ihrer offenen Bluse auf Höhe ihres Bauchnabels. Die Bluse schmiegte sich eng an ihren Oberkörper, ihre Brustwarzen wurden geradeso bedeckt. Sie betrachtete ihren Körper im diffusen Licht der untergehenden Sonne. Ihre schwarze Haut war in der Dämmerung fast unsichtbar. Einzig die weiße Kleidung und die blau-orangen Akzente im Gesicht und an den Hand- und Fußnägeln waren deutlich zu erkennen.

Schon als junge Drohne träumt sie davon, nackt und in ihrer wahren Gestalt, unbehelligt durch eine Stadt zu bummeln. Die Sonne auf der Haut zu genießen, während sie in einem Café saß, einen Milchkaffee genoss und die Leute beobachtete, ohne selbst wie ein Zootier angegafft zu werden. Miriam wusste, dass dieser Traum nie in Erfüllung gehen würde. Die Blaue Königin durfte nur hinter verschlossenen Türen und heruntergelassenen Jalousien leben — das war Teil der Abmachung.

‚Ob Sven mich wieder sehen möchte, wenn er wüsste, wer ich wirklich bin?‘, fragte sie sich und spürte ein angenehmes Kribbeln zwischen ihren Beinen. Die Erinnerung an das leidenschaftliche Spiel, dass sie nach dem Abendessen in dem Fastfood-Restaurant begonnen hatten und das sie so überstürzt beenden musste, ließ ihre Erregung wieder aufflammen.

*

Sie zog ihre Kleidung und die Schuhe aus. Als Königin fühlte sie sich nackt am wohlsten.

Mit leicht gedrehtem Kopf sah sie ihr Spiegelbild in der Seitenansicht und ließ die Fingerkuppen verspielt um ihre harten Nippel kreisen.

»Geile Sau«, sagte sie anerkennend zu dem Wesen im Spiegel und hob den Kopf selbstbewusst, bevor sie breitbeinig in die Hocke ging und sich mit einer Hand zwischen ihre Beine griff.

»Komm in meine Welt«, sagte sie dem Spiegelwesen, massierte ihre Spalte und schloss die Augen verlangend.

*

Mit ihrem neu gewachsenen, inneren Auge tauchte sie in die Anderswelt ein und betrat willentlich einen Bereich, der möglichst weit von diesem dunklen Wald entfernt lag. Hier war es jedoch nicht wesentlich heller. Das leicht hügelige Gelände war nur spärlich mit niederen Pflanzen bewachsen und über allem lag ein Schatten. An einer Stelle ragten unterschiedlich große, penisförmige Gewächse aus dem Boden. Als Drohne hatte sie Stunden mit dem Auslutschen dieser fruchtigen Pflanzen verbracht.

Sie beugte sich mit durchgedrückten Beinen zu einem der Fruchtkörper herunter und umfasste die sattschwarze Kuppe mit beiden Händen. Aus der Spitze trat Flüssigkeit, wie warmer Sirup aus. Sie verrieb den Saft mit den Händen, bis der aufragende Fruchtkörper ölig glänzte.

Ihr lief das Wasser im Mund zusammen und die Vorfreude floss an ihren Beinen runter. Die Königin ging über dem Zapfen in die Hocke. Mit angewinkelten Beinen, weit aufgerichteten Mittelfüßen, nur auf den Fußballen ruhend, küsste ihre nasse Spalte die glitschige Kuppe.

Langsam teilten sich ihre, von schwarzer Latexhaut überzogenen, Schamlippen und gaben dem Eindringling nach. Der Zapfen, den sie sich ausgesucht hatte, war so dick wie ein Unterarm. Sie senkte ihre Körpermitte mit Bedacht ab und genoss das Gefühl, langsam gedehnt zu werden. Das unbewusste Zucken ihrer Bauchdecke ließ sie für einen Moment unkontrolliert aufstöhnen. Als ihre Kniegelenke soweit angewinkelt waren, dass die Oberschenkel gegen die angespannten Waden drückten, verharrte sie, auf den Fußballen ruhend, um das Zwischenziel zu genießen.

Endlich konnte sie sich wieder in dieser Welt nach Herzenslust austoben. Sie hauchte vor Ergriffenheit aus und schaute sich um.

Wenige Schritte von ihr entfernt stand der große Laufvogel und schaute unbeeindruckt auf sie hinab. »Beobachtest du mich schon lange?«, fragte sie mit rolligem Tonfall und vor Erregung geweiteten Pupillen. Die Anwesenheit des Cerebraten war ihr nicht bewusst gewesen. Sie fühlte sich ertappt, sah es aber nicht ein, sich zu rechtfertigen, oder ihr Vorhaben zu unterbrechen.

‚Es ist deiner so unwürdig, sich mit diesen niederen Gewächsen abzugeben‘, sagte V’nyx der IV. anstatt ihre Frage zu beantworten.

»Hast du nichts zu tun?«, fragte die Königin mit lasziv kreisendem Becken, denn ihr stand der Sinn nicht nach Diskussionen.

‚Nein‘, erwiderte V’nyx der IV. spitz, ‚da du nicht einmal im Besitz einer einzigen Drohne bist, habe ich genau genommen überhaupt nichts zu tun.

»Das wird auch so bleiben, gewöhne dich daran«, sagte die Königin und senkte ihre aufragenden Mittelfüße langsam ab, bis die Hauptlast ihres Körpers von den Fersen getragen wurde und sie die glitschige Frucht tiefer in sich spürte. Der königliche Lustsaft vereinte sich mit dem Nektar des Fruchtkörpers zu einer betörenden Mischung, deren Duftstoffe einen Mensch in den ekstatischen Wahnsinn getrieben hätten.

»Die Welt ist auch außerhalb dieses schrecklichen Waldes kahl und düster.

Wo sind die großen Bäume und die bunten Blüten, die ich vorhin im Tageslicht gesehen habe?«, fragte Miriam und rieb dabei verspielt über ihre geschwollene Lustperle.

‚Das war eine Erinnerung meines Vorgängers – V’nyx dem III. Da musste ich improvisieren, damit du verstehst, dass wir nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Es obliegt dir, diese Welt mit Farben, Formen und Leben zu füllen. Normalerweise tritt eine Königin das Erbe ihrer Vorgängerin an, aber in dieser Welt müssen wir wohl noch einmal von vorne beginnen.

