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Wenn die Nachtigall erwacht 02

Originaltitel:fear of the dark

Ein heller Streifen Sonnenlicht drang durch einen Spalt in der Jalousie und zog sich quer über Miriams Gesicht. Blinzelnd erwachte sie und wollte ihre Hand schützend vor die Augen halten. Die Bewegung ihres Arms wurde von dem Latexkokon, der ihren Körper umschloss, verhindert. Miriam rollte sich träge zur Seite und ertastete ihren erwachenden Körper. Sie gurrte vor Lust, als ihr die beengende Situation bewusst wurde, und schob ihre Hand zwischen die zusammengepressten Beine.

Glatt, glitschig und warm von den Fußspitzen bis zum Hals — heiß zwischen den Schenkeln. Ihr Zeigefinger fuhr über den Venushügel, tauchte in den Ansatz ihrer Spalte und kreiste um den pochenden Kitzler.

Sie formte einen schmachtenden Kussmund und schloss ihre Augen. Das satte Blau ihrer Lippen schimmerte mit feuchtem Hochglanz im eindringenden Sonnenlicht. Der verführerisch ausgeprägte Amorbogen entspannte sich in einer hauchzarten Bewegung, begleitet von einem kaum hörbaren Schmatzen.

Ihre Lippen öffneten sich und bildeten ein verlockendes Oval. Im entspannten Zustand stand dieser Mund offen, lockte mit aller Macht, die optisch vermittelbar war, nach Zuwendung, nach Penetration. Er gierte nach heißem Sperma, im Austausch für Sinneserfahrungen, die in keinem Verhältnis zur geleisteten Spende standen.

Geschmeidig fließend, wie die Kopfbewegung einer Schlange, schob sich ihre glatte schwarze Zungenspitze durch den Lippenspalt, leckte über die Wölbungen und hinterließ kleine Tröpfchen, wie Morgentau auf hochglanzpoliertem blauem Lack.

In einem lang gezogenen Ausruf höchster Erregung bäumte sich ihr stramm umhüllter Körper auf. Ihr Becken zuckte und sank zurück auf die Matratze. Die Fingerkuppe umkreiste ihren Kitzler ein letztes Mal, kam zur Ruhe und verharrte zwischen den zusammengepressten Beinen. Miriam genoss die abklingenden Wellenschläge in ihrem Leib, ihr Durst nach Sperma war keineswegs gestillt, die Flammen schlugen höher als zuvor.

Widerwillig schälte sie sich aus dem Kokon und fühlte bei jeder Bewegung einen kühlenden Lufthauch auf ihrer ölig glänzenden Haut.

Von dem guten Liter Babyöl war nur noch ein leichter Film auf der Innenseite des Kokons übrig, den Rest hatte ihre Haut über Nacht aufgenommen, sie glänzte in saftigem Schwarz. Miriam legte ihre Hände auf die straffen Brüste und griff fest zu. Das stramme Fleisch entglitt ihr, sie bekam nur die hart emporstehenden Knospen zu greifen und schloss ihre Augen mit sinnlichem Genuss, um das spitze Ziehen zu genießen.

Sie schob ihre Beine aus dem Bett.

Mit einem verträumten Blick betrachtete sie ihre Füße, neigte den Kopf zur Seite und schloss kurz die Augen, um sich ein verspieltes Detail ins Bewusstsein zu rufen. Als sie den ersten Schritt aus dem Bett machte, hallte das helleKlackeines hohen Absatzes auf dem Boden. Es waren ihre Absätze, die da verführerisch über den Boden nagelten, nicht die Absätze irgendwelcher Schuhe. Anstatt der zierlich geballten Ferse ragte ein nach innen gewölbter Kelch dem Boden entgegen und lief in einem fingerdicken blauen Absatz aus.

Ihre Zehen mit den dunkelblauen Nägeln standen fest auf dem Boden, ein Großteil ihres Gewichts lastete auf den Fußballen. Die Mittelfüße ragten steil empor und wurden von den zwölf Zentimeter hohen Absätzen gestützt.

In der ganzen Pracht ihrer Erscheinung schritt sie nackt, auf hohen Hacken, durch ihre Unterkunft. Auf dem Weg zur Küche blickte sie durch die offene Tür in den Raum, in dem der Pflanzkübel stand — und erstarrte in der Bewegung.

Aus der Oberseite der Datenkapsel, die sie erst vor einigen Stunden eingepflanzt hatte, ragte ein kurzer fleischiger Stiel mit einer handtellergroßen, orangefarbenen Blüte.

»Fuck!«, keuchte Miriam und erkannte den Grund für ihren ungewöhnlich großen Spermadurst: In ihrer Abstellkammer wuchs ein Cerebrat!

»Fuuuuck!«, rief Miriam, als ihr bewusst wurde, was das für Konsequenzen haben würde. Mit hastigen Schritten eilte sie aus dem Raum und führte ein Selbstgespräch: »Ist doch klar! Wenn man die Dinger in feuchte Erde steckt, schlagen sie Wurzeln, dann wählen sie ihre pflanzliche Erscheinungsform.

Warum habe ich gestern nicht daran gedacht, als ich ihn einpflanzte?«

Miriam legte im Moment der Erkenntnis ihre Hand auf die Stirn. Sie hatte zwar der unmittelbaren Verlockung dieser Datenkapsel widerstehen können, war ihrer Macht dann aber doch erlegen — zumindest auf einer subtilen Ebene.

In der Küche stand ein großer Stickstoffbehälter, in dem sie eine Notration an Sperma lagerte. Sie öffnete den Deckel und weiße Stickstoffschwaden waberten über ihre klavierlackschwarzen Arme.

Miriam war durchaus in der Lage, ihren Spermabedarf aus eigener Kraft zu decken. Dennoch bevorzugte sie es, einen Notvorrat zu besitzen. Das Schwierigste war die Beschaffung des Behälters gewesen, den Stickstoff und die Spermaproben konnte man im Internet bestellen.

Miriam zog eines der Fläschchen aus dem flüssigen Stickstoff. Sie hielt die Spermaprobe mit den Spitzen ihrer Fingernägel, um sich keine Erfrierungen an den Fingern zu holen und stellte es vorsichtig auf die Küchentheke.

Dann suchte sie eine weitere Substanz, die in der hinteren Ecke ihrer Küche stand. Nach kurzer Zeit kam sie zurück in den Raum, in dem V’nyx der IV. die Strahlen der aufgegangenen Sonne genoss. Miriam wusste nicht warum sie den Namen des Wesens kannte. Diese Information war plötzlich da, hielt sie aber nicht von ihrem Vorhaben ab.

Sie stellte eine große Flasche Chlorreiniger und das kleine Fläschchen mit dem tiefgefrorenen Sperma auf den Boden neben dem Kübel.

Dann baute sie sich selbstbewusst vor der Blüte auf, stemmte eine Hand in die Seite und belastete das gegenüberliegende Bein.

»Siehst Du das?«, fragte sie provokant und zeigte auf ihre Lippen, »die sind blau!«

Die Blüte drehte sich ein Stück zur Seite, zeigte Miriam im Rahmen ihrer Möglichkeiten die kalte Schulter und provozierte die Blaue Königin damit erneut.

Mit dem Finger, der in einem königsblauen spitzen Nagel auslief, zeigte sie erst auf den Chlorreiniger, dann auf die Spermaprobe.

»Du kannst dir aussuchen, womit ich dich füttere. Wenn du auf deiner orangen Farbe beharrst, wird es deine letzte Mahlzeit sein. «

Die Blüte schloss sich zu einer tropfenförmigen Knospe.

»Du musst nicht gleich einschnappen, denk über mein Angebot nach!«, sagte Miriam und kniete sich neben den großen Blumentopf.

Die Blüte öffnete sich wieder und ließ ihre Blattspitzen rhythmisch kreisen.