Abgesehen von diesem dunklen Wald ist deine Welt leer und kahl. ‚

Der Vogel ließ seine langen Beine einknicken und senkte seinen gefiederten Leib ab, bis er, zwei Schritte entfernt von der Königin, auf dem Boden ruhte. Er beugte den langen Hals vor, bis sein Kopf vor dem Gesicht der Königin schwebte. Dann sprach er mit betörender Stimme: ‚Du solltest in einer Königsblüte ruhen, aus der zwei Stempel emporragen, die deine unteren Kommunikationsröhren immerzu tief ausfüllen und dich in einem konstanten Zustand der Euphorie halten.

Dein erhabener Leib sollte fortwährend von hundert ergebenen Drohnen geleckt und gestreichelt werden, auf dass keine Stelle deiner makellosen Haut je stumpf oder schmutzig wird. ‚

Miriam lauschte der Stimme mit sinnlich geschlossenen Augen. Ihre Lippen spiegelten höchsten Genuss wieder, als würde sie ein Stück feinste Schokolade auf ihrer Zunge zergehen lassen. Dabei wippte sie leicht mit dem Becken und ritt den dickten Zapfen, der ihre tropfenden Schamlippen dehnte und tief ihr steckte.

Das war wohl, in den Augen des Cerebraten, eine der beiden Kommunikationsröhren.

»Sprich weiter. Es wird nie so werden, aber die Vorstellung ist berauschend. «

‚Die Sinnesreize deiner Drohnen werden auch deine sein. Du wirst wissen und fühlen was dein Volk lernt und erlebt. Jeder Gedanke von dir ist Gesetzt. Ein Lächeln von deinen Lippen erfüllt jede Drohne mit tiefer Befriedigung und diese Gunst wirst du mehrfach verstärkt zurückerhalten.

»Und wenn uns die Menschen dabei erwischen sind wir voll im Arsch«, sagte die Königin, riss die Augen auf und machte: »Buh!«

Der Kopf des Vogels zuckte zurück. Er schwieg irritiert. Miriam schloss die Augen wieder und rollte ihr Becken wollüstig.

‚Dann, nimm dich wenigstens dieser Welt an und beseele sie mit deiner königlichen Gunst‘, sagte V’nyx der IV. mit ungewohnt versöhnlicher Stimme.

Die Königin schwieg und verlagerte die Haltung ihrer Beine, bis ihr Gewicht auf den Knien ruhte und ihre Schienbeine gegen den weichen Boden drückten. Ihre ölig schwarz glänzenden Pobacken schoben die angewinkelten Fersen auseinander. Berauscht rang sie ihrem Körper die letzten Reserven ab und presste ihr Becken dem Boden entgegen, bis ihre geweiteten Schamlippen in die kleine Pfütze aus Lust eintauchten, die sich unter ihr, und um den Fruchtkörper herum, gebildet hatte. Noch tiefer konnte sie den brachialen Bolzen nicht in ihre Vagina aufnehmen, aber viel mehr hätte sie auch nicht verkraftet.

Sie warf den Kopf in den Nacken, drückte den Rücken durch und krallte die Hände in ihre vorgereckten Brüste. Ihre blonde Mähne ergoss sich, einem goldenen Wasserfall gleich, über den Rücken, bis zum Steiß. Mit Daumen und Zeigefingern rollte sie ihre harten Nippel, bis ihr der ziehende Schmerz Tränen in die Augen trieb.

»Das ist meine verfickte Welt?«, hauchte sie einer Erkenntnis gleich, und neigte den Oberkörper vor. Der Zapfen in ihr, machte diese Bewegung mit und neigte sich, dem Wunsch der Königin entsprechend, bis diese mit Bauch und Brust den Boden berührte.

»Komm zu mir!«, keuchte sie herausfordernd. Sie lag, wie ein Frosch, mit angezogenen Armen und Beinen da und fickte den Pflanzenstiel mit wippendem Becken. Ihre aalglatte Haut rieb nahezu widerstandfrei über den ebenso glatten Untergrund. Sie suhlte sich wie ein glückliches Schwein in dem Saft der von ihr und den Stängeln um sie herum, abgesondert wurde und lachte heißer, als ihr bewusst wurde, welche Kräfte sie heraufbeschwor. Dabei hielt sie sich mit den Händen an zwei Schäften fest, um nicht von dem Zapfen zu rutschen, der tief in ihr steckte.

Kraft ihrer Gedanken, ließ sie einen neuen Spross aus dem Boden wachsen. Einer Spargelspitze ähnlich, aber deutlich dicker und schwarz glänzend, durchbrach die Pflanze den Boden. Sie öffnete ihren Mund und schloss die kobaltblauen Lippen darum. Erst zaghaft, dann zuversichtlich, atmete sie durch diesen Strang, wie durch einen Schnorchel und begann, Ruhig atmend und an beiden Körperenden penetriert, auf dem Flüssigkeitsfilm vor und zurück zu gleiten. Die Lider ihrer geschlossenen Augen verschmolzen mit der schwarzen Latexhaut ihres Gesichts, bis sich nur noch die kobaltblauen und orangen Insignien vom Nasenrückten bis über die Schläfen erstreckten.

Sie brauchte heute keine Augen mehr. All ihr Empfinden richtete sich nach innen, auf kontraktierende Muskeln, pochende Schleimhäute und Ströme aus Lust.

Der Boden unter ihr wurde weicher, erreichte eine zähflüssige Konsistenz und sie sank stöhnend darin ein. Der Spross in ihrem Mund versorgte sie mit Luft, als die Masse über ihr zusammenlief und sich zu einer spiegelglatten Ebene schloss. Für einen Moment war die Königin vom Erdboden verschwunden, mit ihrer Welt verschmolzen.

Auf der fluiden Oberfläche entstanden kleine, kreisförmige Wellen, als hätte jemand einen Stein in die Mitte geworfen. Die Wellen erschienen neu, im Takt eines kräftigen Herzschlages, der bald als dumpfes Pochen überall in dieser Welt zu hören war. Dann wölbte sich die Ebene. Die weiblichen Kurven des königlichen Leibs zeichneten sich unter einer schwarzen, elastischen Latexschicht ab, bis sie bizarr konturiert, wieder die Oberfläche erreichte. Stumm, taub, blind und nur zu minimalen Bewegungen fähig, wand sie sich vor Lust unter der saugend eng anliegenden Membran.

Einzig das unkontrollierte, stumme Zucken ihrer strammen Pobacken ließ die angestauten Emotionen erahnen.

Als alle Lust dieser Welt in der Königin konzentriert war, erbebte sie und gab den orgastischen Rausch vielfach verstärkt an die die Umgebung zurück. V’nyx der IV. sprang ergriffen auf, als der Boden unter ihm, einem Erdbeben gleich, erzitterte. Der Himmel wurde taghell. Das Licht verdampfte alle Schatten und brachte wohlige Wärme. Einzig der dunkle Wald, am Rande des Horizonts, blieb unberührt und trotzte dem Licht der Königin.

*

Es war tiefe Nacht, als Miriam auf dem Boden ihres Schlafzimmers aufwachte. Sie lag in der gleichen, froschartigen Pose vor dem Spiegel, in der sie Anspruch auf ihr Reich erhoben hatte. Ihr war kalt und jeder Knochen tat ihr weh. Dennoch fühlte sie das sanfte Nachglühen des bizarren Höhepunktes zwischen ihren Beinen. Müde kroch sie auf allen vieren ins Bett, zog die Decke über den Kopf und schloss die Augen.

Am liebsten schlief sie zwar in ihrem Latexkokon, aber sie war zu müde, um diesen Aufwand zu betreiben.
***

Die Sonne stand bereits hoch am Horizont, als Miriam ihren Kopf unter der Bettdecke hervorstreckte und sich umblickte. Es musste nach Mittag sein, sie hatte geschlafen, bis ihr Körper des Schlafens überdrüssig war. Hellwach riss sie die Bettdecke zur Seite und sprang aus dem Bett. Die Küchenuhr zeigte 13 Uhr: Zeit für ein Frühstück.

Während sie die Haferflocken mit reichlich Milch, Quark, Erdbeeren und Bananen verrührte, dachte sie an Sven. Sie trug die Frühstücksschale ins Wohnzimmer und stellte sie auf den Sofatisch. Dann suchte sie die SIM-Karte aus ihrem Vorrat, für die Sven die passende Nummer hatte. Sie baute die Karte und den Akku in eines ihrer Handys und schaltete es ein. Das Handy signalisierte mit einer Melodie, dass es zum Leben erwacht war und ein Netz suchte.

Miriam nahm das wohlwollend zur Kenntnis.

Sie legte sich auf das Ledersofa, stellte die Frühstücksschale neben sich und aß den ersten Löffel. Kauend blickte sie an ihrem schwarzen Hochglanzkörper entlang, winkelte ein Bein an und sehnte sich danach, von tausend Augen beobachtet zu werden. Für ihre Art war es ein Zeichen der Ehre, sich nackt zu zeigen. Nur wer etwas zu verbergen hatte … ja, der verbarg sich hinter Kleidung oder in den Büschen.

Sich nackt und breitbeinig zu zeigen und gesehen zu werden, war eine wichtige soziale Komponente, die sie bei den Menschen im Alltag vermisste.

Im Posteingang war eine Nachricht von der Nummer, die sie Sven gestern gegeben hatte.

„Magst du Sushi heute Abend?“

„Frittiert esse ich alles“, tippte sie mit flinken Fingern, fügte einen Smilie an und drückte auf Senden. Dann leckte sie die letzten Krümel vom Löffel und dachte: ‚Ich würde überall mit dir hingehen, aber was ziehe ich dazu an?‘

Kaum eine Minute später kam Svens Antwort: „O.

K., heute Abend, 19 Uhr, die Wegbeschreibung ist im Anhang, oder soll ich dich abholen?“

„Nein, wir treffen uns dort. Freu mich. HDL Miri. „

„HDAL Sven. „

Miriam öffnete die Rückseite des Handys, nahm den Akku heraus und legte die Einzelteile auf den Tisch. Mit Sven in ein richtiges Restaurant zu gehen, war ein schöner Gedanke, aber sie machte sich Sorgen über das, was nach dem Essen passieren könnte.

‚Ich darf auf keinen Fall Alkohol trinken. Wenn ich nüchtern bleibe, kann eigentlich nichts schief gehen‘, glaubte sie für einen Moment und schüttelte dann den Kopf, ‚Eigentlich kann alles schief gehen!‘

Je mehr sie über ihre Gefühle für Sven nachdachte, desto komplexer wurden ihre Gedankenspiele. Sie machte sich Sorgen, ob Sven das Interesse an ihr verlieren könnte, wenn sie etwas falsch machte. Gerade wegen der Möglichkeit des Scheiterns wollte sie doch dieses Spiel als Mensch spielen.

Das Andere in ihr könnte Sven in kurzer Zeit zu einer demütig gehorsamen Lustdrohne machen — sehr effektiv, aber keine Herausforderung. Und vor allem streng verboten für jemanden, der seine zweite Chance bekommen hatte! Außerdem weckte Sven ein Gefühl in ihr, von dem sie mehr erleben wollte. Von dem das Mädchen, das tief in Miriam lebte, schon lange geträumt hatte: Sich verlieben!

*

Nach dem Frühstück taute Miriam eine weitere Spermaprobe auf und ging zu V’nyx dem IV.

Sie ließ den Saft in ihren Mund laufen und näherte sich der weit geöffneten Blüte um sie zu füttern.

»Was weißt du über diesen toten Wald?«, fragte Miriam.

‚Ich weiß nichts darüber, das habe ich dir gestern schon gesagt!‘, antwortete V’nyx der IV.

»Cerebrate sind doch immer mit der Anderswelt verbunden — warum findest du es nicht heraus?«

‚Wie ist eine so lethargische und ursprünglich blinde Königin eigentlich an meine Datenkapsel gekommen?‘, kam als Gegenfrage.

»Um dieses Rätsel kümmere ich mich, wenn du herausfindest, was in der Anderswelt vor sich geht«, versprach Miriam.

Die Blüte löste sich von Miriams Gesicht, von dem Sperma waren keine Reste übrig.

‚Du stehst mir im Licht!‘, vermittelte V’nyx der IV. Miriam erhob sich und ging zur Seite, sodass einige Sonnenstrahlen durch die Jalousien auf die Blume fielen.

‚Kannst du die Blätter entfernen, damit ich mehr Licht bekomme?‘, fragte V’nyx der IV.