Miriam beobachtete den pulsierenden orangefarbenen Stern und kam langsam näher. Die wabernden Konturen der Blüte nahmen ihr gesamtes Sehfeld ein — so etwas Faszinierendes hatte sie noch nie mit ihren Augen gesehen. Höchstens in der visionären Welt ihrer Art war ihr etwas Ähnliches begegnet — damals, als sie noch über die Fähigkeit verfügte, diese Welt sehen zu können. In einer Bewegung, schneller als ein Wimpernschlag, huschte die Blüte vor und schmiegte sich an Miriams Gesicht.

Der kleine Stempel, der in der Mitte hervorragte, schob sich sanft zwischen ihre Lippen. Miriam fühlte die Blattspitzen auf ihren Wangen. Das Pflänzchen war noch schwach, sie könnte sich losreißen, aber gerade weil sie sich überlegen fühlte, verharrte sie mit gespitzten Lippen.

‚Blaue Königin, hm?‘, sagte die Stimme, die in Miriams Kopf ertönte. Die Stimme klang dunkel und etwas knorrig.

‚ … Blinde Königin — dumme Königin!‘, in der Stimme schwang eine herablassende Überheblichkeit, die sich Miriam nicht länger gefallen lassen wollte.

Sie versuchte, sich der schwachen Umklammerung zu entziehen, als sie einen dumpfen Schmerz in ihrem Hals spürte. Die Blüte löste sich von ihr, aber der Schmerz in ihrem Hals wurde schlimmer. Ihr Kehlkopf brannte, sie rang um Atem und verlor das Bewusstsein.

*

Miriam glaubte zu träumen: Vor ihrem inneren Auge sah sie einen gierig lockenden Mund mit satt orangefarbenen Lippen, ähnlich ihren eigenen, wenn der Durst überhandnahm.

Für einen normalen Traum waren die Farben zu kontrastreich. Ihre Träume erlebte sie nur in Pastelltönen oder als schwarz-weiße Stummfilme. Dieses Bild war gestochen scharf, so wie sie es aus ihren Erinnerungen kannte, als sie noch Zugang zu der visionären Welt ihrer Art hatte.

‚Ich kann wieder sehen!‘, dachte Miriam.

‚Ja, du kannst wieder sehen‘, sagten die orangefarbenen Lippen.

Miriam öffnete die Augen und schaute sich um.

Sie kniete vor der kleinen Blüte in der Abstellkammer und streichelte sich nachdenklich über ihren Hals hinter der zierlichen, eng anliegenden Ohrmuschel. Dank V’nyx dem IV. war sie wieder in der Lage, die bildliche Gedankensprache ihrer Art zu empfangen. Sie streifte mit der Hand vom Ohr hinab zur Kehle, ungefähr an die Stelle, an der ihr neu gewachsener kontemplativer Cortex saß. Das Gewebe umgab ihre Schilddrüse, ohne die Konturen ihres schlanken Halses zu verändern.

Miriam lachte vor Freude.

»Oh mein Gott! Ich bin wieder komplett!«

‚Ich habe Hunger!‘, vermittelte V’nyx der IV. telepathisch.

Miriam kniete vor dem winzigen Schössling eines Cerebraten und konnte mit ihm in Kontakt treten, wie es für ihre Art üblich war. Sie konzentrierte sich auf ihr inneres Auge und trat wieder in diese Welt ein, die ihr in den letzten Jahren nicht zugänglich war.

Die orangefarbenen Lippen erschienen erneut vor ihrem inneren Auge und öffneten sich flehend. Miriam ignorierte die bettelnde Geste und schaute tief in den vor ihr schwebenden offenen Mund. Wie durch ein ovales Tor konnte sie einen Blick auf die dahinter liegende Welt werfen und erkannte die bizarre Pflanzenwelt, die sie als junge Drohne so oft besucht hatte.

‚Ich würde gerne mal wieder einen Spaziergang durch diese Welt machen‘, dachte sich Miriam.

Die orangefarbenen Lippen schlossen sich und verwehrten einen weiteren Blick auf diese Welt.

‚Gib mir, was ich zum Leben brauche!‘, sagte V’nyx der IV.

»Erst, wenn du meine Farbe akzeptierst! Ich habe vor Jahren geschworen, mich niemals von Gemüse beherrschen zu lassen!«

Miriam legte einen Finger mit einem königsblauen Nagel auf die orangefarbenen Lippen und symbolisierte die blaue Dominanz.

Dann öffnete sie ihre Augen und sah das kleine Pflänzchen, das vor ihr in dem alten Blumentopf keimte, mit strengem Blick an.

»Überlege es dir«, sagte sie ermahnend und verließ den Raum, um zu frühstücken.

*

Haferflocken, Quark, eine Handvoll Zucker und klein geschnittene Erdbeeren türmten sich in der großen Plastikschale. Miriam verrührte die Zutaten, bis der Quark rosafarben schimmerte, und leckte den großen Löffel genüsslich ab.

Sie liebte diesen Geschmack und nahm an ihrem Küchentisch Platz. Während des Essens packte sie ein nagelneues Handy aus und aktivierte eine jungfräuliche Sim-Karte, um ihre E-Mails abzufragen. Ihr Verschleiß an Mobilfunkgeräten und Prepaidkarten war enorm. Aber nach dem gestrigen Vorfall nahm sie sich vor, noch vorsichtiger zu sein.

Ihr E-Mail-Postfach war leer, es war auch keine neue Spam-Mail vorhanden. Nachdenklich kratzte sie die Reste in der Schüssel zusammen und fragte sich, ob sie in eine Falle getappt war.

Sie überlegte, ob sie eine Antwortmail an die kryptische E-Mail-Adresse schicken sollte. Aber was sollte sie schreiben? Ihre schweren Gedanken verflogen, als ein enormer Penis vor ihr emporragte. Die vor Lust tropfende Eichel berührte fast ihre Nase und begann zu pumpen. Der erste ergiebige Schub spritzte ihrem Gesicht in Zeitlupe entgegen, sie riss ihren Mund weit auf, darauf bedacht, jeden Tropfen zu erhaschen.

Bevor der Saft ihre Zunge berührte, verblasste die Illusion.

Die Frühstücksschale fiel vom Tisch, Miriam öffnete erschrocken ihre Augen und krallte sich an der Stuhllehne fest, um nicht auf den Boden zu fallen. Die Verwunderung schlug in Enttäuschung um.

»Das ist gemein!«, rief Miriam, »du hast mir die Fähigkeit des Sehens nur gegeben, damit du mich manipulieren kannst!«

‚Warum schreist du so?‘, fragte V’nyx der IV. telepathisch. Miriam sprang auf und ging in den Nebenraum. Sie sah eine orangefarbene Blüte, schüttelte den Kopf und drehte sich auf den Absätzen.

»Ich werde mich von dir nicht benutzen lassen«, sagte Miriam, als sie den Raum verließ.

Auf dem Weg in ihr Schlafzimmer wurde ihr bewusst, dass dieses kleine Pflänzchen gar keine andere Wahl hatte. Der Cerebrat war auf ihre Hilfe angewiesen.

‚Außerdem habe ich dir die Fähigkeit des Sehens geschenkt!‘, warf seine Stimme vorwurfsvoll ein.

»Scheiße! Kannst du meine Gedanken hören?«, fragte Miriam, während sie die Kleidung für den Tag zusammensuchte.

‚Ja, aber bald habe ich nicht mehr die Kraft dazu ‚, antwortete V’nyx der IV.

»Gut!«, sagte Miriam und schob ihren Kopf in den Raum, »dann überlege dir bis dahin, ob dir deine Farbe wichtiger ist als dein Leben. «

Nach dem Duschen schlüpfte sie in eine weiße Leinenbluse, zog eine zu Hotpants umfunktionierte, ebenfalls weiße Jeans an und schaute in den Spiegel: grüne Augen — passt; blonde, lange Haare — passt; heller Hauttyp — passt; Oberweite — passt; …

Sie ging die Checkliste für die kühle Blonde sorgfältig durch, so wie es ihr beigebracht wurde.

Obwohl diese Erscheinung ihrem menschlichen Ursprung am ähnlichsten kam, wollte sie keine Anfängerfehler machen. Routine war tödlich!