»Das sind keine Blätter«, sagte Miriam, strich über die Lamellen der Jalousie und ließ den Sonnenschutz so, wie er war.

»Man muss auch mal mit dem zufrieden sein, was man hat«, sagte sie und verließ den Raum.

Miriam wollte sich ihr Outfit für den heutigen Abend zusammensuchen und stellte fest, dass sie „nichts“ zum Anziehen hatte. Sie schlug die Schranktür zu und entschied sich vorläufig für ein lässiges Sommeroutfit, mit dem sie zumindest in die Stadt gehen konnte, um sich etwas Angemessenes zu kaufen.

Bevor sie die Behausung verließ, schaute sie noch einmal in den Spiegel und ging ihre Checkliste durch: Heller Hauttyp, Oberweite, grüne Augen, …

***

Die Verkäuferin hatte Miriam freundlicherweise geholfen, die Etiketten aus den Klamotten zu entfernen. Sie saß in ihrem neuen Outfit in einem Café und fühlte sich sehr wohl in dem knapp geschnittenen Kleid. Beim Übereinanderschlagen der Beine musste sie aufpassen, denn ein paar Beobachter spekulierten bereits auf die nächste Änderung ihrer Sitzhaltung.

Nach zwei Stück Käsekuchen war ihr das aber fast egal. Sie vermied Blickkontakt und begann damit, das Smartphone zusammenzubauen, auf dem sie die mysteriöse E-Mail erhalten hatte. Da sie ihre Geräte immer zerlegte, anstatt sie nur auszuschalten, ging ihr das routiniert von der Hand. Eine technisch begabte Blondine in High Heels — das brachte ihre Beobachter noch mehr aus der Fassung.

Sie durchsuchte ihr Gerät, aber weder im Spam-Verzeichnis noch unter den gelesenen E-Mails fand sie die Nachricht, die ihr den Tipp mit der Datenkapsel gegeben hatte.

Sie suchte alle Verzeichnisse mehrmals durch, ohne auch nur einen Hinweis auf diese E-Mail zu finden. Dann fiel ihr ein, dass sie von der E-Mail auf eine Website weitergeleitet wurde. Die Historie ihrer besuchten Internetseiten war überschaubar. Sie fand eine Adresse, die nur aus kryptischen Zeichen bestand, und klickte sie an. „Server nicht gefunden, oder Website existiert nicht“

»Fuck!«, zischte sie und fühlte sich wie ein dummes Kind gegenüber dieser geradezu magischen Allmacht der Technik.

Miriam zerlegte das Gerät in seine Einzelteile, bezahlte und eilte auf ihren hohen Pumps aus dem Café. Sie hatte die Zeit vergessen und musste sich beeilen, um nicht zu spät zum Date mit Sven zu kommen. Sven studierte Informatik, er könnte ihr sicher bei ihrem Problem helfen. Sie entschied sich aber, ihn nicht beim ersten richtigen Date mit der Nase auf ihre Probleme zu stoßen.

***

»Und heute war die Mail verschwunden, als ich sie noch einmal lesen wollte.

Ganz schön doof, oder?«, erzählte Miriam im Plauderton. Ihr war es eine gute halbe Stunde lang gelungen, nicht über ihre E-Mail zu reden, dann platzte sie vor Neugier. Sven zuckte mit den Schultern und antwortete: »Das kann doch jedem Mal passieren, wenn es eine Spam-Mail war, hat sie der Server vielleicht automatisch gelöscht. Oder du hast einen Virus, der deine Mails löscht. «

»Hm«, brummte Miriam.

»War die Mail wichtig?«

‚Auf jeden Fall hat sie ihren Zweck erfüllt‘, dachte Miriam und entschied sich für ein Kopfschütteln.

»Nein, nicht wirklich, mich ärgert es nur, wenn Dinge geschehen die ich nicht verstehe. «

Sven lehnte sich verschwörerisch über den Tisch und flüsterte gespielt geheimnisvoll: »Kein Mensch versteht mehr was im Internet passiert, aber behalte das bitte für dich, wir wollen die Öffentlichkeit doch nicht verunsichern. «

‚Die Öffentlichkeit zu verunsichern, ist mir sogar vertraglich verboten‘, dachte Miriam grinsend.

»Okay«, hauchte sie und gab Sven einen unverfänglichen Kuss, bevor er sich auf seinen Stuhl zurücksinken ließ.

»Du musst mal diese kleinen Röllchen mit der Seezunge probieren«, sagte Miriam begeistert, um das Thema zu wechseln. Sven winkte dankend ab, er war längst satt. Miriam griff sich mit ihren Stäbchen ein einzelnes Reiskorn, führte es zu ihrem Mund, nahm es mit der Zungenspitze auf und ließ es gespielt langsam hinter ihren rot geschminkten Lippen verschwinden.

»Kannst du das auch?«, fragte sie herausfordernd. Sven hatte sie zwar die ganze Zeit beobachtet, aber ihre Frage offenbar nicht verstanden.

Der verliebte Blick entschuldigte seine Unaufmerksamkeit. Miriam neigte den Kopf kokett zur Seite und Sven fühlte sich beobachtet. Er schob sein Weinglas verlegen zur Seite, bis es Miriams Wasserglas berührte und gestand: »Wenn du mich weiter so anschaust, benehme ich mich, nach einem weiteren Schluck Wein, komplett daneben. «

»Tja, ich kann mich auch nüchtern komplett daneben benehmen«, hauchte Miriam und trank einen Schluck Wasser.

»Ach ja?«, sagte Sven mit herausforderndem Blick.

»Ja«, hauchte Miriam, stand auf, stemmte ihr Knie auf die Tischkante, zog das andere Bein nach und krabbelte über den gedeckten Tisch zu Sven. Die Gäste an den benachbarten Tischen schauten verwirrt zu der jungen Frau. Die stach mit ihrem schwarzen Rüschenminikleid und dem breiten, blauen Lackgürtel, der ihre grazile Taille umschloss und lässig auf den Hüften lag, ohnehin hervor. Der Haarreif und die schwarzen hohen Lackpumps, mit den blauen Schleifen oberhalb der Schuhspitzen, untermalten das verführerische Outfit.

Ihre üppige Oberweite, der straffe Po und vor allem der Glanz ihrer Augen, gaben der Erscheinung eine entscheidende Wendung — Alice im Wunderland für Erwachsene.

Sven verfolgte Miriams provokanten Auftritt, zum Ende des Abendessens, ohne die Maske der Gelassenheit aufzugeben. Er blieb sitzen und beobachtete Miriam, die mit raubkatzenhafter Eleganz über den Tisch krabbelte, ohne das Geschirr zu zerstören. Ein Kellner hob mahnend den Finger und hoffte, den Fauxpas durch dezente Gesten zu beenden.

Er verharrte stumm in der Bewegung, als ihn klare grüne Augen fixierten.

»Küss mich!«, sagte Miriam zu Sven, ohne den wachsamen Blick vom Kellner abzuwenden. Sven zögerte: Bis jetzt war er Beobachter, der Kuss würde ihn in die Sache hineinziehen. Miriam schaute Sven kurz an, dann nagelte sie den Kellner wieder mit ihren Blicken an die Wand. Sven wusste, dass er den weiteren Verlauf dieses Augenblicks kontrollierte, denn eine ungeküsste Miriam wäre blamiert.

Sein Kuss würde ihren Mut belohnen und ihn in die Sache hineinziehen. Miriams Blick streifte ihn erneut, diesmal lag etwas Flehendes darin — Sven genoss es, lächelte verwegen und neigte seinen Oberkörper vor.

»Ich werde den Tag bereuen, an dem ich dich kennengelernt habe«, flüsterte er in ihr Ohr, bevor er ihre Lippen berührte. Miriam atmete während des Kusses erleichtert aus. Die Anspannung der letzten Herzschläge entlud sich in züngelnden Bewegungen.

»Wir sind zu jung, um den ganzen Abend in Restaurants rumzusitzen«, sagte Miriam mit verlangendem Blick. Sie schob ein Bein unter ihrem Körper vor und ließ sich galant auf Svens Schoß gleiten.

*

Das Geld auf dem Tisch deckte die Kosten um mehr als das Doppelte. Der Kellner nahm es, räumte die Teller ab und blickte dem übermütigen Pärchen mit schmalen Lippen nach.

Einige Gäste schauten anerkennend oder vorwurfsvoll zu dem jungen Mann in dem lässig geschnittenen Hemd und der aufreizenden Frau in seinem Arm.

»Was macht deine Schulter?«

»Tut fast gar nicht mehr weh«, sagte Miriam und genoss die milde Sommerluft, die in der jungen Nacht durch die Straßenschluchten wehte.

Aus der angriffslustigen Raubkatze wurde ein schüchtern dreinblickendes Kätzchen.

»Bin ich dir zu anstrengend?«

»Ich kann nicht genug davon bekommen, aber ich dachte immer, dass ich nicht der Typ bin, dem so etwas passiert.

«

»Na, wenigsten denkst du nicht, dass du dachtest. «

Sven lachte nickend, blieb stehen und legte seine Hände auf ihre Wangen. Miriam schloss ihre Augen und genoss seine Lippen auf ihren. So bedächtig und gefühlvoll war sie noch nie geküsst worden. Ihre Knie wurden weich, sie schlang ihre Arme um seinen Oberkörper, machte einen Satz und umklammerte seine Hüften mit ihren Beinen. Sven taumelte, hielt das Gleichgewicht und trug Miriam, die wie ein Klammeraffe an ihm hing.

Sie presste sich fest an ihn und fühlte seine Arme zupackend auf ihrem Rücken — die Umarmung war schmerzhaft intensiv.

»Hast du so etwas schon einmal erlebt?«, fragte sie mit zitternder Stimme.

»Nein. Zumindest noch nicht angezogen und auf offener Straße. «

»Ich will die Skulpturen sehen, die du baust!«

»Ich weiß. «

***

Das Taxi hielt am Rand einer Ausfallstraße, die zu den Vororten der Großstadt führte.

Dem Taxifahrer bereitete die Hinterhofatmosphäre sichtliches Unbehagen. Sven bezahlte und führte Miriam zu einer heruntergekommenen Tankstelle, vor der einige Gebrauchtwagen standen, mit großen Preisschildern in den Windschutzscheiben. Hinter dem Verkaufsraum der Tankstelle schob er ein rostiges Eisentor auf.

»Gehört alles meinem Onkel. Du musst keine Angst haben, ich bin hier quasi aufgewachsen. «

»Ich habe keine Angst«, sagte Miriam und huschte durch das offene Tor, darauf bedacht, ihr Kleid nicht an einem abstehenden Draht des Zauns aufzureißen.

In dem schummrigen Licht der Straßenlaternen sah sie einen Schrottplatz, trostlos und verkommen, aber zugleich eine Spielwiese für Bastler und Kreative. Sven führte sie in eine Werkstatt, die vor vierzig Jahren topmodern gewesen war, und schaltete das Neonlicht an.

»Cool!«, sagte Miriam und ließ den Mund erstaunt offen. Sie stand vis-à-vis zu einem großen Käfer aus Stahl. Die bedrohlich aufragenden Flügel bestanden aus der gespaltenen Motorhaube des gleichnamigen Autos. Die sechs Beine aus gebogenen Auspuffrohren kamen der Anatomie dieser Insekten erstaunlich nahe und der detailverliebte Kopf bestand aus unzähligen zusammengeschweißten Sechstkantmuttern.

Andächtig lief sie an dem Käfer vorbei und entdeckte eine Biene mit einem Hinterleib aus überlappenden Motorradschutzblechen. Daneben erhob sich eine übermenschengroße Gottesanbeterin, deren Bestandteile sie nicht mehr ihrem Ursprung zuordnen konnte.

»Die ist supercool«, sage Miriam, nachdem sie die Exponate mehrmals umrundet hatte, und zeige auf die Gottesanbeterin.

»Mein jüngstes Werk. Ich habe versucht, nicht nur Schrott zusammenzuschweißen, sondern etwas wirklich Neues zu schaffen. «

»Das ist Dir gelungen«, sagte Miriam bewundernd, sah den Stolz in Svens Augen und freute sich für ihn.

Ihre strahlenden Augen senkten sich, als Sven eine Flasche Sekt hinter seinem Rücken hervorzauberte.

»Oh, für mich bitte nicht. «

»Du stehst zu deinem Null-Promille-Grundsatz«, sagte Sven und stellte die Flasche zur Seite.

»Es ist nicht böse gemeint, ich möchte nur kein Risiko eingehen«, versuchte Miriam zu erklären und glaubte, alles noch schlimmer zu machen, weil Sven nichts von dem Risiko wusste.