‚Wo gehst du hin?‘, fragte V’nyx der IV., als Miriam die Tür ihrer Behausung entriegelte.

»Ich gehe in die Stadt und mache, was Menschen halt so machen«, sagte sie und eilte in weißen Sneakers die Metalltreppe hinab.

***

Knapp zwei Stunden später befand sich Miriam auf einem Autobahnrastplatz.

Sie saß hinter dem Lenkrad eines 2014 er Ferrari F12 und drückte dem Autoverkäufer, der auf dem Beifahrersitz saß, die Hand auf den Mund. Sie trug weiße Stoffhandschuhe. Er schaute sie mit weit aufgerissen Augen an während sie ruhig zu ihm sprach: »Wenn sie jetzt rumzappeln oder sonst irgendwie die Nerven verlieren, gibt das hier eine riesen Sauerei. «

In seinen Augen spiegelte sich die nackte Panik. Was war das nur für eine Frau?

»Sie wollen das teure Auto doch nicht einsauen?«, fragte sie mit Nachdruck.

Er schüttelte den Kopf. Miriams Hand auf seinem Mund folgte den Bewegungen.

»Heben sie die Hände hoch, damit ich sie sehen kann«, sagte Miriam so höflich, dass es wie eine Bitte klang. Er hob die geöffneten Handflächen auf Augenhöhe. Seine Atmung ging flach und stoßweise.

»Gut«, sagte Miriam und zeigte mit dem Daumen über ihre Schulter, auf das fahrerseitige Türfenster, »Die Jungs da draußen sind vielleicht nicht so einsichtig wie sie.

Ich kümmere mich darum und was machen sie solange?«

»Nichts«, presste er durch schmalen Lippen.

»Richtig«, sagte Miriam und schenkte ihm das wertschätzende Lächeln, das ein kleiner Junger von seine Lehrerin erwarten konnte, wenn er etwas besonders gut gemacht hatte. Miriam drehte ihren Oberkörper von ihm weg und öffnete ihr Seitenfenster. Der Autoverkäufer beobachtete sie mit erhobenen Händen und fragte sich, wie es so weit kommen konnte.

*

Er hatte die Blondine mit den langen Beinen heute Morgen angesprochen, weil sie wie eine Raubkatze um den 2014 er Ferrari F12 geschlichen war, der unter dem Vordach des Verkaufssalons parkte, und weil sie die einzige Kundin war und weil ein rassiger Sportwagen eine perfekte Gelegenheit war, um mit einer Traumfrau ins Gespräch zu kommen, und weil sie ihn dabei ertappte, als er ihr auf den knackigen Arsch gestarrt hatte, während sie mit vorgebeugtem Oberkörper in das Fahrzeug spähte.

»Sie passen gut zu dem Wagen, wollen sie sich mal reinsetzen?«, sagte er mit verlegenem Seitenblick, nachdem sie ihn auf frischer Tat ertappt hatte.

Sie nahm das Angebot mit einem Lächeln an, schob ihre langen nackten Beine in den Fußraum, rutschte in den Ledersitz und streichelte mit den Fingerspitzen über den Lederbezug des Lenkrades. Er stieg auf der Beifahrerseite ein und reichte ihr weiße Stoffhandschuhe.

»Würden sie die bitte anziehen? Das weiße Nappaleder ist sehr empfindlich.

«

Die Blondine tat ihm den Gefallen. Die Sportsitze, das Lenkrad und große Teile des Interieurs waren mit weißem Leder überzogen. Das Fahrzeug war eine Sonderanfertigung nach Kundenwunsch und sollte noch diese Woche ausgeliefert werden.

»Und da geht er an«, sagte sie und zeigte auf den Knopf, der mit „Engine Start“ beschriftet war.

»Ja, aber nur wenn…«

Das kernige Röhren des V12 Motors ließ ihn verstummen.

»Geiler Sound«, rief sie ihm zu, während sie gefühlvoll mit dem Gaspedal spielte. Er sah trotz der großen Sonnenbrille das Strahlen in ihrem Gesicht.

»Ja«, antwortete er unsicher, »theoretisch könnte man jetzt los fahren, aber ich bitte sie…«

Das Auto machte einen Satz nach vorne, sie schaute abwartend zu ihm rüber. Er war für ein paar Sekunden sprachlos. Sie ließ das Auto zur Ausfahrt rollen und schoss mit quietschenden Reifen auf die Straße, die aus der Stadt herausführte.

»Das geht nicht!«, sagte er, nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, »wir können gerne eine Probefahrt vereinbaren, aber nicht heute und nicht mit diesem Wagen. «

»Was geht nicht?«, fragte sie unbeteiligt, als wäre sie mit ihren Gedanken gerade ganz wo anders gewesen. Der Tacho zeigte weit über hundert Stundenkilometer und die Ampel, der sie sich näherten, war rot.

»Schauen sie wenigstens auf die Straße«, flehte er, »an der Ampel wechseln wir die Plätze und ich fahre den Wagen zurück.

«

Kurz bevor der Wagen an der Ampel zum Stehen kam, sprang die Signalanlage auf Grün. Sie gab wieder Gas und bog auf die Autobahnauffahrt ab.

»Hinter uns waren Autos, ich kann ja nicht bei Grün stehen bleiben, sonst fährt uns noch einer hinten drauf«, sagte sie und peitschte mit weit über zweihundert an einer LKW – Kolonne vorbei. Einen PKW, der vor ihr auf der zweispurigen Autobahn deutlich langsamer fuhr, überholte sie rechts und zog dann wieder scharf nach links, um an der nächsten LKW – Kolonne vorbeizuschießen.

»Sind sie verrückt! Wie haben sie die Führerscheinprüfung bestanden?«

»Ich habe nie eine Führerscheinprüfung gemacht, aber ich habe es mir für die nächste Zeit fest vorgenommen. «

Er war zu jung für einen Herzinfarkt, aber die Gelegenheit wäre günstig gewesen. Mit offenem Mund starrte er sie an, während sie gelassen in dem weißen Ledersportsitz saß und mit ausgestreckten Armen das Lenkrad festhielt – natürlich mit den weißen Stoffhandschuhen, die er ihr gegeben hatte.

»Wissen sie«, sagte sie ruhig und schaute bei über 250 Stundenkilometern zu ihm herüber, »ich bin normal nicht so, aber in meinem Leben hat sich in letzter Zeit viel verändert. Ich will nicht sagen, dass es schlechter geworden ist, aber vieles ist neu für mich. «

»Egal was sie belastet, es gibt für alles eine Lösung. Dazu müssen wir aber zurück in die Stadt und…«

Seine seelsorgerischen Bemühungen erstarben, als sie auf die rechte Spur zog und hart bremste.

Sie verlangsamte den Boliden, bis er die gleiche Geschwindigkeit hatte, wie der Kleinbus, auf den sie aufmerksam geworden war. Mit einem Lächeln schaute sie aus dem Seitenfester ins andere Fahrzeug. Dem Schriftzug nach war es der Firmenwagen einer Gartenbaufirma. In dem Kleinbus drückten sich zwei junge Kerle die Nasen an den Seitenscheiben platt. Insgesamt waren vier vermeintliche Gärtner in Arbeitshosen und mit nackten, braungebrannten Oberkörpern auf den knallroten Ferrari mit der kessen Fahrerin aufmerksam geworden – es kam Stimmung auf.

Die Blondine schob ihre Sonnenbrille bis auf die Nasenspitze vor und zwinkerte ihnen zu, dann hupte sie und gab wieder Gas, um vor dem nächsten LKW auf die linke Spur ziehen zu können.

»Hübsche Kerle, oder?«

Der Autoverkäufer zuckte teilnahmslos mit den Schultern, sah das Hinweisschild für einen Rastplatz in wenigen Kilometern und sagte im Befehlston: »Sie werden auf diesem Rastplatz halten und dann übernehme ich das Fahrzeug.

«

»O. K. «

Sie gab dem italienischen Hengst noch mal die Sporen, knackte für wenige Sekunden die Grenze von 300 Stundenkilometern und stöhnte gepresst mit zugekniffenen Augen.
»Ist das geil!«, jubelte sie und zog dann vor einem LKW scharf nach rechts, bremste an und schoss mit unvernünftig hoher Geschwindigkeit auf die Abfahrt, die zu dem Rastplatz führte. Der Wagen driftete mit quietschenden Reifen in die ausgewiesene Parkfläche und kam im Schatten einer Baumgruppe zum Stehen.

Als der Motor verstummt war, schauten sie sich für einen Moment schweigend an. Es irritierte ihn, dass sie keinerlei Reue zeigte oder ihr Verhalten erklären wollte. Stattdessen streichelte sie mit den weißen Handschuhen über den Umfang des Lenkrads, als wäre es etwas lebendiges, dass ihre Zuneigung empfinden konnte.

»Fallschirmspringen ist noch geiler«, sagte sie in die angespannte Stille hinein und hauchte erregt aus. Dabei zupfte sie am kragenlosen V-Ausschnitt ihrer ärmellosen Bluse, als wäre ihr zu warm.

Er bemerkte, dass sie trotz ihrer üppigen Oberweite keinen BH trug und ihre Brüste auch ohne diese Unterstützung eine sehr gute Figur machten. Als er ahnte worauf dieses Theater hinauslaufen sollte, rutschte er unruhig auf dem weißen Ledersitz herum.

»Hören sie«, setzte er geschmeichelt an, »bis jetzt ist nichts schlimmes passiert. «

Sie neigte den Kopf zur Seite, brachte ihn damit zum Schweigen und schob die Sonnenbrille ins Haar.

»Und wenn etwas passiert? Nur eine Kleinigkeit …«

Ihr, mit weißem Stoff überzogener, Zeigefinger kreiste auf seiner Kniescheibe. Der dunkle Stoff seiner Hose bildete einen guten Kontrast zu ihrem Finger. Sein Lächeln wirkte unbefangen. Er schaute sich um und erkannte, dass sie an diesem sonnigen Vormittag die einzigen auf dem Rastplatz waren. Ihr Standort war von der Autobahn kaum einsehbar, dessen versicherte er sich mit einem Schulterblick, während der Reißverschluss seiner Anzughose geöffnet wurde.

Er schloss die Augen, rang mit seinem Gewissen und – verlor. Sie war geschickt. Obwohl sein Schwanz schon fast zu sperrig war, um im Sitzen aus der Unterhose befreit werden zu können, gelang es ihr, ohne ihm Unannehmlichkeiten zu bereiten. Mit weißen Handschuhen und dezent geschminkten Lippen verwöhnte sie seine Eichel in einem Minimalismus an Berührungen, dass die Sehnsucht nach mehr die größte Triebfeder wurde.

Die Zuneigung der Blondine und das edle Ambiente wirkten auf ihn wie ein Aphrodisiakum, oder es lang wirklich etwas in der Luft.

Sein Rohr ragte, zum Bersten prall, aus der Anzughose. Im Übermut der Erregung fragte er sich, ob seine risikofreudige Bekanntschaft zu mehr als einem Blow-Job bereit war. Die Saugreize und das spielerische Züngeln endete, als sie den Kopf hob und seinen Schaft an der Wurzel mit Daumen und Zeigefinger umgriff.

»Gestern Nacht ist etwas unglaubliches passiert«, sagte sie so unvermittelt, als sei es ihr eben erst Eingefallen, »ich weiß noch nicht, ob ich die Verantwortung übernehmen kann, oder ob ich es töten muss.

«

Der Autoverkäufer schaute sie erschrocken an. Wie eine frische Mutter sah sie nicht aus. Unmöglich, dass sie letzte Nacht ein Kind bekommen hatte, aber etwas in dieser Dimension musste es sein, sagte ihm seine Intuition. Sie festigte den Griff um seinen Schaft. Er spürte ein Zucken, das sich tief aus seinem Becken, bis in die Eichel fortsetzte. Sein Körper trieb unaufhaltsam auf diesen finalen Punkt der Entspannung zu, aber sein Verstand wurde mit Dingen konfrontiert, die dem zuwiderliefen.

»Ich kann mit niemandem darüber reden, selbst bei ihnen muss ich vage bleiben, aber wenn ich mich nicht Irgendjemandem anvertraue platze ich irgendwann. «

Bei ihm platzte auch gleich etwas. Und das in dem, mit weißem Leder ausgekleideten, Luxusfahrzeug eines Kunden!

Sie wischte sich eine Haarsträhne anmutig hinter die Ohrmuschel und gestand: »Es lebt, aber es ist noch schwach. «

Er riss die Augen panisch auf.

Höchste Erregung und der nackte Horror mischten sich in seinem Hirn zu einem Gefühlscocktail, den er noch nie gekostet hatte.

»Sie müssen keine Angst haben«, sagte sie besänftigend.

»Was wollen sie? Nehmen sie das Auto, aber lassen sie mich in Ruhe. Bitte!«

Während er das sagte lief der erste Lusttropfen träge über seine Eichel, er fühlte den Tropfen am gespannten Hautbändchen entlang fließen und stöhnte unterdrückt.

Als es an der fahrerseitigen Tür Klopfte, schrie er erschrocken auf. Miriam erkannte das neugierig in den Wagen blickende Gesicht. Es war einer der Gärtner und seine drei Kollegen gesellten sich belustigt zu ihm. Sie presste ihre Hand auf den Mund des Autoverkäufers und machte ihm bewusst, dass er die Nerven behalten musste, um das edle Interieur vor den Folgen eines unkontrollierten Samenergusses zu bewahren. Als er das eingesehen hatte, richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf die vier Gärtner.

Mit der Sonnenbrille auf der Nase öffnete sie die Seitenscheibe und schaute sich die Prachtkerle an. Sie sah aufgesetztes männliches Gehabe mit einer großen Portion Schadenfreude und eine vage, aber durchaus ernstgemeinte, Hoffnung auf ein wenig Spaß.

»Hat es gemundet?«, fragte einer der vier Kerle provokant. Miriam grinste breit unter ihrer Sonnenbrille, schaute kurz zu dem, vor Angst erstarrten, Autoverkäufer mit der imposanten Erektion und erklärte selbstbewusst: »ich lasse ihn noch ein bisschen schmoren, dann wird es umso spritziger.

«

Sie drückte mit ihrer Zungenspitze mehrmals von innen gegen die Wange – die Geste wurde verstanden. Miriam sah, wie Bewegung in die Gärtnertruppe kam, dann erschien vor ihrem inneren Auge das Bild der satt orangefarbenen Lippen, die sich lüstern öffneten. Eine feuchte Zungenspitze leckte über den O-förmigen Mund und verschwand dann lockend in der warmen Höhle. Mit geschlossenen Augen fühlte Miriam, was sie mit ihrem inneren Auge sah: Heißes, pochendes Fleisch drängte in ihren Mund, verschaffte sich Platz und stob tiefer in den engen Schlund.

Die Lippen schlossen sich dankbar um den Fremdling und die Zungenspitze kreiste um die Speerspitze, tauchte leicht in das kleine Löchlein ein und gierte nach dem Saft der daraus hervorsprudeln sollte.

Für den Autoverkäufer war es ungestüme Triebbefriedigung, als der erste Kerl seine harte Latte in den offenen Mund der Blondine schob und sie mit heftigen Fickstößen forderte. Der Kerl griff durch das Wagenfenster, legte seine Arbeiterpranke auf ihren Hinterkopf und nahm sie hart in den Mund.

Sie streckte den Kopf aus dem Wagenfenster und verhielt sich passiv, war einfach nur Mund und genoss es. Diese groteske Situation wäre die perfekte Gelegenheit zum Flüchten, dachte sich der Autoverkäufer, aber er verharrte mit erhobenen Handflächen auf dem Beifahrersitz und sah seinen eigenen, zum Bersten prallen Schwanz. Eine unüberlegte Bewegung könnte das Fass zum überlaufen bringen, einzelne Tropfen flossen schon über den Rand – warum war sein Körper so geil?