»Hat es etwas damit zu tun, dass du anstatt Telefonnummern gleich komplette Mobilfunkverträge verschenkst?«, fragte Sven verschwörerisch. Er legte seine Arme auf ihre Schultern, zog sie zu sich heran und gab ihr einen zärtlichen Kuss.

Miriam blickte verlegen zu Seite, brachte den Mut auf, ihm in die Augen zu sehen und flüsterte: »Kann ich das alles später erklären, wenn… «

Er verschloss ihre Lippen mit einem weiteren Kuss und flüsterte ebenfalls, um die geheimnisvolle Stimmung aufrechtzuerhalten: »Ich will es noch nicht wissen.

Vielleicht ist mir die Erklärung zu banal und im Moment machen mich diese ganzen Details total an. «

Sie legte ihren Kopf an seine Brust und lächelte erleichtert. Umringt von bizarren Wesen aus Stahl im Schein des kalten Neonlichtes fühlte sie seine Körperwärme und empfand wohliges Glück.

»Können wir irgendwohin gehen, wo es etwas gemütlicher ist?«, fragte Miriam.

»Ich habe die obere Etage eines Fünfsternehotels für den Rest der Woche reserviert, aber wenn du willst, können wir es uns auch nebenan gemütlich machen«, sagte Sven und schaffte es nicht, die gespielt beiläufige Gelassenheit aufrechtzuerhalten, als ihn Miriam anlachte.

»Wo ist denn nebenan?«

*

Neben der Werkstatt war ein unerwartet gemütlicher Raum, in dem unter anderem ein frisch bezogenes Bett stand.

»Wohnst Du hier?«, frage Miriam und schaute sich um.

»Nur, wenn ich es zu Hause nicht aushalte, was immer öfter vorkommt, seit mein Vater arbeitslos ist. «

Sie erkannte das Skateboard, auf dem sie durch den Park gerollt waren.

Es lehnte an der Wand neben einem Surfbrett und einem Snowboard.

»Ich mag Brettspiele«, sagte Sven und schlang seine Arme von hinten um ihren Bauch, legte seinen Kopf auf ihre Schulter und küsste ihren Hals unterhalb der Ohrmuschel.

Sie drehte sich in seinen Armen, um ihn besser küssen zu können, fühlte seine großen Hände auf ihrem Po und genoss den festen Griff. Mit krabbelnden Fingern zog er den Saum des Kleids nach oben, während sie sich küssten.

Dann krallte sich Sven besitzergreifend in ihre nackten Pobacken. Sie schmeckte seine Küsse und ließ ihre Hüfte kreisen, während er ihren Po massierte. Mit einer Hand öffnete Sven den seitlichen Reißverschluss ihres schulterfreien Kleides und tastete sich unter dem Stoff zu ihren Brüsten vor. Miriam stand reglos vor ihm und genoss es erobert zu werden – irgendwie zumindest.

»Stimmt etwas nicht?«, fragte Sven nach einem langen Kuss, währenddessen ihm die Passivität seiner Partnerin aufgefallen war.

Miriam blickte ihn scheu an und nickte: »Doch, doch, ich will nur nichts falsch machen und jetzt habe ich wohl schon etwas falsch gemacht, sonst würdest du nicht fragen. «

So einfühlsam wie möglich sagte Sven: »Ich will dich zu nichts drängen. Ich dachte nur, du hast … Erfahrung?«

»Jaja, natürlich habe ich die. «, antwortete Miriam und lachte etwas überdreht, wodurch der Inhalt ihrer Aussage auch als das genaue Gegenteil interpretiert werden könnte.

»Wir haben alle Zeit der Welt und wenn es dir heute zu schnell oder zu weit geht, sagst du einfach Stopp – O. K. ?«

»Du bist süß«, sagte Miriam. Sie stand in ihrem halb geöffneten Kleid vor Sven und wirkte geradezu zerbrechlich schön, wie eine Porzellanfigur.

»Ich helfe dir aus der Hose, O. K. ?«, sagte Miriam und ging vor ihm auf die Knie.

Sie öffnete die Hose und zog sie mitsamt der Boxershorts bis zu seinen Knöcheln runter. Mit einer Hand umgriff sie den erigierten Schaft und die andere Hand formte sie zu einer Schale, mit der sie seine Hoden umschloss und sanft massierte. Die Eichel wuchs aus der Vorhaut hervor und wurde von Miriam liebevoll geküsst. Ihre Zungenspitze spielte mit dem Hautbändchen, dass die Vorhaut mit der Eichel verband und sie riskierte einen Blick nach oben.

Sven schaute mit verklärtem Blick zu ihr runter und sagte: »Du bist wahnsinnig gefühlvoll, gib du das Tempo vor. «

Die Leidenschaft einer Raubkatze blitzte in ihren Augen auf. Sie sprang auf, stieß ihn aufs Bett und setzte sich mit hochgeschobenem Kleid auf seine Beine. Sven war kurz irritiert, fing sich und nutzte seine freien Hände, um ihren Oberkörper gänzlich von dem offenen Kleid zu befreien. Er zog den Stoff, der nur noch von dem breiten Gürtel am Körper gehalten wurde, nach unten bis zu ihrem Bauchnabel und griff nach den prächtigen Titten.

Er wagte nicht zu fragen, ob die echt waren, aber er sah keine Narben und es fühlte sich echt ECHT an.

»Wenn es dir zu schnell oder zu weit geht, sagst du einfach Stopp – O. K. ?«, hauchte Miriam als liebevolle Retourkutsche auf seinen vorherigen Vorschlag und zog das feuchte Stoffdreieck, dass sich an ihre haarlose Muschi schmiegte zur Seite.

»Stopp!«, rief Sven, als sich Miriam auf seinen aufgerichteten Schwanz setzen wollte.

Er fischte ein Kondom unter dem Kopfkissen hervor. Miriam blickte irritiert, die unverhohlene Leidenschaft in ihrem Gesicht wurde von unterschwelliger Ablehnung verwässert.

»Ich nehme die Pille, wir brauchen kein Kondom«, log sie, als Sven die Packung aufriss. Es wäre zu kompliziert, zu erklären, dass sie ihre Körperfunktionen ohne Hormongaben kontrollieren konnte.

»Ich weiß«, sagte Sven und zog das halbtransparente Kondom aus der Packung, »Du hast auch kein AIDS, genau so wenig, wie ich.