Der erste Kerl ergoss sich in ihr, trommelte dabei mit der Hand auf dem Wagendach herum und machte einen Schritt zurück.

Miriam schluckte genüsslich und wischte sich die Speichelfäden vom Kinn. Sie verharrte mit offenem Mund und sinnlich geschlossenen Augen in dieser Pose. Der nächste Schwanz war Dicker, aber nicht so feurig. Ihre Lippen spannten sich um den Schaft. Sie saugte die Eichel tief ein und schnaufte erregt durch die Nase. Es brauchte nicht mehr viel, aber es war viel. Miriam musste zweimal Schlucken und brauchte ein paar Atemzüge um ihre Contenance zu wahren.

»Komm doch raus zum Spielen, es ist schönes Wetter«, sagte einer der Kerle.

Sie ließ die Augen geschlossen, leckte über ihre geöffneten Lippen und schüttelte mit dem Kopf. Die Geste stellte klar, wer hier die Regeln machte. Entweder der Schwanz kam zu ihr oder eben nicht. Er kam zu ihr. Die heiße Spitze küsste ihre Lippen und stupste dann gegen ihre Nase. Miriams Zunge schnellte hervor, gab ihm einen Vorgeschmack auf die möglichen Sinnesreize und schnappte dann nach der Eichel. Sie war nicht in der Stimmung für neckische Spielchen.

So sinnlich und erregend es auch sein mochte, sie wollte jeden Tropfen, nicht für sich sondern für dasAndere.

Der vierte war eine Naturgewalt und bestätigte die Regel, dass das Beste zum Schluss kam. Mit Genuss fühlte Miriam, dass ihre Mundhöhle gerade ausreichte, um die harte Spitze aufzunehmen. Sie presste ihre Lippen hinter der Eichel, an der engsten Stelle des Schaftes, zusammen und quälte den Hengstschwanz mit leichten Kieferbewegungen. Druck erzeugte Gegendruck, das Monster wurde noch härter, begann zu pumpen und feuerte ihr die heiße Ladung gegen das Gaumenzäpfchen.

*

Miriams Kopf ruhte auf ihrem Unterarm, der auf dem offenen Fensterrahmen der Autotür lag, als sie die Augen öffnete und die vier Kerle mit verklärtem Blick anschaute. Mit der anderen Hand winkte sie verträumt zum Abschied.

»Bist du öfter hier?«, wurde sie gefragt und bekam einen Zettel mit einer Handynummer gereicht.

»Wir sind zufällig hier vorbeigekommen«, sagte Miriam ohne den Zettel anzunehmen.

»Was für ein abgefuckter Penner!«, sagte der Kerl mit der Telefonnummer und zeigte auf den Autoverkäufer, »hat ne Protzkarre und geilt sich daran auf wie seine Schlampe andere Schwänze lutscht!«

Er wendete den Blick vom Autoverkäufer ab und schenkte Miriam ein entschuldigendes Lächeln.

»Das mit der Schlampe war nicht so gemeint, aber…«

»… das sagt man halt so«, fügte Miriam verständnisvoll nickend hinzu und schaute ihnen nach, als sie wieder in ihren Kleinbus einstiegen.

Mit einem glücklichen Seufzen drehte sie den Oberkörper vom Fenster weg und setzte sich ordentlich auf den Fahrersitz. Sie zog die weißen Handschuhe straff, bis sich die Konturen ihrer Fingernägel durch den Stoff abzeichneten und sagte mit nüchterner Tonlage zu ihrem Beifahrer: »Es macht wirklich den Anschein, als wären sie ein abgefuckter Wichser, der sich über sein Fahrzeug und eine aufreizende Begleitung definiert. «

»Ich weiß nicht was sie von mir wollen und was das für Probleme sind, die sie quälen, aber bitte tun sie mir nichts.

«

»Ssssch«, machte Miriam und spitzte ihre Lippen zu einer Zuckerschnute, die sich langsam in seinen Schoß absenkte.

Das genüssliche Schmatzen zwischen seinen Beinen ließ es noch einmal schlimmer werden, bevor er eine eruptive Erleichterung verspürte, die ihn für diesen Moment wieder mit der Welt ins Reine brachte. Endlich entlud sich, was schon seit einer gefühlten Ewigkeit heraus wollte. Und es ging kein Tropfen daneben, sie saugte sogar noch als es nicht mehr zu holen gab.

Er zappelte mit den Beinen und flehte um Gnade, ehe sie den Kopf hob, ihn anlächelte und herzhaft Schluckte. Ihr Lächeln hielt an, bis es ihn ansteckte. Er lächelte zurück, sie fuhr ihm mit zwei Fingern liebevoll über die Stirn, strich ein paar Haare nach hinten zu den anderen und neigte den Kopf charmant zu Seite.

»War doch gar nicht so schlimm, oder?«

Grinsend schüttelte er den Kopf und empfand nichts als Glück, wenn er in ihre Augen blickte.

Sie war nicht böse, sie war nur anders – irgendwie.

*

Auf dem Rückweg fand er es gar nicht schlimm, dass sie den Wagen fuhr. Ihr Fahrstil war rasant, aber nicht mehr so todesverachtend wie vor der Rast. Die 18 Zylinder schnurrten rau auf, als sie den Wagen in die Einfahrt des Autosalons lenkte und fast an der gleichen Stellen zum Stehen kam, an der sie heute Morgen losgefahren waren.

»Es ist nichts schlimmes passiert, oder?«, fragte Miriam besorgt. Der Autoverkäufer schaute sich im Innenraum um und konnte tatsächlich keinen Makel finden.

»Nein«, antwortete er.

»Werden sie mir Ärger machen?«, frage Miriam und zupfte sich die Handschuhe von ihren langen Fingern. Der Autoverkäufer zog den Kopf ein. Die Frage könnte eine subtile Drohung sein. Er schüttelte den Kopf und gestand: »Mein Chef hat wenig Verständnis für solche Unregelmäßigkeiten.

«

»Ich verrate nichts«, versprach Miriam, stieg aus dem Auto, schlug die Tür zu und lief leichtfüßig vom Gelände des Autohauses.

*

Es war Mittagszeit. Miriam lief durch die Stadt und sah einen Straßenimbiss. Sie kaufte ein großes belegtes Baguette, aß es beim Laufen und dachte nach, als der Mund mit den orangefarbenen Lippen wieder vor ihrem inneren Auge erschien und sich ihr hungrig entgegen reckte.

Sie schüttelte mit dem Kopf, um das Bild zu vertreiben.

»Du hast mir nichts zu sagen«, flüsterte sie.

‚Komm zu mir‘, sagte die knorrige Stimme in ihrem Kopf. Aber Miriam ging nicht darauf ein. Den ganzen Morgen hatte sie sich wie eine hungrige Löwin gefühlt – das war nicht sie, das war dasAndere. Jetzt war sie in allen Belangen satt und das Andere musste lernen sich zu gedulden.

Es gab noch ein Verlangen in Miriam, das so zart und zerbrechlich war wie eine Schneeflocke im Sommer. Aber gerade deshalb musste sie sich darum kümmern.

***

Mittwochs Ruhetagstand am großen Portal des naturkundlichen Museums. Miriam spürte ein flaues Gefühl im Magen und ließ den Kopf sinken. Die Schneeflocke zerfloss in ihrem Herzen. Obwohl es nicht Svens Schuld war, machte sie ihn mitverantwortlich: Er hätte ja einen Treffpunkt vorschlagen können.

‚Wie doof muss ich eigentlich sein, um wegen eines belanglosen Flirts durch die halbe Stadt zu laufen?‘, fragte sie sich und tapste die Stufen mit hängenden Schultern hinab. Sie erreichte den Gehsteig und atmet tief durch, als sie eine aufgebrachte Stimme hörte.

»Aaaah! Achtung!«, rief jemand hinter ihr. In einem Reflex drehte sie den Oberkörper, streckte die Arme aus, packte den jungen Mann und riss ihn von seinem Skateboard. Der Schmerz in ihrer Schulter war ausgeblendet — sie musste funktionieren.

Die Handgriffe, die einen Angreifer in Sekundenschnelle entwaffneten und handlungsunfähig machten, hatte sie so oft trainiert, dass der Ablauf erst stoppte, als die potenzielle Bedrohung unter Kontrolle war. Miriam erkannte Svens erschrockenes Gesicht erst, als er am Boden lag und sie ihr Knie auf sein Brustbein drückte.

»Verdammt … Oh! … Hallo«, sagte Sven verdutzt. Die Anspannung wich aus Miriam und verwandelte sich in ein glückliches Lachen.

»Du hast mich erschreckt«, sagte Miriam, um ihre stürmische Reaktion zu rechtfertigen.

»Ja«, sagte Sven verdutzt und blickte in Miriams Gesicht, das über ihm schwebte, und mit der großen Sonnenbrille, wie der Kopf eines Insekts aussah. Sie ließ ihr Knie von seiner Brust rutschen und thronte breitbeinig auf seinem Bauch, die nackten Knie ruhten links und rechts neben ihm auf dem Boden. Er griff nach Miriams Sonnenbrille und zog sie vorsichtig aus ihrem Gesicht.

»Was hast du vor?«, frage sie und sah die Antwort in seinen Augen.

Seine Hand legte sich zärtlich in ihren Nacken, sie kam ihm entgegen und küsste ihn. Die genießerischen Kopfbewegungen setzten sich über Miriams Rücken fort und ließen ihr Becken sanft kreisen. Die Hotpants aus Jeansstoff spannten sich über ihrem Po, den sie den Passanten unbefangen entgegen reckte. Die empörten Bemerkungen einer älteren Frau steigerten Miriams Erregung nur, während sie sich dem unerwarteten Kuss dieses frechen Typen hingab.

Svens Lippen glänzten feucht von dem leidenschaftlichen Kuss, als er flüsterte: »Wow, machst Du das immer so?«

Er versuchte zu verstehen, was in der letzten Minute geschehen war: Dieses Babe war tatsächlich noch mal vor dem Museum aufgetaucht, hatte ihn aufs Kreuz gelegt und ihm einen Kuss gegeben, der Sterbende ins Leben zurückholen konnte — nein, er hatte sie ja geküsst.

»Nein, ich mach das nicht immer so«, sagte Miriam und spitzte ihre Lippen nachdenklich. »Normalerweise bin ich nicht so«, stellte sie überrascht fest.

»Da habe ich ja Glück. «

»Vielleicht. «

»Ich will nicht ins Museum«, sagte Sven und fühlte sich sehr wohl in den Armen dieses Babes.

»Wir können auch in den Park gehen und Enten füttern«, schlug Miriam vor.

Sven strahlte sie entgeistert an und schwieg.

»Was ist?«, fragte Miriam.

»Du hast mich gestern so geil verarscht: Ich dachte echt, dass du schüchtern bist. «

»Ich habe dich nicht verarscht, du hast mich nur auf dem falschen Fuß erwischt«, versuchte Miriam zu erklären, aber sein Grinsen zeigte ihr, dass er mit den Gedanken ganz woanders war.

*

Sie rollten auf Svens Skateboard über den leicht abschüssigen Fußweg, der sich in sanften Kurven durch den Stadtpark zum See hinunter schlängelte.

Sven saß vorne und lenkte, Miriam saß auf Tuchfühlung hinter ihm und versuchte, die Balance zu halten. Sie feixten wie Kinder und merkten zu spät, dass sie mit zunehmender Fahrt auf den See zurasten. Sven neigte den Oberkörper hart zur Seite und steuerte das Skateboard auf die Wiese, um nicht in den See zu rasen. Sie überschlugen sich und Miriam fiel auf ihre verletzte Schulter. Sie schrie auf vor Schmerz und musste dennoch lachen, als sie auf der Wiese saß und ihre Sonnenbrille schräg über dem Gesicht hing.

Sven setzte sich hinter sie ins Gras.

»Hast du dich verletzt?«

»Ich glaube schon. «

»Lass` mich mal sehen«, sagte Sven und schob den Stoff ihres Oberteils über ihre Schulter.

»Kennst du dich mit Sportverletzungen aus?«

»Nein, ich will dir nahe sein«, flüsterte Sven mit unbefangener Ehrlichkeit.

»Du willst mir nahe sein?«

»Ja.

«

»Nahe sein«, sprach Miriam verträumt und lehnte sich an Svens Oberkörper. Er deckte ihre nackte Schulter mit Küssen ein.

»Hilft es schon?«

»Nein, aber mach bitte weiter. «

Sven saß mit angewinkelten Beinen an einen Baum gelehnt und hielt Miriam in seinen Armen. Sie lehnte mit dem Rücken an seiner Brust, verschränkte ihre Finger spielerisch mit seinen, und genoss die sanften Küsse, die er mit zarten Lippen hinter ihrem Ohr platzierte.

»Was machst du?«, fragte sie und fuhr mit ihren Fingerkuppen über die Schwielen seiner Handinnenfläche.

»Ich studiere, aber die Schwielen kommen von meinem Hobby: Ich baue Skulpturen aus Stahl. «

»Was sind das für Skulpturen?«

»Meistens Insekten, oder Fantasiewesen, je nachdem was mir einfällt. «

»Cool, kann ich die mal sehen?«

»Ja, klar. «

»Was studierst du?«, fragte Miriam.

»Informatik. «

»So siehst du gar nicht aus. «

»Das sagt mein Prof. auch immer. «

Miriam sah ihm in die Augen. Er küsste sie und Miriam fühlte darin die gleiche Zuneigung, die sie für ihn empfand.

»Das geht so schnell«, dachte Miriam laut.

»Ich dachte, du willst es«, sagte Sven.

»Du hast schon wieder gedacht?«

»Nein«, antwortete Sven, »eigentlich habe ich aufgehört zu denken, seit du mich vor dem Museum geküsst hast.

«

»Es fühlt sich gut an, stimmt´s?«, fragte Miriam unsicher und war erleichtert, als Sven vorbehaltlos nickte und ihr durchs Haar fuhr.

»Und was studierst du?«, fragte Sven. Miriam zuckte mit den Schultern und wunderte sich über seine trügerische Sicherheit, dass sie Studentin war.

»Das Leben. «

»Philosophie?«

»Ja«, hauchte Miriam, »auf einer sehr praktischen Ebene … vielleicht.

«

Sven fragte nicht weiter nach und sie beließ es bei dieser vagen Aussage. Es war viel schöner, in seinen Armen zu liegen, als den Tag mit verwirrenden Erklärungen zu verderben.

‚Das Leben ist so zerbrechlich‘, dachte Miriam und schweifte in Gedanken ab.

***

Sie war von einem Militärhubschrauber auf einer Insel in Indonesien abgesetzt worden und musste sich mit einer Gruppe Hilfspolizisten durch unwegsames Gelände kämpfen.

Die Männer waren nervös, sie wussten, dass ihre fremde Begleiterin anders war, und dass es nicht mit rechten Dingen zuging. Als sie das Wohnhaus einer Tabakplantage erreichten, musste Miriam die Männer überreden, draußen zu warten. Im Eingang vernahm sie den unverwechselbaren, verlockenden Duft, den junge Drohnen absonderten.

Das Hausmädchen war mit einem Ei, einer Datenkapsel der Roten Königin, in Kontakt gekommen. Sie war, wie alle Menschen, machtlos gegen diese verlockende Gefahr und hatte die Umwandlung zur Drohne bereits vollzogen.

Als sie Miriam erblickte, bäumte sie sich vor Lust auf, in der Hoffnung, von der Königin aufgenommen und geführt zu werden.

Miriam schloss die Haustür, knöpfte ihr khakifarbenes Hemd auf und zügelte ihre fürsorglichen Instinkte, als die Drohne zu ihr kam und unterwürfig an ihren Brüsten saugte. Miriams Aussehen wechselte von ihrer menschlichen Erscheinung zur Blauen Königin. Die Veränderung setzte durch die Stimulation der Drohne ohne Miriams Zutun ein. Sie widersetzte sich dem Wandel nicht und legte ihre schwarzen Hände mit den blau erstrahlenden Fingernägeln auf die Wangen der Drohne.