«
Ihr Immunsystem fand das AIDS–Virus allenfalls interessant, aber wie sollte sie das jetzt erklären? Er setzte die Latexmütze an seiner prallen Eichel an und rollte den Wulst nach unten.

Miriam nickte resigniert. Saver Sex war so tief in den Köpfen ihrer Generation, dass sie Sven aus dem menschlichen Blickwinkel zustimmen musste. Gleichzeitig empfand sie es als tragisch, dass sie ausgerechnet durch einen hauchdünnen Latexfilm von ihm getrennt wurde.

Die sanft zupackenden Hände an ihren Brüsten rissen sie aus ihrer Lethargie. Sie massierte die gummierte Eichel mit den Fingerkuppen, bis das Flehen in Svens Augen glaubhaft war. Dann hob sie ihr Becken, rutschte über seine Körpermitte und fühlte die heiße Spitze zwischen ihren Schamlippen. Langsam nahm sie auf dem Schwanz Platz, schnickte ihre Haare über die Schultern, und stützte sich mit den Händen neben Svens Oberkörper ab. Sie spürte ihn tief in sich und ließ ihr Becken genüsslich kreisen, aber den wirklichen Kick gab ihr Svens dankbar berauschter Blick.

Sie lächelte ihn an, er lächelte zurück.

In einer Hinsicht war es für Miriam das erste Mal. Dabei ging es nicht um den Akt an sich oder den (verminderten) Austausch von Körperflüssigkeiten, sondern um den körperlichen Ausdruck eines emotionalen Zustandes, den die Menschen Liebe nannten. Ein Aspekt der in ihrem bisherigen Leben zu kurz gekommen war und der aus diesem Abend mit Sven etwas einmaliges machte. Eine Erfahrung die nur durch das Mädchen Miriam und nicht durch die Königin möglich war.

Die Liebe der Königin war universell, absolut und nicht hinterfragbar. Die Liebe des Mädchens galt einzig Sven und war von seiner Erwiderung abhängig. Ein hauchdünner Faden den beide halten mussten, ohne ihn dabei zu zerreißen.

»Alles O. K. ?«, fragte Sven und rollte ihre Nippel, bis Miriam von dem leichten Ziehen aus ihren Gedanken gerissen wurde.

»Perfekt!«, hauchte sie und erinnerte sich an den Ritt auf dem großen Vogel.

Sie versuchte, die wippenden Beckenbewegungen nachzustellen und entlockte Sven ein sanftes Stöhnen. Ausdauernd hielt sie das Tempo und genoss die Stöße, das Kneten ihrer Brüste und Svens glückseligen Blick, der sich überwiegend auf ihre Brüste richtete.

Durch das Kondom spürte Miriam lediglich einen harten Penis in ihrem Unterleib, die üblichen Informationen, die sie von einem nackten Schwanz empfing, blieben ihr verborgen. Die Stöße erregten sie, aber Svens Gestik und Mimik zu beobachten – zu sehen, was sie im Rahmen ihrer menschlichen Möglichkeiten bewirken konnte, war ungemein erregender.

Sie ritt den jungen Hengst unaufhaltsam dem Abgrund entgegen und er genoss es, japste vor Freude und konnte gar nicht genug von ihren Titten bekommen. Sie legte ihre Hände auf seine und drückte fester zu, die Nippel brannten, Sven verstand und rollte die Knospen härter. Selbstvergessen wechselte Miriam in den gestreckten Galopp, hieß die weit ausholenden Stöße willkommen und ergötzte sich am feuchten Klatschen von Fleisch auf Fleisch, ohne dabei Rücksicht auf den Hengst zwischen ihren Beinen zu nehmen.

Eine bockende Bewegung und kräftige Arme warfen sie aus dem Sattel. Mit Schwung landete sie neben Sven auf der Matratze und riss die Augen auf. Er steckte noch ein Stück in ihr und sie fühlte die pumpenden Bewegungen. Leider bekam sie nichts von dem Sperma ab. Miriam streichelte liebevoll über Svens Gesicht, während sich sein Leib ein letztes Mal schüttelte. Atemlos öffnete er die Augen und blickte in das schönste Gesicht der Welt, zumindest konnte er sich bei seiner aktuellen Gefühlslage nichts Schöneres vorstellen.

Miriam fuhr verspielt mit der Fingerspitze über seinen Nasenrücken, folgte der geschwungenen Augenbraue und streichelte über die Wange.

Das Blut kehrte langsam in Svens Gehirn zurück. Er wollte etwas sagen, Miriam aber legte einen Finger auf seine Lippen und küsste ihn auf die Nasenspitze. Mit der freien Hand öffnete sie den breiten Gürtel, um aus ihrem Kleid schlüpfen zu können.

»Kannstdudieschuhebitteanlassen?«, seufzte Sven benommen.

»Ich hatte gar nicht vor, die Schuhe auszuziehen …, soll ich den Gürtel auch wieder anziehen?«

Sven richtete seinen nackten Oberkörper auf, schälte sich aus seiner Jeans, die um seine Füße schlabberte, und blickte erstaunt zu Miriam.

Die lag, abgesehen von den Pumps, nackt neben ihm und schloss den breiten Lackgürtel wieder um ihre schmale Taille.

»Ich bin definitiv nicht der Typ, dem so etwas passiert«, sagte er, überwältigt von ihrem Anblick.

»Und wenn doch?«, fragte Miriam. Dabei legte sie den Kopf auf seine Brust und schaute ihm verliebt in die Augen.

»Dann habe ich auch mal Glück, ich hoffe das Gleiche für dich.

«

»Mach dir bitte niemals Sorgen um mich«, bat ihn Miriam.

»Wie meinst du das?«

»Wie ich es sage: Mache dir niemals Sorgen um mich. O. K. ?«

»Dieses Versprechen kann ich dir nicht geben. «

Miriam schloss ihre Augen. Sie nahm es Sven nicht übel, er konnte es nicht verstehen, und sie wollte es nicht erklären — nicht jetzt.

Seine Hand kraulte ihren Nacken, während der Schlaf seine sanfte Decke um die beiden hüllte.