Die Königin führte das Geschöpf zurück in den Schlafraum, zurück auf das Bett mit den zerwühlten Laken. Alles musste zurück, auf den Anfang gestellt werden — auf das Davor.
Die Drohne lag breitbeinig schmachtend vor Miriam auf dem Bett und bot sich an. Miriams Lippen zitterten, das Ziehen in ihren Brustwarzen entlockte ihr einen gehauchten Laut. Jung, gesund und willig: Welche Königin konnte da widerstehen?

Die Blaue Königin schmiegte sich an den nackten Leib der Drohne und bedauerte für einen gehauchten Moment, nicht so leben zu können, wie es ihre Art bevorzugte.

Sie presste ihre blauen Lippen auf den schwarz glänzenden Mund der Drohne und schob ihre Zunge sinnlich vor. Für einen Augenblick glaubte diese, den Kuss ihrer Königin zu empfangen, doch Miriam verwehrte ihr diesen Wunsch und beließ es bei einem gewöhnlichen Kuss. Sie blickte der Drohne tief in die Augen, aufrichtig, wissend, aber blind für die Bilder im Inneren, da sie zum damaligen Zeitpunkt die visionäre Bildsprache ihrer eigenen Art nicht sehen konnte.

Miriam fühlte die genetischen Schlingen und trennte Menschliches vom Rest, wie ein Blinder, der eine Bombe nach Gefühl entschärfte.

Diese Rückentwicklung, zurück zum Menschen, war nur innerhalb der ersten Stunden möglich, bevor sich die genetischen Veränderungen unwiederbringlich manifestierten. Die Drohne wand sich unter dem intensiven Kuss, ahnte eine erneute Veränderung, und schüttelte den Kopf.

‚Du bist mit freiem Willen geboren, du wirst nichts vermissen, wenn du ausgeschlafen hast. ‚

Miriams Gedanken erreichten den vernebelten Geist der Drohne und trafen auf Abneigung und Entsetzen.

‚Ich will nicht‘, flehte das Geschöpf und war bereits wieder mehr Mensch als das Andere, denn das Andere würde sich nie dem Willen der Königin widersetzen.

Das Geräusch von splitterndem Holz zerstörte Miriams Konzentration. Hastig gerufene Befehle und Feuersalven durchbrachen die Stille. Ein Mob aufgebrachter Feldarbeiter stürmte das Haus, Gewehrkugeln schlugen Splitter von Ziegelsteinen aus der Wand. Miriam rettete sich mit einem Satz aus dem Fenster und fühlte heißes Blut auf ihren Rücken spritzen. Das Hausmädchen starb, kurz bevor es von Miriam gerettet werden konnte.

***

Ein Fluchtreflex zuckte durch Miriam, als sie aufwachte.

»Sssch, alles gut«, sagte Sven und strich ihr durch die Haare.

»Hab ich geschlafen?«, fragte Miriam, blinzelte und versuchte, sich zu orientieren. Sie waren noch im Park unter der großen Linde, und sie lag in Svens Armen.

»Ja, du bist kurz eingenickt. Sorry, das passiert mir öfter bei Frauen«, flüsterte Sven und zwinkerte ihr zu.

»Entschuldigung, die letzte Nacht war sehr kurz«, sagte Miriam und rieb sich die Augen.

»Du hast im Schlaf so friedlich ausgesehen, dass ich dich gar nicht wecken wollte. «

Miriam saugte sich an seinen Lippen fest. Andere Mädchen mochten solche Erfahrungen früher machen, sie verliebte sich zum ersten Mal im Ruhestand.

*

Sie fütterten Enten mit altem Brot, das ein findiger Händler am Seeufer verkaufte, aßen Eis und leckten es sich gegenseitig von der Nasenspitze, lachten, küssten und scherzten, bis die Bäume lange Schatten warfen.

»Bist du vorhin zufällig am Museum vorbeigekommen?«, fragte Miriam schüchtern.

»Hm, war wohl der gleiche Zufall, der dich dort hingeführt hat«, sagte Sven. Er legte seinen Arm um ihre gesunde Schulter und zog sie auf der Parkbank nahe zu sich heran. Miriam senkte ihre Lider und genoss die tief stehende Sommersonne auf ihrem Gesicht.

Der Mund mit den orangefarbenen Lippen erschien vor ihrem geistigen Auge.

Die Lippen waren nicht mehr so voll und glänzend wie heute Mittag, sondern wirkten spröde und rissig. Der Mund formte ein einziges Wort: ‚Hunger!‘

»Darf ich dich zum Essen einladen?«, fragte Sven.

»Ja … gerne, woher wusstest du … «

»Du hast doch eben gesagt, dass du Hunger hast. «

»Oh! Ist mir gar nicht aufgefallen. «

*

Sie saßen bei Burger King und Sven staunte, als ein Burger nach dem anderen in Miriams Mund verschwand.

»Ich hole mir noch ein paar Apfeltaschen, möchtest du auch welche?«, fragte Miriam. Sven schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Er rang mit seinem Menü und konnte sich nicht vorstellen, je wieder Hunger zu haben.

»Wo futterst du das alles hin?«

»Hm?«, antwortete Miriam und verschwand kurz, um ihren Nachtisch zu holen.

Als sie wiederkam, setzte sie sich neben Sven und schmiegte ihren Kopf in einer vertrauten Geste an seine Schulter.

»Essen ist etwas Wunderbares, aber mit jemandem zusammen zu essen, ist das Tollste überhaupt«, gestand Miriam kauend. Ihr Atem roch nach Apfelaroma.

»Es gibt außer essen noch so einiges, was zu zweit Spaß macht«, flüsterte Sven mit einem charmanten Lächeln. Er wischte sich den Mund ab und schob das Tablett zur Seite. Miriam kicherte, blickte dann aber verlegen unter den Tisch.

»Mit dir essen zu gehen, macht wirklich Spaß.

Ich möchte dich mal in ein richtiges Restaurant einladen«, sagte Sven, als er erkannte, dass Miriam nachdenklich wurde. Sie blickte ihn mit großen grünen Augen an, bannte ihn mit einem unbefangenen Lächeln und fragte: »Ein Restaurant mit Tischdecken und richtigem Geschirr?«

»Ja!«

»Wo man das Essen gebracht bekommt und mit Besteck isst?«

»Ja, und die Getränke sind in echten Gläsern«, lachte Sven verwundert.

»Ganz schön mutig«, antwortete Miriam und blickte ihn über die hochgezogene Schulter an.

»Baby, mit dir würde ich mich das trauen. «

Miriam schloss die Augen und wartete zwei Atemzüge, dann fühlte sie Svens Lippen auf ihren. Sie schmolz in seinen Armen und schob ihre Zunge ungestüm vor. Sven hauchte erschrocken und ging dann auf das Spiel ein. Es war ihr zweites Treffen mit Sven und sie hatte seinen Schwanz noch nicht einmal gesehen. Einem Teil von ihr kam das schrecklich ineffizient vor.

Aber das Mädchen in ihr erwachte aus einem viel zu langen Schlaf und hoffte, dass längst vergessen geglaubte Wünsche in greifbare Nähe rückten.

Als sich Miriam auf seinen Schoß setze, ihr Becken lustvoll kreisen ließ und ihn leidenschaftlich küsste, machte sich Sven kurz Sorgen, ob das Ärger mit den anderen Gästen oder der Restaurantleitung geben könnte. Dann schloss er seine Arme um ihre schlanke Taille und zog sie fest zu sich heran.

»Du bist der Hammer!«, hauchte Sven zwischen zwei feuchten Küssen.

»Ich spüre es«, flüsterte Miriam und presste ihr Becken fest gegen Svens Schoß, rieb mit ihrem Unterleib über die harte Beule in seiner Hose und küsste ihn, bevor er die Situation zerreden konnte.

Mit geschlossenen Augen konzentrierte sie sich nur auf das Spiel ihrer Zungen und fand es unglaublich frustrierend, dass sie hier in dem Fast-Food-Restaurant nicht weitergehen konnte.

Sie wollte sich und Sven ausziehen, seine Haut auf ihrer spüren und …

»Wir werden heute keinen Sex haben«, dachte sie laut.

»Nein«, sagte Sven und es war nicht eindeutig, ob er das fragend oder als Bestätigung ihres Gedanken sagte. Miriam fuhr mit ihren Fingern in das wuschelige Haar seines Hinterkopfes und presste ihre Lippen für einen weiteren langen Kuss auf seine. Ihre Beckenbewegungen rieben quälend intensiv über seine Erektion, und Sven keuchte in ihren offenen Mund: »Das ist so geil, dass es wehtut.

«

»Meinst du, mir geht es besser?«, fragte Miriam, »soll ich aufhören?«

»Nein, aber bei dem Tempo kommt es mir in der Hose … «

»Versprochen?«, fragte Miriam tollkühn und atmete erregt aus. Sie senkte ihren Kopf, wie ein Raubtier, seinen Lippen entgegen, saugte an seiner Unterlippe, und schob ihre Zunge erneut in seinen Mund. In diesem Moment erschien vor ihrem inneren Auge das Bild der orangefarbenen Lippen.

Diesmal waren die Lippen spröde und rissig, wie bei einem Verdurstenden kurz vor dem Tod. Die Mimik dieser Lippen signalisierte höchste Not und flehendes Bitten. Die Geräusche dieser Vision erstarben in einem jämmerlichen Wimmern.

Miriam beendete den Kuss mit Sven so abrupt, dass er sie mit offenem Mund und vorgestreckter Zunge verwundert anschaute. Die Pupillen ihrer grünen Augen waren vor Erregung geweitet und doch umspielte Furcht ihre Augenlider.

»Ich muss los!«, sagte Miriam und rutschte von Svens Schoß auf den Sitzplatz neben ihm.

»Habe ich was falsch gemacht?«, fragte Sven, da er Miriams Verhalten nicht nachvollziehen konnte.

»Nein«, sagte Miriam mit gesenktem Blick, »ich glaube, du kannst gar nichts falsch machen, du musst nur ein wenig Geduld mit mir haben. «

»Geduld?«, stutzte Sven und schaute wie ein überfahrenes Reh.

Sie nickte verlegen und biss sich auf die Unterlippe, gleichzeitig rutschte sie unruhig auf ihrem Sitzplatz herum.

»Ich habe noch nicht so viel Erfahrung mit … «, Miriam atmete aus und blicke ihn direkt an, »ich will dich so bald wie möglich wiedersehen, aber jetzt muss ich dringend nach Hause. «

Als Miriam aufstehen wollte, legte er seine Hand auf ihren Arm.

»Ich habe nicht mal deine Telefonnummer. «

Miriam lächelte verlegen, kramte in der Hosentasche ihrer abgeschnittenen Jeans und drückte Sven eine SIM-Karte in die Hand.

»Frag nicht warum, ich erkläre es dir später: Meine Nummer ist auf der Karte gespeichert, verwende nur diese Karte, wenn du mich anrufst. «

*

Sven blickte ihr nach, als sie mit geschmeidigen Bewegungen aus dem Restaurant joggte und im Gewirr der Passanten unterging. Er drehte die SIM-Karte ungläubig in seiner Hand und steckte sie in die Hosentasche. Dann räumte er den kleinen Berg aus Verpackungsmüll auf sein Tablett, um den Tisch halbwegs sauber zu hinterlassen.

Er blieb noch sitzen und wartete, bis seine Erektion auf ein erträgliches Maß abgeschwollen war. Seine sorgsam arrangierte Strubbelfrisur war einem wirren Chaos gewichen, und in seinem Kopf sah es nicht viel anders aus.

***

Miriam fehlte die Geduld, auf die nächste S-Bahn zu warten. Sie rannte die zwei Stationen, die sie hätte fahren können. Nach einige Minuten öffnete sie ihre Wohnungstür, eilte den Gang entlang und blickte besorgt in den Raum mit der Pflanze.

Die Blüte hing leicht nach unten und die Blätter sahen an den Spitzen verwelkt aus, aber es zogen sich fein verästelte blaue Linien über den orangefarbenen Grundton. V’nyx der IV. würde seinen orangen Farbton niemals ganz aufgeben, aber er war ihr ein Stück weit entgegengekommen.

»Ein Kompromiss ist, wenn keiner zufrieden ist«, sagte Miriam und ging vor V`nyx dem IV. in die Knie. Ihre Speicheldrüsen sonderten die Essenz des heute gesammelten Spermas ab, sie sammelte es in ihrer Mundhöhle, spitzte die Lippen und schob der Blume ihren Kopf entgegen.

In einem letzten Aufgebot der Kräfte schnellte die Blüte den Lippen der Königin entgegen, schob ihren Stempel in den Mund und nahm das Geschenk entgegen.

Miriam empfand Glück und hauchte erregt durch die Nase aus. Sie schloss ihre samtweichen Lippen um den kleinen Stempel und … zuckte erschrocken, als sich die Blütenblätter an ihr Gesicht schmiegten. Die eben noch welken Spitzen krallten sich mit beachtlicher Kraft an ihren Wangen fest.

‚Mistkerl!‘, dachte sie, ‚so schwach warst du also doch nicht. ‚

‚Ich muss dir etwas zeigen‘, erklang die Stimme von V’nyx dem IV. in ihrem Kopf. Miriam fühlte sich überlegen und verharrte aus Neugier, als die detailreichen Bilder der Anderswelt vor ihr erschienen.

*

Die dichte Vegetation aus bizarren Pflanzen erschien in dunklen Grautönen. Warum waren sie nicht satt schwarz oder bunt, wie früher? Nackt, in der Erscheinung der Blauen Königin, irrte sie durch das fremde Land.

Augen folgten ihr in der Dunkelheit auf ihrem ziellosen Weg durch die ungewohnt feindselige Umgebung. Ein Geräusch ließ sie aufblicken, eine Berührung in der Kniekehle weckte den Fluchtinstinkt. Sie rannte! Die blaue Königin irrte durch die Nacht mit grauen Gefahren, wich Schlingen und herabfallenden Ranken aus. Fleischige Zweige peitschten gegen ihren Leib, trieben sie in unwegsameres Gelände. Sie taumelte, fiel nach vorne über in eine morastige Pfütze und wurde von Wurzeln am Boden gehalten.

Dunkle Wesen kamen aus den Schatten. Fremde Gestalten gierten mit ihren stumpfen Augen auf die blauen Linien der Königin. In der Gruppe wagten sie sich näher und streckten ihre Hände nach ihrem Leib aus. Miriam fühlte Angst und Unverständnis, wand sich in ihrer Fixierung und begriff die Ausweglosigkeit dieser Situation. Als Drohne hatte sie die fordernden Spiele genossen, sich unbefangen und neugierig, mit Lust auf alles eingelassen, was ihr diese Welt abverlangte.

Diesmal hatte sie etwas zu verlieren — ihre Farbe! Zungen leckten über ihren Körper, zogen feuchte Spuren über ihren Rücken und kreisten über die prallen Pobacken.

In einem impulsiven Kraftakt bäumte sie sich auf. Die dunkle Masse wich erschrocken zurück. Es gelang ihr jedoch nicht, sich aus der Falle zu befreien, der Kreis schloss sich wieder enger um die zappelnde Königin. Sie versuchte, einem der Wesen in die Augen zu blicken, um Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Aber ihr Geist empfing nur wirre Gedanken. Das Blau verblasste, die Kraft schwand aus ihrem Leib. Sie sank der Einfältigkeit entgegen.

»V’nyx, du hinterlistiges Biest!«, rief sie erschöpft. Sie war sich sicher, dass der Cerebrat, so klein er auch war, ihr eine Falle gestellt hatte.

***

In eigener Sache:

Ich bin, wie wahrscheinlich alle Autoren, geil auf Kommentare. Eine der größten Triebfedern ist die Frage: „Was werden die Leser dazu sagen?“.

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