*

Miriam schlief einen seichten, unruhigen Schlaf und erwachte mit einem krampfenden Schmerz im Unterleib. Ihr war schwindelig und kalter Schweiß stand auf ihrer Stirn. Sie kannte diese Symptome, aber eigentlich konnte es nicht sein, denn sie hatte in letzter Zeit ausreichend Sperma zu sich genommen. Allerdings war ihr Bedarf durch V`nyx den IV.

größer als sonst und vielleicht fühlte sich ihr Körper schlichtweg betrogen, wegen dem Sex mit dem Kondom, bei dem sie leer ausgegangen war. Ein neuer Krampf in ihrem Unterleib erreichte seinen Höhepunkt und sie versuchte, nicht zu schreien. Mit verschwommenem Blick sah sie das benutzte Kondom am Fußende des Betts auf dem Boden liegen. Sie krabbelte über Sven, darauf bedacht, ihn nicht zu wecken, und hüpfte aus dem Bett. Die Absätze der Pumps knallten auf den Holzfußboden, Sven grunzte im Schlaf.

Verstohlen wie eine Ladendiebin, griff sie nach dem Kondom und blickte zu Sven — er schlief. Sie hielt das Kondom in ihren Händen, um den Inhalt wenigstens etwas zu erwärmen. Ein neuer Krampf kündigte sich in ihrem Unterleib an. Wenn sie nicht schon auf dem Boden gekauert hätte, müsste sie sich spätestens jetzt mit gekrümmten Rücken hinsetzen. Im Anbetracht der Schmerzen war diese Medizin nicht mehr bitter. Sie hielt die offene Seite des Kondoms an ihren Mund und streifte das handwarme Sperma vom geschlossenen Ende zur Öffnung.

Der nicht mehr frische Geschmack war ihr jetzt egal und die für sie wichtigen Moleküle waren glücklicherweise noch in einem annehmbaren Zustand.

Miriam fühlte eine wohlige Entspannung in ihrem Inneren. Sie streifte ein zweites Mal mit ihren Fingern über die schlaffe Latexhülle, um die letzten Reste zu erhaschen. Ein dezentes Räuspern ließ sie erschrocken zusammenzucken. Sven richtete sich verschlafen auf und verstand erst langsam, was er sah.

»Ich steh da drauf«, murmelte Miriam verlegen, mit räudigem Unterton.

Sven wusste aus dem Internet, dass es für ALLES einen Fetisch gab und murmelte: »Solange du nicht mit Scheiße spielst … «

»Mach ich nicht«, versprach Miriam. Sie hockte am Fußende des Bettes und strich sich beschämt über die Schienbeine.

»Darf ich wieder ins Bett kommen?«

»Ja«, sagte Sven und reichte ihr eine Wasserflasche, »Trink einen Schluck. Bei frischem Sperma kann ich es ja verstehen, aber nach ein paar Stunden …«

»… ist es eklig«, gestand Miriam, »ich hab mich vorhin nur nicht getraut.

«

Sie richtete sich auf, nahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche und spülte ihren Mund übertrieben gründlich aus. Es war ihr schon peinlich genug und Sven sollte sich nicht vor ihr ekeln.

Sven lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen im Bett und sah Miriams Silhouette, als sie einen weiteren großen Schluck aus der Wasserflasche nahm und dabei ihren schlanken aber kurvenreichen Körper aufreizend in die Länge reckte.

Er verzieh der nackten Schönheit bei diesem Anblick alle zukünftigen Sünden. Sie krabbelte im Bett über ihn drüber und legte sich neben ihn, wirkte aber verkrampft.

»Was ist?«, fragte er und drehte sich auf die Seite, um ihr Gesicht streicheln zu können. Miriam starrte die Decke an und holte tief Luft: »Mir ist das peinlich. «

»Das ist schon O. K., ich verstehe nur nicht, was dich an kaltem Sperma in einem Kondom antörnt.

Du hast selbst gesagt, dass es eklig schmeckt. «

»Ja, aber ich habe das jetzt gebraucht, sonst wäre etwas Schlimmes passiert«, sagte Miriam. Ihre Anspannung stieg ins Unerträgliche. Sven verzog den Mund skeptisch, es war offensichtlich, dass er mit ihrer Aussage nichts anfangen konnte.

»Ich bin die Königin einer außerirdischen Lebensform und mein Organismus benötigt von Zeit zu Zeit Sperma«, sagte Miriam gepresst, als würde ihr dieses Geständnis Schmerzen bereiten.

Ihre Anspannung wich einer aufflammenden Panik vor Svens Reaktion. Sie überlegte, ihre Sachen aufzusammeln und zu gehen, bevor er sie rausschmiss. Sie würde einige Zeit leiden, aber Beziehungen zerbrachen Täglich zu tausenden auf dieser Welt – so war das nun mal.

»Das ist ja mal richtig geil!«, sagte Sven anerkennend.

»Ach ja?«, hakte Miriam erstaunt nach, ihr Brustkorb bebte und das Blut rauschte am Rande einer Panik in ihren Ohren.

»Ja«, bestätigte Sven und strich sanft über ihre großen Brüste, die Brustwarzen zogen sich hart zusammen, als hätten sie mit der Gefühlslage ihrer Besitzerin nichts zu tun.

»Ich schwanke zwischen Raumschiffkapitän und Rockstar. Manchmal überlege ich, ob es einen Rockstar geben kann, der zugleich ein Raumschiff kommandiert, aber ich glaube, die große Verantwortung passt nicht zu dem exzessiven Drogenkonsum«, sinnierte Sven. Miriams Anspannung entlud sich in einem herzhaften Lachen.

Ihr Kreislauf war noch auf eine Panik eingestellt und für einen Moment wusste sie ihre Reaktion selbst nicht einzuschätzen. Sven hatte ihr Geständnis zwar gründlich missverstanden, aber der Kerl war vielleicht verrückt genug, um die Wahrheit tröpfchenweise zu ertragen.

»Fliegen macht doch zugedröhnt doppelt so viel Spaß«, prustete Miriam und schlang ihre Arme um ihn.

»Ein Alien und dann auch gleich die Königin«, flüsterte Sven kopfschüttelnd, als ginge es darum, die überbordende Fantasie eines Kindes zu zügeln.

»Wenn dann richtig«, murmelte Miriam mit kindlicher Stimme. Sie küssten und streichelten sich mit geschlossenen Augen, bis die Bewegungen träge und die Atmung flacher wurden. Nackt und eng aneinander gekuschelt schliefen sie wieder ein.

Keine Kommentare vorhanden